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Szenenbild aus dem Kinofilm „Tierisch abgefahren – Rettet die Pets!“

Computer-hackender Dachs, diebischer Waschbär, schlaue Raubkatze und ein entführter Zug

Einige Waggons eines irr schnell rasenden Zuges entgleisen in einer wunderschönen, irgendwie wild-romantisch wirkenden Landschaft in der Nähe einer Meeresbucht. Eine Hand hebt sie auf. Spielzeugeisenbahn oder ein Riese am Werk? Das ist eine der ersten Szenen, die auf den Animations-Action-Kinofilm „Tierisch abgefahren – Rettet die Pets!“ einstimmen. Ab 19. März (2026) ist dieser in Kinos zu erleben.

Das meiste, noch dazu abenteuerliche, gefährliche, wird sich in diesem Zug abspielen. Davor aber gibt’s noch eine Story rund um einen der Hauptheld:innen, den Waschbären Falcon (englisch für Falke) – weil er, das wird er später erzählen, als Waisenkind von einem Falken gerettet und aufgezogen wurde. Was so nicht stimmt, aber das wird erst gegen Ende nach und nach ans Licht kommen und sei hier sicher nicht gespoilert.

Jedenfalls lebt Falcon von Essensdiebstählen, die er Robin-Hood-mäßig mit vielen anderen ebenfalls auf der Straße lebenden Tieren teilt.

Szenenbild aus dem Kinofilm „Tierisch abgefahren – Rettet die Pets!“
Szenenbild aus dem Kinofilm „Tierisch abgefahren – Rettet die Pets!“

Robin-Hood-Aktion

Bei den bevorstehenden Weihnachten will er einen Riesen-Coup landen und all seinen Mit-Tieren ein üppiges Fest(mahl) schenken. Dazu hat er sich – gemeinsam mit dem Computer-Freak Hans, einem Dachs, ausgedacht, die Elektronik des neuesten, tollstes, schnellsten Zuges Richtung Toro-City zu hacken, den Zug zu entführen, um den Container mit Lebensmitteln zu stibitzen.

Der Zug steht bereit. Menschen, vor allem mit Haustieren, wollen in die Stadt. Die Tiere kommen in einen eigenen Waggon. Dann bittet eine Lautsprecherdurchsage die Fahrgäste, den Zug wegen der Behebung einer Störung kurzzeitig zu verlassen. Als alle draußen sind: Türen zu und Abfahrt.

Schlaue Ozelotin

Das Abenteuer kann beginnen. Immer schneller, vom Dachs gesteuert, unkontrollierter rast der Zug. Ozelot (eine in Südamerika beheimatete kleine Raubkatze) Maggie erkennt die Gefahr, dass in diesem Tempo mit diesem Gewicht des ganzen Zuges eine hohe Gebirgsbrücke einbrechen würde. Falcon – als Komplize von Hans – ist als einziges Tier ohne Käfig drumherum im Zug. Natürlich befreit er alle. Oder fast. Ein alter Polizeihund hat ihn, den Waschbären, einmal wegen Diebstahls hinter Gitter gebracht…

Szenenbild aus dem Kinofilm „Tierisch abgefahren – Rettet die Pets!“
Szenenbild aus dem Kinofilm „Tierisch abgefahren – Rettet die Pets!“

Wie auch immer, die ganze Handlung mit ihren spannenden, immer wieder auch atemberaubenden Momenten, bei der die große Katstrophe mehrmals so nahe ist, sei hier nicht verraten. Nur noch so viel, Hans, der Hacker-Dachs, hat noch eine eigene Agenda und versucht die von Falcon gestartete Rettungsaktion immer wieder zu durchkreuzen. Dass der Film letztlich trotz aller Crashs und entgleister Waggons, gebrochener Brücken und so weiter ganz am Schluss natürlich einigermaßen happy endet, muss nicht extra betont werden.

Mitfiebern

Neben den vielen spannenden, Action-Szenen zum Mitfiebern, leben die knapp eineinhalb Stunden einerseits vom Miteinander der Tiere mit Ausnahme von Dachs Hans – trotz so mancher Gegensätze. Und gerade von der Vielfältigkeit dieser tierischen Charaktere. Von Underdogs, solchen, die sich eigentlich zu fein für diese Gesellschaft fühlen, anderen die gern Stars werden wollen und weiteren, die wiederum draufkommen, dass sie von ihren Herrchen und Frauchen nur zur Generierung von Klicks und Likes auf Social Media missbraucht werden.

Szenenbild aus dem Kinofilm „Tierisch abgefahren – Rettet die Pets!“
Szenenbild aus dem Kinofilm „Tierisch abgefahren – Rettet die Pets!“

Vielfältige Charaktere

Für die Charaktere hat sich das Kreativteam natürlich an unterschiedlichen menschlichen Typ:innen Beispiel genommen. Nicht zuletzt spielt die Sympathie für den Außenseiter, den auf der Straße lebenden Waschbären mit ausgerissenem Ohrläppchen, eine große Rolle. Der stets auf Teilen der Beute aus ist, groß spricht und doch Angst hat. Die er klarerweise dann überwindet, wenn’s drauf ankommt…

Mediensatire

Eine starke Ebene ist auch die mediale – was sich im Zug abspielt, wird immer wieder von Live-Kameras aus einem Hubschrauber auf TV-Monitore übertragen – ein solcher hängt auch im Zug. Und wie Reporterin Cynthia nun ihre große Chance wittert, groß rauszukommen mit einem Live-Einstieg von der totalen Katastrophe, die unausweichlich scheint. Und sie dafür Lisa, das Mädchen, dem Ozelot Maggie gehört, im Hubschrauber mitnimmt.

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Plakat zum Kinofilm Szenenbild aus dem Kinofilm „Tierisch abgefahren – Rettet die Pets!“
Plakat zum Kinofilm Szenenbild aus dem Kinofilm „Tierisch abgefahren – Rettet die Pets!“
Ehemalige erfolgreiche Sag's Multi-Teilnehmer:innen waren auch heuer wieder Juror:innen - Interviews mit ORF-Moderatorin

„Wohin willst du?“ statt „Woher kommst du?“

„Zusammenhalt beginnt mit einem Lächeln“, meinte unter anderem Qianxan Han (AHS Maria Regina) beim Speech Off, dem neu konzipierten Regionalfinale des mehrsprachigen Redebewerbs Sag’s Multi im ORF-Zentrum am Küniglberg (Wien). Die besten der 384 Jugendlichen, die ihre Reden per Video im Herbst eingereicht hatten, halten seit Mitte Februar – bis Mitte März – in den ORF-Landesstudio live und analog (digital gestreamt) ihre Reden vor den Jurys. Die Jüngeren (7. und 8. Schulstufe) in der Kategorie YoungStars, die älteren (9. bis 13. Schulstufe) eben der Speech Masters. An jedem der Tage werden Sieger:innen gekürt – mehr Wettbewerb als bisher. Die Landessieger:innen (neuen Bundesländer plus Südtirol) der Älteren halten dann beim Abschluss-Finale im Wiener Rathaus (17. April) eine neue Rede; eine Jury wählt die beste aus.

Hier nun der vierte und letzte Teil – die anderen sind am Ende des Beitrages verlinkt – über die 30 Reden der Speech Masters aus Wiener Schulen, bewusst heue 821. Februar) veröffentlicht, dem internationalen Tag der Muttersprachen – dazu ein eigener, ebenfalls unten verlinkter Beitrag.

Und damit zurück zu Qianxan Han, die Chinesisch (Mandarin) und – wie alle anderen – auch Deutsch sprach (Bewerbsregel). Das erwähnte Lächeln sei Basis für den Aufbau von Vertrauen, so die Schülerin. Zusammenhalt sieht sie übrigens wie in einem schönen Bild in vielen bunten Farben, der Vielfalt. Denn Unterschiede sollten nicht Grund für den Bau von Mauern zwischen einander sein, sondern für Fenster die es ermöglichen raus-, aber auch rein zu schauen, sich kennen zu lernen… „Denn Zusammenhalt in Vielfalt ist die Hoffnung, dass aus dem DU und Ich ein WIR wird.“

Scrollen oder leben

Es sei Zeit, „uns selbst wieder zu finden“, denn alle seien mehr als ihre Likes, geposteten gefilterten Fotos, appellierte Liran Shabtai (Vienna European School) auf Hebräisch und natürlich Deutsch (Bewerbsregel, siehe oben, die ab nun nicht mehr in jedem Abschnitt extra erwähnt wird) an die live anwesenden vor allem Jugendlichen und jene, die via Live-Stream zuschauten – und nicht zuletzt auch sich selbst.

