Kinder Jugend Kultur und mehr - Logo
Kinder Jugend Kultur Und mehr...
Doppelseite aus dem Bilderbuch "ErZähl" mir etwas"

Kunterbunte faszinierende Welt der Zahlen

Zahlen – die meisten (sehr) jungen Kinder lieben zählen, sind oft fasziniert von den Zeichen, die für Zahlen stehen. Viel zu oft wird durch schlechten Mathe-Unterricht oder gar Rechnungen als Strafaufgaben die Lust und Laune auf die spannende Welt der Zahlen vermiest. Amanda Mijangos aus Mexiko hat sich die Liebe zu Zahlen bewahrt – neben der noch größeren Leidenschaft zu zeichnen und malen.

Beides verbindet sie in diesem kunterbunten Bilderbuch. Aus Zahlen macht sie spannende Bilder, beginnt mit einem Kind, das durch einen Kreis schaut und schreibt zur 0 (Null): „Den Anfang zählt man noch nicht.“ Um gleich auf der gegenüberliegenden Seite ein anderes Kind vor solch einen Kreis zu stellen – mit den Worten „Dann stelle ich mich daneben und zähle mich dazu“ – und schon ist 10 zu sehen.

Geschichten im Kopf

Die Illustratorin und Autorin – von Eva Roth aus dem Spanischen ins Deutsche übersetzt – spielt mit Bildern und Zahlen. Und erzählt in den zumindest teilweise mit Drucktechniken erzeugten Illustrationen kleine und immer wieder auch große Geschichten. Schon bei 1 stellt sie neben das Wort Person ein Fragezeichen – weil das kindliche Gesicht offenbar in einem Tierkostüm steckt und aus dessen Maul herausschaut, oben drüber aber somit ein zweites Augenpaar zu sehen ist.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „ErZähl“ mir etwas“

Beim 6er-Text „eine Spirale, die sich dreht und streckt, wenn die Sonne scheint“ hat Mijangos nicht nur einen gelben Sechser auf ein blaues Pflanzenblatt neben den Text gemalt, sondern lässt eine Schnecke mit farbenfrohem Spiral-Haus den Blumenstängel hinaufkriechen. 7 bunte Regenbogenstreifen, zehn farbige Finger… Eine wahre Zahlen- und Bilderfreude. Mit manchen fast „aufgelegten“ Anspielungen – „9 Monate lang warten. Wer ist drin?“ und einem kleinen Kind, das auf der hochschwangeren Frau liegt und ihr die Frage stellt oder 12 und eine Uhr.

Wortspielerischer Titel

Manche Zahlen lassen durchaus auch rätseln, weshalb die Autorin und Illustratorin genau diese ausgewählt hat. Oder einfach staunen über die Kombination von großer Zahl und der Zeichnung.

Der – deutsche – Buchtitel lebt vom Wortspiel dieser Sprache: „ErZähl mir etwas“; im spanischen Original gibt es für erzählen neben anderen auch dasselbe Wort wie zählen – contar.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „ErZähl“ mir etwas“

Auf einer der Doppelseiten verbindet die Künstlerin Schrift und Zahlen ganz direkt – jeder Buchstabe des Alphabets fantasievoll gemalt und am unteren Ende die dazugehörige Zahl: 26 – mit einem Plus 3 für ä, ö und ü – natürlich nur für die deutschsprachige Ausgabe; in – zugegeben – Unkenntnis der Original-Ausgabe höchstwahrscheinlich „nur“ mit plus 2: ç sowie ñ.

Eigene Zahlen der Künstlerin

Ein paar andere Zahlen – und das ohne Bilder dazu – nennt Amanda Mijangos in einem Nachwort auf der letzten Seite: Aus dem Alter von fünf Jahren stammt die „früheste Zeichnung, die ich aufbewahrt habe.“ Da es keinen Tag in ihrem Leben gibt, an dem sie nicht gezeichnet hat – und sie das Buch mit 37 Jahren gemalt und geschrieben hat, „heißt das, dass ich in der Zeit mindestens 11.680 Zeichnungen gemacht habe.“

Dieses Zahlenbuch ist übrigens ihr erstes – für das sie auch den Text verfasste, davor hat sie 40 Bücher illustriert. „An den Zahlen gefällt mir, dass sie nie aufhören. Sie helfen mir zudem, meine Zeichnungen zu zählen. Wie viele Blätter und Hefte, wie viele Farben habe ich wohl dafür schon verwendet?… Und wie viele Dinge werde ich noch zeichnen?“

kijuku_heinz

Titelseite des Bilderbuchs
Titelseite des Bilderbuchs „ErZähl“ mir etwas“

Jugendliche mit Smartphone und eingien erkennbaren Social-Media-App-Icons sowie einem Gesicht - vlt. als Screen-Hintergrund oder aus einem Video-Telefonat

Kinder nutzen KI dreimal so häufig wie ihre Eltern

„KI ist da. Sie wird zu einem immer größeren Bestandteil unseres aller Lebens. Und sie prägt bereits heute die Kindheit auf der ganzen Welt – im Guten wie im Schlechten“, so leitet das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, eine Meldung für Medien anlässlich des ersten „Globalen Dialogs zur KI-Governance“, also des weltweiten Diskussionsprozesses zur Regelunge und zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz, ein

Unicef hat neue Daten aus zehn Ländern (Armenien, Brasilien, Dominikanische Republik, Jordanien, Kolumbien, Mexiko, Montenegro, Nordmazedonien, Pakistan und Serbien) aus einem Forschungsprojekt gemeinsam mit ECPAT International (Netzwerk zivilgesellschaftlicher Organisationen, das sich für die Beendigung der sexuellen Ausbeutung von Kindern einsetzt) und INTERPOL (internationale Zusammenarbeit von Polizeibehörden) analysiert. In jedem der genannten Länder wurden repräsentativ jeweils rund 1.000 internetnutzende 12- bis 17-Jährige sowie ihre Eltern bzw. Betreuungspersonen befragt.

