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Aref, 13, und Claudia, 17 - Frage und Antwort im Video
Aref, 13, und Claudia, 17 - Frage und Antwort im Video
24.12.2021

Jugendlicher fragt Staatssekretärin: Warum sind Sie Politikerin geworden?

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … im analogen Gespräch samt einer Videofrage eines 13-Jährigen mit der Jugend-Staatsekretärin, einer Funktion, die es neu gibt.

Mit der jüngsten Regierungsumbildung – unter dem dritten Bundeskanzler innerhalb von zwei Monaten – wurde auch eine neue Staatssekretärin (Mitglied der Regierung, im Rang ein bisschen unterhalb von Minister:innen angesiedelt) angelobt. Claudia Plakolm war davor – fast auf den Tag genau – vier Jahre und ein Monat lang Nationalratsabgeordnete für die ÖVP, damals noch als Liste Kurz Neue ÖVP. Knapp vor Weihnachten gab sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … ein Interview. Die Fragen stellten Fatima Kandil, die seit zwei Monaten nach absolviertem Politikwissenschafts- und nunmehrigem Lehramtsstudium (Deutsch und Englisch) in den Journalismus hineinschnuppert und Heinz Wagner.

Die erste Frage aber hatten wir mitgebracht – ein Video des vor wenigen Tagen 13 Jahre gewordenen Aref, der rund um das Ende des vierten Lockdowns einen eigenen Beitrag hier veröffentlicht hat – Link unten. Seine Frage, weshalb sie angesichts schlechter Imagewerte der Politik sich entschlossen hätte, Politikerin zu werden – und ihre Antwort hier unten im Video.

Thema Nummer 1: Pandemie-Bewältigung

Das waren jetzt globale, allgemeine Aussagen. Was sind die konkrete Wünsche, Themen, Forderungen, Vorhaben

Claudia Plakolm: Thema Nummer ein ist – für die gesamte Bunderegierung – die Bewältigung der Corona-Pandemie und ich möchte da die Perspektive von jungen Menschen einbringen. Ich habe erst vorige Woche meinen ersten offiziellen Besuch als Staatssekretärin bei 147, Rat auf Draht absolviert und dort mit den Menschen gesprochen, die am anderen Ende der Leitung sitzen. Auch die erst kürzlich veröffentlichte Studie der Donau Uni Krems zeigt sehr klar, mit welchen psychischen Belastungen junge Menschen wegen der Corona Pandemie durch unzählige Lockdowns, durch Distance Learning und dergleichen zu kämpfen haben. Das ist ein riesengroßes Problem, das ich unbedingt als Priorität Nummer 1 auch angehen möchte. Es hat sich zwei Jahre lang alles nur um ein Virus gedreht. Das Virus und was das Virus mit unserem Körper macht ist im Vordergrund gestanden, aber dass zur Gesundheit dazu auch die mentale Gesundheit dazugehört. Das ist in Vergessenheit geraten und ich möchte dieses Tabu brechen, das vor allem auch jüngere Menschen offener damit umgehen, offener auch darüber sprechen, wie es ihnen geht und auch wissen, wo und wie sie schnell und niederschwellig unkompliziert Hilfe bekommen können. Das ist eine meiner ersten und dringendsten Aufgaben. Ein weiteres wichtiges Thema, das Gott sei Dank nicht nur junge Menschen beschäftigt, ist Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Das ist quasi Jugendpolitik in Reinform, weil es darum geht, wie wir unseren Planeten der nächsten Generation hinterlassen und da möchte ich das Thema auch durchaus positiv angehen, wie es in der Vergangenheit vielleicht nicht der Fall war.

In mehreren Interviews hast du vom Vernetzen gesprochen, es gab zu deiner Bestellung auch einerseits eine Gratulation von der BundsJugendVertretung (BJV), andererseits auch den Wunsch oder viel mehr die Forderung nach Inflationsanpassung. Hast du das Pouvoir so etwas durchzubringen oder musst du um alles quasi bitten und betteln: Bitte, lieber Herr Finanzminister, bitte liebe „Rest“regierung…

CP: Das müssen alle beim Finanzminister.

