Noch nicht so traditionsreich wie das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, aber auch nicht zum ersten Mal, strahlt Radio Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater – am 1. Jänner 2026 das Musiktheaterstück „Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerung“ aus; und zwar in einer Inszenierung für Puppentheater, die vor einem Jahr im Salzburger Breloque Theater produziert worden ist – mehr dazu in einem Link zum vorjährigen Beitrag auf dieser Seite, unten am Ende des Beitrages.
Anlass ist die Wiederkehr des Geburtstages des Komponisten dieser im Konzentrationsalge Theresienstadt geschriebenen Antikriegsoper, Viktor Ullmann (1.1.1898 in Teschen).
Rund vier Wochen später, am 27. Jänner, dem 81. Jahrestag der Befreiung des Nazi-Massenvernichtungslagers Auschwitz, in dem auch Ullmann ermordet wurde (18.Oktober 1944) strahlt Arbos auf seiner Website dann einen Live-Mitschnitt jener Fassung der genannten Antikriegsoper aus, die am 23. Mai 1995 im tschechischen Terezín (Theresienstadt) 50 Jahre nach Faschismus und Krieg erstaufgeführt wurde – in der rekonstruierten Originalfassung Ullmanns von Karel Berman, Paul Kling und Herbert Thomas Mandl. Alle drei waren am Prozess der Fertigstellung von Ullmanns Anti-Kriegsoper im Rahmen der „Freizeitgestaltung“ im Konzentrationslager Theresienstadt beteiligt. Im KZ Theresienstadt wurde Ullmanns Antikriegsoper ja „nur“ geprobt, nie gespielt.
Karel Berman probte die Partie des Todes in Theresienstadt. Bermans Rollenbuch des Todes von Ullmanns „Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerung“ war die wichtigste Quelle zur Rekonstruktion der Originalfassung, neben den Berichten des Konzertmeisters der Theresienstädter Proben, dem Geiger Paul Kling, und den Berichten von Herbert Thomas Mandl, der bei allen in Theresienstadt statt gefundenen Proben anwesend war. Musik und Libretto zur Anti-Kriegsoper stammen von Viktor Ullmann, die auf den eigenen Kriegserfahrungen im Ersten Weltkrieg basiert.
Die Tschechische Erstaufführung fand am 24. September 1993 im Národní památník na Vítkově im Prager Bezirk Žižkov – gegenüber der Prager Burg und Symbol für den Kampf um Freiheit der Tschechoslowakei – statt durch „ARBOS – Gesellschaft für Musik und Theater“ und war die Opernaufführung des Jahres 1993 in der Tschechischen Republik.
Am 27. Jänner 2025 jährt sich die Befreiung von Auschwitz, des berüchtigsten Vernichtungslagers der Nazis, durch die sowjetische Rote Armee, zum 80. Mal. Vor 20 Jahren wurde der 27. Jänner zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Neben vielen Gedenkveranstaltungen streamt Arbos (Gesellschaft für Musik und Theater) online die Originalfassung von „Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung“ von Viktor Ullmann – Details und Link am Ende des Beitrages in der Info-Box.
Der Komponist und Librettist schuf diese Antikriegs-Oper im Konzentrationslager Theresienstadt 1943/44. Am 18. Oktober 1944 wurde Ullmann – nach Auschwitz-Birkenau verfrachtet dort ermordet.
Am 23. Mai 1995 wurde die Oper zum ersten Mal in Theresienstadt aufgeführt. Eine Aufnahme dieser Aufführung sendet Arbos über seine Website, nachdem diese Vereinigung Viktor Ullmanns Werk zu Jahresbeginn schon als Puppentheater aus dem Salzburger Breloque-Theater online übertragen hat.
Im Sommer 1944 wurde die Oper erstmals im Konzentrationslager Theresienstadt im Rahmen der Freizeitgestaltung geprobt. Karel Berman probte die Partie des Todes, Paul Kling war als Violinist Konzertmeister des Kammerorchesters, an allen Proben nahm auch der Geiger Herbert Thomas Mandl teil als Sekretär der jüdischen Selbstverwaltung dieses Konzentrationslagers. An diesen Proben war Viktor Ullmann nicht beteiligt. Und in Theresienstadt wurde auch nicht die Originalfassung des Komponisten geprobt, sondern eine den Bedingungen von Aufführungen im Kaffeehaus angepasste verkürzte Fassung probiert. Ullmanns Oper war für eine Aufführung im Kaffeehaus zu lang, und wurde durch den Dirigenten Rafael Schächter in der Musik gekürzt und vom Dichter Peter Kien mit Texten für diese Fassung versehen. Deshalb existieren zwei Fassungen von Ullmanns Anti-Kriegsoper.
