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Fotos aus dem Benefizabend "Tagebücher des Maidan" in der TheaterArche (Wien)
Fotos aus dem Benefizabend "Tagebücher des Maidan" in der TheaterArche (Wien)
24.04.2022

Überleben zwischen zerrissenen Gräbern

Benefizabend mit „Tagbücher des Maidan“ von Natalia Vorozhbyt: Szenisch gelesen mit Live-Bandura-Musik und kraftvoller Tanzeinlage.

2.499,45 € an Spenden für die Ukrainehilfe des Entwicklungshifleklubs ein. In Kooperation mit dem Ersten Wiener Lesetheater hatte im TheaterArche eine szenische Lesung mit Live-Musik aus den „Tagebüchern des Maidan“ stattgefunden.

Auf rund 30 sehr, sehr dichten Seiten lässt die ukrainische vor allem Theater und Drehbuchautorin Natalia Vorozhbyt viele Aktivistinnen und Aktivisten des Protest-Winters 2013/14 auf dem zentralen Platz namens Maidan in der Hauptstadt Kiew zu Wort kommen. Ihre Gespräche, Diskussionen, Gedanken, Ängste – und jener von Mitbürger:innen in den Wohnungen, in der Stadt geben die Stimmungen zwischen Aufbruch in Richtung Demokratie und Westeuropa ebenso wider wie Ärger über Korruption im Land und vor allem Furcht vor dem immer wieder brutalen Eingreifen der Staatsmacht.

Die Autorin und Regisseur Andrej Mai hatten unzählige interviews mit Besetzerinnen und Besetzer dieses Platzes geführt und daraus ist das genannte – nur als Manuskript im Drei Masken Verlag erschienene dichte Werk entstanden (aus dem Ukrainischen und Russischen von Lydia Nagel ins Deutsche übersetzt).

Verteilte Rollen

TheaterArche-Co-Leiter Jakub Kavin kürzte die Fassung, führte Regie für die szenische Lesung und musste selbst als Zwischentext-Erzähler einspringen, weil kürzestfristig einer der Mitwirkenden ausgefallen war. Georg Beham-Kreuzbauer, Christiane Burghofer, Valerie Martin, David Nagl, Susanna C. Schwarz-Aschner, Selina Strommer, Ivana Urban und Adrian Weinek übernahmen die Parts der von Vorozhbyt portraitierten Demokratie-Kämpfer:innen. Mit all ihren teils sogar skurrilen Sorgen. Etwa als Serjoscha, einer der wortstarken Aktivist:innen offenbar von einem Spezialschützen der Berkut (dem Innenministerium unterstellte Spezialeinheit) gezielt erschossen worden war.

„Und dann dachte ich noch, als … Serjoscha ermordet wurde, Serjoscha war das erste Opfer, oder? Serjoscha war doch das erste Opfer, oder? Also, von ihm habe ich als erstes gehört, und dann habe ich gedacht, Mensch, stellt euch doch mal vor, wenn er der einzige Tote bleibt. Was steht denn dann mal später in den Lehrbüchern? Ja? So was wie „ukrainische Revolution mit armenischem Gesicht“ und das war’s … Und ich dachte, also ich hatte richtig Panik …“, zitiert die Autorin eine namenlose Aktivistin auf dem Maidan. Nun, es kam ohnehin anders, merh als hundert Demokratie-Kampfer:innen wurden ermordet.

Bandura-Klänge und wundervolle Stimme

Eingebettet in die Szenische Lesung saß die gesamte Zeit die Musikerin Olena Nechay Nosal auf einem Podest mit einer Bandura (ukrainisches Saiteninstrument, verwandt mit der Zither). Mehrmals unterbrachen die Leser:innen die Texte und die Musikerin spielte nicht nur, sondern sang – mitten ins Herz – über zerrissene Gräber und Sternenengel. Texten, die zwar nicht aktuell geschrieben worden sind, aber symbolisch, den tragischen Jetztzustand des kriegerischen Überfalls Russlands auf das Nachbarland beschreiben.

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Energie-geladener Tanz

Mit viereinhalb Jahren hat Nosal begonnen Bandura zu spielen, zwar eine kleinere, aber auch immerhin acht Kilo schwere. Ein halbes Jahr zuvor hatte sie mit Geige begonnen aber „dank“ der Lehrerin die Freude daran verloren und „so bin ich in der Musikschule zu Ballett und Bandura gekommen und zu Klavier und in den Chor“, so die Musikerin zu Kinder I Jugend I Kultur I und mehr …

Als Contrapunkt – von der Art der Musik und der Power verwandelten sich drei der szenischen Leserinnen in energiebündel-Tänzerinnen und performten „Survivor“ (Überlebende) von Destiny’s Child.

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Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!