Künstlerisch-philosophisch-poetisches Bilderbuch über (scheinbare) Patzer beim Zeichnen.
An vielen gelben Luftballons hängend, schweben fröhlich-verspielt dreinschauende junge Menschen zwischen den Buchstaben h und l des Wortes Fehler auf der Titelseite des Bilderbuchs „Die Kunst, Fehler zu machen“.
Autorin und gleichzeitig Illustratorin – oder umgekehrt (?) – Corinna Luyken, die Poesie, Druckgrafik und Tanzimprovisation studierte, feiert auf mehr als vier Dutzend Seiten (scheinbare) Fehler.
So wird aus einem Ballon ein menschliches Gesicht – die Augen ungleich groß, die Korrektur des Kleineren macht dieses wiederum nun größer als das andere… aber dann die Idee mit einer Brille…
Ein großes schwarzes irgendwas wird zum Busch – „eine weitere gute Idee…, sodass man nicht sehen konnte, dass dahinter…“ – umgeblättert … „das Frosch-Katze-Kuh-Ding gewesen war.“
Immer wieder nennt Luyken in einem ihrer Bilder einen Fehler, der Ausgangspunkt für einen neuen Blickwinkel, eine neue kleine Geschichte ist.
Der Verlag preist das Werk als Bilderbuch für Erwachsene an – samt Anleitung, wie es helfen kann: Aus Fehlern lernen, sich von Perfektionismus lösen, Trost spenden, positive Perspektiven. Warum soll das nicht auch für Kinder und Jugendliche gelten? Gerade sie erleiden allzu oft im Schulsystem, dass mehr auf Fehler als auf das Gelungene geachtet wird.
Viele der Bilder – ob sie der Illustratorin wirklich passiert sind oder sie diese vielleicht genauso als scheinbare Fehler geplant hat – wird nie aufgelöst, können Anregung sein, mögliche eigene erste Fehler zu nutzen, um daraus Neues zu schaffen. Oder auch „nur“ aus dem einen oder anderen zu lernen; etwas das ein Wesenselement von Wissenschaft und Forschung, nicht selten auch von Kunst ist. Solche ziehen in den ersten Ferienwochen wieder viele Kinder in Hörsäle, Labors, Seminar- und andere Räume der Kinderunis.
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… hat vor knapp mehr als einem Jahr eine Reportage über das Projekt „Fail-Stunde“, ein Projekt der „Mut-Million“ gemacht, wo Fehler nicht rot angestrichen werden, sondern Ausgangsbasis sind, um Herausforderungen im nächsten Schritt besser angehen zu können – Links am Ende des Beitrages.
Vor Jahrzehnten geisterte oft ein Vers durch viele Stammbücher: „Irrtümer haben ihren Wert; jedoch nur hier und da. Nicht jeder, der nach Indien fährt, entdeckt Amerika.“. Meist wussten die Schreiber:innen nicht, dass der unter dem Titel „Der schöpferische Irrtum“ von Erich Kästner stammt. Und noch seltener wurde das mit der „Entdeckung“ als grundlegender Irrtum des Blickwinkels erkannt – lebten doch schon seit Tausenden Jahren Menschen auf diesem Kontinent.
Text und Illustration: Corinna Luyken
Übersetzung aus dem Englischen: Paula Hagenmeier
Die Kunst, Fehler zu machen
54 Seiten
Dressler illustro / Oetinger
20,60 €
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