Schülerinnen und Schüler der Oberstufe des G11, Geringergasse in Wien-Simmering, machen Femizide als Spitze des Eisbergs der Gewalt mit Sprech-Chören, Plakaten und Platzbemalung zum Thema; HAK Fürstenfeld (Steiermark) produzierte beeindruckendes Video „Männersache“. Fünf Dutzend Fotos; zwei Videos.
„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr Frauen das Leben klaut!“ Diesen Spruch riefen Freitag um die Mittagszeit Dutzende Jugendliche der AHS-Oberstufe Geringergasse in Wien-Simmering zwischen den großen metallenen Buchstaben die gemeinsam „Information“ ergeben und der Glasfassade dieser Schule, die neben der eigenen noch eine Handelsakademie beherbergt.
Die allermeisten Gymnasiast:innen der 6. bis 8. Klasse strömten in der Pause vor der vierten Schulstunde vor ihr Gebäude, viele hielten handgeschriebene Plakate auf Karton oder weißem Papier hoch. Mit vielfach bekannten, aber auch neuen, kreativen Variationen von Sprüchen gegen Gewalt an Frauen und deren Spitze des Eisbergs, Femizide. Die Bandbreite reiche von „Gewalt hat viele Gesichter, oft ist es ein bekanntes“, „Man(n) tötet nicht aus Liebe“, „Girls just wanna have fun(damental human rights)“ bis „Femizide sind die Probleme von allen“.
„Wir sind heute laut, weil Schweigen tötet, weil Wegschauen tötet und weil Ignoranz tötet. Dieser Protest ist für Gerechtigkeit, für Schutz, für ein Leben ohne Angst. Und wir hören nicht auf, bis Gewalt gegen Frauen beendet ist!“, rief Schulsprecherin Lea Schraufek, verstärkt durch ein Megaphon aus der Schuldirektion, die die Aktion ebenso unterstützt wie so manche Lehrer:innen – mit Plakaten oder mit Bodenmalkreiden. Und so wurden sogar auf dem regennassen Boden sichtbar manche der Plakat- und Sprech-Chor-Losungen von Jugendlichen aufgemalt.
„Die Aktion war spontan innerhalb von wenigen Tagen von Schüler:innen der Peer-Mediations- bzw. Projektmanagement-Teams ausgegangen“, berichtet die schon genannte Schulsprecherin Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… „Wir haben die Aktion nur für Schülerinnen und Schüler der sechsten bis achten Klassen zugänglich gemacht, weil die ja nicht mehr schulpflichtig sind und selber entscheiden können, ob sie mitmachen oder nicht. Am Mittwoch hatten wir dann noch einen gemeinsamen kreativen Plakatmal-Termin angeboten.“
Die Schulsprecherin machte in einer kurzen Rede auf einige der erschreckenden Fakten aufmerksam, dass jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben von Gewalt betroffen ist. Dass dies sich vor allem aber nur dann ändern wird, wenn es nicht ein „Frauenthema“ bleibt, sondern Männer sich gegen gewalttätige Handlungen ihrer Geschlechtsgenossen engagieren, stellten teilnehmende Burschen mit unterschiedlichsten Plakaten klar. Vom bekannten „Man(n) tötet nicht aus Liebe“ bis zu einer schnell hingekritzelten Penis-Zeichnung mit der Frage „Rechtfertigt das Deine Gewalt?“
Schon die Tage vor dieser Aktion gab es dann in den Oberstufenklassen so manche Diskussionen zum Thema, die Plakate sollen im Schulhaus angebracht werden, um es nicht bei dem einstündigen Streik zu belassen, sondern noch länger und intensiver darüber zu diskutieren.
Gesprächsrunde mit einigen Schüler:innen in einem weiteren Beitrag.
Eine andere Schule, die Marketing-Handelsakademie im steirischen Fürstenfeld, beteiligte sich schon vor zwei Wochen an der internationalen Aktion „16 Tage Gegen Gewalt an Frauen“ (25. November bis 10. Dezember) mit Plakaten, einem Banner an der Schulfassade „Stoppt Gewalt gegen Frauen“ und einem beeindruckenden rund 1½-minütigen YouTube-Video – unten verlinkt.
Nach den ersten 20 Sekunden, in denen eine Jugendliche über diese Gewalt als großes, fast unsichtbares Problem spricht, kommt’s im ersten Moment zu einer Art irritierendem Mansplaining: Ein Bursch grätscht ins Bild: „Stopp! …“
Doch es kommt tatsächlich ganz anders. „Das ist kein Frauenthema, das ist jetzt reine Männersache!“, bringt er ins Spiel. „Wir Männer sind das Problem und deshalb auch Teil der Lösung…“ Später meint ein Kollege: „Wenn wir nicht eingreifen und nicht widersprechen und einfach nur wegschauen, dann werden wir Teil des Problems…“
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