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Szenenfoto aus "Bambi"
Szenenfoto aus "Bambi"
17.12.2021

Wo Bambi mehr über Menschen als Rehe erzählt …

„Bambi“ in einer Version, die durch Schauspiel wenige Kostüm- und abstrakte Bühnenelemente in den Wald der Geschichte rund um den jungen Rehbock verwandelt – und ihn in den Wiener Prater verlegt.

Bambi, Klopfer und seine Freundinnen und Freunde, ob vierbeinig oder gefiedert, leben hier in Wien, im Prater, dessen Silhouette im Abendhimmel im Hintergrund hin und wieder eingeblendet ist. Manchmal wird auch das bekannte Wienerleid von Robert Stolz „Im Prater blüh’n wieder die Bäume“ angespielt bzw. gesummt.

Musik (Annemarie Schagerl) durchzieht diese „Bambi“-Version, die nach rund  einem ¾ Jahr jetzt wirklich gespielt werden kann (im Dschungel Wien) schon von Anfang an. Während das Publikum den Saal betritt erscheinen nach und nach die vier Schauspieler:innen, zwei davon greifen sich auch Instrumente – Cello und Akkordeon – und beginnen sich aufzuwärmen, in ihre Rollen zu schlüpfen. Und das sind viele.

Viele Tiere und sogar zwei Herbstblätter

Nicht alle, aber viele Tiere des Waldes – nach dem weniger bekannten Original-Roman von Felix Salten und der viel berühmteren Disney’schen Verfilmung – in der allerdings das Reh zum Hirsch wird – tauchen in den nicht ganz 1 ¼ Stunden auf. Alle werden sie ziemlich schnell wechselnd von Clara Diemling, Christoph Radakovits, Richard Schmetterer und Maren Streich verkörpert. Ja sogar zwei Blätter, die miteinander über den Herbst philosophieren, werden von einem Duo dargestellt. Ein Anklang an die überaus detailreiche Schilderungen des Waldes durch den Roman-Autor.

Wandelbar

Das genannte Quartett hat sich mit dem Regisseur, der auch diese Bühnenfassung geschrieben hat (Cornelius Edlefsen) in die Welt des heranwachsenden Rehbocks, sein „Coming of Age“, seine Freund:innen und Widersacher:innen – zwei sich die Schnäbel zerreißende Vögel – hinein versetzt. Wenige Ausstattungs- und Kostümteile (Caroline Wiltschek; Almasa Jerlagić) – oft nur ein Haarreifen mit Ohren oder Geweih – und vor allem veränderte Bewegungen lassen die jeweiligen Tiere vor den geistigen Augen erscheinen. Bäume kommen als drei weiße Stoff-Schläuche von der Bühnendecke mehrfach runtergelassen – und verschwinden, wenn sich Bambi & Co auf der großen Blumenwiese tummeln. Auch die flexible, wandelbare Bühne (von Recyclingmeister Hannes Röbisch) „verwandelt“ sich erst durch das Schauspiel zu hügeligen und anderen Elementen des Waldes, pardon der Praterauen (eine Reminiszenz an den in Wien gelebt habenden Autor Felix Salten (der Roman erschien vor fast 100 Jahren, 1923).

Mehr Mensch als Tier

Die gar traurige Passage vom Mord an Bambis Mutter durch „ihn“, der seine „dritte Hand“ losreißt und todbringend wirft, spielt keine so zentrale Rolle wie in Buch und Film. Die Angst vor „ihm“, dem Menschen, der die Idylle des Waldes zerstört, wird eher und kürzer angespielt und -gesprochen.

Dadurch, dass die Schauspieler:innen nicht in Ganzkörperkostüme schlüpfen oder sich komplett tierisch bewegen, bleiben sie auch eher die Menschen, über die die Geschichte ja viel mehr erzählt, zentral über ein Kind, das heranwächst, nach und nach selbstständiger wird, und – hier mehr als in Roman und Film – Fragen stellt. Etwa die nach der fast ständigen Abwesenheit des Vaters. Und hier gibt sich Bambi so gar nicht zufrieden mit der Antwort der Mutter, dass das seit jeher die Regeln des Waldes seien. „Regeln … dieses „seit jeher“ kann mir gestohlen bleiben … ich bin mir nicht sicher, ob die Kälte mir gefällt…“

Follow@kiJuKUheinz

Andere Tiergeschichten im Dschungel Wien

Zwei andere tierische Stücke laufen derzeit bzw. demnächst im Theaterhaus für junges Publikum im Wiener MuseumsQuartier, dem Dshcungel Wien, die Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … schon gesehen hat – heir geht’s zu den Stückbesprechungen – mit Aufführungsdaten in den Info-Blöcken.

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Bambi

Eine Lebensgeschichte aus dem Walde
Schauspiel mit Musik
Ab 6 Jahren; 70 Minuten

Nach dem Roman von Felix Salten
Fassung, Regie: Cornelius Edlefsen

Es spielen: Clara Diemling, Christoph Radakovits, Richard Schmetterer, Maren Streich
Bühne, Licht: Hannes Röbisch
Ausstattung: Caroline Wiltschek
Kostüme: Almasa Jerlagić
Video: Wolfgang Pielmeier
Musik: Annemarie Schagerl

Regieassistenz: Marianne Huber
Hospitanz: Lisa Alina Murauer

Wann & wo?

Bis 6. Jänner 2022
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: 01 522 07 20-20
dschungelwien -> Bambi

Szenenfoto aus "Lust"
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