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Bildmontage aus Titelseiten zweier Bücher und Portraitfoto der Autorin
Bildmontage aus Titelseiten zweier Bücher und Portraitfoto der Autorin
23.10.2021

„Ich folge einfach den Sätzen“

Alexandra Lüthen, Drittplatzierte des Literaturbewerbs leichte Sprache von Capito Wien im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I und mehr …

Alexandra Lüthen belegt mit ihrem Text „Bärenbrüder“ den dritten Platz beim erstmals ausgetragenen Wettbewerb „Literatur in Leichter Sprache“ von Capito-Wien. Letzteres ist ein professionelles, zertifiziertes Unternehmen zur Übersetzung von Texten eben in „Leichte Sprache“.

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … – mit einem eigenen Bereich „Einfach“ auf der Homepage – veröffentlicht Auszüge aus den Texten der drei Erstplatzierten eben in diesem Bereich. Hier folgen Interviews mit den drei Erstplatzierten – Link am Ende dieses Beitrages – das mit Alexandra Lüthen – per eMail geführt – hier.

Wie kamen Sie zum Schreiben generell und zu dem in Leichter Sprache speziell?
Alexandra Lüthen: Schreiben begleitet mich schon sehr lange. Es war immer eine selbstverständliche Tätigkeit für mich. Mit dem belletristischen Erzählen habe ich erst vor einigen Jahren begonnen. Ich liebe die unterschiedlichen literarischen Gattungen und Formen. Deshalb war 2014 ein Wettbewerb für Literatur in Einfacher Sprache eine gute Gelegenheit, auch diese Art von Sprache auszuprobieren. Es fiel mir leicht, leicht zu erzählen. Mein Text gewann den Wettbewerb und ein Verlag bot mir an, einen Erzählband zu veröffentlichen. So entstand „Bärenzart – Geschichten über die Liebe“. Seitdem ist das Erzählen in Einfacher Sprache eines meiner Arbeitsfelder geblieben. Ich habe zahlreiche Einzeltexte in Anthologien veröffentlicht, ein Sachbuch für den Duden Verlag geschrieben und in diesem Jahr einen weiteren Erzählband im Passanten Verlag veröffentlicht: Paradiesfedern.

Autorin Alexandra Lüthen beim Schreiben
Die Autorin beim Schreiben

Und was war die „zündende“ Idee für diesen Text?
Alexandra Lüthen: Es gibt bei mir keine zündenden Ideen. Mein literarisches Arbeiten ist eher eine Offenheit für Geschichten, die längst existieren. Ich folge einfach den Sätzen. Die Geschichte zeigt sich auch mir nach und nach. Meine Aufgabe sehe ich darin, der Geschichte die passenden Worte zu geben.

Das hört sich vielleicht seltsam an, aber ich denke mir nicht wirklich etwas aus. Diese Geschichte ist so vielleicht nie passiert und trotzdem ist sie wahr. Das sind für mich die besten Geschichten.

Die „Bärenbrüder“ liegen mir deshalb sehr am Herzen, weil sie genau in der Richtung liegen, in die ich mit meinem Schreiben weiterhin gehen will. Ein Text mit vielen Ebenen und Zugängen. Sprachbilder, die einerseits direkt und andererseits im übertragenen Sinne funktionieren. Eine Frau, die konkret sein kann oder auch ein Symbol für einen Konflikt. Auf diese Weise funktioniert Literatur in Einfacher Sprache dann wirklich inklusiv und kann ein gemeinsamer Erlebnisraum für Menschen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund, Bildungsniveau und Lesefertigkeiten sein. Das ist das, was ich mir von Literatur in Einfacher Sprache wünsche.

Autorin Alexandra Lüthen auf der Bühne

Was machen Sie beruflich? Haben Sie da mit Leichter Sprache zu tun?
Alexandra Lüthen: Ich bin Schriftstellerin und schreibe auch viele standardsprachliche Texte. Ich merke allerdings, dass die Einfache Sprache auf mein gesamtes Schreiben Einfluss nimmt. Mein Stil hat sich geklärt. Abgesehen vom literarischen Arbeiten gebe ich auch Workshops zu Einfacher Sprache. Entweder für Einrichtungen, die ihre Kommunikation mit Klient:innen vereinfachen wollen oder eben auch für Autor:innen, die sich für den literarischen Aspekt Einfacher Sprache interessieren. Ein besonders schöner Teil meiner Arbeit sind Lesungen. Die Lesungen in Einfacher Sprache haben nach meiner Erfahrung oft nochmal eine größere Intensität. Ich weiß nicht genau, woran es liegt. Eine gute Erzählung in Einfacher Sprache kann eine große Direktheit haben und eine starke Nähe erzeugen.

Wo leben Sie, wie – mit Büchern, Kindern, Tieren?
Alexandra Lüthen: Ich lebe in Berlin und finde die Stadt wunderbar für Menschen, die künstlerisch arbeiten. Berlin fordert große Toleranz und Offenheit und das halte ich für sehr gut. Jeden Tag zu erleben, dass es mehr als nur eine Wahrheit gibt, empfinde ich als ungemein erdend. Und natürlich: inspirierend. Womit wir wieder bei den Geschichten wären…

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Hier unten geht’s zu Auszügen aus dem preisgekrönten Text

Und hier geht es zu Interviews mit den beiden anderen Gewinnerinnen

Doppelseite aus dem Jugendbuch "Mein Plan B oder Wie ich zum ersten Mal Brausepulverkribbeln im Bauch hatte"
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