Aber bestehende Ministerien haben schon irgendetwas ausgehandelt, das Jugend-Staatssekretariat ist völlig neu. Das heißt, da ist es wahrscheinlich noch mal schwieriger.

CP: Das Jugendressort ist ja so oder so bereits eine bestehende Einheit und zwar im Ministerium für Frauen, Familie und Integration. Das ist eine große Chance, weil wir aus dem Jugendressort ein eigenes Staatssekretariat machen und wir damit der Jugendpolitik mehr Betonung geben.

Zum Thema außerschulische Jugendarbeit und Jugendorganisationen per se freu ich mich, dass ich schon diese Woche alle Jugendorganisationen mit am Tisch sitzen habe, zwar nur virtuell unter diesen Umständen, aber die BJV wird in Personen mit dabei sein. Mir geht es genau um diese Zusammenarbeit und dieses Miteinander. In der Jugendpolitik sind wir uns Gott sei Dank in vielen Dingen auch einig. Dadurch, dass ich selbst in vielen Jugendorganisationen aktiv war und bin, schätze ich die Arbeit enorm, die in Jugendvereinen passiert. Besonders während der Corona-Krise haben diese Organisationen und Vereine enorm viel geleistet, weil sie nicht nur Freizeitangebote bieten, sondern auch eine gewisse Struktur und einen Halt im Leben geben. Ich bin überzeugt, dass die Arbeit, die in Jugendorganisationen passiert, die beste Prävention für junge Menschen ist, was die mentale Gesundheit beispielsweise betrifft und das Beste, was man in seiner Freizeit auch machen kann. Deswegen werde ich mich auch dafür einsetzen, dass Jugendorganisationen ihre Arbeit weiterhin in dieser Art und Weise so gut weiterführen können.

Das heißt, du bist für eine Erhöhung der 40 Prozent wie sie die BJV fordert?

CP:  Hier stellt sich die Frage, worüber wir konkret reden. Eine Inflationsanpassung ist nicht üblich bei Bundesförderungen. Das gibt es bei keiner einzigen Bundesförderung. Wir haben jetzt vergangenen Monat die ökosoziale Steuerreform bzw. das Budget für das kommende Jahr auch beschlossen. Das heißt, für das nächste Jahr sind die Finanzmittel schon ganz klar vergeben, aber ich werde mich definitiv dafür stark machen, dass unsere Jugendorganisationen in Österreich die großartige Arbeit leisten diese auch weiterhin machen können, weil sie unverzichtbar sind und alles Weitere werde ich mit dem Finanzminister klären.

Weil wir das Inflationsthema angesprochen haben … Im November wurde der höchste Inflationswert von 4.3 % seit fast 30 Jahren verzeichnet. Mit einem einmaligen Teuerungsausgleich (für arme Haushalte) möchte man dem nun entgegensteuern. Ich glaube wir können uns alle darauf einigen, dass ein solcher einmaliger Ausgleich von 150 € auf Dauer nicht viel bringen wird. Außerdem ist der einmalige Teuerungsausgleich nur für ärmere Haushalte gesehen, aber auch Jugendliche haben seit Beginn der Corona Krise sehr große Schwierigkeiten eine Arbeit zu finden. Viele weichen auf neu entstandene Jobs wie das Contact-Tracing aus. Hast du denn auch weitere Entlastungsideen insbesondere für Jugendliche und junge Erwachsene?

CP: Also das ist definitiv eines der großen Probleme unserer Zeit. Junge Menschen in unserem Land sollen sich durch Arbeit und Fleiß etwas aufbauen. Da ist es für mich das wichtigste, Menschen überhaupt in Beschäftigung zu bringen. Da gehört eine gute Ausbildung dazu. Gute Ausbildung ist für mich die beste Sozialpolitik, die es geben kann, weil sie die nachhaltigste ist und weil gute Bildungspolitik eben auch Perspektiven und Chancen für Jugendliche und junge Menschen eröffnet. Wir haben vor einigen Monaten eine ressort-übergreifende Task Force der Jugendbeschäftigung ins Leben gerufen die federführend von unserem Arbeitsminister Martin Kocher geleitet wird. Da geht es genau darum den Übergang von Ausbildung zu Beruf gut zu ermöglichen, sodass junge Menschen auf eigenen Beinen stehen können.