Die Selbstdarstellung in den Netzwerken hätte dazu geführt, nur Bilder von sich zu „verkaufen“. Vergessen werde zu lachen, zu fühlen… Doch jede und jeder habe die Wahl, weiterhin nur zu scrollen oder echt zu leben mit allen Fehlern, Unsicherheiten, Narben. Sie, die es liebe, auf der Bühne zu stehen (vor allem als Tänzerin), rief abschließend auf, es sei Zeit, „Masken fallen zu lassen“.

Jede Sprache ist gleich wertvoll

„Fairness nicht gefunden, Fehler 404“ konstatierte Viola Kaltenberger (Hertha Firnberg Schulen für Wirtschaft und Tourismus, Französisch), wenn – wie es oft passiert, Sprachen in wertvolle und weniger wertvolle auseinanderdividiert würden / werden. Während Englisch, Französisch, Spanisch auch – öffentlich verwendet – vielfach geschätzt werden, heißt es bei Türkisch, Arabisch oder Somali nicht selten „die sprechen ja zu Hause kein Deutsch“.

Damit werden Menschen dieser Sprachen strukturell diskriminiert, ausgegrenzt, ausgeschlossen. Jede Sprache und jede Kultur ist aber gleich viel wert und Vielfalt nicht nur dann super, wenn sie bequem ist, sondern nur echt, wenn alle Stimmen zu hören sind. Und wenn nicht nur davon geredet, sondern erst wenn sie gelebt wird. Sonst bleibe am Bildschirm: Fehler 404.

Menschlichkeit soll mehr zählen

„Wer Hoffnung sät, erntet Licht!“, so optimistisch und tatbereit beendete Enesa Qorri (GRG 21; Albanisch) ihre Rede. In der hatte sie zuvor die von außen auf ihre, die junge, Generation aufgebürdeten Erwartungshaltungen einer- und die großen Krisen, der sie und ihre Altersgenoss:innen ausgesetzt sehen, andererseits aufgezählt: Sorgen über die Zukunft, Klimawandel, Druck, perfekt sein zu müssen oder wenigstens sollen, „das Gefühl, nie genug zu sein.

Gleichzeitig aber sei dies eine Generation, die viele Fragen und vieles in Frage stelle und sich eine Welt wünsche, in der Menschlichkeit mehr zähle als Leistung.

Werden (noch?) zu wenig gehört

Schlagzeilen über Kriege und Kämpfe, dann wieder Tanzvideos – solche und andere werden tagtäglich wild durcheinandergemixt in Timelines sozialer Netzwerke gespült, schilderte Kumru-Xezal Merey (VBS – Vienna Business School, private Handelsakademie – Floridsdorf; Englisch) eingangs. Das trage mit dazu bei, mentale Gesundheit zu beeinträchtigen.

Sie versuchte in ihrem Speech-Masters-Beitrag einen Weg aus der Misere aufzuzeigen: Aufhören, einander zu beschuldigen; anfangen an einem Strang zu ziehen; miteinander kreativ sein, statt übereinander zu urteilen. Immerhin werde heute viel über mentale Gesundheit geredet, etwas, worüber früher geschwiegen wurde.

Sie rief letztlich zu einem Austausch für einen Prioritäten-Wechsel in Richtung mit- statt gegeneinander auf: Ex-Change!

Und an die Erwachsenen gerichtet, meinte sie: „Wir sind das Ergebnis eurer Fehler und Erfolge! Aber, wir werden nicht so sehr gehört, wie es sein sollte!“

Gerechtigkeit muss man leben, jeden Tag

Auch wenn sie und andere Mädchen und junge Frauen hier und heute ihre Reden halten und dies vor etwas mehr als 100 Jahren hier – und heute in vielen anderen Ländern noch nicht möglich (gewesen) wäre, sei es nicht genug, sich auf Erreichtem auszuruhen. Darüber sprach Hana Cunaku (GRG 21; Albanisch).

Gleichberechtigung sei auch bei uns oft nur auf dem Papier gegeben. Exemplarisch schilderte sie drei Mädchen, allesamt in Österreich geboren, aufgewachsen, hier lebend und Schulen besuchend und doch würden sie nicht gleichwertig wie viele andere behandelt: (Nach-)Name, Hautfarbe oder Kopftuch würden nicht selten „ausreichen“, um verletzende Kommentare abzukriegen, die seelische Wunden hinterlassen. „Niemand sollte sich an Ungerechtigkeit gewöhnen müssen! Gerechtigkeit muss man leben, jeden Tag im Unterricht, auf der Straße… Ich wünsche mir ein Österreich, ein Land, das nicht fragt, woher kommst du, sondern wohin willst du?!“

Und weil sie Realität menschlicher Gesellschaften mit einem bunten statt eintönigem Gemälde verglich, hatte sie ein – von ihrem Vater gemaltes – Bild einer farbenfrohen Landschaft mit zum Redepult genommen.

Beide Kulturen leben

Sie liebe bulgarische Volkstänze gleichermaßen wie Kaiserschmarren – mit diesem plastischen Wortbild stieg Viktoria Boucheva (AHS Maria Regina; Bulgarisch) in ihre Rede. Sie besuche zwei Schulen, neben dem österreichischen Gymnasium am Wochenende noch die bulgarische, wo sie Sprache und vieles über die Kultur des Herkunftslandes ihrer Eltern lerne. „Was manchmal anstrengend, aber meistens wunderschön ist.“

Was sie nerve: Wenn sie in ihrer Tracht zu Auftritten in der U-Bahn fahre und manche Menschen heimlich Fotos machen, andere die Kleidung angreifen – alles ohne zu fragen oder sich zu interessieren; dann fühle sie sich „wie etwas Fremdes, obwohl ich hier geboren bin, hier lebe und träume“.

Vielfalt bedeute doch, sich eben nicht entscheiden zu müssen für die eine oder andere Seiten, sondern beides leben zu dürfen, ohne sich schämen zu müssen. Sie wünsche sich mehr Schulprojekte, in denen wir gegenseitig voneinander lernen, statt übereinander zu reden, nicht um zu vergleichen, sondern um zu teilen. Unterschiede sollen uns nicht voneinander trennen, sondern verbinden, denn nur gemeinsam sind wir wirklich stark.

Hinsehen und aufstehen gegen Ungerechtigkeiten

Irgendwo anders auf der Welt gibt es – nicht nur – ein 15-jähriges Mädchen, das nichts zu essen hat, hungrig aufwacht und ebenso abends schlafen gehen muss, während sie und ihresgleichen sich hier sorgen, was es zu Mittag gebe oder der Unterricht auch spannend werden würde. Mit diesem plastischen Bild von Ungerechtigkeit begann Victoria Peña (AHS Wien West; Spanisch) ihren Beitrag, einen der letzten am Wien-Tag der Speech Masters wie nun die ältere Kategorie bei Sag’s Multi reloaded heißt.

Diese Ungerechtigkeit widerspreche dem Grundsatz, dass alle Menschen frei und gleich an Würde und Rechten geboren werden, wie sie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte gleich in Artikel 1 festhält.

Und weil es so ist, heiße das aber, bereits in kleinstem Rahmen sich für Menschen einzusetzen, wenn sie unfair behandelt werden. Nur durch Hinsehen und aufzeigen können Veränderungen angestoßen werden. Und wenn sich viele, möglichst alle zusammentun und mithelfen, dann kann auch Großes verändert werden!

