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Zuhörer*innen auf Sesseln vor der Dolmetsch-Kabine
Zuhörer*innen auf Sesseln vor der Dolmetsch-Kabine
10.06.2021

Was denkt sich die oder der da jetzt?

Künstlerin „übersetzt“ am Grazer Tummelplatz in einer Dolmetsch-Kabine mögliche Gedanken von Passant*innen – für jeweils eine kleine, wechselnde Gruppe Zuhörender.

Eine Dolmetsch-Kabine vor dem AKG, dem Akademischen Gymnasium, auf dem Grazer Tummelplatz, davor zwei Reihen mit Sesseln und darauf Menschen mit Kopfhörern. Hin und wieder herzhaftes, lautes Lachen der einen oder des anderen.

Was spielt sich da ab? Irgendwas mit Kunst, vielleicht?
Ja genau, und Gedanken – wie die gerade zitierten – und viele andere spricht die Künstlerin in der Kabine ins Mikro. Sie schaut in die Gesichter der Menschen, die vorbeigehen, stehen bleiben, warten, sich umschauen, mit dem Rad gemächlich fahren oder durchrasen. Versucht instinktiv und rasend schnell ihre möglichen Gedanken und Stimmungen an ihrer Körperhaltung zu erfassen und – nein, übersetzt nicht, die Menschen haben ja keine Mikros bei sich, sondern denkt sich aus, was die so sagen oder von sich geben könnten. Mit viel Schuss Humor und einer kräftigen Note Frechheit.

Die Performance der Künstlerin Barbara Ungepflegt mit Institut für Kunst im öffentlichen Raum des Universalmuseums Joanneum ist Teil des derzeit laufenden Dramatiker*innen-Festivals in der steirischen Landeshauptstadt.

Simultan-Übersetzungen – so die wissenschaftlichen Begleitinformationen des Museums – begannen erst mit den Nürnberger Prozessen gegen angeklagte führende Verbrecher des Nazi-Faschismus, vor allem weil viele Zeug*innen unterschiedliche Sprachen mitbrachten. Das Anstrengende von Simultan-Dolmetscher*innen – Zuhören und Sprechen gleichzeitig – erspart sich die Künstlerin natürlich. Dafür arbeitet sie vier Stunden am Stück – bis inkl. 12. Juni, 15.30 bis 19.30 Uhr – 8010, Tummelplatz.

Statt des Zuhörens aber trachtet sie blitzschnell zu erahnen, was die Passant*innen denken könnten. Kann – im Gegensatz zu echter Übersetzung – natürlich total daneben liegen. Wir werden’s nie erfahren.

„Heimat in einfacher Sprache“ heißt die performative Installation am Grazer Tummelplatz – und verwirrt mit dem Titel. Im Bewerbungstext für die Aktion steht am Beginn: „Die einfache Sprache des Volkes versteht niemand mehr. Eine Übersetzung ist notwendig…“ Die Künstlerin fasst ohne lange nachzudenken, spontan, roh und wild drauflos in knappen Worten, was sie meint, in den Gedanken zu lesen.

„Einfache Sprache“ aber steht seit langem dafür, Kompliziertes allgemeinverständlich auszudrücken – was einerseits für Menschen mit Lernschwierigkeiten oft überlebenswichtig ist. Andererseits holt es auch solche ab, die die jeweilige Sprache neu lernen.

Weitere öffentliche Installationen

Das genannte Joanneum-Institut hat – über das Dramatiker*innen-Festival hinaus – weitere Installationen im öffentlichen Raum. So stehen drei Poesie-Automaten in der Stadt: Im Joanneumsviertel, im Forum Stadtpark und am Schloßberg. Damit wird eine Initiative, die schon der „Automatenkönig“ Ferry Ebert – Kondom-, Brieflos- und andere Automaten waren sein jahrzehntelanges Geschäft, gestartet hatte fortgeführt. Als er relativ frisch Opa war, hat er Dutzende Märchen-Automaten aufgestellt. Die Umstellung auf Euro war dann zu kostspielig und mit Ausnahme einiger weniger gab es keine mehr. Nun kommt bei Münzeinwurf (50 Cent) an den drei genannten Stellen Literarisches in einem kleinen Schächtelchen, in dem sonst Zuckerl drinnen wären.

Am Schloßberg finden sich unter dem Motto „Mein Nachbar auf der Wolke“ Gedichte in slowenischer und deutscher Sprache, im Joanneumsviertel (Frische Gedichte) bisher unveröffentlichte Poesie Grazer Autor*innen und im Forum Stadtpark kommen die gedruckten Zeilen unter dem Titel „gefühlsechte Gedichte“ aus einem historischen Kondomautomaten.

Non-Stopp-Mini-Kino

Auf einem Screen neben dem Pavillon der Grazer Oper laufen künstlerische Filme – oben drüber die Leuchtschrift in Uraltkino-Manier: Non Stop Scheiner.

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Das 5. internationale fragt Autor*innen, Theatermacher*innen und andere Künstler*innen: Welche Geschichten brauchen wir auf dem Weg ins ÜBERMORGEN und wie kommen wir dort hin? Wir suchen nach Theaterabenden, Texten und Fiktionen, die das Potenzial haben, Zukunft zu sein.

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