Wir haben beispielsweise auch vor einigen Monaten im Parlament beschlossen, dass wir gerade Studierende, berufstätige Studierende noch mal mehr entlasten wollen mit einer deutlichen Erhöhung der Zuverdienst-Grenze für alle berufstätigen Studierenden. Ich kenne das auch von mir selbst, gerade als Student will man natürlich unabhängig vom Elternhaus sein, aber man muss sich das Studentenheim und die Lebensmittel finanzieren, den Sommer auch irgendwie mit Ferialjobs sich über die Runden helfen. Dann pendelt man noch zwischen Bundesländern hin und her, das kostet auch seinen Preis. Da hat es das Klimaticket noch nicht gegeben. Das sind einfach enorme Kosten, die man im Laufe des Studienjahres irgendwie auch für Lernunterlagen und Bücher investieren muss und deswegen ist mir das extrem wichtig, dass wir die Zuverdienstgrenze erhöht haben und berufstätigen Studierenden weder die Familienbeihilfe noch die Studienbeihilfe verlieren.

Junge Menschen müssen sich was aufbauen können

Du hast vorhin auch von Präventionen beziehungsweise Aufstiegsmöglichkeiten gesprochen. Was ist deiner Meinung nach, die beste Prävention, um der Altersarmut zu entkommen? Deine Partei twitterte bei der Nationalratswahl 2017, dass Eigentum die beste Maßnahme gegen Armut sei. Junge Menschen sollen sich Wohnungen kaufen. Das ist viel einfacher gesagt als getan. Was ist deiner Meinung nach, die beste Maßnahme gegen Altersarmut?

CP: Junge Menschen müssen sich etwas aufbauen können in unserem Land. Harte Arbeit muss auch belohnt werden, es muss einen Unterschied machen, ob ich arbeiten gehe oder nicht. Die Abflachung der Lebensverdienst-Kurve würde dazu schon enorm beitragen – also mehr verdienen am Anfang, wo man sich was aufbauen will und muss statt ständiger Anstieg des Einkommens mit Höhepunkt im Alter. Altersarmut wiederum trifft insbesondere viele Frauen. Da haben wir auch im gesellschaftlichen Wandel noch einen ordentlichen Weg vor uns. Vielen jungen Frauen, auch Freundinnen von mir, ist nicht bewusst: Alles was sie jetzt an Gelegenheitsjobs oder Teilzeitjobs machen, weil sie vielleicht gerade Familie gründen, wirkt sich gar nicht fördernd auf ihre Pensionshöhe aus und das ist ja vielen in diesem Alter eben noch nicht bewusst. Eine ganz wichtige Maßnahme ist da das automatische Pension-Splitting, wo Frauen dementsprechend auch eine bessere Pension am Ende des Tages bekommen sollen. Das ist so auch im Regierungsprogramm verankert.

Wieder weg von der Pension zurück zur Jugend. Du hast im Interview mit FM4 gesagt, dass du das Staatssekretariat für Jugendliche öffnen willst. Das stelle ich mir allein von den Räumlichkeiten her hier etwas schwierig vor, wo es wie durch labyrinthartige Gänge zu dir ins Büro geht. Gibt es da Pläne zum Beispiel zur Reaktivierung dessen, was es jahrelang gegeben hat, der Jugendinfo des Ministeriums in einem ebenerdigen, offen zugänglichen Lokal, wo du als Jugendliche/Jugendlicher reingegangen bist und entweder Infos geholt oder an Workshops teilgenommen hast. Man muss ja nicht alles neu erfinden, es gibt auch die Jugendinfo Wien, da wäre es denkbar, dass man sagt, man kooperiert mit denen und man macht es als Infostelle des Bundes quasi dazu oder man übersiedelt das ganze Büro dorthin, sodass das Staatssekretariat dann wirklich zur Anlaufstelle für Jugendliche wird.