Kopftuchverbot ist genauso wie Zwangsverschleierung

Gerechtigkeit wählte auch Asya Sen (HTL Rennweg; Türkisch) als Inhalt ihrer Rede. Und dennoch wird 2026 noch immer von Frauen- und Männerberuf gesprochen, wird Frauen vorgeschrieben, wie sie sein sollen. Sie selbst habe – gemeinsam mit ihrer Mutter – wie zwei Polizisten ein arabisches Ehepaar aufforderten, die Ausweise zu zeigen und die Frau anherrschten, sie möge ihr Tuch abnehmen, um ihre Identität überprüfen zu können. Erst die Mutter der Sag’s-Multi-Rednerin habe die Polizisten dann aufgefordert, diese Frau nicht öffentlich zu entblößen.

Das Kopftuchverbot werde verkauft als gleiche Chance für alle, doch das Verbot sei nichts anderes wie auf der anderen Seite der Zwang zur Verschleierung. In beiden Fällen werden Frauen zu Objekten degradiert und nicht wie denkende Subjekte behandelt. „Eine Frau ist kein Projekt, sondern ein Mensch mit Verstand und Würde!“

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Diese Trophäen winken den drei Erstplatzierten beim Finale im April im Wiener Rathaus

Lesen, checken, Quellen prüfen, dann erst teilen

Für den Themenbereich „Online. Offline. Echt?“ hatte sich Katharina Meizer vom privaten ORG (OberstufenRealGymnasium) Vienna European School entschieden. Die Grenzen verschwinden zwischen beiden Welten begann sie ihren Englisch-Deutschen Beitrag beim mehrsprachigen Redebewerb Sag’s Multi im Wiener ORF-Zentrum. Und wies darauf hin, dass – und das schon lange – Menschen sich auch im „echten“ Leben verstellen (können).

In beiden Welten, in der digitalen vielleicht noch mehr, weil dort Filter eingesetzt werden, gehe es zu sehr ums Äußere, wie Körper ausschauen. Und dabei die Seele ignoriert werde. Dies sei ein Element des ständigen Drucks.

Ihr Rat als Gegenmittel: Selbstliebe und Echt-Sein und zwar dies nicht nur zu zeigen, sondern auch zu spüren bzw. spüren zu lassen. „Echt sein ist wichtiger als perfekt zu sein!“

Psychotherapeutische groooße Lücke

Monatelange Wartezeit auf einen Kassen-Therapieplatz rechnet Sarah Schermaier (VBS – Vienna Business School, private Handelsakademie, Schönborngasse) in Sekunden um. So begann sie Englisch und setzte Deutsch fort über den Mangel an psychotherapeutischer und psychologischer Versorgung für Jugendliche zu sprechen, immer wieder zwischen beiden Sprachen wechselnd – ein Charakteristikum von Sag’s Multi.

Krass die Zahl, die sie für einige Momente raten ließ, um die Antwort gleich zu geben: Den 1,1 Millionen Schüler:innen in 5936 Schulen stehen ganze 190 Schulpsycholog:innen „zur Verfügung“. Ihr selbst konnten die Eltern private, teure Psychotherapie bezahlen, weshalb es ihr heute wieder gut gehe. Und genau deswegen wollte sie dieses Thema offen ansprechen, weil es auch noch immer schambehaftet sei.

Rede an ihr mögliches künftiges Kind

Zu einer sehr außergewöhnlichen Form griff Olivia Kampmüller (AHS Wien West, in Penzing, 14. Bezirk). Auf Schwedisch – und selbstverständlich Deutsch (Wettbewerbsregel, die ab nun auch in diesem Beitrag nicht mehr jedes Mal erwähnt wird) – führte sie ein Gespräch mit ihrem möglichen künftigen Kind.

Sie fühle sich angesichts der Krisen diese Welt, nicht zuletzt der Sorge, ob die Klimaziele erreichbar wären, hilflos. Und je mehr sie die Welt verstehe, desto eher halte sie es für egoistisch, ein süßes Baby in diese zu setzen. Noch dazu wo Millionen von Kindern in totaler Armut aufwachsen.

Aber sie versprach diesem – vielleicht nie geborenen – Kind, weiterhin für eine bessere Zukunft dieser Welt zu kämpfen.

Ungleiche Waagschalen

Ihre Hände verwendete Kaya Lehmann (AHS Maria Regina) als zwei Waagschalen. Damit illustrierte sie optisch eindrucksvoll die noch immer vorhandenen Ungerechtigkeiten zwischen Frauen und Männern – von Löhnen und Gehältern bis zur unbezahlten Care-Arbeit in Haushalt, Kinderbetreuung und Pflege meist älterer Angehöriger.

Auf die Idee zu dieser (Englisch-Deutschen) Rede sei ihr gekommen, als sie zum ersten Mal vom Equal Pay Day gehört habe, der Tag bis zu dem Frauen, wenn ihre Arbeits-Einkommen mit dem von Männern verglichen werden, sozusagen gratis gearbeitet haben.

Wie könne es sein, dass im 21. Jahrhundert diese längst bekannte Tatsache noch immer bestehe?! Auf Worte müssten endlich Taten folgen – einerseits gesamtgesellschaftlich, andererseits aber auch in Partnerschaften.

Auf der Suche nach Wahrheiten

Wie so manch andere Teilnehmer:innen des mehrsprachigen Redebewerbs Sag’s Multi bringt auch die beim Wiener Speech-Masters angetretene Amira Zaina Celina Talab (RG /WRG Real- bzw. Wirtschaftliches RealGymnasium Feldgasse, Wien-Josefstadt, 8. Bezirk) schon verschiedene kulturelle und sprachliche Schätze mit. Sie, die Englisch als Erstsprache für ihren Beitrag wählte, nannte syrische, kroatische, slowenische und österreichische Wurzeln. Ihr Thema: On- und offline und die Frage nach der Echtheit, dem Echt-Sein.

Vor allem durch Social Media würden sich Lügen oft schneller verbreiten als ein Waldbrand. Es trage jedoch jede und jeder selber auch Verantwortung, nicht alles zu glauben, Nachrichten, Meldungen usw. zu überprüfen, auch wenn es zeitintensiv sein möge.

Die gute Nachricht, sagte sie: Du bist nicht alleine auf der Suche nach der Wahrheit. Wir können lernen, Lügen zu durchschauen, denn Wahrheit ist wertvoller als Gold!

Gerechtigkeitsfan

Aufgewachsen in Washington D. C. (Hauptstadt der USA) mit einem US-amerikanischen Vater und einer irischen Mutter, nun in Wien lebend, fühle sie sich im Herzen als Europäerin, so Nerys McInterney Lankford (Lycée français de Vienne). Sie musste sich, wie viele andere, für eine ihrer Sprachen neben Deutsch entscheiden und wählte Englisch, obwohl es genauso gut Französisch (siehe ihre Schule) oder aber auch Spanisch sein hätte können.

Gerechtigkeit machte sie zu ihrem Thema – gerade in den USA, wo sie lebte als George Floyd, der im Todeskampf dem auf ihm knieenden Polizisten vielfach zurief, dass er nicht mehr atmen könne, ziehe sich diese Diskriminierung Schwarzer Menschen lange hindurch. Sie erinnerte an Rosa Parks und Martin Luthe King. In Nordirland sei immerhin nach jahrzehntelangen erbitterten tödlichen Kämpfen 1998 ein Friedensabkommen erreicht worden – Feinde fanden Frieden, statt gegenseitige Rache weiter zu verüben.

Nun lebe sie in Wien, aber auch das sei „wahre Gerechtigkeit oft leise“. Ihre Wege zu mehr Gerechtigkeit: Menschen, die hören, sehen, empathisch sind, den Mut haben, Stimmen hörbar zu machen, auch wenn ringsum Schweigen herrscht.

Gegen das Sterben von Wahrheit

Aus der selben Schule wie seine Vorrednerin kommt Renátus Kollar. Er sprach Slowakisch zum Thema Zukunft Europas und verknüpfte dies mit der Frage zur Suche nach der Wahrheit. Sogenannte soziale Netzwerke würden nicht nur psychische Gesundheit von Menschen stören, sondern auch die Gesundheit der Demokratie beeinträchtigen. Denn diese beruhe auf Wahrheit.

