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Der Schriftsteller und Journalist liest aus seinen Büchern
Der Schriftsteller und Journalist liest aus seinen Büchern
18.09.2022

Poetisch-philosophisch-sinnliche Betrachtungen über Persönliches und die Welt

Lesung des derzeit in Berlin lebenden Schriftstellers und Journalisten Asef Hossaini im Rahmen der Ausstellung der Ausstellung Afghanistan – ein Jahr nach der neuerlichen Machtübernahme durch die Taliban.

„Auf dem Foto waren drei verschleierte Frauen zu sehen, die Angst hatten und sich darauf vorbereiteten, Aleppo zu verlassen, bevor die Kämpfe wieder ausbrechen. Eine der Frauen trug ein Kleinkind auf dem Arm und versuchte es zu beruhigen.

Es war ein normales Nachrichtenbild, nichts Besonderes, sicherlich kein Grund zu weinen; und doch hatte es mich tief berührt, weil ich das Gefühl hatte, es schon zig Mal gesehen zu haben. Der Gegensatz von nackter Gewalt und den mütterlichen Gefühlen war nicht auszuhalten. Den Frauen standen Angst und Güte zugleich ins Gesicht geschrieben und man erkannte bei dem Anblick sofort, dass es die einfachen Leute mit den einfachen Gefühlen sind, die die Last der großen geopolitischen Entscheidungen zu tragen haben.

Solch einen Exodus hatte die Welt schon Tausende Male gesehen. Die Moderne mit ihrer Arroganz denkt, sie hätte den Menschen neu erfunden und müsse ihn korrigieren. Was hatte uns das eingebrockt? Die Szenen der Flucht aus Polen, aus Vietnam, aus Afrika, aus Afghanistan und aus anderen Ecken der Welt, wie wir sie alle kennen … Mir war schon wieder zum Weinen zumute. Es drängte mich, die Ruinen meiner eigenen Stadt, mein eigenes Inneres zu verlassen und mich irgendwo in Sicherheit zu bringen. Vielleicht sehnte ich mich zurück in die Arme meiner Mutter, die Arme, die mich vor 35 Jahren fest gepackt und über die Grenze bei Taftan nach Iran hinein getragen hatten.“ (Seite 41)

Afghanistan – Iran – Deutschland – Abstecher nach Wien

Dieses lange Zitat stammt aus dem ersten Buch von Asef Hossaini, das auf Deutsch erschienen ist, „Persönliche Liebe; globalisiertes Leid“. Daraus hat der derzeit in Berlin lebende Schriftsteller und Journalist kürzlich Auszüge in Wien gelesen. Der bildende Künstler und angehende Deutschlehrer Zaker Soltani, dessen Ausstellung noch bis 22. September 2022 im Kunstraum Nestroyhof läuft – KiJuKU hat mehrmals berichtet – Links und Infos dazu unten, ebenso über das genannte Buch.

Lyrik

Der Maler war im Internet vor allem auf die Gedichte Hossainis gestoßen, die er in Dari/ Farsi/ Neupersisch veröffentlicht – in mehreren Büchern, aber auch online. Und er hatte sein Dichter-Idol gebeten, nach Wien zu kommen und im Rahmen der Ausstellung „Der Weg ins Chaos – Kabul 14. August 2021 / Kabul 15. August 2021“ (Tag/Nacht der neuerlichen Machtübernahme Afghanistans durch die Taliban) zu lesen. Das in einem steirischen Verlag – über persönliche Vernetzungen – erschienene Buch ist dabei erstmals öffentlich vorgestellt worden.

Roman

Hatte Asef Hossaini bisher Gedichte verfasst, so ist diese Buch eine Art episodenhafter Roman – und dennoch zieht sich die poetische Handschrift des Autors durch die rund 90 Seiten. Das im Zitat eingangs beschriebene Foto war dem Autor in seinem Job als Journalist untergekommen. Hossaini beschreibt aber nicht nur persönliche Schicksale solch tragischer Weltereignisse.

Vom Kleinen zum Großen und retour

Blitzlichter auf Situationen in Afghanistan, wohin er, der im Iran aufgewachsen ist, wohin seine Familie flüchtete als er ein Baby war, im Alter von 23 Jahren ging wechseln mit detailgenauer Schilderung von Kaffeehaussituationen in deutschen Städten ab. Breiten Raum nehmen die schönen Seiten einer intensiven, poetisch-philosophisch-sinnlichen Beziehung mit einer Frau namens Luna ein. Aber auch die (psychischen) Wunden, die er ihr offenbart und die wieder aufreißen, als die Beziehung zu Ende geht.

Stets schwingt Tiefgang mit, Oberflächlichkeit verabscheut der Autor als Schreibender und als Person. Der Mut, zu Gefühlen zu stehen und sich auch – zögerlich aber doch, dazu zu bekennen, Hilfe zu brauchen, kann vielleicht so manchen (jungen) Männern – aller kultureller Herkünfte – Mut machen, nicht immer den „starken Mann“ spielen zu wollen/müssen.

„Der Mensch ist eigentümlich: Schmerzt der Körper, schreit er; aber wenn die Seele strampelt, bringt er kein Wort heraus. Je schwerer die Verletzung, desto lauter der Schrei und desto tiefer das Schweigen.“ (Seite 76)

Follow@kiJuKUheinz

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Tisch mit den Büchern
Noch ist der Büchertisch recht voll – am Ende ziemlich leer. Lange Schlangen Interessierter holten sich nach der Lesung Autogramme in die gekauften Bände
INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Das Buch

Text: Asef Hossaini
(Die deutsche Fassung des von ihm auf Dari/ /Farsi/ Neupersisch verfassten Textes ist mit Hilfe des deutschen Übersetzungsfonds Berlin entstanden)
Persönliche Liebe; Globalisiertes Leid
90 Seiten
Liefbiz20 Verlag
16,99 €
eBook: 12,99 €

asefhossaini

Die Ausstellung

Zaker Soltani
Der Weg ins Chaos
Kabul 14. August 2021 / Kabul 15. August 2021

Wann & wo?

Bis 22. September 2022
Montag bis Samstag, 12 – 18 Uhr
1020, Nestroyplatz 1

kunstraum-nestroyhof

zaker soltani

Doppelseite aus dem Jugendbuch "Mein Plan B oder Wie ich zum ersten Mal Brausepulverkribbeln im Bauch hatte"
14.10.2022

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