Danach dauerte es Jahrzehnte, bis Ullmanns „Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerung“ wieder gespielt wurde. Am 24. Sepember 1993 gab es in der Tschechischen Republik im Národný Pamätník im Bezirk Žižkov in Prag die Tschechische Erstaufführung durch ARBOS – Gesellschaft für Musik und Theater. Die Inszenierung wurde zur Operninszenierung des Jahres 1993 in der Tschechischen Republik gewählt. Der Prozess der authentischen Rekonstruktion des Originals der Oper geschah in Auftrag und Mitarbeit von Herbert Gantschacher ab Jänner 1993 in Zusammenarbeit mit den überlebenden Zeitzeugen Karel Berman, Paul Kling, Herbert Thomas Mandl und dem Musikwissenschaftler Ingo Schultz. Musikalisch betreut wurden diese Arbeiten durch den Dirigenten Alexander Drčar im Auftrag des Regisseurs und Produzenten Herbert Gantschacher. Alexander Drčar leitete als Dirigent die Studioaufnahme der Originalfassung Ullmanns Anti-Kriegsoper und dirigierte am 23. Mai 1995 die Erstaufführung in Theresienstadt.
Am ersten Tag des neuen Jahres 2025 überträgt „Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater“ aus dem Salzburger Breloque-Theater Viktor Ullmanns im Konzentrationslager Theresienstadt komponierte Oper „Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung“ (Ullmann unter Mitarbeit von Peter Kien). Er schrieb dieses musikalische Theaterstück 1943 und 1944 als Kritik am herrschenden Nazisystem bzw. an jeder Form autoritärer menschenverachtender Regimes – ausgehend von eigenen Erfahrungen als Soldat im Ersten Weltkrieg – und wurde am 18. Oktober 1944 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet.
Erst mehr als 30 Jahre nach seinem gewaltsamen Tod erfolgte die Uraufführung in der Amsterdamer (Niederlande) Oper. Das genannte Theater in der Stadt Salzburg – gegründet von Myrto Dimitriadou, der langjährigen Leiterin des Toihaus Theaters in unmittelbarer Nähe, inszeniert diese Oper als Zusammenarbeit von Schau- und Puppenspieler:innen. Regie führt Herbert Gantschacher, der sich seit Jahrzehnten mit Leben und Wer von Viktor Ullmann beschäftigt und dazu schon viel publiziert sowie die Ausstellung Ausstellung „Viktor Ullmann – Zeuge und Opfer der Apokalypse“ kuratiert hat – Link zum Viktor-Ullmann-Projekt am Ende des Beitrages. Rita Luksch und Markus Rupert spielen mit handgefertigten Requisiten und Puppen der bildenden Künstlerin Burgis Paier.
Anlass für die Übertragung ist die 127. Wiederkehr des Geburtstages von Ullmann (1. Jänner 1898 in Teschen. Sein Vater Maximilian Ullmann war Berufsoffizier und zu dieser Zeit dort stationiert. In Teschen war das Armee-Oberkommando der k.u.k. Wehrmacht der Vielfachmonarchie des Erzhauses Habsburg untergebracht. Heute ist die Stadt entlang des Flusses Olsa zwischen der Republik Polen, Cieszyn, und der Tschechischen Republik, Český Těšín, geteilt.
Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater überträgt diese Oper in dieser Inszenierung in diesem Jahr noch einmal – wieder kostenlos; Spenden erwünscht: Am 18. Oktober 2025 anlässlich des 81. Jahrestages der Ermordung Ullmanns im KZ Auschwitz – durch das Giftgas Zyklon B. Als Soldat im Ersten Weltkrieg war er Zeuge des Giftgasangriffs an der Isonzofront am 24. Oktober 1917 geworden, bei der Grünkreuz und Blaukreuz eingesetzt wurde – artverwandt zum von den Nazis verwendeten Zyklon.