KI-generierte (Adobe Firefly) Grafik zu zusammengefassten Ergebnissen der Unicef-KI-Studie
KI-generierte (Adobe Firefly) Grafik zu zusammengefassten Ergebnissen der Unicef-KI-Studie

Zu Österreich gibt es übrigens zwei Beiträge, einmal über eine Umfrage von Safer Internet und einen über die Erhebung eines gro0en Nachhilfe-Instituts – beide unten am Ende verlinkt. Auch bei der in der kommenden Woche beginnenden Kinderuni Wien wird es einige Lehrveranstaltungen rund um KI geben – vom eignen ersten KI-Modell über kreativen Umgang damit bis zu menschlichen Regeln dafür.

Eine der Schlussfolgerungen aus den Umfragen: Mehr als jedes zehnte Kind wandte sich mit Ratschlägen zu Themen, die ihnen Sorgen bereiten, an KI. Hochgerechnet aus den erhobenen Daten nutzt deutlich mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen der genannten Länder KI zur Unterstützung beim Lernen und bei den Hausaufgaben.

Balkendiagramm zu Ergebnissen aus der Unicef-KI-Umfrage in zehn Ländern
Balkendiagramm zu Ergebnissen aus der Unicef-KI-Umfrage in zehn Ländern – Nutzung nah Altersgruppen

Regeln hinken hinterher

„Während sich die Nutzung von KI durch Kinder rasant beschleunigt, können die Regeln, die ihren Einsatz steuern – einschließlich der Schutzmaßnahmen für Kinder –, kaum Schritt halten“, so Unicef. „Kinder sind KI-Systemen stärker ausgesetzt – einschließlich ihrer Gestaltung, der zugrunde liegenden Geschäftsmodelle und der Art und Weise, wie ihre Daten verwendet werden. Gleichzeitig haben sie weitaus weniger Möglichkeiten, diesen Systemen auszuweichen oder sie anzufechten. Die Folgen unzureichender Regulierung treffen Kinder zuerst, und sie werden am längsten mit deren Konsequenzen leben müssen. Dennoch räumt die überwiegende Mehrheit der KI-Governance dem Wohl von Kindern keine Priorität ein.

Balkendiagramm zu Ergebnissen aus der Unicef-KI-Umfrage in zehn Ländern
Balkendiagramm zu Ergebnissen aus der Unicef-KI-Umfrage in zehn Ländern – Wofür Kinder / Jugendliche KI nutzten

„Globales Experiment“

Auch wenn KI das Potenzial hat, Kindern neue Möglichkeiten zum Lernen, Spielen und kreativen Gestalten zu eröffnen, befinden sich die Erkenntnisse über ihre Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung, emotionale Abhängigkeiten und die Exposition gegenüber Risiken noch in einem frühen Stadium. Tatsächlich wachse eine ganze Generation innerhalb eines globalen Experiments auf.

KI-generierte (Adobe Firefly) Grafik zu zusammengefassten Ergebnissen der Unicef-KI-Studie
KI-generierte (Adobe Firefly) Grafik zu zusammengefassten Ergebnissen der Unicef-KI-Studie

Kinder spüren Gefahren

Die Kinder selbst erkennen die Risiken, auch das gebe die Untersuchung her, so Unicef. „In den zehn untersuchten Ländern äußerte ein Drittel der Kinder Bedenken darüber, dass KI eingesetzt werden könnte, um andere zu betrügen und zu täuschen oder Falschinformationen zu verbreiten. Ein Viertel befürchtete zudem, dass ihre Bilder oder Videos zu sexuell expliziten Deepfakes manipuliert werden könnten. Zu viele Systeme erreichen Kinder ohne ausreichende Schutzvorkehrungen, Sicherheit scheint dabei oftmals nur ein nachträglicher Gedanke zu sein.

Balkendiagramm zu Ergebnissen aus der Unicef-KI-Umfrage in zehn Ländern
Balkendiagramm zu Ergebnissen aus der Unicef-KI-Umfrage in zehn Ländern – Srogen im Zusammenhang mit KI der befragten 12- bis 17-Jährigen

Unicef-Forderungen

Im Vorfeld des ersten Globalen Dialogs zur KI-Governance fordert UNICEF Regierungen, den Privatsektor und weitere Partner auf, Kinderrechte – insbesondere das Recht auf Sicherheit und Schutz – fest in der globalen KI-Governance zu verankern, indem sie:
· in Forschung zu den Auswirkungen von KI auf die Entwicklung und das Wohlergehen von Kindern investieren, insbesondere im Hinblick auf Risiken;
· Gesetze, Governance-Rahmenwerke und die Rechenschaftspflicht von Unternehmen stärken, um KI-gestützte sexuelle Ausbeutung und sexuellen Missbrauch zu verhindern;
· sicherstellen, dass KI-Systeme mit einem Höchstmaß an Sicherheit und Transparenz entwickelt werden, damit alle Kinder geschützt werden können und zugleich von den Chancen profitieren;
· die KI-Kompetenz fördern und Kinder sowie ihre Eltern oder Betreuungspersonen dabei unterstützen, sich erfolgreich in der digitalen Umgebung zu bewegen;
· in digitale Infrastruktur und eine sinnvolle digitale Anbindung für jedes Kind sowie dessen Eltern oder Betreuungspersonen investieren – zu Hause und in der Schule –, um die KI-Kluft zwischen und innerhalb von Ländern zu verringern.

„Die Entscheidungen, die heute im Zusammenhang mit KI getroffen werden, werden über Jahrzehnte hinweg die Sicherheit, Privatsphäre, das Wohlergehen und den gleichberechtigten Zugang von Kindern zu Chancen prägen“, weist Unicef auf die Dringlichkeit der Diskussionen um Regelungen hin.