Öffnen des Staatsekretariats?

CP: Definitiv und was auch für mich Öffnung des Jugendstaatssekretariats bedeutet, trifft ja nicht nur die Räumlichkeiten per se. Die sozialen Medien geben uns genug Möglichkeiten, wie man niederschwellig und unkompliziert mit jungen Menschen aus ganz Österreich zusammenkommen kann. Und ich werde auch viel draußen in den Bundesländern unterwegs sein. Ich kriege wahnsinnig viele Anfragen und Nachrichten per Instagram und Co. geschickt. Es ist mir sehr wichtig, Politik greifbar zu machen und den Blick hinter den Kulissen etwas nachvollziehbarer zu machen. Junge Menschen sind politisch interessiert und haben auch Fragen gerade in Zeiten von Corona.

Es gab letztens wieder einen offenen Brief (von 32 Wiener Schulsprecher:innen). Sehr viele Jugendliche fühlen sich im Stich gelassen. Am Anfang der Pandemie hieß es „seid solidarisch mit den Älteren“ und jetzt lässt man sie komplett im Stich. Man hat auch vor Kurzem gemeint, dass es keine Matura-Erleichterungen geben wird. Wie kann man diese Jugendlichen überhaupt für Politik gewinnen oder mit dem Frust der Jugend korrekt umgehen, ihnen Mut zusprechen?

Offene Schulen

CP: Also gerade dieses Thema Corona und alles, was damit zusammenhängt, hat Priorität Nummer 1. Mir ist es wichtig, dass die Schulen, solange es geht, geöffnet sind, auch wenn jetzt eine neue Variante des Coronavirus unsere Zuversicht trüben wird. Aber Fakt ist, dass wir in den Schulen wahnsinnig schnell erkennen, wenn Coronafälle auftreten, weil wir Spitzenreiter im Testen in Europa sind. Das ermöglicht es uns, die Schulen so gut es geht auch offen zu halten und das ist uns enorm wichtig: Nicht nur, weil dort Unterricht passiert, sondern, weil auch der Kontakt mit Gleichaltrigen dort stattfindet. Wenn ich mich in einen 14-Jährigen hineinversetzte, der in einer Wohnung wohnt, möglicherweise auch Geschwister und Eltern unter demselben Dach hat… Man will in diesem Alter natürlich nicht alles mit den Eltern besprechen, das ist ganz natürlich. Deswegen plädiere ich absolut dafür, dass Schulen so lange wie möglich geöffnet sind.

Was das Thema Vertrauen zurückgewinnen in die Politik angeht, das trifft sich eh zum großen Teil mit der Antwort auf die vorherige Frage. Ich möchte nicht über junge Menschen Politik machen, sondern mit den jungen Menschen und sie ganz einfach an einen Tisch einladen, ob das virtuell ist oder real aber am liebsten wäre mir natürlich real. Junge Menschen zu Wort kommen lassen, miteinander diskutieren, Ideen entwickeln, also immer auch dieses Positive im Vordergrund zu haben, wie wir uns Österreich in Zukunft gestalten wollen.

Ausgeschlossen vom Wahlrecht?

Dieses Miteinbeziehen oder Mitsprache, Partizipation und ähnliche Dinge führt mich zu einer weiteren Frage: Es gibt fast ein Drittel der Jugendlichen, die zum Beispiel nicht wahlberechtigt sind, weil sie die österreichische Staatsbürgerschaft nicht besitzen. Zumindest bei der letzten Nationalratswahl 2019 waren insgesamt mehr als 1 Million Menschen, die jahrelang hier leben, Steuern zahlen, arbeiten usw. nicht wahlberechtigt. Es gibt immer wieder auch (meines Erachtens zu Recht) die Forderung, dass Menschen, die lange hier leben und hier arbeiten, auch wählen dürfen, was in einer Reihe von anderen Ländern bereits möglich ist. Neuseeland sogar nach einem Jahr. Daher die Frage: Bist du dafür, dass das Wahlrecht auch entkoppelt wird oder dass der Zugang zur Staatsbürgerschaft deutlich erleichtert wird?