Vor drei Jahren sei er die 60 Kilometer aus der slowakischen Hauptstadt Bratislava nach Wien gezogen, um hier die französische Schule zu besuchen. Eine kurze geografische Distanz der beiden Städte seines Herzens, aber eine ganze Welt liegt zwischen ihnen.
Kollar erinnerte an die Ermordung des Aufdecker-Journalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten Martina Kušnírová vor fast genau acht Jahren (21. Februar 2018) „auf dem Altar der Wahrheit“.

Er habe aber selber dann im Lockdown in historischen Online-Rollenspielen erlebt, wie schnell sich rassistische, antisemitische Lügen verbreiten können. Deshalb sei es umso wichtiger, dass –  nicht zuletzt über Initiativen wie Lie Detectors – schon früh in Sachen Fake News, Verdrehungen der Wahrheit …. Sensibilisiert werde.

Denn die Freiheit stirbt im Schweigen derer die aufhören zu denken, nicht im Lärm der Kriege.

Mensch-Sein statt Konkurrenz

Bezug auf die aktuell in Italien stattfindenden Winterspielen nahem Amelie Kröpfl (AHS Wien West, Englisch) mit dem zweiten Olympischen Motto (neben Dabei sein ist alles): Höher, schneller, weiter.

Der ständige Wettkampf, das dauernde Vergleichen, sei aber ein harmlos klingender Virus, der den Zusammenhalt gefährde. Und dazu führe, dass eine fiktive Andrea ständig das Gefühl habe „nicht gut genug zu sein“ und Ängste entwickle, dass andere auch diese Meinung teilten.

Daher brauche das Schulsystem dringend ein Update. Und zwar jetzt! Feedbacksystem statt Noten mit dem Ziel, niemandem das Gefühl zu geben, schlecht zu sein: Menschen, nicht Konkurrent:innen!

Leider setzt übrigens auch der neue Modus von Sag’s Multi reloaded mehr auf den Wettbewerb

Vor dem Teilen: lesen, checken, prüfen

Nicht zuletzt Elon Musk habe mit Algorithmen mit dazu beigetragen, dass Fake News spannender geworden sind als reale, echte, wahr Informationen, meinte Fabian Christ (HTL Rennweg, Englisch). Der 16-Jährige, der schon vor zwei Jahren eine Agentur gegründet hat, um für Kund:innen Videos zu gestalten, rief auf, erst Dinge zu lesen und zu checken, Quellen zu prüfen, bevor jemand sie teilt. Denn Fake News zerstören Vertrauen.

Medienkompetenz früh lernen

Natürlich sei es schwierig und nicht selten auch anstrengend, Meldungen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, Quellen zu checken, rauszufinden, was ist Wahrheit und was Lüge. Aber dafür brauche es – mehr! – Medienkompetenz-Unterricht und das möglichst früh, forderte Haya Al-Taie (GRG 10, Arabisch). Dazu zähle übrigens auch unterscheiden zu lernen, was von künstlicher Intelligenz erstellt wurde und was nicht.

Am Ende liegt es an uns allen, unterscheiden zu lernen zwischen Wahrheit und Lüge, denn die Wahrheit ist etwas Seltenes, Wertvolles.

kijuku_heinz

Wird fortgesetzt mit weiteren Beiträgen über die Wiener Speech-Masters-Reden.

Gespannt warten jugendliche Zuhörer:innen auf die erste der 30 mehrsprachigen Reden bei Sag's Multi im Atrium des ORF-Zentrums auf dem Wiener Küniglberg

Erst viele unterschiedliche Mosaikstein ergeben ein schönes, buntes Bild

Kleinen Kindern ist es noch egal, welche Sprache die anderen Kinder sprechen, ob wer Türke, Jude oder Araber ist, sie spielen, gemeinsam. So begann Flavio Carmignani von der AHS Rahlgasse in Wien-Mariahilf (6. Bezirk) seine Ree auf Englisch und Deutsch beim Wiener Speech-Masters-Tag von Sag’s Multi im ORF-Zentrum auf dem Küniglberg. So wie nach ihm 29 Jugendliche äußerte auch er live und analog seine Gedanken beim mehrsprachige Redebewerb, nunmehr im 17. Schuljahr vor vielen anderen Jugendlichen im Atrium – und noch mehr Zuschauer:innen / Zuhörer:innen im Live-Stream (der übrigens in der TV-Thek nachgeschaut werden kann, siehe Link in der Info-Box am Ende dieses Beitrages). Dies ist übrigens – wie im Untertitel angemerkt – Teil 2 der Beiträge über diesen Wien-Tag, dem ähnliche in allen ORF-Landestudios folgen; Teil 1 unten am Ende verlinkt, weiter folgen, um alle 30 Reden vorzustellen.

Englisch ist für den nach eigener Definition halb serbischen, halb italienischen Österreicher mit US-amerikanischer Stiefmutter eine erlernte Sprache. Menschen werden nicht mit Vorurteilen geboren, doch irgendwann ändere sich das, so Carmignani: Beeinflusst nicht zuletzt durch Medien. Mit Mut und Zivilcourage gelte es, Unrecht zu erkennen und aktiv dagegen anzukämpfen. Das könnten auch schon sogenannte kleine Dinge sein, die aber Großes bewirken: Der betroffenen Person zeigen, dass sie nicht allein ist, ihr zuhören. Denn das Gefühl von Unterstützung hilft mehr als alles andere (meistens). Es gelte, andere Menschen zu respektieren, auch wenn sie anders sind, nicht die gleiche Sprache sprechen, keine hohe Bildung oder eine andere politische Meinung hätten.

Wenn du am „falschen“ Ort geboren wurdest

Gerechtigkeit ist jenes Thema, das viele der Redner:innen zum Inhalt ihrer Rede machten – übrigens in derart ausgezeichneter Form, dass ORF-Redakteurin Judith Weissenböck, Vorsitzende der Jury, mehrfach betonte, fast am Rande der Verzweiflung zu sein, denn Entscheidungen fallen da mehr als schwer.

Auch Wajd Badran vom TGM, der Schule für Technik, wo sie den Zweig Biomedizin in der zweiten Klasse besucht, machte es ihr und ihren Mit-Juror:innen nicht leichter. Sie könne hier wie eben viele Schulen besuchen und dürfe lernen. Vielleicht gar nicht so weit weg gibt es viele, vor allem Mädchen, die keine schule besuchen können oder gar dürfen, weil sie am „falschen“ Ort geboren worden sind. Mit der Empathie, sich das vorzustellen, könnte das Eintreten gegen diese Ungerechtigkeiten beginnen. Denn jedes Leben ist gleich viel wert. Wenn genug Stimmen dies fordern, dann könne sich etwas ändern. Damit diese Mädchen nicht nur von Bildung träumen müssen, sondern sie erleben dürfen, meinte sie engagiert auf Arabisch (und natürlich ebenfalls Deutsch – das ist die Regel des mehrsprachigen Redebewerbs).

On- / Offline

Das Pendeln, nein viel mehr für diese Generation übliche Verbinden der On- und der Offline-Welten nahmen viele der Jugendlichen für ihre Rede her, so auch Alisha Kamilova (privates ORG – OberstufenRealGymnasium – der Vienna European School) auf Russisch (die Ergänzung und auf Deutsch wird ab nun nicht mehr jedes Mal erwähnt!).

Trotz dem „Zuhause“-Sein in beiden Welten, verhalte auch sie sich wie viele andere nicht in beiden gleich. Agiere sie in der Schule eher verhalten, so im digitalen Raum eher offen. „Hey Bro“, würde sie dort oft einsteigen, „Online kann ich leichter ich sein, beste Gespräche habe ich oft, wenn ich auf einen Bildschirm starre… Aber, wo Licht ist, gibt es oft auch Schatten: Druck, Likes zu zählen, auf Kommentare zu achten oder zu schauen, ob man auf Fotos auch „schön genug“ sei… Irgendwann misst man seinen Wert nur noch in Zahlen und verschweigt, wie es einem wirklich geht.“

Als Schlussfolgerung plädierte sie dafür, in beiden Welten lieber echt zu sein.

