Rede einer jungen Schauspieierin bei der Clown:innen-Kundgebung am ersten Septemberwochenendeam Rande der Wiener Innenstadt.
Eine der Redner:innen der lustvollen, fröhlichen, bunten, widerständigen, Lächeln schenkenden Kundgebung von Clowns und Clowninnen am Samstag (6. September 2025) zwischen Karlskirche und Teich (am Rande der Innenstadt von Wien) war die junge Schauspielerin Charlotte Zorell. Sie stellte ihre Rede Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… zur Verfügung, um sie hier veröffentlichen zu dürfen.
„Wir sind hier, weil wir uns an einer gemeinsamen Schwelle befinden. Das spüren wir. Die Zukunft scheint in der Schwebe. Taumeln wir in weitere Katastrophen. Oder gehen wir in eine gerechtere Zukunft. Übertauchen wir den Globalen Faschismus und fangen nochmal von vorne an.
Wir alle verweilen also hier im Widerstand. Und unser Widerstand ist der Humor. Ein Humor, der nicht nach unten tritt. Ein Humor, der Gemeinschaft denkt. Ein Humor, der Kindlichkeit denkt, mit all ihren Facetten: Offenheit, Neugier, Zärtlichkeit, Ehrlichkeit. Wir wollen eine Gesellschaft der radikalen Zärtlichkeit!
Gegen Kriege. Gegen Femizide. Gegen Faschismus.
Clowns legen die Maske der Perfektion ab und setzen sich eine Nase der Zärtlichkeit auf. Wir wollen eine clowneske Welt. Vergesst nicht, dass Selbsthass ein wirksames Mittel der Unterdrückung ist. Und Clowns hassen nicht. Sie sind manchmal wütend. Und wütend dürfen sie sein.
Konzentrieren wir uns auf die Schäden, die für uns alle entstehen: Kapitalismus, Patriarchat und weiße Vorherrschaft knechten uns ALLE. Wir müssen also weiterhin über den größten Störfaktor reden: den Kapitalismus. Ja, scheiße, das ist langweilig, ich weiß. Wir müssen über Männer sprechen, scheiße, das ist langweilig. Aber auch super, weil die liefern ständig neues Material, über das es sich reden lässt!
Sprecht miteinander! Sprecht mit Mädchen über Consent, Einverständnis, über die ihnen einverleibte Scham, über Mut und Wut, sprecht aber vor allem mit Jungs und jungen Männern, über Einverständnis, über Sanftheit, Empathie, Verletzlichkeit, über Fürsorge.
Führt Gespräche. Über Polizeigewalt zum Beispiel. Wie viel die Polizei von der sanften Clownerie lernen könnte! Wir wollen clowneskere Polizist*innen!
Heute geht es um Freund*innenschaft. Oft wird behauptet, Theater wäre wie eine Familie. Dabei stimmt das gar nicht. Gutes (Clown-)Theater ist für mich mehr als das, es ist wie die stärkste aller sozialen zwischenmenschlichen Beziehungen: die der Freund*innenschaft.
Wir wollen Verantwortung, füreinander, Empathie und Liebe. Eine Utopie wird nicht bestehen, solange wir sie nicht behutsam zusammenbasteln. Es ist eine Utopie der Fürsorge – jenseits von Besitz- und Machtverhältnissen, hin zu gegenseitiger Sorge, Verbundenheit und kollektiver Heilung.
Mir bleibt zu sagen: ich weiß, dass Menschen besonders gefährlich wirken, weil sie gut darin sind, Koalitionen einzugehen, Gruppen zu bilden. Lassen wir uns nicht kollektiv vereinzeln. Gehen wir auch unsere Bündnisse ein. Und tanzen alle miteinander. Zum Beispiel zum Lieblings-Dancesong meiner Mama: „Sex Bomb“. Wir wollen nur noch Sex Bombs und keine realen Bomben mehr. Mama, danke, dass du immer so tanzt, dass alle mittanzen wollen! Dankeschön!“
Charlotte Zorell
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