CP: Also die Staatsbürgerschaft ist mit gewissen Rechten und Pflichten verbunden. Da gibt es bestehende Gesetze dazu, wie der Erwerb einer Staatsbürgerschaft auch auszusehen hat. Ich bin dagegen, dass man die Schwelle, die Anforderungen, die es dazu braucht, nach unten senkt.

Also weder Erleichterung des Zugangs zur Staatsbürgerschaft noch Wahlrecht auch ohne Staatsbürgerschaft?

CP: Mit der Staatsbürgerschaft geht das Wahlrecht einher und mit der Staatsbürgerschaft per se sind Rechte und Pflichten verbunden und so wie es die aktuelle Gesetzeslage vorsieht, finde ich es absolut zu begrüßen.

Das heißt aber, dass in Wirklichkeit ein großer Teil der Bevölkerung sozusagen ausgeschlossen ist vom Wahlrecht. Bis zu einem Drittel und das ist natürlich demokratiepolitisch schon eine Frage, ob man ein Drittel der Bevölkerung, die hier lebt, hier arbeitet und hier Steuern zahlt, von der Mitbestimmung ausschließt.

CP: Die politische Teilhabe ist ja so oder so möglich. Sich einzubringen im politischen Prozess, das steht jedem Menschen, der in Österreich lebt, auch frei. Das ist ein ganz wesentlicher Aspekt in dieser Diskussion.

Anmerkung: Allerdings – siehe Video-Antwort der Staatssekretärin an den 13-jährigen Aref, habe bei ihr selbst die Tatsache, dass sie mit 16/17 Jahren zum ersten Mal wählen durfte, ihr schon vorhandenes politisches Engagement und Interesse deutlich gesteigert.

Stabilität?

Fatima: Ad Wahlen, Wahlberechtigung. Ich glaube, seitdem wir beide wahlberechtigt sind, haben wir so oft gewählt, dass wir nicht mehr mitzählen können. Seit 2017 gab es ständig nur Regierungswechsel. Das ist für viele Jugendliche ein Symbol für Instabilität in diesem Land. Es wächst eine neue Generation von Jugendlichen auf, die die Stabilität die Politik gewähren sollte – (noch) nicht erlebt hat/erleben durfte. Wie geht man damit um? Wie kann man Jugendliche noch überzeugen Hoffnung in das System zu haben, dass mit dem Wählen Stabilität erlangt werden kann?

CP: Vor allem muss dieses Bewusstsein unter Jugendlichen gestärkt werden, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist. Gerade unsere Großeltern haben dafür kämpfen müssen, dass es Mitsprache gibt und dass es geheime und freie Wahlen gibt und für uns ist es mittlerweile schon selbstverständlich, dass wir mit 16 Jahren wählen dürfen. Es ist unsere große Aufgabe, es auch den kommenden Generationen ganz klar zu vermitteln, dass Wählen ein Recht ist, aber dies auch unbedingt in Anspruch genommen werden soll.

Auch Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) hat betont, dass gerade in den letzten beiden Monaten, die mit einigen Wechseln auf politischer Seite verbunden waren, stets die Stabilität auch im Vordergrund gestanden ist und wir diese Herausforderungen, die erstmalig in der Geschichte der Zweiten Republik auftauchen, auch bewältigen können.

22.30 Uhr

Jetzt zu deiner Bestellung, wie war es konkret? Der Karl Nehammer hat dich angerufen und gesagt: willst du Staatssekretärin werden?

CP (lacht): Genau so war es.

Wie war deine Reaktion? Ist es mehr eine Würde und kann ich da mehr bewirken oder ist es eine Bürde, weil von mir alle Möglichen, alles erwarten und was kann ich überhaupt, was darf ich überhaupt was sind meine Kompetenzen oder ist es ein Amt ohne Einfluss oder Entscheidungsmöglichkeit und wie lange hast du dann überlegt?

