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Szenenfoto aus "Das hat doch eine Frau erfunden!
Szenenfoto aus "Das hat doch eine Frau erfunden!
29.09.2026

Scheibenwischer, Bremsbeläge, Solarenergie…

Wer hat’s erfunden? Frauen waren’s, deren Produkte alltäglich sind, die aber selbst kaum wer kennt. Porträt-Theater holt Erfinderinnen vor den sprichwörtlichen Vorhang.

Ein wenig versteckt der Eingang, aber Schilder und Pfeile weisen in der Nähe des Karlsplatzes dann doch auf die Theatervorstellung in einer Art Hinterhof hin. Und dort eröffnet sich eine große vieleckige Halle – mit gläsernem Kuppeldach und orangefarben lackierten wuchtigen Stahlträgern. Einst Technische Versuchs- und Forschungsanstalt ist sie nun in einer Ecke zum kurzzeitigen Theaterraum hergerichtet.

Davor Tische mit vielen Konstruktionszeichnungen und – Papiersackerln. die Vielzahl dieser deutet schon darauf hin, dass sie mit dem Inhalt des Stücks was zu tun haben könnten. Einige der technischen Zeichnungen tragen den Namen Maria Telkes. Und der steht schon im Untertitel des Stücks, das hier Anfang der letzten September Woche (2026) Premiere hatte: „Das hat doch eine Frau erfunden! – Erfinderinnen von Ada Lovelace bis Maria Telkes.“

Szenenfoto aus "Das hat doch eine Frau erfunden!
Szenenfoto aus „Das hat doch eine Frau erfunden!

Berühmte – und viele kaum bekannte Erfinderinnen

Dass Hedy Lamarr nicht nur Holywood-Schauspielerin war, sondern auch mit ihrer Erfindung der störungssicheren Funkfernsteuerung für Torpedos im 2. Weltkrieg den Weg für unsere heutigen Bluetooth-Verbindungen bereitet hat, ist weitgehend bekannt. Auch Ada Lovelace bahnbrechenden Entwicklungen für die Funktionsweise von Computern, Algorithmen und letztlich auch Künstlicher Intelligenz sind einigermaßen geläufig. Erstere kommt kurz in einem Video vor. Wobei Anita Zieher (Portraittheater), die sowohl den Stücktext verfasste als auch die rund 1¼ Stunden solo spielt, auch in deren Rolle schlüpft. Wie auch – recht wandlungsfähig – in die anderer Erfinderinnen, die sie via Video zu Wort kommen lässt. Zweitere vielleicht dann doch ein bisschen zu lang.

Papiersackerln

Dennoch bleibt doch einigermaßen Zeit für gut ein Dutzend weiterer Erfinderinnen, von denen viele wenn nicht die meisten zum ersten Mal hören. Auch wenn deren Erfindungen praktisch allgegenwärtig sind. Um gleich einmal die Brücke zum vielleicht kryptisch erwähnten Papiersackerl zu schlagen. Nein, das wurde nicht von einer Frau erfunden, aber die Maschine, um es nicht mehr mühsam händisch aus einem Bogen Papier falten und kleben zu müssen – das hat sich Margart Eloises Knight (1838 – 1914, USA) ausgedacht. Wobei ihr die Erfindung fast geklaut worden wäre. Ein Mitarbeiter des Unternehmens, bei dem sie einen metallenen Prototypen anfertigen ließ, wollte die Maschine selber zum Patent anmelden. Mit ihren Konstruktionszeichnungen – und Zeug: innen – konnte sie ihre Urheberschaft beweisen. Knight erfand noch Dutzende andere Dinge, 25 davon wurden patentiert.

Szenenfoto aus "Das hat doch eine Frau erfunden!
Szenenfoto aus „Das hat doch eine Frau erfunden!

Viele Alltagsdinge

Aber auch Scheibenwischer (Mary Anderson), Bremsbeläge (Bertha Benz), Geschirrspüler (Josephine Cochrane), Rollator (Aina Wifalk), Taschenschirm (Slawa Horowitz-Duldig), Windelhose (Marion Donovan) und vieles andere ist den Gehirnen, Zeichnungen, Prototypen usw. von Frauen entsprungen.

Die Schauspielerin arbeitete auf der Bühne mit etlichen der weißen Papiersackerln, die sie im entsprechenden Moment umdrehte – auf der anderen Seite waren alte Fotos der jeweiligen Erfinderinnen gedruckt. Hin und wieder interagierte sie mit den schon oben erwähnten Videos – sozusagen mit sich selbst – in der Rolle der Erzählerin und der viel zu wenig berühmten schlauen Köpfe.

Szenenfoto aus "Das hat doch eine Frau erfunden!
Szenenfoto aus „Das hat doch eine Frau erfunden!

Sonnenhäuser

In einer der – auch schon genannten Szenen spielt sie Ada Lovelace, in einer anderen die 80-jährige Maria Telkes bei einer Pressekonferenz am 20. September 1980. Die gebürtige Ungarin hatte in den USA schon Jahrzehnte davor (1934) ein Thermo-Element zur Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie und 1948 das erste nur mit Sonnenenergie beheizt Wohnhaus (Architektin Eleanor Raymond, Investorin Amelia Peabody) entwickelt. Als Speicherung verwendete sie Glaubersalz. Das allerdings die Metallbehälter zu zersetzen begann.

Aber statt daran oder an anderen Behältern zu arbeiten, wurde im Dover Sun House Jahre später eine Ölheizung eingebaut. Und das Projekt totgeschrieben. Erst 1980 – eben bei dem Medientermin – verkündete sie, dass sie nun (wieder) für ein Solar-Haus als Beraterin beigezogen worden war.

Was hätte da alles an fossiler Energie eingespart, was an Umweltverschmutzung und -zerstörung verhindert werden können, wäre mehr auf Maria Telkes‘ frühen Erfindungen aufgebaut und diese entsprechend weiterentwickelt worden…

Gegenwärtig

Aber nicht nur historische Erfinderinnen kommen vor und zu (mitunter ihren eigenen) Worten, sondern auch eine aktuelle Professorin der Technischen Uni Wien, die für dieses Stück auch Koproduktionspartnerin von Portraittheater und Theater Drachengasse ist. In einem der Videos, in denen die Autorin und Spielerin der Frage auf den Grund zu gehen sucht, weshalb es so wenige Patente von Frauen gibt, geht Margit Gföhler, TU-Wien-Professorin für Biomechanik nicht nur darauf ein, sondern auch auf eine ihrer Erfindungen des Handkurbelantriebs für Rollstühle – dazu folgt später hier ein eigener Beitrag.

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Das hat doch eine Frau erfunden!

Erfinderinnen von Ada Lovelace bis Maria Telkes
ca. 1¼ Stunden

Regie, Dramaturgie: Margit Mezgolich
Text: Anita Zieher mit Originalzitaten von Ada Lovelace, Maria Telkes, und anderen
Schauspiel: Anita Zieher
Erfinderin und Patentinhaberin (Video): Margit Gföhler, Professorin für Biomechanik an der TU Wien
Kostüm: Sophia Posekany
Produktion: portraittheater

Koproduktionspartner: Technische Universität Wien und Theater Drachengasse

Wann & wo?

10 – 28. November 2026
Theater Drachengasse
1010 Fleischmarkt 22 / Eingang Drachengasse 2

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