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Verena Köll und ihre Chefin Lina Kasapoğlu (links) freuen sich über die Zusammenarbeit im Café Insieme in Schwaz (Tirol)
Verena Köll und ihre Chefin Lina Kasapoğlu (links) freuen sich über die Zusammenarbeit im Café Insieme in Schwaz (Tirol)
05.05.2026

Von 55 auf 900 Euro: Eine Erfolgsgeschichte beruflicher Inklusion

Arme hoch, Jubel – und Tränen über die Freude – Gelungener echter Berufseinstieg, der weit mehr ist als finanzielle Selbstständigkeit.

Häufig breite Grinser und hin und wieder noch dazu ein Daumen hoch – das sind spontane Reaktionen von Verena Köll im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… im Wiener Café Museum. Das Interview mit ihr und ihrer Chefin Lina Kasapoğlu fand am Rande des Mediengesprächs der neuen Initiative „Chancenreich – Bündnis für Inklusion am Arbeitsmarkt“ statt. Die beiden sind dafür extra seeeehr früh aus Schwaz in Tirol nach Wien angereist und haben dort auf dem Podium vor Medienvertreter:innen auch ihre Erfolgsgeschichte präsentiert.

Gemeinsam

Lina Kasapoğlu betreibt mit ihrem Mann in dieser Tiroler Stadt (rund 15.000 Einwohner:innen, 30 Kilometer von Innsbruck entfernt) seit zweieinhalb Jahren das große Café Insieme (Italienisch für zusammen, miteinander) mitten im ersten Stock des Einkaufszentrums Stadtgalerien. „Davor haben wir seit 1994 ein Restaurant, eine Pizzeria, betrieben.“

„Eines Tages“, so erzählt Verena Köll, die bis im Vorjahr täglich – rund 12 Jahre lang – von Schwaz nach Innsbruck mit dem Zug ins kunterbunte Restaurant „Pippilotta“ pendelte, „bin ich mit meinem Freund im Insieme gesessen. Es hat mir sehr gefallen und ich hab mir gedacht, ich frag, ob sie Mitarbeiter suchen.“

KiJuKU: Und dann, gleich gefragt?
Verena Köll: Nein, noch nicht ganz, zuerst hab ich meine Mama angerufen, ob ich mich da bewerben soll. Die hat ja gesagt und dann hab ich die Lina, also die Chefin, gefragt, ob sie Mitarbeiter suchen.

KiJuKU: Und Sie haben wen gebraucht, Frau Kasapoğlu?
Lina Kasapoğlu: Ich hatte schon Bewerberinnen – ohne Behinderung. Aber die eine ist nach einer Woche gegangen, es war ihr zu laut und zu viel los. Eine andere hat einfach zwischendurch ihre Tasche gepackt und ist raus rauchen gegangen… Über Verenas Frage war ich sehr überrascht. Es war auch viel Stress, aber ich hab sie dann gefragt, für wen sie fragt. Als sie mir dann gesagt hat, für sich selber, haben wir ausgemacht, sie kann einmal eine Woche auf Probe kommen. Und ich war schon beruhigt, dass es auch eine Begleitung von Job-Chance gegeben hat, weil ich Angst hatte, was ist, wenn etwas passiert, Glas bricht, sie sich verletzt…
Verena Köll: Ich hab mich dann auch voll angestrengt, mein Bestes gegeben und am Ende haben wir sogar eine zweite Praktikumswoche ausgemacht. Und auch da konnte ich zeigen, was in mir steckt. Arbeit im Restaurant hab ich ja schon aus Innsbruck gekannt.

KiJuKU: Aus dem Praktikum wurde dann offensichtlich ein richtiger Job. Wie kam das?
Verena Köll: Nach der zweiten Woche hat die Lina gesagt, sie nimmt mich.

Verena Köll und ihre Chefin Lina Kasapoğlu (links) im Interview mit KiJuKU.at - vor dem Mediengespräch im Wiener Café Museum
Verena Köll erinnert sich auch emotional an den damaligen Gefühlsmoment, als sie die Job-Zusage gekriegt hat

KiJuKU: Wie war das in dem Moment für Sie?
Verena Köll: Super, ich hab die Arme hochgerissen und gejubelt.
Lina Kasapoğlu: Ich musste mich kurz wegdrehen, weil ich mit den Tränen gekämpft hab über diese Freude der Verena.
Verena Köll: Ich musste das dann nur noch mit „Pippilotta“ in Innsbruck abklären, dass ich dort aufhöre – das war ja keine Anstellung, sondern nur eine Qualifizierung mit Taschengeld.

KiJuKU: Nur Taschengeld, aber voll gearbeitet?
Verena Köll: Ungefähr genauso viele Stunden wie jetzt, also 20 und dafür hab ich 55 € gekriegt.

KiJuKU: In welcher Zeit?
Verena Köll: Im Monat, jetzt verdiene ich 900 Euro, hab endlich eine eigene Bankomatkarte und kann mir selber kaufen, was ich brauche oder will. Als erstes hab ich Kleidung und Schuhe gekauft und ich spar jetzt auf ein neues Zimmer.

Chefin und Mitarbeiterin - beide mit Daumen hoch
Chefin und Mitarbeiterin – beide sehr kollegial – mit Daumen hoch

KiJuKU: Das heißt, jetzt sind Sie unabhängiger, selbstständiger, haben eigenes verdientes Geld zur Verfügung und müssen auch nicht mehr nach Innsbruck pendeln.
Verena Köll: Ja, das spart in der Früh schon einige Zeit, aber das ist nicht alles. Es gefällt mir in dem Café sehr (da kommt wieder so ein breiter Grinser samt Daumen hoch). Besonders gern mag ich die Arbeit an der Bar. Und meine Chefin ist eigentlich mehr eine Kollegin.
Lina Kasapoğlu: Verena braucht jetzt auch (begonnen hat sie am 1. April des Vorjahres) die Job-Begleitung nicht mehr. Sie weiß alles, sie kann alles und wir haben immer wieder Augenkontakt. Wenn sie kurz eine Pause braucht, machen wir das so über Blicke aus.

KiJuKU: Danke für das Gespräch und teşekkür ederim!

kijuku_heinz

stadtgalerien schwaz –> insieme

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