CP: Um die gesamte Geschichte zu erzählen. Es war vor zwei Wochen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, so nach dem ZIB2 schauen. Ich wohne in einer WG in Wien mit meinem Bruder, der studiert auf der TU. Er hat für eine Prüfung gelernt, ich war im Homeoffice wie viele andere Österreicherinnen und Österreicher auch und habe dann um ca. 22.30 Uhr den Anruf bekommen vom neuen Bundeskanzler, ob ich mir vorstellen kann, mit ihm im Team zu sein und speziell im Jugendressort. Das Staatssekretariat für Jugend hat es noch nie vorher gegeben, aber ihm ist es auch Gott sei Dank ein wichtiges Anliegen ein eigenes Staatssekretariat dafür einzurichten: Natürlich ist für mich die Frage überraschend gekommen, aber ich sehe es als eine große Chance für junge Menschen in unserem Land, Politik voranzubringen in ihrem Sinne, weil es das noch nie gegeben hat und Jugendpolitik muss Priorität Nummer 1 haben. Jeder Beschluss, der im Ministerrat im Parlament oder wo auch immer gefasst wird, hat Auswirkungen auf die nächsten Generationen. Alle Ressorts sind aufgefordert, Jugendpolitik zu machen, Politik auch im Sinne der nächsten Generationen und da werde ich natürlich auf der einen Seite viel zusammenarbeiten, weil es Querschnitts Materie ist, aber andererseits steht da natürlich auch ein eigenes Ressort dahinter, mit dem zum Beispiel Jugendorganisationen mittels der Bundesjugendförderung unterstützt werden.

Hast du dann lange überlegt und gesagt: „Du Karl gib mir Zeit“?

CP: Ich habe mir die Zeit genommen, die es gebraucht hat für diese große Entscheidung und ihm schlussendlich zugesagt, weil es eine Riesenchance ist.

Hast du dann gefragt, was kriege ich dann als Kompetenz. Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Wie viel Budget oder bin ich sozusagen eine Staatssekretärin ohne Hände und Füße?

CP: Der neue Bundeskanzler hat mich sehr konkret gefragt, Staatssekretärin im Bundeskanzleramt für das Jugendressort zu sein und da steht das Jugendressort des Ministeriums dahinter.

Das sind wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

CP: Beim Resort haben wir vor Kurzem einen Kennenlerntermin gehabt, das sind gute 30 in der Sektion. Die Sektion ist ja Familie und Jugend und gute 30 sind rein für Jugend.

Wieviel Budget?

CP:  Gute neun Millionen. Der Großteil davon ist die Bundesjugendförderung. Zu 90 % sind die Budgetmittel fix also für die Jugendorganisationen, für die außerschulische Jugendarbeit vorgesehen.

Nicht so leicht mit Zahlen-Antworten

Noch ein paar Fragen mit Zahlen, zugegeben inspiriert vom Magazin „Biber“.

Wie viele Jahre willst du in der Politik bleiben?

CP: Das kann ich absolut nicht in Zahlen beantworten, da ich mich noch vor drei Wochen mehr damit beschäftigt habe, wie mein Silvesterabend ausschaut und nie damit gerechnet habe, dass ich im Bundeskanzleramt sitze. Ich möchte so lange in der Politik bleiben, solange es mir einerseits Freude macht und solange ich auch auf der anderen Seite etwas gestalten und verändern kann.

Gibt’s einen Plan B?

CP: Ich studiere Wirtschaftspädagogik und habe da auch schon alle Prüfungen absolviert. Ich muss nur mehr die Diplomarbeit zu einem guten Ende bringen und möchte dann Lehrerin für Rechnungswesen und BWL werden. Mein Freundeskreis sagt immer, ich habe mir die undankbarsten zwei Jobs ausgesucht – Politikerin und Lehrerin für Rechnungswesen und BWL, aber Challenge accepted.

Nachdem dein Gehalt ja sowohl als Abgeordnete als auch Staatssekretärin deutlich über dem Durchschnitt liegt, gibt es eine Zahl, wieviel du im Monat davon spendest?