Zusammenhalt in Vielfalt

So wie erst viele kleine, bunte, unterschiedliche Mosaiksteinchen ein wunderschönes Bild ergeben, so sei eben Vielfalt keine Schwäche, sondern eine Stärke, illustrierte Nahla ElSayed (GRG 10, Ettenreichgasse, Arabisch) ihr Wortbild, das damit in den Köpfen der Zuhörer:innen entstand.

Die Wienerin hat familiäre Wurzeln in Ägypten. Man kann eben mehrere Identitäten haben. Sie kann eben Arabisch und Deutsch auch Englisch, Türkisch, das si zufällig durch Schauen türkischer Serien erst mit Übersetzungen und Untertiteln und dann unter Verzicht auf diese gelernt habe und Italienisch. Sprachen sind nicht nur Worte, sondern Brücken zwischen den Menschen. Man lerne, die Welt mit den Augen anderer zu sehen.

Natürlich gebe es auch Herausforderungen, weil sich manchmal Menschen ausgeschlossen fühlen, wenn sie nichts verstehen oder nicht verstanden werden. Da gelte es eben gemeinsame Lösung zu finden: Zugehörigkeit entsteht durch Begegnung nicht durch Herkunft, Diskriminierung ist Gift für den Zusammenhalt, und da können schon „kleine“ Dinge können große Wunden hinterlassen. Eine gute Strategie dagegen: Solidarität, nicht still sein, es braucht Nein, denn Schweigen stützt immer nur die Täter.

Stärke liege nicht in Uniformität, sondern im Miteinander, darum nicht fragen, was uns trennt, sondern was uns verbindet!“

Mutige Offenheit

Sehr mutig offen gewährte Aya Farhat (BAfEP – Bildungsanstalt für Elementarpädagogik Wien-Strebersdorf, Englisch als erlernte Sprache) höchst persönliche Einblicke in Angstzustände, die sie ab 13 Jahren entwickelte. Angefangen davon, wie sie online aussehen sollte bis zu Selbstzweifeln, dass alles falsch sei, was sie sage oder mache. Was andere über sie sagen und denken sei ihr wichtiger gewesen als eigene Gedanken.

Und sie haben sich zu dieser Offenheit entschlossen, um die Chance zu nutzen auf diesen gesellschaftlichen Erwartungsdruck aufmerksam zu machen und darauf, was dieser ja nicht nur für sie, sondern für viele Jugendliche bedeute.

Nach sehr viel Selbstreflexionen könne sie sagen, es bringe nichts, ewig anderer Erwartungen zu erfüllen. Glücklich werde man nur, wenn man auf das eigene Herz höre. Und sie wollte eben diese Rede nutzen, um mit ihrer Stimme offen jene eine Stimme zu geben, die (noch) keine haben.

Mediale Beeinflussung…

… machte Catinca Militaru (Vienna European School) mit einer – „erstmals auf Rumänisch (Erstsprache) gehaltenen Rede (Deutsch lernt sie überigens erst seit 2½  Jahren) zu ihrem Thema. Wenn man oft genug die selben Meinungen höre und lese, die Algorithmen einspielen, könne man diese leicht für Wahrheiten halten.

Viele Menschen übernehmen Meinungen aus dem Netz, statt sich eigene Gedanken zu machen. Wie viele Ideen haben wir übernommen, ohne sie zu hinterfragen, sondern halten sie für wahr?

kijuku_heinz

Wird fortgesetzt mit weiteren Beiträgen über die Wiener Speech-Masters-Reden.

Szenenfoto aus "Extrablatt! Extrablatt" vom Theater zum Fürchten / Theater Scala

Alte aber leider noch immer gültige gute Satire auf (Boulevard-)Medien und so manche Deals

Ausstattung und Kostüme (Raum: Marcus Ganser, Kostüme: Anna Pollack) versetzen Spiel und Publikum in die Mitte des vorigen Jahrhunderts: schwarze, schwere Telefonapparate mit Wählscheiben, Gabel und knochenartigen Hörern stehen auf dem großen langen Tisch im Presseraum des Chicagoer Gerichtsgebäudes. Journalist:innen der lokalen und überregionalen Zeitungen berichten über einen zum Tod verurteilten Kriminellen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Extrablatt! Extrablatt“ vom Theater zum Fürchten / Theater Scala

Doch was und wie immer wieder auch humorvoll, (selbst-)ironisch gespielt wird – mit Ausnahme der Muße, die diese Reporter:innen haben und die Zeit mit Kartenspiel vertreiben, was heute wo es auch um darum geht, wer stellt’s als erstes online -, wirkt so gar nicht alt: Konkurrenz um die beste Schlagzeile, einige der Medien, die sich in Übertreibungen überbieten, korrupte Deals zwischen Medienleuten und dem Sheriff sowie dem Bürgermeister. Heftige ideologische Schlagseite mit dem mehrfach zitierten Slogan „nur ein toter Roter ist ein guter Roter“ samt angeblich überall lauernder Kommunisten. Ein Gouverneur, der angeblich nicht erreicht werden kann, weil er fischen ist. Jobangebote vom Bürgermeister an einen Polizisten, um das vom Gouverneur doch unterschriebene Gnadengesuch des Verurteilten nicht in Empfang nehmen zu müssen…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Extrablatt! Extrablatt“ vom Theater zum Fürchten / Theater Scala

Fast zeitlos

Turbulent, intrigant und – leider – fast zeitlos, wenngleich vom Impresario des Theaters zum Fürchten, Bruno Max, in eine aktuelle Bühnenfassung gegossen, läuft „Extrablatt! Extrablatt!“ frei nach „The Frontpage“ (auch mehrfach verfilmt) von Ben Hecht und Charles MacArthur derzeit im Wiener Theater Scala, nachdem es schon im Dezember im Mödlinger Stadttheater gespielt wurde. Unter anderem hat Max, der auch Regie führte, wenigstens eine Journalistin unter die männlichen Kollegen gesetzt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Extrablatt! Extrablatt“ vom Theater zum Fürchten / Theater Scala

Plot

Die Story: Die Reporter:innen warten auf die Hinrichtung des Kommunisten Earl Williams (Felix Frank), der einen schwarzen Polizisten erschossen haben soll. Der Bürgermeister (Anselm Lipgens) will ihn noch vor seiner Neuwahl hängen sehen, um Law- and Order-Fans und die Stimmen der Schwarzen zu bekommen. Aber Williams kann beim abschließenden Gespräch mit dem aus Österreich aus der Freud’schen Schule stammenden Psychologen aus dem Büro des Sheriffs flüchten; vor allem, weil ihm Sheriff Hartman (Robert Notsch) mit dümmlich Trump’schen Zügen seinen eigenen Revolver leiht, um die (angebliche) Tat nachzustellen.

Verfolgungsjagd mit vielen Pannen und „Kollateralschäden“. Und die Reporter:innen auf der Jagd nach der besten Story: Bensinger von der „Tribune“ (Hermann J. Kogler), Murphy vom „Chicago Journal“ (Christian Kainradl), Frau Schwartz von der „Daily News“ (Ildiko Babos), Endicott von der „Post“ (Christopher Korkisch), McCue von der „City Press“ (Leopold Selinger), Wilson vom „American“ (Christoph Prückner).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Extrablatt! Extrablatt“ vom Theater zum Fürchten / Theater Scala

Ausstieg – Einstieg

DER Starreporter Hildy Johnson (Paul Barna) hat sich kurz davor eigentlich aus dem Spiel genommen und seinem Chef, dem Herausgeber des „Examiner“, Walter Burns (Alexander Rossi) eröffnet, dass er aussteigt, um seine Verlobte Peggy Grant (Chiara Larson) zu heiraten und ins Werbe-Business seiner Schwiegerfamilie einzusteigen – gemütlicher und lukrativer.

