Eines der Kunstwerke im Rahmen der Gemeinschafts-Ausstellung zu Seeds im Kunsthaus stammt von den „Moon Trees“ ab.
Ein „Mondbaum“ wächst im Kunsthaus Wien während der kürzlich eröffneten zweiten Klima Biennale. Zufällig in jener Woche, in der zum ersten Mal seit mehr als einem halben Jahrhundert wieder Menschen zum Trabanten der Erde geflogen sind. Das zarte Pflänzchen in einer weißen, auf einer Seite offenen Kugel vor zwei mit Sternbildern übersäten Wand (digital bearbeitete Aufnahme des Hubble eXtreme Deep Field – ESA/NASA – als Tapete, CNC-gefrästes Holz), stammt natürlich nicht wirklich vom Mond. Noch wächst dort nichts, wenngleich die Mission Artemis 2 mit seinen vier Astronaut:innen der Vorbereitung von Mondlandungen samt späterem Aufbau einer längeren Forschungsstation dient.
Aber die Crew von Apollo 14 (1971) hatte 500 Samen verschiedener Baumarten mit. Die blieben allerdings in der Kapsel, die den Mond umkreiste und nicht auf die Oberfläche mitgenommen wurden. 34-mal umrundeten sie den Mond. Aus diesen Samen – unter anderem Mammutbäume, Weihrauch-Kiefern, amerikanische Platanen – wurden zurück auf der Erde, mehr als 400 Bäume gepflanzt: Einige davon wurden neben rein irdischen Jungbäumen eingesetzt, um an möglichen Vergleichen zu forschen. Erkenntnis: Keine Unterschiede festzustellen.
Wenngleich nicht das Wachstum aller dieser „Moon Trees“ verfolgt wurde, sondern erst viele später nach deren Verbleib gesucht wurde, konnten noch rund vier Dutzend entdeckt werden. Aus einem solchen Baum der „zweiten Generation“, Abkömmling eines All-Samens, hat der Künstler Christian Kosmas Mayer nun für die Festivalzentrale der aktuellen Klima Biennale Wien für die Gruppen-Ausstellung „Seeds. Reclaiming Roots, Sowing Futures“ (Samen. Zu den Wurzeln zurückkehren, Zukunft säen)“ diese schwebende Mondbaum-Installation geschaffen.
Mit diesem recht zart wirkenden Pflänzchen einer amerikanischen Platane will der Künstler unter anderem auf Widerstandkraft auch dieser Bäume, aber gleichzeitig auf (nicht nur) deren Verletzlichkeit hinweisen. Eine weitere Dimension dieses Kunstwerkes soll die vor allem privatwirtschaftlichen Eroberungsgelüste der Raumfahrt (Stichworte Elon Musk, Space X…), hin zu mehr Aufmerksamkeit für die an sich bekannten großen Herausforderungen auf der Erde anstoßen – so wie meisten anderen der Arbeiten: Klimawandel, Ressourcenknappheit, Verlust von Biodiversität und Lebensräumen usw. Vielleicht erreichen künstlerisch optisch fast poetisch Werke (wieder) mehr Menschen auf einer sinnlich emotionalen Ebene.
9. April bis 10. Mai 2026
Kunsthaus Wien, Karlsplatz und viele Orte in der Stadt mit Arbeiten Dutzender Künstler:innen und in Kooperation mit vielen Theaters und anderen Einrichtungen sowie Initiativen
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