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Bild-Montage aus Szenenfotos aus Szenenfoto aus ""Showing of(f)! Single Mothers Rooms"
Bild-Montage aus Szenenfotos aus Szenenfoto aus ""Showing of(f)! Single Mothers Rooms"
26.04.2026

Vom Waschtag bis zur Eier legenden Wollmilchsau

Szenische Monologe verschiedener Typinnen von Alleinerzieherinnen aus der Mittelschicht in einem Stationentheater im recht neuen Wiener Nordbahnviertel.

Die eine erzählt ihren monatlichen Kampf, mit dem Geld auszukommen, zwischen Wäschewaschen wie vor 100 Jahren – symbolisiert auf einer metallenen Rumpel in Metallkübel (Julia Schranz). Eine zweite sucht eine Mitbewohnerin, denn ihre Tochter ist 18 geworden, Kinderbeihilfe und Unterhaltsvorschuss drohen gestrichen zu werden und damit wird die Wohnung zu teuer. Ihr Leben und vor allem das mit dem sie es gerne vergleicht, Gilmore-Girls Mutter Lorelai und deren Tochter Rory, stellt sie unter anderem mit Gummibären auf einer mit Schokocreme beschichteten Torte nach (Birgit Stöger). Wobei mitunter sich ihre (real) gespielte Situation mit der fiktiven aus der TV-Serie sich bis zum Missverständnis überlagern.

Fast ohne Punkt und Beistrich

Die beiden sind Schauspielerinnen in einem Stationentheater von „Tempora“, dem „Verein für vorübergehende Kunst“ im recht neuen Nordbahnviertel. In „Showing of(f)! – Single Mother Rooms“ erzählen sie – allesamt wie auch ihre beiden weiteren Kolleginnen in szenischen Monologen unterschiedliche Alleinerzieherinnen-Schicksale fast ohne Verschnaufpause – als ob ihnen schon laaaange niemand mehr zugehört hätte. Nicht die allerärmsten Frauen, sondern angepasst an dieses Wohnviertel, eher aus der Mittelschicht. Und dennoch fast immer „on the edge“, an der Kante zum gerade über die Runden kommen mit dem monatlich erarbeiteten Einkommen.

Zwischendurch lassen sie Fakten über Gender Pay Gap und andere Diskriminierungen – auch bei Wohnungssuche – einfließen.

Wunderwuzzi

Das Stück in vier Stationen – wie bei anderen Stationentheatern des Vereins nicht immer barrierefrei zugänglich – verteilt über den neuen Stadtteil nahe dem Praterstern wurde von Julia Schranz (Waschtag) und Veronika Glatzner konzipiert und recherchiert. Letztere führte auch Regie und spielt selber in einer weiteren Station – „Die Ordnung der Dinge“. In einem sehr schräg anmutenden Raum mit einem dicken, fetten, ziemlich unmotivierten Pfeiler in der Mitte eines noch leerstehenden möglichen Geschäftslokals. Das mit Leitern und einer Art Balustrade ausgestattet (Bühne und Kostüm: Laura Malmberg, Patrick Loibl) zum Spielort der Soloperformerin wird wo sie mit Tischtennisbällen wirft und philosophisch überhöht mehr oder minder den Spruch auswalzt: Wer Ordnung hält, sei nur zu faul zu suchen.

Vierte im Bunde des Stationentheaters ist Grischka Voss als „Shmoo“, wie sie sich, unter Fellen hervorkriechend als Eier legende Wollmilchsau vorstellt. Sie hält als überspitzte, überhöhte eben auch alleinerziehende  Care-Arbeiterin überhaupt das System am Laufen, als dessen Antipodin sie sich aber verstanden wissen will.

kijuku_heinz

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Showing of(f)! – Single Mother Rooms

Ein immersives Stationentheater im Nordbahnviertel; Tempora – Verein für vorübergehende Kunst; ca. 2 Stunden
Künstlerische Leitung, Konzept und Recherche: Veronika Glatzner, Julia Schranz

Regie: Veronika Glatzner
Von und mit
Waschtag: Julia Schranz
Mitbewohnerin gesucht. Stars Hollow: Birgit Stöger
Die ordnung der Dinge: Veronika Glatzner
Shmoo: Grischka Voss

Dramaturgie: Barbara Juch
Bühne und Kostüm: Laura Malmberg, Patrick Loibl
Licht: Manuel Biedermann
Regieassistenz, künstlerische Mitarbeit, Social Media: Sára Köhnlein
Produktion: Magdalena Stolhofer, Nina Samadi / dieKulturtanten

Wann & wo?

Sonntag, 26. April
Achtung: 16 Uhr – aber mit Kinderbetreuung; Anmeldung: verein.tempora@gmail.com

2. und 3. Mai 2026
jeweils 19 Uhr

Treffpunkt: Versunkener Hof / die HausWirtschaft: 1020, Bruno-Marek-Allee 5

verein-tempora.org