Doch dann – während seine Kolleg:innen im Gerichtsgebäude nach dem Flüchtigen suchen, klettert der Todeskandidat beim offenen Fenster in den Presseraum. DIE Exklusivstory. Da lässt Hildy die Braut im Taxi mit den Koffern warten und …

Jede Menge Verwicklungen, Ungewöhnliches Versteck für den Todeskandidaten, dessen einzige Fürsprecherin, Mollie Maloy (Stephanie-Christin Schneider) aus dem Puff taucht auf. Earl Williams und sie sind die einzigen die einander auf Augenhöhe begegnen, alle anderen blicken auf sie herunter.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Extrablatt! Extrablatt“ vom Theater zum Fürchten / Theater Scala

Dealmaker

Mehr sei über die Handlungsstränge nicht verraten. Neben spannenden Wendungen lebt es mit nicht wenigen Anspielungen auf kleine und größere Deals zwischen Polizei, Politik und Medien(leuten), die leider keine historisch überwundenen sind, wenngleich vielleicht als Gegenpol wenigstens ein Qualitätsmedium mit Bemühen um Wahrheit abgeht. Für eine doch eher kleine Bühne agiert hier ein relativ großes Ensemble von 16 Schauspieler:innen – mit einer reifen Ensembleleistung, unterschiedlichen Journalist:innen-Typen, aber auch sogenannte Nebenfiguren wie etwa Ulrike Hübl als irgendwie schräge Putzfrau Jenny bringt einen eigenen Schwung mit ihren Auftritten in den Presseraum des Gerichtsgebäudes und deutet immer wieder an, dass sie viel mehr Durchblick hat als ihr alle anderen zutrauen.

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Bürger:innen-Versammlung am Dienstag mit Abstimmungen

Für eine Woche plötzlich erwachsen sein

Ein Teil des Rathauses ist eine Woche von Montag bis Freitag (18. bis 22. August 2025) zu einer Kinderstadt umgebaut worden: Unter dem Namen „Wienopolis“, organisiert von Wienxtra, konnten sich Kinder zwischen 8 und 13 Jahren in verschiedenen Berufen ausprobieren und eine Stadt ganz nach ihrem Geschmack gestalten.

Erwachsene brauch(t)en ein Visum

Beim Eingang musste ich mich bei der „Stadtinfo“ melden, um als Praktikantin bei Kijuku ein „unbefristetes Visum“ zu beantragen. Erwachsene haben normalerweise nur ein befristetes Visum, das nach einer halben Stunde wieder abläuft. Beim Anblick meines Visums hat ein Wienopolis-Bürger, der als Reifenwechsel-Champion (mehr dazu im Beitrag „handfeste Arbeit an Gleisen…“, am Ende des Beitrages verlinkt) bekanntist, voller Erstaunen reagiert. Der Arkadenhof und auch Räume im Rathaus sind in unterschiedliche Bereiche eingeteilt und umgestaltet worden – wie zum Beispiel Kreativwerkstatt, Gasthaus, Post etc. – und geleitet werden diese von erwachsenen Personen, die sich aber sehr bedeckt halten und den Kindern „im Hintergrund“ helfen.

Redaktion der Kinderstadt-Zeitung
Redaktion der Kinderstadt-Zeitung

Zuallererst habe ich den „Medien und Presse“ Bereich aufgesucht und dort gleich zwei Jungjournalist*innen kennengelernt. Ein Jungreporter hat ein Interview mit Peter Hacker (Stadtrat im „großen“ Wien) geführt und auf meine Frage, ob er den nervös gewesen sei, hat er nur selbstbewusst den Kopf geschüttelt. Später bei einem Interview von ihm und dem Vizebürgermeister, der sich als Kandidat für den Bürgermeisterposten in Wienopolis aufgestellt hat, habe ich gemerkt, wie er professionelle und auch sehr kritische Fragen stellt.

Sie diskutierten potentielle Reformen in der Stadt, wie zum Beispiel, ob man reiche BürgerInnen besteuern sollte, welche Löhne überhaupt angemessen seien und die Wichtigkeit des Themas „Sport“. So möchte der Vizebürgermeister mehr Bewegung in das Leben aller Bürger*innen integrieren und aus diesem Grund Fußball-Turniere organisieren. Der Reporter hat mir erzählt, dass er zwar irgendwann wahrscheinlich einen „technischen Beruf“ ausüben werde, da seine ganze Familie in dem Bereich arbeite, aber meiner Meinung nach könnte er einmal wirklich Journalist werden. Vielleicht Sportreporter, lachte er.  

Anstehen zur Wahl am Dienstag beim Veranstaltungszentrum in der Halle - in der Kinderstadt im Wiener Rathaus
Anstehen zur Wahl am Dienstag beim Veranstaltungszentrum in der Halle

Jung- und Jüngst-Politiker:innen

Am Nachmittag stand die Wahl des/r Bürgermeister/in an und vor dem Wahllokal hat sich schon eine lange Schlang gebildet. Ich habe ein paar der Bürger und Bürgerinnen gefragt, warum sie denn Wählen gehen würden. Während eine Wählerin euphorisch „weil es Spaß mache“ ausrief, meinte eine andere entschlossen, dass sie sich für eine gerechtere Regierung einsetzen möchte. In der Schlange habe ich auch eine Kandidatin selbst angetroffen, die direkt vor dem Wahllokal Flyer verteilt und energisch für sich selbst geworben hat.

Die „Erwachsenenwelt“ wird in „Wienopolis“ auf spielerische Art nachgeahmt, aber wer von ihr genug hat, kann sich wie manche Kinder auch in den Ruhebereich zurückziehen – denn sie ist auch in der Realität oft sehr erschöpfend!

Stefanie Kadlec

Hier gehts zu allen Zeitungen der Wienopolis-Woche, die von Kindern – mit Unterstützung von KiJuKU – produziert worden sind

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Weitere Informationen
Doppelseite aus "Angriff der Killer-Unterhosen"

Können Unterhosen töten?

Der sicher witzige Titel wird erst ziemlich weit hinten aufgelöst. „Angriff der Killer-Unterhosen“ heißt dieses Comic-Buch, das sich um Fake News dreht.

„Fake News“ sind sozusagen in aller Munde, dauernd ist die Rede davon. Auch wenn es Falsch-Nachrichten schon immer gegeben hat, durch Internet und vor allem Social Media-Apps verbreiten sie sich heute so schnell und weit wie nie zuvor.

Nicht alles was falsch ist, fällt darunter – es können wie in allen anderen Bereichen auch bei und in Medien Fehler passieren. Darum geht es weniger. Aber was tun? Was ist wahr und was ist (bewusst) falsch?

Antworten darauf gibt es nicht wirklich so leicht. Je ausgereifter die Technik, umso schwieriger das Erkennen. Diese nicht ganz 100 Seiten, die Elise Gravel geschrieben und gezeichnet hat (Übersetzung aus dem Englischen: Ingrid Ickler) schildert einige Methoden und Beweggründe von bewusst in die Welt gesetzten Falsch-Nachrichten.

Doppelseite im Comic-Buch
Doppelseite im Comic-Buch „Angriff der Killer-Unterhosen“

Schlagzeile vs Meldung

Dass Unterhosen töten, würde wohl niemand glauben. Aber – und ausnahmsweise wird hier auf dieser Seit ein einer Buchbesprechung schon viel gespoilert… Mit diesem Beispiel zeigt Elise Gravel in Wort und Bild eine Methode wie eine Meldung zu einer Falschnachricht werden kann. Die Schlagzeile (Große Überschrift auf einer Startseite – egal ob in einer gedruckten oder einer Online-Zeitung -, die sie sich ausgedacht hat: „Frau von eigener Unterhose getötet“.

Aber in der Meldung darunter wird beschrieben: Diese Frau ist im Badezimmer auf der auf dem Boden liegenden Unterhose ausgerutscht, mit dem Kopf unglücklich auf ihre Badewanne gefallen und so tödlich verletzt worden.

Sogenannte Zuspitzung, Übertreibung, Verkürzung ist aber nur eine Möglichkeit, wie es zu falschen Nachrichten kommt. In diesem Buch mit vielen – immer erfundenen – Beispielen zeigt die Autorin und Illustratorin in Personalunion, unterschiedliche Methoden und auch Absichten auf, die hinter Fake News stecken.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Angriff der Killer-Unterhosen“

Zehn Werkzeuge

Das letzte Kapitel mit immerhin fast 30 der 88 Seiten widmet Gravel zehn Werkzeugen, wie du falsche von echten Nachrichten (leichter) unterscheiden kannst. Das eingangs zitierte Beispiel, das auch dem Buch letztlich den Titel gab, ist „Schritt 8: Lese nicht nur die Schlagzeilen“.

