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Margaryta in ihrer Schule in Borodianka
Margaryta in ihrer Schule in Borodianka
24.02.2023

Generator brachte nach elf Monaten Strom für Kindergarten und Schule

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen zieht traurige Bilanz nach einem Jahr Überfall Russlands auf die Ukraine. Und berichtet von kleinen Erfolgen vieler Hilfsprojekte.

24. Januar 2023, Borodianka, Ukraine. Die 7-jährige Margaryta und ihre Mitschüler:innen haben endlich wieder Strom. Unicef hat einen Generator geliefert. Neben sauberem (Trink-)Wasser, Lebensmittel und unmittelbar lebensnotweniger Hilfe unterstützt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen auch bei der Instandsetzung von Schulen, Kindergärten und Gesundheitseinrichtungen.

Ein Monat später, also heute, jährt sich der Einmarsch russischer Truppen ins ganze Nachbarland (Teile wie die Krim oder im Osten des Landes sind schon seit 2014 besetzt). Sirenen, Alarm, ab in den Keller, um Schutz vor Bombenangriffe aus der Luft zu suchen und finden, sind leider fast schon Routine.

Mediengespräch von UNICEF und HEMAYAT anlässlich des aktuellen Krieges in der Ukraine mit Nora Ramirez Castillo  und Christoph Jünger
Mediengespräch von UNICEF und HEMAYAT anlässlich des aktuellen Krieges in der Ukraine mit Nora Ramirez Castillo  und Christoph Jünger

Ständiger Beschuss

„Ich weiß noch, wie ich mich für die Schule fertig machte, als der Krieg begann“, erzählt Margaryta UNICEF-Helfer:innen. „Ich habe meine Mutter gefragt, was das bedeutet, und sie hat gesagt, dass Krieg ständigen Beschuss bedeutet.“

Inmitten von Stromausfällen und eisigen Wintertemperaturen verändern neue Generatoren das Leben der Kinder und Erzieher:innen. Ohne eine stabile Stromversorgung könnte der Heizungsraum des Kindergartens nicht betrieben werden.

Neben der Grundversorgung mit Kleidung, Stiefeln und Decken bietet das Programm auch Bargeld für Familien in schwierigen Situationen. Schulen und Kinderkrankenhäuser haben im Rahmen der Initiative auch Generatoren und Heizgeräte erhalten.

Zugeschaltet via Online-Video auch James Elder, der Mediensprecher von UNICEF-International
Zugeschaltet via Online-Video auch James Elder, der Mediensprecher von UNICEF-International

Fast 500 getötete und an die 1000 verletzte Kinder

Geschichten wie die von Margaryta und ihren Mitschüler:innen zeigen, wie selbst im Krieg geholfen werden kann. Auch wenn es davon viele – nicht nur durch die Hilfe von UNICEF – viele gibt, ist allen Helfer:innen klar: Es sind viel zu wenige. Und vielen Kindern kann (nicht mehr) geholfen werden. Den jüngsten Opferbilanzen zufolge sind 487 Kinder in diesem Krieg getötet worden, 954 Kinder wurden verletzt, mehr als vier Millionen Kinder brauchen in der Ukraine dringende humanitäre Hilfe, eineinhalb Millionen Kinder und Jugendliche sind durch den Krieg traumatisiert, zwei von drei Schüler:innen – in und als geflüchtete in und außerhalb der Ukraine – sind derzeit nicht im jeweiligen Bildungssystem.

Psychische Folgen

Diese und weitere heftige Fakten nannten rund um den Jahrestag des Einmarsches der russischen Armee in die Ukraine der Österreich-Geschäftsführer von UNICEF, Christoph Jünger, der – via Online-Video aus Lwiw (Westukraine) zugeschaltete internationale Mediensprecher James Elder. Die vor allem psychischen Auswirkungen schilderte Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Nora Ramirez Castillo vom Verein Hemayat. Unter anderem, dass Kinder, Jugendliche und ihre Mütter, die Zuflucht in Österreich gefunden haben, anfangs eher gerechnet/gehofft hatte, rasch wieder in die Heimat zurückkehren zu können und erst nach und nach sich damit abzufinden beginnen, hier zumindest vorläufig ein neues Leben aufbauen zu müssen. 40 Anmeldungen zu Traumtherapien von Menschen, die aus der Ukraine Zuflucht in Österreich gefunden haben, seien nun bei Hemayat eingelangt, so Ramirez Castillo.

Außerdem könne und würde der aktuelle – und medial sehr präsente – Krieg, andere, die vor ein paar Jahren aus Kriegsgebieten flüchten mussten (Syrien beispielsweise), erneut re-traumatisieren.

