Neues Bündnis für „Inklusion am Arbeitsmarkt“ zum europäischen Protesttag zur Gelichstellung von Menschen mit Behinderungen.
Mit Erfolgsgeschichten motivieren, aber auch kritisieren, dass man kaum „teurer sparen kann“ und fordern, dass Maßnahmen zur beruflichen Integration von Menschen mit Behinderungen eher gefördert als gekürzt werden müssten / sollten. Vielleicht lässt sich so kürzest zusammenfassen, was eine neue Initiative am Montag in einem Mediengespräch will.
„Chancenreich – Bündnis für Inklusion am Arbeitsmarkt“ nennt sich die Kooperation einiger Organisationen sowie von Unternehmen, die schon Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen beschäftigen. Anlass ist der am 5. Mai begangene europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Angefangen hatten mit dem 1992 „Interessenvertretungen Selbstbestimmt Leben Deutschland (ISL)“. Das Datum haben sie gewählt, weil dies der Europatag des Europarates ist und ISL wollte, „dass alle Menschen europaweit gleichgestellt sein sollen“ (zitiert von der Homepage Kleiner-Kalender.de, die viiiiele Jahres- und andere denkwürdige Tage auflistet und beschreibt).
Mit Verena Köll, die seit knapp mehr als einem Jahr halbtags im Café Insieme (italienisch für zusammen, miteinander) in der Tiroler Stadt Schwaz arbeitet und ihrer Chefin und Café-Besitzerin Lina Kasapoğlu präsentierte sich ein Erfolgsduo, das extra sehr früh morgens nach Wien angereist war. – Mehr dazu in einem Interview mit beiden in einem eigenen Beitrag, unten verlinkt. Weitere Erfolgsbeispiele finden sich als Videos auf der neuen Chancenreich-Website.
In Zeiten der Verhandlungen um das künftige Doppelbudget, bei denen im Vordergrund steht, wo kann was und wie viel eingespart werden, geht es nicht nur darum, soziale Härten zu vermeiden, sondern einerseits die Würde von Menschen zu wahren, und andererseits dummes Sparen, das am Ende mehr Kosten verursacht, zu verhindern. „Jeder in berufliche Teilhabe und inklusive Berufsbildung investierte Euro schafft Chancen, fördert Selbstbestimmung und stärkt nachhaltig Wirtschaft, Gesellschaft und Menschen mit Behinderungen. Lohn statt Taschengeld muss Realität werden!“, verlangte etwas Lebenshilfe-Generalsekretär Philippe Narval bei dem Mediengespräche.
Aber erfolgreiche berufliche Integration bzw. Inklusion brauche auch professionelle, unterstützende Begleitung. Das führte nicht zuletzt Andreas Jesse aus Kärnten, Vorstand des Dachverbandes Berufliche Inklusion Austria (dabei) und Geschäftsführer der sozialen DienstleistungsGmbH autArK aus. Menschen mit Behinderung brauchen – auch für die Arbeitgeber:innen – in der ersten beruflichen Phase begleitende Unterstützung, manche auch dauerhaft Arbeits-Assistenz.
Über den sogenannten AusgleichsTax-Fonds (ATF) – aus Beiträgen von Unternehmen, die sich von der Verpflichtung Menschen mit Behinderungen „freikaufen“, aber auch vielen öffentlichen Geldern – werden mehr als 210 Projekte des Netzwerks Berufliche Assistenz (NEBA) gefördert. Dies ermöglicht die Betreuung von 110.00 Menschen mit Behinderungen und ausgrenzungsgefährdeten Jugendlichen, die von 2800 Fachkräften begleitet werden.
Mehr als die Hälfte solcher Begleitungen führten zu Beschäftigungen, fast neun von zehn davon wiederum am ersten Arbeitsmarkt.
Nicht nur die Unwürdigkeit reiner Taschengeldbezüge in Werkstätten, sondern auch eigenes verdientes Geld samt Steuerleistungen und Sozialversicherungsbeiträgen ist auch volkswirtschaftlich sinnvoller als Angewiesensein auf Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe.
Die Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderungen ist nicht nur rund doppelt so hoch wie der Durchschnitt, sondern steigt auch deutlich höher: März 2026: + 14,2% (im Vergleich: Menschen ohne Behinderung: + 2%); bei Unter-25-Jährigen: + 11,9% (0,9%). Und sie sind, so Zahlen von Jesse aus den AMS-Berichten, fast doppelt so lange arbeitslos: 196 vs. 108 Tage.
Schon bei einem Mediengespräch vor knapp einem Monat, unter anderem mit Lebenshilfe und Caritas, wurde darauf hingewiesen, dass der erwähnte ATF, derzeit mit 65 Millionen Euro auf 15 Millionen, also weniger als ein Viertel, im Jahr 2029 geschrumpft werden solle.
„Dass Menschen mit Behinderungen deutlich stärker von Armut bedroht sind als die Durchschnittsbevölkerung, ist ein klares Alarmsignal: In unserer Gesellschaft haben nicht alle die gleichen Chancen. Die Zahlen und die Erfahrungen Betroffener zeigen deutlich, dass Österreich im Sinne der Menschenrechte noch erhebliche Anstrengungen unternehmen muss, um einen wirklich inklusiven Arbeitsmarkt zu schaffen“, machte Anna Parr, Generalsekretärin der Caritas Österreich, auf einen weiteren Aspekt sowohl menschlichen Leids als auch gesamtwirtschaftlicher Unvernunft durch befürchtete Kürzungen bei beruflicher Inklusion aufmerksam.
Lebenshilfe-Generalsekretär Narval thematisierte auch Vorurteile bei Unternehmen aus dem Bereich der Mythen. So sei weit verbreitet, Menschen mit Behinderungen hätten einen besonderen Kündigungsschutz. Dies gelte aber erst nach vier Jahren.
Eine Hürde, die sich aus den neun unterschiedlichen Länderregelungen ergebe sei auch, dass es bislang nur in Wien eine Rückkehrregelung von Beschäftigten in eine Werkstatt gibt, wenn es doch nicht mit dem Job klappt.
Angebote zur beruflichen Inklusion gibt es überhaupt nur in vier der neun Bundesländer.
Eine weitere Forderung setzt schon lange davor an: Inklusive Bildung statt – erneuter – Sonderschulen.
Zu einer Version der zentralen Forderungen und Kritikpunkte in einfacher Sprache geht es im folgenden Link hier.
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