Zur englischsprachigen Unicef-Studie

Kinderuni Wien –> Lehrveranstaltungen zu KI

KI-generierte (Adobe Firefly) Grafik zu zusammengefassten Ergebnissen der Unicef-KI-Studie
KI-generierte (Adobe Firefly) Grafik zu zusammengefassten Ergebnissen der Unicef-KI-Studie

Doppelseite aus dem Bilderbuch "Der Schmetterling"

Wenn sich Gedankenflüge ent-falten…

Ein wunderbares und ebenso -schönes Bilderbuch über eine besondere Art seiner Gattung ist „Der Schmetterling“. Es sei hier aus passenden Anlässen vorgestellt.

Zum einen schließt es an die am Sonntag veröffentlichtn Story mit den kunstvoll geschminkten Schmetterlingen in den Gesichtern mehrerer Kinder beim 13. Integrationsfestival „Von Kabul bis Wien“ an. Außerdem hat diese Art, der „Monarchfalter“, eine Gemeinsamkeit mit der aktuell in Nordamerika – von Kanada über die USA bis Mexiko -gespielten Fußball-Weltmeisterschaft der Männer. Ursprünglich ist dieser Wander-Falter genau in dieser Gegend beheimatet, mittlerweile auch weiter verbreitet – bis Australien und Neuseeland, aber auch Südeuropa.

Doppelseite aus dem Bilderbuch
Doppelseite aus dem Bilderbuch „Der Schmetterling“

Wandern über Generationen

Von Kanada ziehen die „Monarch:innen“ im Winter südwärts – bis zur mexikanischen Sierra Nevada, um im Folgejahr wieder in Richtung Norden zu flattern. Aber nicht die selben Exemplare, sondern die Folge-Generationen. Wie die den Rückweg zum Abflugort der (Ur-)Großeltern finden – ist wissenschaftlich noch nicht entschlüsselt, wie es in einer Art Nachwort der Autorin Kirsten Hall (Übersetzung aus dem Englischen: Anna Schaub) über diese Wanderungen heißt.

Das Bilderbuch selbst – Illustration samt Gestaltung einer eigenen luftigen Schrift: Isabelle Arsenault – beschreibt und zeichnet den Kreislauf des Lebens in kurzen, mancherorts gereimten Zeilen und faszinierenden Bildern: Vom Schmetterling über das auf ein Blatt geklebte Ei und die daraus entstehende Raupe, ihre Verpuppung und schließlich die Ent-Faltung. Und dies in mehreren Zyklen, aber nicht als Wiederholung, sondern in Variationen.

Und lädt beim Eintauchen und sich darauf Einlassen zu Gedankenflügen und Fantasie-Reisen ein.

kijuku_heinz

In Ciudad Acuña finden junge Menschen im von Jugend Eine Welt geförderten Sozialzentrum einen sicheren Ort, an dem sie spielen, trainieren, lernen und Gemeinschaft erleben können.

Tore zu besserer Zukunft

Jetzt geht’s los mit der längsten und größten Fußball-WM der Männer. Neben weltbekannten Stars – rücken auch die einen oder anderen jungen Talente in den Blickpunkt der (medialen) Öffentlichkeit. Manche starten so Karrieren unter Umständen mit Traumgagen.

Fußball kann aber mehr als nur ganz wenigen Stars Hoffnung geben. Anlässlich der beginnenden Weltmeisterschaft in den drei Ländern Kanada, USA und Mexiko erinnert die Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt an von ihr unterstützte Projekte in Ciudad Acuña und Mexiko City.

Diese beiden Projekte verknüpfen Fußball mit allen möglichen anderen Aktivitäten und bieten benachteiligten Kindern einen sicheren Ort, an dem sie spielen, trainieren, lernen und Gemeinschaft erleben können. Fußball dient als „Türöffner“ für Sozialarbeit, Bildung und Prävention und wird so für benachteiligte Straßen- und andere benachteiligte Kinder sowie junge Migrant:innen zu einem „Werkzeug“ gegen Gewalt, Ausgrenzung und Perspektivlosigkeit.

Kinder und Jugendliche wachsen in Ciudad Acuña oft unter besonders schwierigen Bedingungen auf. Armut, fehlende Bildung und eine unsichere Zukunft prägen ihren Alltag. Der Fußball gibt ihnen Kraft und eine Perspektive.
Kinder und Jugendliche wachsen in Ciudad Acuña oft unter besonders schwierigen Bedingungen auf. Armut, fehlende Bildung und eine unsichere Zukunft prägen ihren Alltag. Der Fußball gibt ihnen Kraft und eine Perspektive.

Grenzregion

Ciudad Acuña liegt direkt am Rio Grande, an der Grenze zu den USA. Die Stadt ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und wurde für viele Migrant:innen aus Mittel- und Südamerika zu einem Ort des Wartens und Strandens. Viele Familien leben in provisorischen Unterkünften, häufig ohne ausreichende Infrastruktur. Aufgrund der durch die Trump-Regierung praktisch unmöglich gewordenen Einreisemöglichkeiten in die USA ist die Situation noch trostloser geworden. Vor allem für Kinder und Jugendliche bedeutet das vermehrt: wenig Schutz, wenig Förderung, viel Zeit auf der Straße. Dort sind Gewalt, Jugendbanden, Drogenhandel und organisierte Kriminalität allgegenwärtig.

„In so gut wie allen von uns weltweit geförderten Don Bosco-Projekten gibt es einen Fußballplatz und die Möglichkeit, Fußball zu spielen. Straßenkinder, die sonst niemanden mehr haben, finden beim Fußball Spaß, Freunde und lernen Vertrauen zu fassen“, erklärt Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt. „Der Fußball ist somit ein gewisser Eisbrecher. In einem weiteren Schritt erhalten die Kinder und Jugendlichen dann Angebote, zur Schule zu gehen oder eine Berufsausbildung zu machen. Das funktioniert und kann buchstäblich Leben retten.“

In Chimalhuacan, einer Vorstadt von Mexiko City, befindet sich das von Jugend Eine Welt geförderte Fußballprojekt der Oberösterreicherin Leopoldine Ganser.
In Chimalhuacan, einer Vorstadt von Mexiko City, befindet sich das von Jugend Eine Welt geförderte Fußballprojekt der Oberösterreicherin Leopoldine Ganser.