Zugeschaltet via Online-Video auch Mustapha Ben Messaoud, UNICEF-Notfall-Koordinator in der Ukraine
Zugeschaltet via Online-Video auch Mustapha Ben Messaoud, UNICEF-Notfall-Koordinator in der Ukraine

16 Millionen haben kein sauberes Wasser

Was und wie vor Ort, in der Ukraine selbst, geholfen werden muss und kann berichtete ansatzweise auch der ebenfalls online zum Mediengespräch zugeschaltete UNICEF-Notfall-Koordinator für und in der Ukraine, Mustapha Ben Messaoud. Allein 16 Millionen Menschen (vor dem Krieg hatte das Land etwas mehr als 40 Millionen Einwohner:innen, acht davon sind ins Ausland geflüchtet) haben akut keinen Zugang zu sauberem (Trink-)Wasser und Hygiene-Einrichtungen. 2.400 Schulen sind zerstört oder beschädigt, Gleiches gilt für 1000 Gesundheitseinrichtungen. Unicef konnte für die Hilfe vor Ort das Team der Mitarbeiter:innen von 60 auf 250 – praktisch alles lokale Kräfte – ausbauen. Und doch ist alles immer zu wenig, bedauern alle Beteiligten und fordern deswegen vor allem:

Was die Kinder nun dringend brauchen, ist Frieden! Aber auch im Krie
* einen prinzipiellen und ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe
* ein Ende der Angriffe auf Kinder und die Infrastruktur, auf die sie angewiesen sind, einschließlich Schulen, Krankenhäuser und kritische Wasser- und Lebensmittelinfrastruktur
* die Beendigung des Einsatzes von Explosivwaffen in bewohnten Gebieten, die direkt für die Tötung und Verstümmelung von Hunderten Kindern verantwortlich sind
* vorrangige Behandlung psychischer Gesundheit und psychosozialer Bedürfnisse

Pola im
Pola im „Blue Dot“-Zentrum an der polnischen Grenze

Drei Jahre jung – ein Jahr – zwei Mal Flucht

Die dreijährige Pola musste innerhalb eines Jahres sogar zwei Mal fliehen. Nachdem ihre Heimatstadt Sumy heftigen Angriffen ausgesetzt war, flüchtete die Familie nach Kyiv (Kiew). Kinder wie Pola müssen jedoch auch dort mit einer harten Realität und häufigen Stromausfällen kämpfen. Als Polas Mutter krank wurde und sich nicht ausreichend um ihre Tochter kümmern konnte, beschloss die Familie, das Land zu verlassen. Erleichtert erreichten sie die polnische Grenze, wo Pola und ihre Mutter Ina sich in einem sogenannten Blue Dot Zentrum, einer UNICEF-Anlaufstelle, erholen konnten. 

„Endlich sind wir in einem sicheren Raum, in dem wir keine Angst haben müssen, in dem mein Kind sich nicht im Flur verstecken muss, um die Raketen nicht zu sehen, die über unser Haus fliegen“, zitiert die Hilfsorganisation Mutter Ina, während sie ihre Tochter beim Spielen mit einem Mitarbeiter beobachtet.

Blue Dot Zentren

Jeden Tag kommen vier Züge aus verschiedenen Teilen der Ukraine in Przemysl, Polen, an. Das Blue-Dot-Zentrum bietet einen sicheren und einladenden Raum für Menschen, die ihre Heimat in der Ukraine und alles Vertraute zurücklassen mussten und sich in einer neuen und unbekannten Situation wiederfinden. Die Mitarbeiter:innen in den Zentren sprechen Polnisch, Ukrainisch, Russisch und Englisch, um sicherzustellen, dass sie sich leicht verständigen können und in der Lage sind, denjenigen, die ihre Unterstützung brauchen, alle notwendigen Informationen zu geben.

In Polen haben die Blue-Dot-Zentren seit April bis Ende 2022 mehr als 400.000 Erwachsenen und Kindern geholfen. In Zusammenarbeit mit UNHCR (der Flüchtlingsorganisation der UNO) wurden und werden weitere Blue Dots, wie der im Bahnhof von Przemysl, eingerichtet, um zu helfen und sofort zu reagieren.

Mytkyta, der in Polen Zuflucht fand
Mytkyta fand im polnischen Krakau Zuflucht

Fußball in Krakau

Mytkyta ist fünf Jahre alt als der Krieg in der Ukraine ausbricht. Eine Woche nach Kriegsbeginn verlassen er, seine Mutter und sein kleiner Bruder die die Hauptstadt. Die Sicherheit und Schutz ihrer Kinder steht für Kateryna an erster Stelle. Mit wenigen Habseligkeiten flieht die junge Familie nach Polen.

In Krakau finden sie Zuflucht und Unterstützung von UNICEF. Ein Neuanfang. Weit weg von den Bomben, der Zerstörung und dem Krieg in ihrer Heimat. 

Der kleine Mytkyta tritt einem Fußballverein bei, der von Oleksandr, einem ukrainischen Flüchtling, gegründet wurde. „Ich möchte den Kindern aus der Ukraine dabei helfen, einfach Freunde zu finden. Fußball als Teamsport ist eine gute Möglichkeit“, erklärt der Trainer.

UNICEF sorgt für eine medizinische Versorgung der flüchtigen Kinder aus der Ukraine. In einem Gesundheitszentrum werden Mytkyta und sein kleiner Bruder mit den notwendigen Impfungen versorgt, um Krankheiten vorzubeugen.

Mit Hilfe von UNICEF kann er, nunmehr sechs Jahre, eine der drei neuen Schulen in Polen besuchen, die von einer Stiftung „Unbreakable Ukraine“ eingerichtet wurde. Unterrichtet wird auf Ukrainisch. Bildung ist der Schlüssel, um den Kindern aus der Ukraine eine normale Zukunft zu ermöglichen.

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