Mitreißendes Spiel eines jungen Solo-Clowns mit einem alten, aber adaptieren und jedenfalls erfrischenden, Stück seines Vaters.
Eine knappe Stunde reißt dieser Clown das Publikum mit. Und animiert sein (ganz) junges Publikum unwillkürlich immer wieder auch, spontan sich ins Geschehen ein wenig einzumischen. Und das, obwohl Dario Zorell seinen ersten Auftritt sehr durchsichtig anlegt.
Die Bühne bleibt nach Öffnung des samtroten Vorhangs leer. Also nicht ganz – auf einem Podest steht ein Monitor, an der Wand hängt ein roter Erste-Hilfe-Koffer mit den lange mysteriös wirkenden / bleibenden Buchstaben ND Und dann taucht er von hinten zwischen den Publikumsreihen auf, setzt sich in die erste Reihe zu den Kindern.
Tut so, als würde er warten, dass sich endlich etwas auf der Bühne tut. Steht wieder auf, entschuldigt sich für sein Zuspätkommen. Wiederholt das – so viel sei schon verraten – fast unzählige Male. Er hätte müssen ein Eis essen und eine Sorte nach der anderen… Immer mit niedersetzen, aufstehen… – liest sich vielleicht fad. Aber so wie er’s spielt provoziert Dario Zorell eine Lachsalve nach der nächsten.
Der Monitor spielt natürlich eine Rolle, welche – nein, so viel wird hier nicht gespoilert. Überhaupt ist es ziemlich schwierig über „Hasenfuß – Apfelmus – Pfiffikus“, das am Tag des Sommerbeginns Premiere im Clowntheater Olé (Wien) hatte, zu schreiben, ohne Gags vorwegzunehmen.
Im Spiel selbst ist in manchen Szenen das weitere Geschehen durchaus zu erahnen. Doch dann wiederum nimmt das Schauspiel des jungen Clowns doch überraschende Kurven. Aber nicht nur die erzeugen herzhafte Lacher. Regie führten übrigens seine Eltern Verena Vondrak und Hubertus Zorell, die – gemeinsam mit vier weiteren Clown:innen Co-Direktor:innen des Kellertheaters sind; bei Hitze super angenehm kühl, um nicht zu schreiben cool 😉
Vater Hubertus nutzte vor gut drei Jahrzehnten seine -us-Endung, um das Stück „Hubertus – Hasenfuß – Apfelmus“ zu nennen. So wie sein voriges Clown-Solo „Im Auftrag des Herrn Direktor“ übernahm der Sohn auch dieses Stück – entwickelte es aber gemeinsam mit dem Regie-Duo weiter zu seinem eigenen.
Der erwähnte Monitor spielt als Requisit noch eine wichtige Rolle und rund um diesen eine Geschichte von einem König sowie dem Hofnarren. Ersterer ganz grausam und letzterer – als Widerpart gegen die Diktatur des Monarchen. Wie Clown:innen und Hofnärr:innen ja oft Widerstand der Unterdrückten auf humorvolle, ironische, witzige Weise zum Ausdruck bringen (können).
Auf welche Art und Weise dies hier erfolgt… – nein, nein, nein, Spoileralarm ist nicht erforderlich. Selber erleben hingegen ist ein herrliches Vergnügen, nicht nur für Kinder.
Ach ja, verraten sei schon, dass – einige der Fotos zeigen‘s ja – ein hölzernen Klappsessel, eine Hundeleine, eine uralte Kaffeemühle, ein Schlauch und ein großer Trichter sowie drei Klobürsten als Requisiten wichtige Rollen einnehmen. Nicht zuletzt – natürlich der schon oben genannte rote Koffer an der Wand mit den beiden Buchstaben, deren Rätsel klarerweise ebenfalls gelöst wird.
Clowntheater ab 4 Jahren
Spiel: Dario Zorell
Regie: Verena und Hubertus Zorell
19. Juli 2026
Theater am Spittelberg
1070, Spittelberggasse 10
27. September 2026
Theater im Kopfbau
6850 Dornbirn, Jahngasse 10
29. Oktober bis 1. November 2026
Frida & freD – Das Grazer Kindermuseum
8010 Graz, Friedrichgasse 34
13. November 2026
Kabarett Niedermair
1080, Lenaugasse 1a
21. Jänner 2027
kultur forum amthof
9560 Feldkirchen (Kärnten), Amthofgasse 5
Telefon: 0 681 2083 1217
eMail: info@herrdirektor.at
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