Ob Vorverlegung der Sommerferien oder nicht wegen der Hitze oder Verkürzung der neun Wochen Schul-Pause… – wie und was auch immer darum herum diskutiert wird, die Sommerferien sind da. haben nun für alle Schüler:innen Österreichs begonnen, im Osten des Landes schon seit mehr als einer Woche.
In Vieles von dem, was beim wienXtra-Ferienspiel in den kommenden schulfreien Wochen zu erleben ist, kann immer beim Eröffnungsfest sozusagen reingeschnuppert werden. Info- und Aktivitäts-Stände laden ein, das eine oder andere auszuprobieren – noch am Sonntag, 12. Juli 2026 im Donaupark – Details in der Info-Box am Ende.
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… hat – wie immer – am Samstag einen Rundgang gemacht – Fotos und Videos geben ein bisschen einen Ein- und Überblick. Highlight für viele Kinder ist seit „ewig“ das Zelt der „Schrei-Box“. Hier darfst, ja sollst du sogar, nach Herzenslust schreien – und wirst dabei fotografiert. Den Ausdruck des Fotos, wo du lustvoll dein Lautestes gibst, kannst du danach mitnehmen.
Es geht aber auch ganz leise: Eine der beiden Gebärden-Dolmetscherinnen, die das gesamte Bühnenprogramm übersetzen, zeigte KiJuKU für ein Video die Gebäre für Ferienspiel – unten verlinkt, kombiniert mit der Schrei-Box. Vermeintliche Gegensätze sind willkommen – nicht nur beim Startfest und auch nicht nur beim Ferienspiel, sondern bei vielen Aktionen und Angeboten von wienXtra. Miteinander und Gemeinsamkeiten spielen eine große Rolle.
So traten am Samstag auf der Bühne nicht nur das live gewordene Ferienspiel-Maskottchen Holli oder die Mitmach-Musiker:innen „Rucki und Zucki“ auf, sondern auch Rina Kaçinari, Sakina Teyna und Özlem Bulut – mit Cello, Gitarre, Cajón und Stimme mit Liedern auf Albanisch, Kurmandschi und Türkisch. Deren Motto „LaLaLa – überall Musik“, immerhin beginnt eines der Lieder von Özlem Bulut angestimmt und die Besucher:innen zum Mitsingen eingeladen so: „lalalala…“, was die Musikerin ironisch mit „super-türkisch“ begleitete 😉
Auch die aufblasbaren Torbögen an den beiden Ein- und Ausgängen begrüßen und verabschieden mehrsprachig.
Klettern, Tischtennis auf kleinen Tischen, Torwand und „Dart“ mit Klett-Soft-Bällen auf die Zielscheibe an einer aufblasbaren Wand bietet etwa die Sportamts-Station. Rund um Rad-Liebe und zu Fuß findest du einen Parcours mit unterschiedlichen Böden – von Steinen bis Ästen und bist eingeladen barfuß die verschiedenen Untergründe zu spüren.
In einer großen Nische wartet die Spielebox mit vielen Brettspielen von Schach bis Blokus, das an Tetris erinnert oder OhwEi, bei dem einige Kunststoff-Eier mit Wasser gefüllt sind, und per Zeigerdreh Bilder anzeigen, ob du dir diese selber oder an Mitspieler:inen aufklatschen magst. Von manchen der Spiele gibt es auch Groß-Versionen wie von Speed-Cup, wo du am Tisch bunte Becher, auf dem Boden Kübel in der richtigen Reihenfolge aufgedeckter Karten anordnen sollst.
Viele der Helfer:innen Wiens – von der Feuerwehr bis zur Polizei – laden Kinder zu Aktivitäten ein. Die Feuerwehrjugend hat gleich beim großen Feuerwehr-Auto, das bestaunt und betreten werden kann, zwei echte Spritzen, wo Kinder den kräftigen Wasserstrahl auf ein Ziel richten können. Apropos Wasser – auch dafür ist gesorgt; nicht nur bei den hier im Donaupark stehenden Hydranten, sondern auch beim Stand von Wiener Wasser.
Und wer solches „lassen muss“, für den hat die MA 48 in der Nähe ihres Abfall-Trennungsspiel-Zeltes auch wieder einen Klo-Bus aufgestellt – mit wie es für die 48er schon lange üblich ist, witzigen Sprüchen: „Ein Wagn für Groß und Klein!“ sowie „Nur keine Zurückhaltung!“
Apropos groß und klein – gleich nach dem Eingang gibt’s beim ersten Infostand der wienXtra-Kinderinfo ein großes Wimmelbild, auf dem einige Bilder zu suchen und finden sind. Und dieses kannst du auch – ausgedruckt in kleiner Form mitnehmen und kriegst dazu eine Kunststoff-Lupe mit.
Ach ja – und der lebendige Holli, die Symbolfigur des Wiener Ferienspiels, begegnet dir immer wieder auch auf dem Weg zwischen den Stationen, ebenso wie Stelzengeherinnen.
Kosa und ihr jüngerer Bruder Aca leben seit mehr als 30 Jahren in Österreich, suchen um die Staatsbürgerschaft an, aus Reisetaschen packen sie Ordner voller Dokumente aus, überreichen diese der grummelnden, grantelnden, abwehrend und abwertenden Beamtin. Obwohl sie keinen Blick hineinwirft, zweifelt sie gleich einmal an, ob das wirklich alles vollständig ist. Erteilt Anweisungen, dass sie sich eine Kopierkarte in Stock x holen, diese in y aufladen und obendrein Summe z zu zahlen hätten.
Im Publikum gequältes, lautstarkes Lachen jener Zuschauer:innen, die offenbar eigene Erfahrungen mit der MA35 haben.
