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Rechts im Foto die Reihe der jugendlichen Funk-Fragesteller:innen an die ISS-Astronautin
Rechts im Foto die Reihe der jugendlichen Funk-Fragesteller:innen an die ISS-Astronautin
31.07.2026

Jeder Tag vergeht zu schnell, Wäsche waschen gibt’s (noch?!) nicht

Astronautin Sophie Adenot im Live-Funkgespräch mit Jugendlichen des internationalen YOTA-Camps in Wagrain (Salzburg); Teil 3 der Lokalaugenschein-Berichte von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…

Die Aufregung im fast saunamäßig aufgeheizten tribünenartigen Forum des Jugendhotels Oberwimm im Salzburger Wagrain ist sprichwörtlich fast zum Greifen. Und das bei Weitem nicht nur bei jenen 20 Jugendlichen, die in einer Schlange anstehen, um dann jeweils für kurze Augenblicke nach vor ans Mikro zu treten, ihre vorbereitete und schon mehrmals geübte Frage zu stellen, um danach das „wichtigste“ Wort zu sagen: „over“. Damit Sophie Adenot weiß, jetzt ist sie dran mit ihrer Antwort.

Die Französin rast – mit ihren Kolleg:innen aus den USA und Russland – in der internationalen Raumstation ISS täglich 16 Mal rund um die Erde.
An diesem Nachmittag in der letzten Juliwoche (2026) ist die International Space Station von 14.58 Uhr rund zehn Minuten lang / kurz in ihrer Höhe von rund 400 Kilometern über Australien. Über eine Amateurfunkstation in Mackay im dortigen Bundesstaat Queensland düsen auf hoher Frequenz die Fragen und Antworten durch die Ionosphäre (mit deren Hilfe das Gespräch über Kurzwellen von Wagrain nach Mackay bzw. umgekehrt transportiert wird – Erklärung für den Umweg in einer eigenen, unten verlinkten Story).

Wird es klappen???

Aufgeregt sind aber nicht nur die Fragesteller:innen Violetta, Walid, Milan, Alexandra, Arturs, Quentin, Maria, Lucia, Maria, Svenjia, Franco, Geunho, Milo, Tom, Mate, Martina, Shu, Varvara (Spitzname Milo), Mocaq und Stefania. Auch all ihre Kolleg:innen, die mit ihnen am internationalen Camp YOTA (Youngster on the air) teilnehmen und in ihren Camp-T-Shirts eng an eng auf den Tribünenstufen sitzen, fiebern mit ihnen. Und mindestes so die Betreuer:innen vom ÖVSV (Österreichischer Versuchssenderverband). Sie – und zwei Kollegen in Australien sowie im irischen Dublin von wo aus die Verbindung moderiert wird, zittern vor allem bis zuletzt, ja noch bis zum eigentlichen Start, ob die Connection in den Himmel auch wirklich klappen wird. Als zum vereinbarten Zeitpunkt zunächst nur ein Rauschen zu hören ist, wird auch die Nervosität richtig spürbar. Doch bevor sich Enttäuschung breit machen könnte, ein erlösendes „Hi, I’m ready, over!“ der Astronautin – und das sehr klar und deutlich.

REchts im Foto die Reihe der Fragesteller:innen
Nervös die Fragesteller:innen – aber auch ihre Kolleg:innen auf den dicht gedrängt besetzten Tribünen

Technikfragen

Kürzeste Begrüßung durch den Jugendreferenten des genannten österreichischen Amateurfunk-Verbandes und Camp-Co-Organisator Florian Zwingl und dann startet schon der Reigen. Etliche Fragen beziehen sich eher auf Technik – (Not-)Stromversorgung, mögliche Störungen des Funkkontakts durch elektrische Geräte an Bord oder gar einer sehr speziellen von Geunho aus Südkorea: „Wenn du mit einer Bodenstation kommunizierst, unterliegt dein Signal einer Dopplerverschiebung. Wer kümmert sich um die Frequenzkorrektur?“

Obwohl die Astronautin die Fragen schon vorab bekommen hatte, ratterte sie ihre Antworten nicht wie auswendig gelernt runter, sondern reagierte fast spontan – aber doch sehr fokussiert und – meist – knapp. Übrigens spielte sich alles in erstaunlich guter Qualität ab. Da ist in bergigen Gegenden – oder im Zug – ein Handy-Telefonat oft weniger gut zu verstehen.

„Wir haben Batterien und Akkus, die von der Sonnenenergie aufgeladen werden – einerseits als Backup und natürlich auch nachts, wenn die Sonne nicht auf die Module scheint“ – als Antwort auf die Frage zur (Not-)Stromversorgung.

Und zur „Dopplerverschiebung“ merkte Sophie Adenot an, sei „Aufgabe der Bodenstation, die Frequenz so zu regulieren, dass wir kommunizieren können“.

REchts im Foto die Reihe der Fragesteller:innen
Der Reihe nach – Frage stellen, „over!“ und zuhören, dann…

Funk-ig

Einige Fragen kreisten naturgemäß um das leidenschaftliche Hobby der mehr als 100 Camp-Teilnehmer:innen aus 30 Ländern – das ihnen nun ja auch den Kontakt ins Weltall verschafft(e): Funk.

So hätten nicht alle Astronaut:innen eine Funklizenz, sie selber schätze dieses Kommunikationsmittel, weil sie damit von der ISS aus immer wieder mit unterschiedlichsten Menschen in aller Welt sprechen könne.