CP: So pauschal kann ich das jetzt ehrlicherweise nicht sagen. Ich spende viel und regelmäßig auch Anlass-bezogen. Gerade wenn man unterwegs ist, insbesondere bei Vereinen und gemeinnützigen Organisationen. Das ist definitiv ein Teil meines Einkommens, der für Spenden aufgewendet wird.

Gibt es einen Durchschnitt über das Jahr hinweg oder konkrete Organisationen zumindest?

CP: Also in erster Linie viele Jugendorganisationen und ehrenamtliche Vereine, Blaulichtorganisationen auch sehr viel und es kommen immer wieder ganz konkrete Anfragen für Jugendlager, Feuerwehrjugend, Jungmusiker. Auch die kulturellen Anliegen der Jugendlichen werden gefördert und gemeinnützige Vereine ganz klar. Ich kann ehrlicherweise keine Zahl festmachen.

Andere Zahlen – wie viele Bäume hast du schon gepflanzt?

CP: Das waren schon mehrere Hundert, die ich mit Freunden und mit Familie gepflanzt habe. Wir haben einen Wald bei der Donau in der Nähe bei uns in Oberösterreich, einen Auwald. Da pflanzen wir jährlich mehrere Hundert Bäume, von denen der Großteil dann hoffentlich auch zu einem Wald wächst und überlebt.

Wie viele Kinder willst du haben?

CP: Diese Dinge kann ich auch alle nicht mit einer Zahl festmachen. Es ist kein Geheimnis, dass ich ein Familienmensch bin und ich lebe zu Hause mit mehreren Generationen unter einem Dach. Ich kann mir definitiv vorstellen, später eine Familie zu haben, aber wie viele Kinder kann ich nicht sagen.

Häuser bauen?

Das hat sich ergeben aus diesen 3 Punkten… Stehst du eigentlich nach wie vor dazu? Zu diesen drei Dingen, die ein Mensch bis 30 haben sollte, wie du’s im Video bei der JVP-Tagung gesagt hast und das durch alle Medien gegangen ist?

CP: Das war keine politische Ansage. Ich muss ehrlich sagen, dass ich absolut nicht verstehe, warum das überhaupt ein Skandal geworden ist und ich mich bei jedem Interview dafür rechtfertigen muss. Es ist ein großes Gesprächsthema. Es war im Zuge des JVP Bundestages, den wir digital abgewickelt haben und ich habe meinen Vorgänger verabschiedet mit den Worten: Lieber Stefan, du hast im letzten Jahr vermutlich die schönsten Ereignisse im Leben eines Menschen erlebt. Du bist zum ersten Mal Vater geworden und das hat deine Welt auf den Kopf gestellt. Ich habe dann einen kleinen Scherz mit Augenzwinkern gemacht. Zum Erwachsen werden hast du im Leben nur noch eine Sache ausständig. Du hast noch keinen Baum gepflanzt. Deswegen haben wir ihm zum Abschied auch einen Baum geschenkt, den er in Salzburg pflanzen kann. Es war definitiv keine politische Aussage und ob ich selbst diese Dinge bis zu meinem 30er erreichen will, steht auch in den Sternen geschrieben. Vielleicht kompensieren meine hunderten Bäume gewisse Dinge und ich habe eine Schonfrist für nach dem Dreißiger (lacht).

Wobei die Frage ist, ob das dritte Genannte, ein Haus zu bauen, überhaupt sinnvoll und auch wünschenswert ist. Wenn alle Menschen Häuser bauen, würde es einfach dem Klimaschutzgedanken ziemlich widersprechen von der Bodenversiegelung bis zum Autoverkehr…

CP: Durch meine Erfahrung auch im Gemeinderat in meiner Heimatgemeinde plädiere ich absolut dafür, mehr Leerstände zu nutzen und gerade, wenn es um leistbaren Wohnraum für junge Menschen geht, das auch finanziell attraktiver zu machen, dass junge Menschen Leerstände übernehmen. Ortszentren zu revitalisieren und ganz einfach nicht in die grüne Wiese zu bauen und damit Boden zu verbrauchen.