arbos -> stream „Der Kaiser von Atlantis…: 1. Jänner 2025; 20 Uhr“
Weihnachten war in – früheren – Kriegen oft Anlass für wenigstens einen kurzzeitigen Waffenstillstand. Berühmt sind etwa die Bilder von Soldaten im ersten Weltkrieg, die aus den Schützengräben kamen und gegeneinander Fußball spielt und miteinander feierten. Einen solchen Waffenstillstand gab es nicht nur an der Westfront 1914, sondern auch im Osten – wie hier schon vor zwei Jahren berichtet wurde. Dieser Absatz sei im folgenden hier wiederholt, sozusagen ein Eigen-Zitat:
Es gab eine solche Unterbrechung des Krieges auch im Osten zwischen den Truppen des Russischen Reiches und der Habsburger-Monarchie im belagerten Przemysl. Darüber berichtete die Krankenschwester Ilka Michaelsburg, deren Buch „Im belagerten Przemysl“ 1915 erschien. Drei Mal gab es solchen Waffenstillstand, berichtet sie: Am Heiligen Abend 1914, am Neujahrstag 1915 und zum russischen Weihnachtsfest Anfang Jänner 1915. „Im Vorfeld schwenkte der Feind die weiße Fahne und schickte eine Deputation von zwei russischen Offizieren zur Weihnachtsbeglückwünschung in unser Lager herüber. Sie brachten russischen Tabak und Zigaretten als Weihnachtsgabe … daß am russischen Weihnachtsabend österreichische Offiziere die russische Beglückwünschung erwidert haben, indem sie gleichzeitig als Gegenleistung für die Zigaretten der Belagerungsarmee – Sardinen und Salami überreichten“, heißt es in dem Buch.
In beiden Fällen ging der Krieg danach jedoch unvermindert weiter. Aktuell gibt es nicht einmal solche Waffenstillstände – egal wo und egal zu welchen Feiertagen. An diese kurzfristigen Unterbrechungen der Kampfhandlungen einerseits und generell an die Frage Krieg oder Frieden möchte auch dieses Jahr Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater (veranstaltet unter anderem das internationale Visuelle Theater-Festival vormals Gehörlosentheater-Festival) erinnern. Online wird erneut ein Konzert mit thematisch passender Musik gestreamt – im Wesentlichen die selben Stücke wie in den vergangenen Jahren u.a. „Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung“ von Viktor Ullmann (Libretto und Musik), aber mit einigen wenigen Abweichungen (gespielt von anderen Ensembles) bzw. Ergänzungen – Liste in der Info-Box am Ende des Beitrages.
Neujahrskonzerte gibt es mehrere – nicht nur das berühmte der Wiener Philharmoniker aus dem Musikvereinssaal, das in rund 100 Länder übertragen wird. Im Volkstheater spielen Slavko Ninić und die Wiener Tschuschenkapelle unter dem Titel „Mir sann et nur mir“ im Wiener Volkstheater (18 Uhr). Und ARBOS – Gesellschaft für Musik und Theater überträgt ab 20 Uhr live und online „Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerung“ in der Inszenierung für Puppentheater aus dem Museum Grad Kromberk in Nova Gorica (Slowenien).
Über das Philharmoniker-Konzert, heuer dirigiert von Franz Welser-Möst, mit fast nur Strauß-Nummern, die zuvor noch nie beim Neujahrskonzert gespielt worden sind, braucht nicht viel geschrieben zu werden – praktisch alle Medien sind voll damit (gewesen).
Das Repertoire der „Wiener Tschuschenkapelle“ mit Band-Leader Slavko Ninić als Moderator, die mittlerweile auch schon zum 23. Mal zum frühabendlichen Neujahrskonzert im Wiener Volkstheater einladen, umfasst traditionelle sowie selbstkomponierte Lieder aus Balkanländern, Serenaden des Mittelmeeres, türkisch-arabisch-orientalen Weisen, griechischen Rembetiko, bosnische Sevdalinka und vieles mehr. Und bringt immer wieder (neue) Gäste dazu, Bühne und Saal zum Schwingen zu bringen – Details siehe Info-Box.
Auch nicht zum ersten Mal überträgt ARBOS – Gesellschaft für Musik und Theater am Abend des 1. Jänner die Oper „Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerung“ live und online in einer Inszenierung für Puppentheater aus dem Museum Grad Kromberk im slowenischen Nova Gorica. Anlass: die 125. Widerkehr des Geburtstages von Viktor Ullmann, der diese Oper geschaffen hat – Im Konzentrationslager Theresienstadt.
Viktor Ullmann wurde als Soldat im Ersten Weltkrieg Zeuge des Giftgasangriffs an der Isonzofront am 24. Oktober 1917. Als Person jüdischer Herkunft wurde er von den Nazis erst ins KZ Theresienstadt verfrachtet – wo er trotzdem die Antikriegsoper schreiben und komponieren konnte. Am 16. Oktober 1944 wurde er ins Vernichtungslager Auschwitz gebracht, wo er zwei Tage später mit dem Giftgas Zyklon B – wie viele andere – ermordet wurde.
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