Fußball auf früherer Müllhalde

In Chimalhuacan, einer Vorstadt der Millionenmetropole Mexiko City, dient der Fußball benachteiligten Kindern ebenfalls als Chance für ein besseres Leben. Chimalhuacan entstand auf einem ehemaligen See, der in den 1950er Jahren mit Müll zugeschüttet wurde. Von 1996 bis 1998 bauten zwei Österreicher:innen – Pfarrer Martin Römer und Leopoldine Ganser – mit zahlreichen Spenden der privaten und öffentlichen Hand im Armenviertel das Projekt „Lehrwerkstätten, Jugend- und Sozialzentrum Chimalhuacan“ auf. Mit Fußball wird den Kindern und Jugendlichen dort eine sinnvolle und lehrreiche Freizeitgestaltung ermöglicht.

„Drogenersatz“

Schon 1997 wurde mit einer eigenen Fußball-Liga für die Kinder und Jugendlichen zwischen vier und 15 Jahren begonnen. Der Fußballplatz selbst wurde mit viel Eigeninitiative errichtet. „Das Grundstück für den Platz, im Besitz der Stadtgemeinde von Chimalhuacán, wurde mittlerweile für 99 Jahre kostenlos zur Pacht an die Salesianer Don Boscos übergeben. Somit ist eine gezielte und nachhaltige Kinder- und Jugendarbeit rund um den Fußballplatz möglich“, erzählt Leopoldine Ganser. Der Sportplatz wird von der pensionierten Oberösterreicherin und ihren Mitarbeiterinnen betreut und Instand gehalten.

Auch österreichische Fußballvereine, wie der aktuelle Double-Sieger LASK Linz, unterstützt das Fußballprojekt in Chimalhuacan mit Fußballdressen
Auch österreichische Fußballvereine, wie der aktuelle Double-Sieger LASK Linz, unterstützt das Fußballprojekt in Chimalhuacan mit Fußballdressen.

Insgesamt trainieren 300 Buben und Mädchen in 20 Teams mehrmals wöchentlich auf dem Fußballplatz. Indirekt profitieren auch die Familien in den Armenvierteln von dem Projekt, denn deren Kinder gehen einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung nach. „Für die Eltern ist es eine Wohltat und eine große Beruhigung, wenn sie wissen, dass ihr Kind seine Freizeit auf dem Fußballplatz oder bei der Nachhilfe im Jugendzentrum und nicht auf der Straße verbringt“, schildert Heiserer. „Eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung wie das Fußballspielen bringt die Kinder und Jugendlichen von der Straße weg, sie beugt Drogenkriminalität vor und lehrt die Kinder Rücksichtnahme, Verantwortungsbewusstsein, Teamgeist und andere wichtige Eigenschaften, die sie in ihrem Leben brauchen.“

Jobs

Im Jugend- und Sozialzentrum gibt es weiters eine Bäckerei, eine Näherei und eine Tischlerei, ein Ärztezentrum, Lehrräume für ein offenes Schulsystem für Analphabeten und Schulabbrecher, eine Mehrzweckhalle sowie Sportplätze. Ein Schwerpunkt ist das weitreichende Angebot für Kinder und Jugendliche, damit sie ihre Freizeit sinnvoll gestalten können. Das Programm umfasst sportliche und schulische, aber auch kulturelle Bereiche, wobei das Hauptaugenmerk dem Sport gilt.

Fotos vieler Kinder unter dem Titel "Kinderstimmen gegen Kinderarbeit"

„Hätte ich Superkräfte, würde ich Kinderarbeit stoppen!“

Am 11. Juni wählt nicht nur der Stiftungsrat des ORF eine neue Chefin oder einen neuen Chef des öffentlich-rechtlichen größten österreichischen Medienhauses, es beginnt auch die größte Fußball-Weltmeisterschaft der Männer mit 48 teilnehmenden Nationen verteilt auf die drei Länder Mexiko, USA und Kanada. Dabei werden sicher so manche Rote Karten für schwere Fouls vergeben.

Einen Tag später, am 12. Juni, ist der internationale Tag gegen Kinderarbeit. Und diese verdient insgesamt eine riesige und viele, viele vielleicht kleinere Rote Karten. Dazu rufen verschiedene auch österreichische Initiativen unter dem Titel „Kinderarbeit stoppen“ auf – ein Bündnis aus Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, Jugend Eine Welt, FAIRTRADE Österreich, Kindernothilfe Österreich und solidar Austria. Gemeinsam mit Partnerorganisationen im Globalen Süden setzt sich das Bündnis dafür ein, Kinder aus ausbeuterischer Arbeit zu befreien, ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen und die Rechte von Kindern zu stärken.

Zwei Kinder halten eine große
Zwei Kinder halten eine große „Rote Karte gegen Kinderarbeit“

Viele nicht einmal 12 Jahre jung

Denn immer noch müssen 138 Millionen Kinder auf der Welt arbeiten – mehr als die Hälfte übrigens unter 12 Jahren und mehr als ein Drittel in besonders gefährlichen Bereichen -, um sich und oft auch ihre Familien (mit-)ernähren zu können. Und das, obwohl die internationale Staatengemeinschaft sich vorgenommen hatte, Kinderarbeit bis 2025 (also dem Vorjahr) abzuschaffen.