Lockdown-„Freunde“?

Der letzte Lockdown ist gar nicht so lange her. Ich bin nicht so optimistisch wie andere und gehe davon aus, dass wir einen weiteren Lockdown haben werden. Wer waren denn Ihre besten Freunde angefangen von Streaming-Anbietern bis hin zu Indoor-Aktivitäten während des ersten Lockdowns?

CP: Ich muss gestehen, ich koche wenig und lebe eher aus dem Kühlschrank. Im Lockdown eins zumindest habe ich tatsächlich probiert zu kochen. Ich habe sogar Brot backen probiert. Ein Vollkornbrot. Das hat alles gut funktioniert. Dann sicherlich Netflix. Ich bin wie jeder andere junge Mensch auch. Im Vergleich zum vierten Lockdown war der erste, irgendwie noch spannend. Es war ein neues Gefühl: „Jetzt ist alles per Videokonferenz“. Da hatte man Morgen um acht einen Fixtermin per Videokonferenz.

Mit Blazer oben und Pyjama-Hose unten rum und man sitzt dann auch eigentlich auf der Couch, weil man keinen Schreibtisch daheim hat oder solche Dinge. Am Abend ist Mädels-Abend. Man trifft Freundinnen und Freunde auch per Videokonferenz und spielt Online-Spiele miteinander oder quatscht, wer wen kennt, der in Quarantäne ist. Das war ja etwas ganz Außergewöhnliches. Nach dem vierten Lockdown ist es ehrlicherweise nicht mehr so spannend, jetzt Videokonferenzen miteinander zu halten. Die Pandemie hat sicherlich einen Turbo in die Digitalisierung gebracht, aber auch gezeigt, dass man Gott sei Dank nicht alles digitalisieren kann. Es geht nichts über das persönliche Gespräch und deswegen fordere ich auch, Schulen so lange wie möglich offen zu halten und ich appelliere auch gleichzeitig an die Universitäten, die Präsenzlehre wieder zu ermöglichen.

Gerade auf den Universitäten war es ja ganz krass, da gibt es praktisch zwei Jahrgänge, die angefangen haben zu studieren und die Universität von innen fast nie gesehen haben.

Meinem Bruder geht es auch so. Der hat vor eineinhalb Jahren angefangen, Publizistik zu studieren und war maximal fünfmal in der Uni. Die ersten Prüfungen-die Steops (Studien-Eingangs- und Orientierungsphase)- auch online abgeschlossen, de facto das Uni-Leben bis jetzt nicht wirklich zu spüren bekommen.

CP: Freunde von mir, die noch dazu aus Oberösterreich kommen und dann in Wien oder in Graz begonnen haben zu studieren und jetzt quasi vier Semester im Distance-Learning die Vorlesungen streamen können. Wenn man allein nach Wien oder nach Graz kommt und keinen kennt, sitzt man wirklich nur allein im Studentenheim und das ist ein massives Problem. Vor allem diese Einsamkeit, wenn man das Elternhaus verlässt. Man spricht ja immer von der Alters-Einsamkeit die eine große Herausforderung ist, aber es ist bei jungen Menschen die alleine auf kleinstem Raum leben, auch eine mindestens genauso große Herausforderung. Ich bin froh, dass ich wenigstens meinen Bruder in der WG habe, da hat man wenigstens jemanden mit dem man reden kann. Wir haben damals auch im Lockdown 1, Ostern mit der Oma die vor dem Bildschirm gesessen ist, gefeiert.

Ja viel Kraft und nachträglich Happy Birthday.

CP: Dass man so schnell in der Politik altert, hätte ich nicht gedacht. (lacht)

Wieso?

CP: Ja, weil ich ein paar Tage nach meiner Angelobung gleich einen Geburtstag hatte (den 27.).

Ach so, ich dachte weil seit deiner Abgeordneten-Tätigkeit findest du diese vier Jahre waren wie 10 Jahre oder was?

CP: Wobei die zwei Wochen, waren wie ein halbes Jahr.

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