Doch bevor die Geschwister – Kosa (Valentina Eminova) und Aca (Sebastian Malfer) endgültig in den Besitz eines österreichischen Passes kommen können, müssen sie die Entlassung aus der serbischen Staatsbürgerschaft erwirken. Am leichtesten, so scheint es, wenn sie’s vor Ort selber tun. Wo sie auf einer zwar viel gestyltere aber nichts desto trotz ebenso ignorante Beamtin treffen.
Soweit die Rahmenhandlung von „Land ohne Land“, mit dem am Totengedenktag (1. November) das dritte Internationales Roma-Festival „E bistarde 2023 | Vergiss mein nicht“ im Dschungel Wien eröffnet worden ist. Simonida Selimović, gemeinsam mit ihrer Schwester Sandra, Gründerin dieser Veranstaltungsreihe mit vor allem Theater und Konzerten, hat das Eröffnungsstück geschrieben und auch Regie geführt.
Zu den sarkastisch, bitterbösen Amts-Szenen (Beamtin: Franziska Adensamer, die auch Svetlana, die Cousine der beiden spielt) gesellt sich noch ein Rückgriff auf eine der Corona-Phasen. In so manchen Ländern wie Serbien oder Rumänien wurden Angehörige der Volksgruppe der Roma noch mehr als üblich diskriminiert. Sie wurden beschuldigt, Überträger:innen zu sein mit Ausgangsverboten oder Gefängnishaft belegt. Was im Stück die Situation nochmals verkompliziert, können die Geschwister nun nicht einmal zurück nach Österreich wo Svetlana Kosas beide Kinder (Dominic Moldovan und Samuel Rosegger in Video-Einspielungen) betreut.
Valentina Eminova stellt als Kosa immer wieder dieses ganze System nationaler Grenzen und einschränkender Bestimmungen in Frage und bricht daraus aus – mit bunter „Daten“-Brille und -Handschuhen surft sie in eine virtuelle Welt – die schließlich riesengroße auf einen vorgezogenen dünnen Vorhang projiziert wird. Schon davor wurde aus den schauspielenden Figuren hin und wieder Avatare, die sich zu unendlichen Vervielfachungen ausweiteten. Nun läuft die digitale Kosa durch grenzenlose Landschaften, in der immer wieder Bilder, teils auch Videos aufpoppen von Roma-Vorkämpferinnen wie der in Österreich doch recht bekannten Ceija Stojka, die mehrere Konzentrationslager der Nazis überlebte und als eine der allerersten darüber zu malen, schreiben und sprechen begann. Aber auch – bei uns weniger bekannten – aus Rumänien, Schweden, USA…
Diese digitale Landschaft gegen Ende ist aber viel mehr, sie wird als Konzept schon früher im Stück angesprochen: Was wäre, wenn alle Rom:nja, Sinti:zze, Lovara… eine digitale Identität in einer gemeinsamen, grenzenlosen virtuellen Welt hätten, sozusagen einen – wie er mehrmals eingeblendet wird – Roma-Pass, eben ein „Land ohne Land“. Womit sich der Bogen zum Beginn des Stückes schließt. Da wird die bekannteste Suchmaschine eingeblendet und nach dem Online-Kauf eines digitalen Landes gesucht – wobei dabei natürlich Metaverse aufscheint 😉
Das ca. 1 ¼-stündige Stück verbindet äußerst gelungen realsatirisches Schauspiel mit Live-Musik durch die beeindruckende Fagott-Bläserin Stefanny Leandro Aguilar, die mal untermalend, dann wieder zentral aufspielend fast durchgängig Klangteppiche webt mit Spitzen-Auftritten sowie Video-Einspielungen (neben den beiden schon genannten Kinder noch Radica Savić als u.a. Kaffee-Sud lesende serbische Tante) und ins Digitale ausgelagerter Utopie (Visual Art: Joanna Zabielska; Kamera & Cut: Laura Moldovan). Gerade letztere verschafft angesichts der in den vergangenen Jahren und Wochen noch heftigerer aufgeflammter brandgefährlicher nationaler Konflikte ein wenig sehnsüchtige Hoffnung.
Etwa zwölf Millionen Roma leben im europäischen Raum. Auch wenn sie keine homogene Gruppe sind, sondern vielfältige Lebensstile pflegen, werden viele von ihnen sozial nach wie vor ausgegrenzt oder nicht wahrgenommen. Doch „Wir sind da, wir zeigen uns, wir lassen nicht zu, dass man vergisst, dass es eine Geschichte gibt, die uns seit Jahrhunderten verfolgt, und dass wir nichts davon wissen. Wir sind so viele und wir sind so unterschiedlich.“
Das Festival „E Bistadrde/ vergiss mein nicht“ gibt den Rom:nja und Sinti:zze durch Theater und Kultur eine Stimme: „Es ist notwendig, einander, Roma und Nicht-Roma, zu kennen und anzuerkennen, um unsere historischen kulturellen Unterschiede zu versöhnen“, sagt Simonida Selimović-Rosegger, Gründerin des Roma Theatervereins Romano Svato. „Wir haben eine Auswahl an Shows zusammengestellt, die sich um aktuelle Themen und Ästhetiken drehen, die in der Dokumentation der Realität und der Mikrogeschichte verwurzelt sind.“ „E Bistarde“ hat eine klare soziale Botschaft in Bezug auf Bildung, Bewusstsein und Stärkung einer positiven Identität. Ihre kulturelle Vielfalt über und mit Roma arbeitet darauf hin, das Zusammenleben innerhalb der Roma-Gemeinschaften sowie außerhalb zwischen der Nicht-Roma-Mehrheit und den Roma-Gemeinschaften zu harmonisieren.
Übersicht über die weiteren Auftritte in der Info-Box. Und es wird – natürlich – weiter ausführlich hier berichtet.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen