Andreas Steinhöfels erster Band aus der „Rico und Oskar“-Reihe in einer teils rasanten, spannenden Inszenierung im Wiener Theater der Jugend.
Zwei, die in der Regel eher am Rande stehen (würden), Außenseiter sind – oder zu solchen gemacht werden -, stehen im Zentrum der mittlerweile auf fünf Bände (2020) angewachsenen Geschichten von Andreas Steinhöfel: Rico und Oskar. Zweiterer hochbegabt, aber so ängstlich, dass er nur mit Helm ins Freie geht. Ersterer – wie er sich selbst definiert – „tiefbegabt – nicht blöd, aber ein bisschen langsam im Denken“.
Der erste Band – „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ (2008) – läuft in einer Theaterfassung (Regie: Karin Drechsel) seit Kurzem auf der großen Bühne des Theaters der Jugend in Wien, im Renaissancetheater. Frederico Doretti wie Rico mit vollem Namen heißt, wohnt in einem Haus mit fast nur schrulligen Typen am unteren Rand der Gesellschaft. Und wird letztlich zum Helden, in dem er – mit Hilfe seinen neuen Freundes Oskar – den sogenannten „Aldi“-Entführer entlarvt. Benannt nach der Supermarktkette in Deutschland, weil er sozusagen zum Diskont entführt: 2000 € und die Eltern kriegen ihr Kind wieder. Noch dazu gibt der Entführer vor, einen pädagogischen Zweck zu verfolgen: Eltern sollten mehr auf ihre Kinder schauen.
Soweit die Grundgeschichte. Die Rico schon deswegen Kopfzerbrechen bereitet, weil seine Mutter sich diese Summe sicher nicht leisten könnte. Was, wenn er selbst entführt wird?
Paul Winkler besticht in der Rolle des Rico, weil er ihn glaubhaft spielt – sehr oft mit einem Schuss Selbstironie, aber die Figur selbst nie lächerlich macht. Ähnliches gelingt Etienne Halsdorf als Oskar. Obendrein ist beiden die jeweilige große Herausforderung gar nicht anzumerken, sie spielen überzeugend und mit einer gehörigen Portion Leichtigkeit.
Das gilt übrigens auch für die anderen Darsteller:innen Alexandra Weis (Ricos Mutter Tanja) und die anderen Bewohner des sich immer wieder drehenden Gang-Teils – mal die Türen von außen, mal Einsicht in die jeweiligen Wohnungen (Ausstattung: Christine Grimm) in dem Haus in der Berliner Dieffenbachstraße: Martin Winkelmann (als Simon Westbühl), Reinhold G. Moritz als Herr Fitzke, Frank Engelhardt (sowohl als Marrak als auch als TV-Moderator Ulf Brauscher) und nicht zuletzt für die recht schräge Frau Dahling (gespielt von Bettina Schwarz), bei der Rico mitunter Zuflucht sucht, wenn seine Mutter nicht da ist.
Aber wenn sie da ist, dann sind Rico und Tanja fast eher Kumpels als Mutter und Sohn – aber auch das in einer ehrlichen, glaubhaften Art und Weise. Sie lassen sich – trotz benachteiligter äußerer Umstände – nicht runterziehen, lieben das Leben.
Obwohl die Bücher für ab 10-Jährige geschrieben sind, schafft die Inszenierung – angegeben ab 6 Jahren – auch schon das jüngere Publikum die knapp mehr als zwei Stunden (eine Pause) dicht am Geschehen zu halten. Und das nicht nur durch die spannende Krimi-Handlung, in der sich der Täter schon lange vor der Auflösung verrät – auch für jene, die das Buch nicht vorher gelesen haben.
Bleibt vielleicht zu hoffen, dass von der Sympathie für Rico ein wenig mehr Offenheit für Außenseiter:innen im wahren Leben mitgenommen wird.
von Andreas Steinhöfel
Ab 6 Jahren; 2 Stunden
Regie: Karin Drechsel
Es spielen:
Frederico Doretti, genannt Rico: Paul Winkler
Oskar: Etienne Halsdorf
Tanja Doretti: Alexandra Weis
Frau Dahling: Bettina Schwarz
Simon Westbühl: Martin Winkelmann
Marrak / Ulf Brauscher: Frank Engelhardt
Herr Fitzke: Reinhold G. Moritz
Ausstattung: Christine Grimm
Licht: Karin Drechsel, Christine Grimm
Video: Felix Metzner
Dramaturgie: Britta Kampert
Hospitanz: Laura Döller
Aufführungsrechte: Verlag für Kindertheater Weitendorf GmbH
Bis 23. Jänner 2023
Renaissancetheater: 1070, Neubaugasse 36
Telefon: 01 521 10-0
tdj.at -> rico-oskar-und-die-tieferschatten
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