Satire

Übrigens: Elise Gravel weist aber auch darauf hin, dass es – ähnlich wie Comedians – auch im Medienbereich ähnliches gibt: Satire-Seiten, die bewusst Dinge überspitzen, um humorvoll auf Missstände aufmerksam zu machen.

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Titelseite des Comic-Buchs
Titelseite des Comic-Buchs „Angriff der Killer-Unterhosen“
Am Ende des Workshops nehmen Kinder ihre eigenen Nachrichten - oft in Interviewform - auf

Interview der Kuscheltiere…

„Leonie, lebst du lieber zu Hause oder im Dschungel?“, fragt Löwe Simba. Diese Leonie ist ihre Gegenüber in der Nachrichtensendung, und eine Stoff-Fledermaus. Zwei der Teilnehmerinnen des Theater-Workshops „Nachrichtensendungen von Kindern für Erwachsene“ verleihen ihren Kuscheltieren die Stimmen.

Fast ein Dutzend Kinder, darunter Mara, Elvira, Liam, Max, Helena, Maximilian, Lolek, Maximilian suchen sich nach Aufwärmspielen ihre eigenen Themen aus und bereiten sich auf Interviews vor einer Kamera vor. In der großen Runde schlagen sie mit Monika und Celine, die den Workshop leiten, viel mehr Themen vor, als sie je bearbeiten können – wie auch in jeder Redaktion viel mehr an Nachrichten einlangen als verarbeitet und veröffentlicht werden können.

In Gegenstände reinversetzen

Dann geht’s eben darum, was ist möglich, wer kann – und in dem Fall jedenfalls will – was bearbeiten. Die beiden hier zu Beginn zitierten Reporterinnen fanden zueinander, weil sich beide für Kuscheltiere interessierten. Meist im Liegen oder wenigstens im gemütlichen Sitzen auf dem Tanzboden von Bühne 3 im Dschungel Wien, dem Theaterhaus für junges Publikum im MuseusmQuartier schreiben sie mit bunten Stiften ihre Fragen auf, die Löwe und Fledermaus, in die sich beide hineinversetzen, aneinander haben.

Helena stellt in der Sendung „Zwergi Silbi“ vor, eine von ihr, gemeinsam mit einer Freundin selbst gebasteltes Nadelbaum-Pockerl neben einer – mittlerweile leergebrannten Kerzenhalterung vor. Ein weitere Solo-Reporter widmet sich dem Thema Sport, vor allem Ballspielarten. Klima ist das Thema eines weiteren Nachrichtenduos und Süßigkeiten das von zwei anderen Reportern. Wobei sie mehrmals in die Kamera sagen: Eltern sollten ihren Kindern vor allem Süßes geben, damit sie ihre Ruhe haben.

Thema wird zum Gegenstand

Ein Trio hat sich das Thema Comic ausgesucht. Einer der beiden Max ist da wahrer Experte. Er faltet gleich einmal das Papier, auf dem sie ihre Ideen für die Nachrichten sammeln zu einem kleinen Comic-Heft. Was brauchen derartige Bücher. „Jedenfalls eine Handlung“ steht sofort fest. Nach und nach fällt allen drei ein, welche weiteren Elementen erforderlich sind. Nicht zuletzt fügt der federführende Max noch einige Zeichnung im Comic-Stil seinem kleinen Heftchen hinzu.

Am ersten von drei Workshoptagen – im Rahmen des wienXtra-Winterferienspiels – kamen die Gestalter:innen der Kindernachrichten allerdings in heftigen Stress – die Aufwärmspiele hatten zu viel Zeit in Anspruch genommen.

Schlimm, kompliziert, aber auch fröhlich, gut und lustig

Apropos Nachrichten: Bevor die Kinder ihre eigenen Themen sammeln, wollten die Workshopleiterinnen wissen, welche Nachrichten die Kinder kennen und welche Eigenschaften sie damit verbinden. Das erste was fiel war „schlimme“, auch mehrfach genannt wurde „kompliziert“ später noch gesteigert durch „sehr, sehr, sehr“. Dabei blieb’s dann doch nicht, es fielen viele Themen – und auch gute, fröhliche, lustige, interessante neben nervigen (weil zu oft wiederholt), aber auch falsche (Fake News) sind den Workshop-Teilnehmer:innen schon untergekommen.

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Arbeit an Themen und Nachrichten

Aufwärmübungen und weitere Schnappschüsse

Bernhard Heinzlmaier und eines der Charts der aktuellen Jugendwertestudie 2023

Jugendliche: Teuerung und Krieg verdrängen Klimawandel

Die ständig steigenden Preise sind auch die größten Sorgen junger Menschen in Österreich zwischen 16 und 29 Jahren. Danach kommt die Angst vor Krieg und an vierter Stelle der Klimawandel. Das sind die zentralen Ergebnisse der aktuellen Jugendwertestudie unter der Leitung von Bernhard Heinzlmaier und Natali Gferer, die Ersterer diese Woche bei einem Mediengespräch vorstellte. Befragt wurden – online – 800 junge Menschen im Frühjahr 2023, gewichtet nach Geschlecht, Alter, Bildung – und auf Nachfrage von KiJuKU auch nach Migrationshintergrund.

Umwelt ist bei Jugend viel wichtiger

Bei den schon genannten – und weiteren – wichtigsten Zukunftssorgen zeigen sich mit Ausnahme von Teuerung, Inflation und Krieg schon in der Reihenfolge deutliche Unterschiede zwischen jungen und älteren Menschen. Während die Jugend (gilt in vielen Bereichen bis 30 Jahre) Klimawandel und Umweltkatastrophen als viertes bzw. sechstes Problem, das sie sorgt, nennen, rangieren diese Themen in der Gesamtbevölkerung auf Platz 8 und 9 unter den Top-10. Die Älteren sind über Zuwanderung und Flüchtlinge mehr besorgt, was bei den 16- bis 29-Jährigen eine untergeordnete Rolle spielt.

Zukunftswünsche Jugendlicher
Zukunftswünsche Jugendlicher

Psychische Gesundheit nannten die Älteren gar nicht als vorranging, während diese den Jüngeren Sorgen im Spitzenfeld bereiten – interessantes Detail: Fast doppelt so viele junge Frauen nannten mental health als großes Problemfeld. Übrigens auch den Klimawandel nannte fast die Hälfte der weiblichen Jugend als wichtige Sorgen, während es bei ihren männlichen Alterskollegen nur ein Drittel sind.

Heinzlmaier liest aus den vielen Zahlen der Studie einen Widerspruch zwischen Anspruch und realem Verhalten heraus, weil viele Jüngere zwar der Umwelt hohen Stellenwert beimessen, aber auf die Frage nach dem Fortbewegungsmittel für Urlaubsreisen mehr als sechs von zehn (61,2%) als wichtigste Entscheidungsgrundlage „preisgünstig“ nannten. Wenn aber die Teuerung die größte Sorge ist, weil immer mehr mit dem eigenen Einkommen nicht auskommen, dann liegt wohl diese Wahl auf der Hand.

Rangfolge der Freizeitbeschäftigungen
Rangfolge der Freizeitbeschäftigungen der 16- bis 29-Jährigen

Arbeitsklima wichtiger als Bezahlung, Wohnen unleistbarer

Neben den größten Sorgen erhebt die regelmäßige Jugendwertestudie die Einstellungen junger Menschen in etlichen Bereichen, so ist jungen Menschen ein gutes Arbeitsklima im Job wichtiger als gute Bezahlung, dass Lehre eine gute Berufsperspektive biete, glaubt hingegen nur ein Drittel, obwohl aufgrund des Fachkräftemangels die Chancen sicher gut stünden. Die Teuerung schlägt sich auch in den Antworten zu Fragen rund ums Wohnen nieder. Fast zwei Drittel der befragten 800 jungen Menschen meinen, dass es für sie „immer schwerer wird, eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus zu kaufen“ bzw. „für junge Familien wird es immer schwieriger, leistbaren Wohnraum zu finden“.