Profitieren

Jetzt könnte es heißen, in Österreich ist das kein Thema, aber profitieren nicht viele von der Ausbeutung von Kindern im Globalen Süden – etwa durch den Kauf billiger Produkte. „Kinderarbeit findet vor allem dort statt, wo viele unserer alltäglichen Produkte ihren Ursprung haben. Also wo Rohstoffe abgebaut oder weiterverarbeitet werden“, weist eine der beteiligten Organisationen, Jugend Eine Welt, in einer Aussendung zum Aktionstag hin.

Kinder, die auf einer Bananenplantage ernten und ein Schriftzug
Kinder, die auf einer Bananenplantage ernten und ein Schriftzug „Kein Kind darf ausgebeutet werden! – Mit Bildung und Information aktiv gegen Kinderarbeit“

„Unser Wohlstand in Österreich darf nicht auf der Ausbeutung von Kindern im Globalen Süden beruhen. Aktionstage wie der ‚Internationale Tag gegen Kinderarbeit‘ sollen darauf hinweisen, dass Kinderarbeit – wie sie Anfang des 20. Jahrhundert auch in Österreich in Form der Schwabenkinder stattgefunden hat – in armen Ländern noch heute präsent ist. Daher bin ich auch der Überzeugung, dass Entwicklungszusammenarbeit bei uns in Österreich beginnt. Wir müssen unser Verhalten ändern: weniger ausbeuten, weniger zerstören, weniger wegnehmen“, meinte der Jugend-Eine-Welt-Geschäftsführer in einer Aussendung. Und er zitierte in der Folge den am Mittwoch verstorbenen Schweizer Soziologen, Autor und zeitweisen Politiker Jean Ziegler „Wir müssen den Menschen in Afrika nicht mehr spenden, es reicht, wenn wir ihnen weniger stehlen.“

Internationales Bündnis

Eine andere der Organisationen, die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar (bekannt durch Sternsinger:innen) fordert vor dem 12. Juni die Bundesregierung auf, der internationalen Allianz 8.7 (genannt nach dem entsprechenden Ziel der Nachhaltigkeitsziele) gegen Kinderarbeit beizutreten. In diesem internationalen Zusammenschluss arbeiten Staaten gemeinsam an konkreten Maßnahmen gegen Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Menschenhandel. Deutschland, die Niederlande und Frankreich sind sogenannte „Pathfinder Countries“ – Vorreiterländer.

Screenshot von der Homepage Kinderarbeit stoppen mit Postings von Statements im Stile Roter Karten mit Statements gegen Kinderarbeit
Screenshot von der Homepage Kinderarbeit stoppen mit Postings von Statements im Stile Roter Karten mit Statements gegen Kinderarbeit

Kinderstimmen gegen Kinderarbeit

Kinder, Jugendliche und Erwachsene setzen selbst ein starkes Zeichen. Sie zeigen die Rote Karte gegen Kinderarbeit, machen ein Foto und teilen es in den sozialen Medien – unter dem Motto „Kinderarbeit ist ein Foul an den Rechten von Kindern!“

Für die Videoserie „Kinderstimmen gegen Kinderarbeit“ wurden rund 50 Kinder und Jugendliche aus Österreich, Kenia, Kolumbien, Nicaragua, Indien, den Philippinen und Südafrika gefragt, was sie von Kinderarbeit halten. Die Antworten: Stattdessen wollen sie einfach lernen, spielen, Freund:innen treffen und ihre Zukunft gestalten.

Sujetbild zur Aktkion
Sujetbild zur Aktkion „Rote Karte ggen Kinderarbeit!“ – Schriftzug sowie eine Rote Karte und zwei kleine Fotos von Frauen mit so einer großen Roten Karte

„Wenn ich eine Superkraft hätte, dann wäre es die Kraft der Verbindung, denn gemeinsam können wir sagen: Kinderarbeit stoppen“, sagt die 16-jährige Leyda Lisseth (Nicaragua). Lalita (Indien) fordert: „Sagt ‚Nein‘ zu Kinderarbeit. Jedes Kind hat das Recht, frei zu sein, zur Schule zu gehen und eine glückliche Kindheit zu genießen.“ Und Joseph (Kenia) bringt die Botschaft vieler Kinder auf den Punkt: „Lasst die Kinder Kinder sein!“

Aktiv werden

Zudem können Bürger*innen mit einer österreichweiten E-Mailaktion Bundeskanzler Christian Stocker, Sozialministerin Korinna Schumann und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger direkt zum Handeln auffordern und den Beitritt Österreichs zur Allianz 8.7 unterstützen.

kijuku_heinz

kinderarbeitstoppen

kinderstimmen-gegen-kinderarbeit

rote-karte-gegen-kinderarbeit 

gerechtigkeit-fordern

jugendeinewelt –> kinderarbeit

netzwerkinternational.at

wikipedia –> Welttag_gegen_Kinderarbeit

Doppelseite aus dem bebilderten Buch "Frida Kahlo - die Farben einer starken Frau"

Frida Kahlos Protest gegen unfähigen Lehrer

„Entlassen Sie diesen Lehrer! Er ist total unfähig! … Der kann nichts und der weiß nichts. Wenn wir ihn etwas fragen, bekommen wir keine oder eine falsche Antwort“, soll die 16-jährige Schülerin Magdalena Carmen Frieda Kahlo y Calderón dem Direktor der Escuela Nacional Preparatoria in Mexico City gesagt haben. Dort war sie eines von nur 35 Mädchen unter 2000 Burschen dieses renommierten Gymnasiums, das auf universitäre Studien vorbereitete.

So steht es im (zweiten) Kapitel „freche Frida“ eines weiteren von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… rund um den Start des Kinofilms „Hola Frida“ vorgestellten – stark bebilderten – Buches; Links zu einem Beitrag über drei andere (Bilder-)Bücher und über den Film am Ende dieses Beitrages.

