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Szenenfoto aus "Mütter"
Szenenfoto aus "Mütter"
11.03.2022

„Mütter“ nehmen sich selber auf die Schaufel

Urkomische Performance aus Belgien im Rahmen des Skin-Festivals zu „lachen und kämpfen –feministischer Widerstand jetzt!“ im Dschungel Wien.

Applaus. Was heißt Beifall, tosende, scheinbar-never-ending Ovationen aus dem Hintergrund. Aus dem off hinter dem Vorhang. Vier Frauen treten vor diesen. Bekommen und artikulieren das auch „Gänsehaut“-Feeling.

Erinnert ein wenig an das Beklatschen von Gesundheits- oder Supermarkt-Personal knapp nach dem Beginn der Pandemie vor zwei Jahren. Einerseits billiges Abspeisen. Mit Applaus, auch wenn dieser oft als „DAS Brot der Künstler:innen“ betitelt wird, kannst dir weder Brot kaufen noch einheizen. Andererseits: Wenigstens Beachtung, Anerkennung, die du sonst vielleicht kaum bis nie kriegst.

In einer umwerfend komischen, witzigen, schrägen Performance präsentieren sich Liesje De Backer, Amber Goethals, Lotte Vaes und Sarah Vangeel von der belgischen Compagnie Barbarie als „Mütter“. So der Titel der einstündigen Show – und so ihre Charaktere. Als solche, die Anerkennung haben wollen, brauchen wie einen Bissen Brot, darum kämpfen und gleichzeitig Karikaturen von „Ma-Ma“s abgeben, die ihre Kinder fast psychoterrorisieren im Drang, von diesen geschätzt, ja geliebt zu werden.

Neben ihrem Schauspiel und (gleichen) Kostümen (Viv Van der Poel) und Perücken dienen den vier Darstellerinnen – Regie: Karolien De Bleser – so manche Objekte zur Untermauerung ihrer komödiantischen Performance wie un-besitz-bare Sessel sowie riesige Schaumstoff- und andere Teile, die sie von Kindern aus dem Publikum zu einer Riesenskulptur bauen lassen (Bühne: Michiel Van Cauwelaert). Eine (selbst-)ironische Stunde zum herzhaften Lachen!

EsRap als Comedian

Apropos Mütter. Am Abend vor der eben beschriebenen Wien-Premiere dieser Performance aus Belgien stand „Humor & Feminismus“ auf dem Programm des nunmehrigen dritten Teils des Skin-Festivals“ im Dschungel Wien. Nach einem theoretischen und historischen Abriss des Themas durch die Kuratorin Berenice Pahl, glänzten drei Künstlerinnen mit ihren komödiantischen Auftritten. DIE Überraschung des Abends war dabei die weithin bekannte, Top-Rapperin EsRap, die erstmals als Comedian auftrat und sich dabei sehr humorvoll mit ihrer Mutter und ihrem Vater auseinandersetzte.

Entdeckt übrigens von Denice Bourbon, die unter anderem den PCCC* (Politically Correct Comedy Club) Wien leitet, der bisher u.a. so mittlerweile bekannte Größen hervorgebracht hat wie Malarina (Marina Lacković), die jüngst den Förderpreis des Österreichischen Kabarettpreises gewann.

Neben einem eigenen Auftritt der meist Englisch sprechenden aus Schweden nach Österreich gekommenen Comedian sprang die bildende Künstlerin Sophia Süßmilch für die erkrankte Stefanie Sargnagel ein. Sie las ihre bitterböse-satirische Abrechnungsbeitrag mit ihrer (fiktiven?) dominanten, angeblich feministischen Mutter Hannelore aus dem Sammelband „Das Paradies ist weiblich“ (herausgegeben von Tanja Raich).

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Mütter

Compagnie Barbarie (Belgien)
Performance in deutscher und flämischer Sprache, ab 10 Jahren; rund eine Stunde

Regie: Karolien De Bleser
Darstellerinnen: Liesje De Backer, Amber Goethals, Lotte Vaes, Sarah Vangeel

Bühne: Michiel Van Cauwelaert
Kostüme: Viv Van der Poel
Sound: Saul Mombaerts Übersetzung: Christine Bais

Eine Koproduktion mit BRONKS, Villanella & Beeldsmederij De Maan

skin-festival

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!