Kinder Jugend Kultur und mehr - Logo
Kinder Jugend Kultur Und mehr...
Szenenfoto aus "Auerochs Zehenbär und noch viel mehr"
Szenenfoto aus "Auerochs Zehenbär und noch viel mehr"
26.01.2026

Fantasievoll verspielte Liebeserklärung an Tiere, Pflanzen, Natur

Ausgehend von gedichteten tierische Monatsnamen spielen zwei Performerinnen und ein Musiker Auerochs, Zehenbär und noch viel mehr“.

Vor zwei Wänden mit Wiesenmuster und einigen dort hinein gesteckten künstlichen Blumen tauchen zunächst abwechselnd die beiden Performerinnen Regina Picker und Karin Steinbrugger wie aus dem „Nichts“ aus diesen Wiesen-Wänden auf. Ähnlich gekleidet, wirkt’s aufs erste, als würde sich die eine in die andere verwandeln.

Mit einem Schmäh steigen sie in Wortspiele, die sich durch das Stück ziehen, ein. „Auer“ – wie meist fast wie „Aua“ ausgesprochen – bringt die eine dazu, zu fragen, wo die andere denn Schmerzen habe. Auch wenn da schon klar ist, dass es eben um Auer… geht, heißt das Stück, das am letzten Jänner-Wochenende des nicht mehr ganz neuen Jahres (2026) im Wiener WuK Premiere hatte, „Auerochs, Zehenbär und noch viel mehr“.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Auerochs Zehenbär und noch viel mehr“

Doppelte literarische Anleihe

Die beiden Tiere haben sich die beiden, die das Stück entwickelt haben und gemeinsam mit dem Live-Musiker Carles Muñoz Camarero spielen, sozusagen doppelt ausgeborgt. Das Bilderbuch von Heinz Janisch und Michael Roher „Jaguar, Zebra, Nerz“ versammelt die von Christian Morgenstern (1871 – 1914) gedichteten zwölf Tiergattungen, mit denen er verspielt die Monate mit ähnlich klingenden Bezeichnungen benennt: Neben Jänner, Februar, März, die’s tierisch in Janischs und Rohers Buchtitel geschafft haben, noch: Mandrill, Maikäfer, Pony, Muli, Auerochs, Wespenbär, Locktauber, Robbenbär und schließlich Zehenbär für den Dezember.

Morgensterns Gedicht „Wie sich das Galgenkind die Monatsnamen merkt“ – nur mit den zwölf tierisch-verspielten Monaten, regte vor einem halben Jahrzehnt den bekannten Autor Heinz Janisch dazu an, jedem dieser Monate einen eigenen gefühlsstarken Text zu widmen. Und Michael Roher „übersetzte“ diesen in eine riesig erweiterte fantasievolle eigene Bildsprache. Neben den Monatsnamen waren das fantasievolle Spiel mit Worten und Bildern merkbar eine weitere Anregung für das nunmehrige genannte Stück.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Auerochs Zehenbär und noch viel mehr“

Loblied für die Natur

Doch Picker und Steinbrugger machten – im Wechselspiel mit Camarero – eine völlig neue Geschichte aus den Anregungen. Abgesehen davon, dass neben den beiden titelgebenden Tieren nur mehr das Zebra als weiteres der fantasievollen Monatstiere, dafür so manch andere vorkommen, lässt das Trio vor allem in die Schönheit und Vielfalt der Natur – von Tieren UND Pflanzen – eintauchen.

Es sei auch gar nicht so einfach gewesen, aus der Fülle der anregenden Wort- und gezeichneten Bilder dann zum eigenen Stück zu kommen, erzählt Regina Picker Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… nach einer der ersten Aufführungen. „Wir haben zuerst viele der Tiere gehabt, das war eindeutig zu viel, zu verwirrend. Wir mussten streichen, streichen, streichen. Das ist jetzt so ungefähr unsere 25. Fassung…“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Auerochs Zehenbär und noch viel mehr“

Ausgerottet, Versuch der Wiederbelebung

Konzentration auf wenige, um näher auf diese einzugehen einerseits. Der Auerochs hat’s dem Team deswegen angetan, weil es eines der ersten Tiere ist, das die Menschen ausgerottet haben. Seit mehr als zehn Jahren gibt es erfolgreiche Projekte, mühevoll in Naturparks vor allem mit Hilfe moderner Gentechnik – aus DNA von rund 7000 Jahre alten Fossilen – dass Auerochsen einigermaßen „rückgezüchtet“ werden konnten.

Dieser sorglose Umgang und die mühsame Arbeit, Natur (wieder) zu schützen, nicht zuletzt subtil und „nebenbei“ Klimakrise ins Spiel zu bringen, ist dem Team ein Anliegen – und kommt aber ganz ohne Zeigefinger, schön eingebettet in der Geschichte vor.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Auerochs Zehenbär und noch viel mehr“

Bunte Zehensocken

Als Gegenstück zur doch wuchtigen Hörnermaske sollte dann der Zehenbär in Erscheinung treten – mit bunten Zehensocken Pickers – und dem fast naheliegenden Wortspiel zu zehn – Fingern, Zehen, Blumen, Schritten rund um ein blaues Stück Stoff als „See“ oder „Meer“, naja jedenfalls „mehr“… Bis gar gegen Ende die Zuschauer:innen nach ihren Lieblingstieren gefragt werden. Vor allem der Komponist und Live-Musiker Carles Muñoz Camarero versucht, die Genannten mit Tönen auf dem Cello und einem eher ungewöhnlichen Instrument, einer schwedischen Nyckelharpa (Schlüsselharfe oder auch -geige), einem Mix aus Saiten- und Tasteninstrument, klingend und mimisch zum Bühnenleben zu erwecken.

kijuku_heinz

science.orf –> Auerochs 2.0

wikipedia –> Nyckelharpa

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Auerochs Zehenbär und noch viel mehr

Ab 3 Jahren; ca. 50 Minuten;

Konzept und Umsetzung: Regina Picker und Karin Steinbrugger
Performance: Carles Muñoz Camarero, Regina Picker, Karin Steinbrugger
Komposition: Carles Muñoz Camarero
Kostüme: Markus Kuscher
Paravents: Martin Weichselbaumer
Licht: Goran Peranović
Coaching Dramaturgie: Lorenz Hippe
Bewegungscoaching: Romy Kolb
Outside Eye (dramaturgische Beratung): Raffaela Gras
Produktion: Anita Gritsch
Probenassistenz: Theresa Steiner

Wann & wo?

Bis 28. Jänner 2026
WuK (Werkstätten- und Kulturhaus): 1090, Währinger Straße 59
wuk.at –> auerochs-zehenbaer-und-noch-viel-mehr

30. Jänner 2026
Junge Theater Wien
Liesing, Kulturzentrum F23: 1230, Gastgebgasse 4
ungetheaterwien.at –> auerochs-zehenbaer-und-noch-viel-mehr

13. März 2026
Open Stage von tanzland
Stiftskeller Schlierbach: 4553, Klosterstraße 3

reginapicker.at

carlesmunozcamarero.com