Doppelseite aus dem bebilderten Buch
Doppelseite aus dem bebilderten Buch „Frida Kahlo – die Farben einer starken Frau“

Das hier besprochene – „Frida Kahlo – die Farben einer starken Frau“, geschrieben von Christine Schulz-Reiss und illustriert von Tine Schulz, natürlich auch wieder Anleihe nehmend bei den gemalten Bildern der portraitierten Künstlerin selber, ist umfangreicher, enthält mehr und teils eben weniger bekannte Informationen über diese mexikanische Künstlerin und ihre Werke.

Arbeits- und Obdachlose

Der Direktor warf sie aus der Schule, die Jugendliche schrieb an den Bildungsminister. Der reagierte überraschend, wies den Schulleiter zurecht und die später berühmt gewordene Künstlerin saß bald wieder in der Klasse.

Doppelseite aus dem bebilderten Buch
Doppelseite aus dem bebilderten Buch „Frida Kahlo – die Farben einer starken Frau“

Nicht nur diese Episode kommt sonst kaum wo vor, auch Kahlos Erschütterung über die vielen Arbeits- und Obdachlosen auf den Straßen von Detroit, die sie beim ersten USA-Aufenthalt sah, spielen in diesem Buch eine wichtige Rolle. Samt ihrer Reaktion: „Bei uns in Mexiko gibt es selbst in der Armut Farbe und Schönheit. Hier herrscht Verwahrlosung… Es ekelt mich an, dass die Reichen ausschweifende Partys feiern, während Abertausende an Hunger sterben.“

Hörbuch

Dieses Buch gibt es übrigens auch als Hörbuch in einer vollständigen ¾-stündigen Fassung, gelesen von Julia Nachtmann – siehe Info-Box.

kijuku_heinz

Bild aus dem Kinofilm "Hola Frida!"

Niemals aufgeben!

Bunte lebensfrohe Farben in animierten, die an gemalte Bilder angelehnt sind und dazu ein hell klingendes Lied mit doch einem Schuss Schwermut: „Mein vertrautes Herz wird geschützt durch Magie, es führt mich durch jede Lage, die Farben in mir, sie sind meine Kraft, zeigen mein Herz und verbergen es nicht. Ich trage ein Korsett, das meine Freiheit nicht stehlen soll, trage ein Leid, das ich nicht verstehen kann…“

So beginnt der Kino-Animationsfilm „Hola Frida!“ Das spanische Hallo im Titel grüßt die weltberühmte mexikanische Malerin Frida Kahlo (1907 – 1954). Von ihren Bildern und ihrer Lebensgeschichte, das heißt eigentlich (fast) „nur“ der Kindheit handeln die knapp mehr als 1¼ Stunden (mit Abspann 82 Minuten). Wobei sozusagen die erwachsene Malerin über von ihrem Äffchen umgekippte Kisten wieder in ihre Kindheit eintaucht, als aus einer dieser Boxen ihr Tagebuch fällt.

Bild aus dem Kinofilm
Bild aus dem Kinofilm „Hola Frida!“

Fieberträume

Die Kinderlähmung im Alter von sechs Jahren, die sie einerseits lange ans Bett fesselt und zwecks Ansteckungsgefahr isoliert, beschert ihr ein dünneres und kürzeres Bein. Was ihr, nachdem sie endlich wieder in die Schule gehen kann, Spott vor allem eines Mitschülers einbringt. Und davor in der intensiven Krankenphase Fieberträume, in denen sie an der Kippe zum Tod – in Gestalt einer grünlichen, unheimlichen Frau – holen will.

Und dennoch lässt sie sich nicht unterkriegen, streitet mit der Tödin um ihr Leben, trainiert für ein Rollschuh-Rennen. Und will – unterstützt von ihren Eltern, vor allem vom Vater bestärkt – Ärztin werden, wogegen damals noch viele Vorurteile gegenüber Frauen herrschten.

Obwohl sie da noch lange nicht malt, beginnt ein erster Einstieg in ihren späteren Beruf. Vater Guilermo, ursprünglich Wilhelm – er stammte aus Deutschland – ist Fotograf und animiert die Tochter dazu, die schwarz-weiß-Fotografien mit bunten Farben zu kolorieren.

Bild aus dem Kinofilm
Bild aus dem Kinofilm „Hola Frida!“

Ein Spiegel

Gegen Ende des Films – Drehbuch: Anne Bryan, Sophie Faucher, Émilie Gabrielle, André Kadi; Regie: André Kadi und Karine Vézina; Animationsregie: Audrey B. Portelance – kommt’s zur zweiten Begegnung mit Frau Tod. Nach einem Busunfall, bei dem sie schwerstens verletzt wird, will die Figur sie wieder ins Jenseits holen.

Danach musste sie monatelang nur eingegipst, geschient usw. im Bett verbringen. Und begann zu malen. Nachdem die Motive, die sie aus dieser Perspektive sehen und als Inspiration dienten, bald zu Ende gingen, montierten die Eltern über ihrem Bett einen Spiegel – und sie begann mit jenen Bildern, die sie nicht zuletzt berühmt gemacht haben – Selbstportraits. Immer wieder auch mit Symbolen und Anspielungen – auf ihre mütterlicherseits indigenen Wurzeln…

Allen körperlichen Einschränkungen – Dutzende Operationen, Korsett … – zum Trotz wurde sie dann Malerin – bei einer Ausstellungseröffnung ließ sie sich sogar mit Krankenbett in ie Galerie bringen.

Bild aus dem Kinofilm
Bild aus dem Kinofilm „Hola Frida!“

Inspirierende Gemälde

Diese ihre späteren Jahrzehnte werden in kurzen Sätzen der nun wieder in ihr Erwachsenen-Dasein zurückgekehrten Frida Kahlo knapp angedeutet.nIhre Bilder und die in ihnen hinein„gezauberten“ Gefühle und Stimmungen, die auch so manche (Kinder-)Bücher über Kahlo inspirierten, durchziehen den Film, der sich an dem französisch-sprachigen Bilderbuch „Frida, c’est moi“ (Text: Sophie Faucher, Illustration: Cara Carmina) orientiert.

