Stück junger Theatermacher:innen über „Frei-Heit!“ und modern gestaltete mediale autoritäre Herrschaft.
„Er“ ist im Theater der Jugend der – nach dem Roman von Timur Vermes – der Jahrzehnte später wieder erwachte Adolf Hitler. Nach anfänglicher Verwirrtheit und mit Kopfschmerzen, eignet er sich rasend schnell die massenwirksamen Kanäle des „Internetz“ an. Agiert selbst an der „Front“ und wird zum Quotenbringer, vermeintlich als Comedian – „Er ist wieder da“ – Link zur Stückbesprechung unten am Ende des Beitrages. Ein anderer „Er“ namens „Wandel“ zieht mehr im Hintergrund die Fäden (nicht nur) der Talk-Show von „Ein-Fluss-Reich“ in der Open.Box des Wiener Off.Theaters – in „Frei-Heit! (Morgen nimmer)“.
Dieses Stück, geschrieben von Max Melo und Kieran Foglar-Deinhardstein (taucht später schauspielerisch mit eigenem Vornamen auf), von ersterem auch – gemeinsam mit Olga Psenner – inszeniert -, versammelt vor allem (ehemalige) Schüler:innen des Poly-Ästhetik-Zweiges des ORG (OberstufenRealGymnasiums) Hegelgasse 12 auf und hinter der Bühne.
Zum eingeblendeten bekannten Fernseh-Testbild, hier mit Signatur „Bundesministeriums Einfluss“, präsentiert sich die Bühne zu Beginn recht Durcheinander: Umgekippter Mistkübel, gestürzte Sessel, ein Tisch mit altem Wählscheibentelefon, dessen Hörer am Spiralkabel auf dem Boden liegt… Da muss schon heftig was los gewesen sein.
Und dann Break. Mit dem Start des Stücks Verbreitung von Happy Feeling, Talk-Shows über dies und das. Wohl gelaunte – oder zumindest so spielende Moderator:innen – Zacko Feuerflitz (Livia Andrä) und Herr Mannmeier (Lukas Novoszel). Dazu vier Techniker:innen im Studio mit schwarzen T-Shirts und Rückennummern wie Sportler:innen; allerdings ergeben diese, in einer Szene zusammengestellt, die Jahreszahl 2038 (Zukunft oder Erinnerung an 100 Jahre 1938 – Österreich wurde da zur „Ostmark“ im deutschen Nazi-Reich).
Immer massiver greift er, „der Wandel“ (Jakob Köllesberger) ein – mit Vorwand Quote diktiert er Inhalte, gibt vor, was Themen sind und was nicht. Was auf Sendung gehen darf. Droht mit Rauswurf… Klimawandel, bzw. -krise, Erderhitzung, darf „natürlich“ nicht thematisiert werden.
Vor der Pause dürfen die Zuschauer:innen übrigens mit grünen bzw. roten Stimmzetteln – offen – „wählen“, ob sie für oder gegen „ihn“ sind. Das Ergebnis wird zwar nach der Pause eingeblendet, aber egal ob gewählt oder nicht, setzt „Wandel“ (der Name verwirrt insofern, als es eine gleichnamige linke Partei in Österreich gibt) nur mit unterschiedlichen Worten seine autoritäre Herrschaft fort.
Die in schauspielerischer Gestalt auftauchenden Jahreszeiten (Frühling: Lena Hergolitsch, Herbst: Anna Kontrus, Winter: Jonathan Prett-Pinteritsch und Sommer: Christina Lier) drohen aufgrund des Temperaturanstiegs zu sterben – was „Wandel“, oft als „er“ bezeichnet, durch großteils direkte Tötung beschleunigt.
Er oder wir – vor dieser Entscheidung stehen am Ende auch die Moderator:innen, wie’s wirklich ausgeht, sei nicht gespoilert.
Von Max Melo
Regie: Max Melo, Olga Psenner
Mit Texten von: Kieran Foglar-Deinhardstein
An der Technik: Daria Bodei, Olga Psenner
Die Musik- und Kostümauswahl erfolgte durch das Kollektiv.
Zacko Feuerflitz: Livia Andrä
Herr Mannmeier: Lukas Novoszel
Kieran: Kieran Foglar-Deinhardstein
Frühling: Lena Hergolitsch
Herbst: Anna Kontrus
Winter: Jonathan Prett-Pinteritsch
Sommer: Christina Lier
Wandel: Jakob Köllesberger
PowerPoint / Plakatentwurf: Lukas Novoszel
Blumenkranz: Victoria Schottländer
7., 8., 9. Mai 2026
Jeweils 19.30 Uhr
Off-Theater, Open.Box: 1070, Kirchengasse 41
Telefon: 0 650 740 75 76
eMail: kollektivzamhaun@gmail.com
off-theater.at –> frei-heit-morgen-nimmer
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