Bernhard Heinzlmaier und eines der Charts der aktuellen Jugendwertestudie 2023
Bernhard Heinzlmaier und das Chart über die Sorgen aus der aktuellen Jugendwertestudie 2023

„Medienrevolution“

Seit 30 Jahren forscht Bernhard Heinzlmaier im Bereich Jugend, das habe sich anfangs nach dem Studium rein zufällig ergeben, verrät er Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… in einem kurzen Interview. Abseits der Zahlen der Jugendwertestudie die er als einen Hang junger Leute zu einem starken Pragmatismus interpretiert, wollten wir folgendes wissen:

KiJuKU: Was hat dich in diesen drei Jahrzehnten am meisten überrascht hat, wie sich Werte Jugendlicher verändert haben?
Bernhard Heinlzmaier (B.H.): „Wenn ich zurückblicke, ist eigentlich die massivste Veränderung die Medienrevolution. Am Anfang kamen auf die Frage, wer benutzt das Internet vielleicht 14 Prozent und jetzt ist es das wichtigste, das bestimmende Medium.
Fragen wie Elternbindung und andere schwanken in einem gewissen Korridor, aber der Medienkonsum ist natürlich ganz anders geworden.

KiJuKU: Da gab es ja anfangs die Hoffnung, dieses Medium könnte ein Weg zu viel mehr Demokratie sein – mit der Aufhebung zwischen Medienproduzent:innen und -Konsument:innen?
B.H.: Musste sich als Illusion erweisen, denn wer nimmt denn dann in Anspruch, selber zu produzieren. Das ist dann wiederum eine Elite, so ungefähr zehn Prozent, der Großteil konsumiert auch hier passiv. Da wurde das Potenzial der kreativen Menschen wie so oft überschätzt.  

KiJuKU: Naja, es gibt schon viele Jugendliche, die eigene YouTube- oder TikTok-Clips produzieren und ins Netz stellen.
B.H.: Sicher größer, weil es technisch einfacher und kostengünstiger geworden ist, aber nach wie vor eine Minderheit.

KiJuKu: Was wäre kurz gefasst aus der Jugendwertestudie dein Tipp an die Politik?
B.H.: Jetzt gibt’s ja diese große Diskussion um „normale“ Menschen was sicher ein unglücklicher Begriff ist, aber es ginge schon darum, sich mehr um die Probleme der gesellschaftlichen Mitte zu kümmern. Da spielen Teuerung, Inflation, Krieg, Armut eine große Rolle und auf das sollte man sich mehr ausrichten. Und das wird zu wenig gemacht und deswegen ist die Politikverdrossenheit groß.

Nutzung von zeitungen und Magazinen
Nutzung von Zeitungen und Magazinen – Vergleich Gesamtbevölkerung und Jugendliche

Medien-Nutzung

Weil im kurzen Interview Mediennutzung eine zentrale Rolle spielten hier auch noch einige Daten aus der Online-Umfrage unter den 16- bis 29-Jährigen:

Fast neun von zehn (87,9 %) gaben auf die Frage nach regelmäßigen Freizeitbeschäftigungen „im Internet surfen“ an, gefolgt von Musik hören (83,8 %). Fernsehen nannten immerhin noch fast sechs von zehn der befragten 800 jungen Menschen. Einige weitere ausgewählte Nennungen: Bücher lesen (31,5%), eBooks lesen (19,9%); Tageszeitungen las knapp ein Viertel online (23,3 Prozent), gedruckt nur 17,5 % was immerhin noch vor Hörbüchern (14,9 %) rangierte gefolgt von gedruckten Magazinen bzw. Zeitschriften (13,9%).

Präsentiert wurden aus der um rund 3000 Euro (ohne Mehrwertsteuer) erhältlichen Vollversion der Studie von T-Factory Trendagentur in Kooperation mit dem Institut für Jugendkulturforschung auch noch Zahlen zur Nutzung von Zeitungen und Magazinen – hier im Vergleich zwischen Gesamt- und junger Bevölkerung und bei letzterer aufgegliedert in mit niedriger/mittlerer bzw. höherer formaler Bildung (Abschlüsse). Während bei den über 30-Jährigen mehr als vier von zehn zur Kronenzeitung greifen, ist es bei der Generation Z nur ein Viertel, beim Standard fast ein Drittel (31,7% – bei höherer Bildung sogar 36,9%). Zu Profil und Falter greifen jeweils 16 bzw. 15,3 Prozent der 16- bis 29-Jährigen, wobei jeweils überraschenderweise ein bisschen mehr mit niedrigerem formalem Bildungsabschluss.

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Jugendwertestudie2023

jugendkulturforschung

Titelfoto zur Studie auf der Website von saferinternet.at

Erste Informationsquelle für Jugendliche: Social Media, aber unglaubwürdig

Selbst Websiten klassischer Medien werden von 11- bis 17-Jährigen nur halb so viel herangezogen wie Soziale Netzwerke (39 zu 80 Prozent der befragten 400 Jugendlichen in einer Studie zum Safer Internet Day 2023. Knapp hinter den Sozialen Netzwerken rangiert YouTube mit genannten 75 % an zweiter Stelle. Noch vor den genannten Websites holen sich die Jugendlichen – neben der Umfrage unter den 400 jungen Menschen arbeitete die Studie noch mit einigen Fokusgruppen intensiver – ihre Informationen von Influencer:innen (63 %) und Streamingplattformen (59 Prozent) sowie im Fernsehen (am TV-Gerät).

Wikipedia rules

Gleichauf mit den Homepages von Medienhäusern suchen/holen sich 11- bis 17-Jährige ihre Nachrichten und Wissenswertes von Wikipedia, knapp gefolgt von Radio (37 %), Podcast (24%), Gratis- (18%) sowie Tageszeitungen (17%) Bei Letzteren waren es fünf Jahre zuvor noch ein Viertel (25 Prozent), während die Nutzung als Informationsquelle bei Social Media von 59 auf 80 Prozent und bei YouTube von gar 27 auf 75 % in die Höhe geschnellt ist.

Zusammenfassende Grafik einiger der tudienergebnisse von Safer Internet.at
Zusammenfassende Grafik einiger der tudienergebnisse von Safer Internet.at

Die Häufigkeit der Nutzung geht aber auch mit einer gehörigen Portion (gesunder) Skepsis einher. Gefragt nach der Glaubwürdigkeit, geben die Befragten bei Sozialen Netzwerken 8, Influencer:innen p und YouTube 10 Prozent an, während sie Wkiipedia zu einem Viertel (25%), Radio, TV sowie den Webseiten klassischer Medien zu einem Fünftel (21 bzw. 20 bzw. 19 %) vertrauen.

Glaub ich nicht

Fast die Hälfte der Jugendlichen antwortete auf die Frage „Wie oft passiert es dir, dass du dir nicht sicher bist, ob Informationen, die du im Internet findest richtig/wahr sind?“ mit oft 8 ca. ein Drittel/34 %) bzw. sehr oft (15 Prozent), weitere rund 40 Prozent nannten: „manchmal“, für „nie blieb kein Zehntel der 11- bis 17-Jährigen.

Grafik zum 20. internationalen Safer-internet-Tag
Eine der Grafiken, mit denen auf den 20. internationalen Safer-Internet-Tag aufmerksam gemacht wird

Das Überprüfen von Falschinformationen habe jeweils rund ein Drittel der Jugendlichen in der Schule bzw. von Eltern erlernt. Als Überprüfungsmittel gaben mehr als die Hälfte (54 %) den Vergleich mehrerer Quellen an; ein Fünftel (22 %) kennen Fakten-Checker, die Hälfte davon (insgesamt 12 Prozent) nutzen sie. Fast sechs von zehn der Befragten (58%) gaben an: „würde gern mehr darüber wissen, wie man Informationen überprüft“.

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Saferinternet.at -> Studie zu Jugendliche und Mediennutzung