Einige – deutschsprachige – Bilderbücher, von denen einige übrigens mehr über Frida Kahlos auch gesellschaftspolitische Haltungen und eintreten gegen Ungerechtigkeiten erzählen, werden in einem eigenen Beitrag besprochen – und verlinkt.

kijuku_heinz

Biologin Hanitra Rakotonirina, Checker Tobi und ein Chamäleon, eine Art, die es nur in Madagaskar gibt

Vom Superhelden und seiner Superkraft Kacke und anderen „erdigen“ Faszinationen

„Wer hinterlässt die mächtigsten Spuren im Erdreich? Es ist …“ und dann folgt nur mehr ein Bildrauschen auf der uralten Videokassette. Das ist eine der ersten Szenen im neuen, dem dritten Checker-Tobi-Kinofilm: „Checker Tobi 3 – Die heimliche Herrscherin der Erde“.

Die alte Videokamera fällt Freundin Marina (Marina Blanke) beim gemeinsamen Kramen in Tobis alten Sachen in die Hände. Die hier zu Beginn und auch fast am Anfang des Films gestellte Frage kommt vom – erfundenen – achtjährigen Tobi. Den spielt Theodor Lotta. Für den achtjährigen ist das eine Premiere. Und er taucht in der auf alt gemachten, natürlich neu gedrehten, Szene auf, macht mit seiner Freundin Marina (die junge Marina wird von Lilou Jyoti Weerts dargestellt) selber „Tobi TV“ und spielt schon den Checker, der alles ergründen will. In diesen „alten“ Szenen hat es ihm die Erde „unter unseren Füßen“ – und zwar die natürlich, nicht die betonierte oder asphaltierte – angetan. Er schlüpft in ein „selbstgebasteltes“ Regenwurmkostüm und erklärt: Er ist ein Superheld und seine Superkraft ist die Kacke“ (also die des Regenwurms!), weil die für die fruchtbarste Erde sorgt.

Gar kein Checker mehr?

Und dennoch ist das nicht die Antwort auf die Frage am Anfang. Dem rund 30 Jahre älteren Tobi (Tobias Krell) aber fällt die Antwort seines (angeblichen) eigenen achtjährigen Ichs nicht und nicht ein. Da spielt der junge Kollege auf sehr enttäuscht, dass aus dem wissbegierigen Checker-Buben ein langweiliger Erwachsener geworden ist.

Bleibt natürlich nicht so. Angestachelt durch diesen Trick macht er sich – nach Wasser im ersten und Luft im zweiten nun im dritten Kinofilm auf in verschiedenste Gegenden der Welt, um nach spannenden Geschichten rund um Erde zu suchen und sie ins Bild zu rücken (Buch und Regie: Antonia Simm).

Auf Klettertour in den messerscharfen Felsen von Tsingy in Madagaskar
Auf Klettertour in den messerscharfen Felsen von Tsingy in Madagaskar

Madagaskar und Arktis

Mit der in Madagaskar aufgewachsenen, in Deutschland studierten und arbeitenden Biologin Dr. Hanitra Markolf Rakotonirina reist er in deren ersten Heimat, zu Tieren, die es nur dort und sonst nirgends auf der Welt gibt. Aber auch zu einem von ihr mitgegründeten und immer wieder besuchten und betriebenen Umweltprojekt „Chances for Nature“ und einer Baumschule für junge Baobabs, von denen er ausgewachsene 800 und 1000 Jahre alte live erlebt. Und er nimmt eine Kiste solcher Samen mit, um sie in Spitzbergen fast am Nordpol mit dem dort lebenden und arbeitenden deutschen Geologen Malte Jochen in den weltweiten Saatguttresor in einem natürlichen Tiefkühlstollen zu bringen.

Mexiko

Aber weder Regenwurm, noch Madagaskar, noch die 60 Millionen Jahre alten Bäume, die zu Steinkohle geworden sind, bringen den „alten“ Checker Tobi näher an die Antwort auf die Frage des eigenen kindlichen Ichs. Und so reist er weiter nach Mexiko. Die Anthropologie-Studentin aus Österreich Samara Sánchez-Pöll, die in ihrer ersten Heimat bei den Maya in einem sozialen Landwirtschaftsprojekt nach uralten Rezepten kocht, bringt ihn zu einem faszinierenden traditionellen Anbaufeld, wo Mais, Bohnen und Kürbis gemeinsam wachsen, weil die Indigenen wussten, dass alle drei Früchte davon profitieren.

Toabias Krell bei Nachfahren der alten Maya in Mexiko
Toabias Krell bei Nachfahren der alten Maya in Mexiko

Ausgrabungen

Aber auch das bringt ihn noch nicht nur gesuchten Antwort, ebenso wenig wie die Hilfe beim Archäologen Nicolaus Seefeld – auch wenn sie dabei auf einen Mais-Mahlstein bei einer Ausgrabung stoßen. Beim Aufstieg auf eine der Maya-Pyramiden von Calakmul philosophiert Checker Tobi schließlich, ob es nicht überhaupt egal sei, die oder eine Antwort zu finden, sondern viel wichtiger ständig Fragen zu stellen und nach deren Antworten zu suchen. Und findet letztlich doch eine Antwort – die aber hier sicher nicht gespoilert werden soll.