REchts im Foto die Reihe der Fragesteller:innen
… die / der Nächste…

Internet und Handy?

Quentin wollte wissen, ob die Astronaut:innen in ihrer Freizeit ins Internet können und Martina, „habt ihr ein Smartphone an Bord?“

Sophies Antworten: „Ja, wir können in der Freizeit ins Internet – wenn wir Connection haben“ zum einen sowie „wir haben Smartphones, aber es sind nicht unsere eigenen (sondern von der ISS). Sie werden immer weitergegeben und wir können auch nicht alle Apps draufhaben, weil es Filter gibt (aus Sicherheitsgründen). Wir können hier fotografieren und ins Internet.“

Lieblingsbeschäftigung?

Auf Arturs Frage, was sie selbst am liebsten an Bord der ISS mache, meinte die Astronautin: „Für mich ist es sehr schwierig, eine Sache zu nennen, weil ich hier so vieles mag. Ich liebe es, die Erde in 90 Minuten zu umrunden und all die verschiedenen Landschaften zu sehen. Ich mag es auch, hier zu essen mit all den Schwierigkeiten in der Schwerelosigkeit, wo alles in den drei Dimensionen um dich schwebt. Ich liebe es auch, mich auf die immer wieder geplanten und auftretenden Herausforderungen vorzubereiten!“

Wäsche waschen?

Eine der beiden Marias in der Frage-Reihe wollte wissen, ob die Astronautin Angst vor der Entfernung zwischen der ISS und der Werde habe, ihre Vornamenskollegin, wie die Wäsche in der Raumstation gereinigt werde.

Die Entfernung sei ja mit 400 Kilometern eher sehr gering, so Sophie. Und das mit der Wäsche „ist eine sehr gute Sache, die in der Zukunft verbessert werden sollte. Wir können hier nicht Wäsche waschen. Wir verwenden immer neues Gewand. Ich denke, wir sollten Geräte entwickeln, wo wir auch hier (in der Schwerelosigkeit und mit keinem Wasserzufluss! Anmerkung der Redaktion) Wäsche waschen könnten.“

Zeit?

Milo nahm mit seiner Frage Anleihe bei Einsteins Relativitätstheorie: „Wenn man an Bord der ISS so schnell unterwegs ist, sollte die Zeit langsamer vergehen als auf der Erde. Könnt ihr das messen?“, wollte er wissen.

Die Astronautin: „Sehr interessant, wir können es nicht sehen und messen. Aber wir sind täglich so im Einsatz, dass für uns jeder Tag viel zu schnell vergeht!“

Rauschen

Nach der Antwort auf die 17. Frage funkte der Moderator dazwischen: „30 Seconds“ – Verabschiedung vom Camp in Wagrain, heftiger Applaus der Teilnehmer:innen und Organisator:innen und dann Rauschen. Die ISS war schon außerhalb der Reichweite der Funkverbindung zur kurzzeitigen Bodenstation in Australien. Drei Jugendliche konnten ihre Fragen nicht mehr stellen.

Die Schlange der Fragesteller:innen
Für ihre und die Fragen der beiden Nächsten war nur im Probe-Durchgang Zeit

Die drei offenen Fragen

Eine davon, jene von Vavera (Spitz- und Funkname Milo), aus dem englischen Brighton kam schon in der ersten KiJuKU-Reportage vom YOTA-Camp vor – Link unten am Ende des Beitrages. Sie hätte gern gewusst, ob von der Raumstation aus Unterschiede bei der Luftverschmutzung über den verschiedenen Kontinenten der Erde zu sehen / erkennen seien. Henry aus dem ebenfalls britischen Cambridge hatte interessiert, ob die Astronaut:innen software-definierte Radio-Technologie verwenden und Stefania aus dem rumänischen Târgoviște hatte die Frage vorbereitet: „Habt ihr Haustiere an Bord der ISS?“

Auf letztere „spuckt“ das irdische Internet aus, dass schon etliche Tiere von Bärtierchen über Würmer  und Mäsue bis zu Baby-Tintenfischen die ISS bevölker(t)en, um alles Mögliche zu erforschen, etwa die Wechselwirkung von Mikroben und Tieren, die Veränderung von Knochendichte und vieles mehr.

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Das Funkgespräch mit der ISS-Astronautin aus einer anderen Pespektive aufgenommen

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

YOTA Summer Camp 2026

Wenn die Welt ausfällt, funkt die Jugend: YOTA Camp 2026 bringt Technik, Abenteuer und internationale Freundschaft nach Österreich

120 Jugendliche (15 bis 25 Jahre) aus Algerien, Argentinien, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Irland, Japan, Kanada, Kroatien, Lettland, Litauen, Österreich, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Südkorea, Spanien, Tschechien, Ungarn, USA, Usbekistan und Zypern

Wann & wo?

25. Juli bis 1. August 2026
Wagrain, Salzburg

oevsv.at –> yota-camp-2026

instagram –> hamyota_official

Der ÖSVS (Österreichischer Versuchssenderverband) vereinigt rund 9000 Funkamateur:innen. Sie alle haben mit Prüfungen Lizenzen erworben und dürfen damit Amateurfunkgeräte nutzen. Das unterscheidet sie vom Hobbyfunk mit CB- sowie PMR (Private Mobile Radio)-Geräten.
Der Verband feiert heuer sein 100-jährigs Jubiläum.
oevsv.at