„Alice im Wunderland“ mit sehr junger Hauptdarstellerin im Wiener Kabarett Niedermair spielt sich „zu Hause“ ab.
Auf dem Schachbrettboden stehen eine Leiter und etliche weiße, große, ovale Kübel wie sie üblicherweise Farben beinhalten. Offenbar ist Ausmalen angesagt. Ein Mann in weißem Overall betritt pfeifend die Bühne, ein uraltes Radio in Händen, stellt dieses auf die Trittfläche der Leiter, hängte einen Schlüsselanhänger mit Flaschenöffner darüber, klappt einen Maßstab auf und beginnt sozusagen auszumessen, wo er wie streichen wird.
Es ertönt der bekannte Song „Living Next Door to Alice“ – ursprünglich von Nicky Chinn und Mike Chapman, weltbekannt geworden durch die britisch Band Smokie, noch berühmter geworden durch einen Zwischenruf aus dem Publikum bei einem Live-Auftritt mit der Frage, wer denn diese Alice sei, verbunden mit einem englischen F-Wort; was in später aufgenommenen Versionen gleich eingebaut wurde. Aus dem Radio ertönen aber auch Nachrichten, die von Hitzewellen, Überschwemmungen und anderen durch die Klimakrise hervorgerufenen Naturkatastrophen berichten.
Schon das Setting und erst recht dieser Song legen nahe, diese Version, geschrieben von Stefan Lasko, der auch die Musik beisteuerte, weicht doch etwas ab von Lewis Carrolls Fassung. Alice taucht als Tochter des ausmalenden Vaters auf, der sie als Zehnjährige mit zehn Zehen vorstellt. Ein krampfhaftes Wortspiel, das die Tochter mehr als peinlich findet – und auch so benennt. Übrigens sind die Darstellerin der Alice, Ilvie Moritz, und ihr Bühnenvater, Reinhold G. Moritz, in echt Tochter und Vater. Und spielen nicht zum ersten Mal gemeinsam Theater, wie die junge Hauptdarstellerin im Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… erzählt – unten am Ende dieses Beitrags verlinkt.
Ausgehend von dem folgenden Disput um groß und klein tauchen die beiden in der folgenden knappen Stunde in verschiedene Szenen von Carolls Wunderland (Regie: Caroline Richards) ein in dem Schrumpfung und rasantes Wachstum großen Raum einnehmen. Ilvie ist Alice – sowohl lebensgroß als auch als Stimme für eine kleine handliche Figur als Abbild von ihr. Mehrfach spricht sie auch das Publikum direkt an – unter anderem mit der Frage „kommt ihr mit ins Wunderland?!“ In mehreren Szenen singt sie ins Stück eingebettete Lieder. Jedenfalls füllt sie die Hauptrolle in all ihren Spielarten – ob im Wunderland oder als Tochter des ausmalenden Vaters – überzeugend aus.
Ihr Vater, ein begnadeter Rollenwechsler (legendär sein Ein-Personenstück „Die Wanze – ein Insektenkrimi“, Buch von Paul Shipton) springt und hoppelt vom sprechenden weißen Kaninchen mit der Angst zu spät zur Herzkönigin zu kommen gleich in deren Rolle. Besonders witzig ist er als sozusagen mit sich selbst streitende Zwillinge Diedeldum und Diedeldei. Dazu gibt er noch die Raupe, die personifizierte Teeparty und natürlich nicht zu vergessen die berühmte auch über die Alice-Geschichte hinaus verselbstständigte ewige Grinse-Katze.
Für die vielen Kostüme sorgte Sigrid Dreger. Und die riiiiesigen Füße, die in einer Szene von hinter der Bühne mitten auf diese ragen – um das Spiel zwischen Vergrößerung und Verkleinerung so gut sichtbar zu machen, gestalte Alois Ellmauer. Die Siebenschläfer Puppe stammt von Mary Jane Fritsch.
Natürlich endet diese Alice-Version wieder zu Hause – und als Gegenstück zur rein auf Rot fixierten Herzkönigin wird regenbogenbunt ausgemalt – und die Kraft des Wunderns und Staunens vor allem im Hier und Jetzt besungen.
nach Lewis Carroll; ab 5 Jahren; eine Stunde
Regie: Caroline Richards
Schauspiel: Ilvie Moritz, Reinhold G. Moritz
Text/Musik: Stefan Lasko
Kostüm: Sigrid Dreger
Assistenz: Cecile Püpke
Video: Patricia Melicha
Große Füße: Alois Ellmauer
Siebenschläfer Puppe: Mary Jane Fritsch
Bis 26. April 2026
Niedermair: 1080, Lenaugasse 1
Telefon: 01 408 44 92
niedermair.at –> alice-im-wunderland
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