Feuer als Teil 4

Was aber schon verraten werden darf, weil es Marina Blanke im Interview für das Medienheft zum Film schon verraten hat: „Tatsächlich sammeln wir auch gerade schon fleißig Ideen, wie ein Film über das Feuer entstehen könnte. Wie die anderen drei, ist auch das Feuer ein spannendes Element, über das man viel erzählen und herausfinden kann. Feuer hängt untrennbar mit den anderen Elementen zusammen, es braucht Luft um zu brennen, Material, das es verzehren kann und Wasser, das es löscht… da lässt sich doch eine spannende Geschichte mit vielen Gesichtern des Feuers draus machen, oder? Ich freue mich besonders darüber, dass wir diesen Film als allerersten Checkerin-Marina-Kinofilm planen. Mal sehen, was sich da so checken lässt!“

Im mexikanischen Dschungel vor einer Maya-Pyramide
Im mexikanischen Dschungel vor einer Maya-Pyramide

„Total lustig und spannend“

Denn beim Erde-Film spielt Marina nur echt eine kleine Nebenrolle und damit auch ihr kindliches Ebenbild, die zehnjährige Lilou Jyoti Weerts, während ihr junger Kollege Theodor Latta immer wieder im Film auftaucht – für alle anderen außer Tobi in den Szenen aber nicht zu sehen. Die Dreharbeiten fand er – laut Medienheft der Filmfirma – „total lustig und spannend am Set. Die Crew war supernett und wir haben viel gelacht. Mit Tobi hab ich mich auch super verstanden. Wir hatten auch vor jedem Dreh ein kleines Ritual. Und ich hatte einen Schauspiel-Coach, Joe, er war beim Dreh immer dabei und hat mir sehr geholfen, in meine Rolle vom kleinen Tobi zu schlüpfen. Mit ihm war’s auch immer lustig.“ Am Coolsten fand er: „Die Reise nach Mexiko war natürlich mega aufregend und ich habe viel erlebt und gesehen. So weit bin ich noch nie geflogen!“

Autorin und Regisseurin

„Die Erde ist ein wahres Wunderwerk, über das sich unzählige Geschichten erzählen lassen“, wird Drehbuchautorin und Regisseurin Antonia Simm im Presseheft des Filmverleihs zitiert und weist auf die bekannte, nicht selten aber zu wenig präsente Erkenntnis hin, dass „in einer einzigen Handvoll Erde mehr Lebewesen“ existieren, „als es Menschen auf der Welt gibt!“
„In dieser Geschichte war es mir besonders wichtig, den Kindern eine Stimme zu geben – sind sie doch die wahren Expertinnen, wenn es um Erde geht: Sie erleben sie hautnah, mit allen Sinnen. Kinder zu bestärken, selbst etwas in die Hand zu nehmen, war mir schon immer ein großes Anliegen. Mit diesem Film möchte ich außerdem zeigen, dass in uns allen ein kleiner Tobi steckt. Ich wünsche mir, dass unsere Kinobesucherinnen – ob groß oder klein – Lust bekommen, die Ärmel hochzukrempeln, die Welt um sich herum neugierig zu entdecken und so die Zukunft aktiv mitzugestalten.“

kijuku_heinz

Plakat zum Kinofilm
Filmplakt zum dritten Checker-Tobi-Kinofilm
Azalea López "belebt" Gymnastik-Bänder in "Punkt und Linie"

Vom unsichtbaren Punkt bis zum großen Ball

Aus Mexiko angereist kamen eine Tänzerin und ihre Regisseurin mit dem Stück „Punkt und Linie“ für das jüngste Publikum – ab sechs Monaten. Geplant waren neben vier ¾-stündigen Auftritten im Dschungel davor schon drei Wochen in Palästina. Woraus kurzfristig klarerweise nichts geworden ist.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Unsichtbar und doch zu erkennen

Auf der großen weißen Tanzfläche verharrt Azalea López zunächst fast starr sitzend bis alle Zuschauer:innen auf ihren Plätzen sitzen – auf zwei Seiten des Tanzbodens. Der Punkt, von dem im Titel des Stücks die Rede ist: Unsichtbar greift die Tänzerin mit Daumen und Zeigefinger in die Luft und schnappt sich einen solchen. Mit dem tanzt sie durch den Raum – mal nahe an die eine, dann wieder die andere Publikumstribüne. Um danach aus diesem so bewegten „Nichts“ auch noch baugleiche Linien zu ziehen. Klar sind diese zu erkennen.

Soweit sozusagen die Einleitungsphase des Stückes, bei dem Michelle Guerra Regie führte. Ursprünglich waren beide in der Gruppe „Colectivo de Teatro en Espiral“ (Ensenada im Nordwesten Mexikos nahe der US-Grenze) bevor die Tänzerin mit „Indómita Danza I Teatro“ in Guadalajara ebenfalls im Westen aber gut 33 Autobus- bzw. an die drei Flugstunden entfernt) ihre eigene Gruppe gründete.

Bänder, Reifen, Ball

In der Folge agiert die Tänzerin mit drei der fünf „Geräte“ in der rhythmischen Sportgymnastik: Band, Reifen und Ball (dort noch Keulen und Seil). Die Tänzerin verwendet jedoch einen riesigen Gymnastik (Sitz-)Ball – womit sie sozusagen den Kreis zum anfänglichen unsichtbaren Punkt gleichsam schließt.

Wenngleich sehr sportlich tanzt, geht’s ihr – und der Regisseurin – mehr um Bilder, die sie mit ihren Bewegungen mit Hilfe der drei genannten Objekte „malt“ und die kleine oder auch große Geschichten in den Köpfen der Zuschauer:innen auslösen. So manche Szene beinhaltet auch einen Schuss Witz.

Die Tänzerin agiert so animierend, dass einige der Kinder im Publikum recht bald, den Tanzboden mit ihr und ihren Objekten teilen wollen. Was zu gefährlichen Zusammenstößen führen könnte. Erst die letzten zehn bis 15 Minuten überlässt die Tänzerin – auch deutlich sichtbar gemacht durch ein Band, das sie von einer zur gegenüberliegenden Publikumstribüne mehrfach hin und her gespanntes Band signalisiert.

Möglicherweise bräuchte es mehr als die Ansage vor Stückbeginn – eventuell eine deutlich markierte Trennlinie zwischen Tanzboden und Publikumsreihen?

Follow@kiJuKUheinz

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen