Kinder Jugend Kultur und mehr - Logo
Kinder Jugend Kultur Und mehr...
Denise aus Muğla (Türkei), eine der besten Löterinnen
Denise aus Muğla (Türkei), eine der besten Löterinnen
31.07.2026

Weil’s auch im Notfall noch funktioniert…

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… besuchte das internationale Jugend-Funkamteur:innen-Camp YOTA im Salzburger Wagrain; Teil 1 übers Bauen eigener Funkgeräte und wie einzelne Jugendliche zu diesem Hobby gekommen sind.

Der große Gruppenraum mit seinen langen Tischen im holzverkleideten Jugendgästehaus Oberwimm am Kirchboden im Salzburger Wagrain wurde diese Ferienwoche zu einer Elektronik-Werkstatt für den Bau von Funkgeräten. Und das tribünenartige Forum im Erdgeschoß verwandelt sich zum Ort für ein rund zehnminütiges Gespräch ins Weltall. Im Raum nebenan sind mehr als ein halbes Dutzend Funkstationen aufgebaut, auf denen Jugendliche vor und nach dem All-Call auf unterschiedlichsten Kanälen und Wellenlängen mit Funkamateurinnen und Funkamateure in den verschiedensten Ecken und „Enden“ der Welt kommunizierten – meist über Headset vor den Geräten. Natürlich aber Sende- und Empfangspause – ebenso wie mindestens Flugmodus aller Smartphones – beim Gespräch mit der ISS.

Rechts im Foto die Reihe der Fragesteller:innen
Volles Forum und rechts im Foto die Reihe der Fragesteller:innen an die ISS-Astronauten – dazu folgt ein eigener Beitrag

17 der mehr als 100 Jugendlichen aus 30 verschiedenen Ländern des YOTA (Youngsters on the air)-Camps konnten ihre Fragen an Sophie Adenot, eine der Astronaut:innen der ISS (International Space Station) stellen. Dann setzte Rauschen ein und drei weitere Jugendliche die Fragen vorbereitet hatten, konnten diese nicht mehr stellen – über deren sowie die Fragen, die beantwortet wurden und den Weg der Schallwellen ins All kommt noch ein eigener Beitrag.

High-Tech-„Basteln“

Aber zunächst zur improvisierten Werkstatt. Platinen, dünne Drähte, Drahtringe mit unterschiedlich vielen Windungen, Lötkolben einer- sowie immer wieder aufgeklappte Laptops, Tablets oder Smartphones andererseits. Auf den digitalen Geräten lesen und schauen die Jugendlichen hin und wieder in der Gebrauchsanleitung nach, was wie montiert, gelötet, verdrahtet usw. werden muss – „Basteln“ auf technisch anspruchsvollem Niveau. An einem am Ende quergestellten Tisch sitzen zwei Erwachsene Profis, die – mit Lupenbrille – Werkstücke begutachten, wo am Ende irgendetwas nicht funktioniert, um die Fehlerquelle zu finden.

Eine der besten beim Bauen

Eine der jüngsten Teilnehmer:innen ist die 12-jährige Denise aus Muğla (im Südwesten der Türkei). „Für mich ist das Löten und Zusammenbauen einfach, ich hab schon sehr früh mit meinem Vater und meiner Mutter mit dem Funken angefangen.“ Mit ihrem Teil ist sie schon fast fertig und nun hilft sie ihrem 11jährigen Bruder Aslan bei seinem Bausatz. „Sie ist eine der besten und fixesten Löterinnen“, stellt Barbara Zwingl, die Medien-Ansprechperson des ÖVSV (Österreichischer Versuchssenderverband), der das diesjährige Jugendcamp auch mit seinem 100-jährigen Bestehen des Amateurfunk-Vereins verbindet, die junge Technik-Tüftlerin vor.

Familiär „vorbelastet“

Wie die beiden sind viele – aber bei Weitem aber nicht alle – der Jugendlichen über ältere Familienmitglieder zum Funken gekommen. Federico aus Piacenza (Italien), der gerade mit seinem Werkstück zur Prüfstation geht, erzählt, dass „ich von meinem Vater mit ungefähr 15 ein Funkgerät bekommen habe, dann habe ich begonnen, mich damit näher zu beschäftigen, aber immer lerne ich auch hier beim Camp noch jeden Tag Neues dazu.“

Katie aus dem US-Bundesstaat Ohio, die im Vorjahr ein Austausch-Schuljahr in Deutschland gemacht hat, gehört auch zu den Vorbelasteten. „Bei uns in der Familie hat fast jeder eine Lizenz.“ Um funken zu dürfen braucht es Lizenzen. Die sind je nach Land durchaus unterschiedliche, die US-amerikanische gilt als eine der leichtesten. Aber es gibt bei dem, was Lizenzen erlauben auch Unterschiede auf welchen Wellenlängen / Frequenzen damit gefunkt werden darf. Um weltweit über die Radiowellen kommunizieren zu dürfen braucht’s eine – auch weltweit einheitliche – große Lizenz.

Die Jugendlichen Camp-Teilnehmer:innen haben alle eine solche. Und dazu gehört auch, die Technik im Inneren des Gerätes so zu kennen und wissen, dass es möglich ist, ein solches auch zu bauen. Auch wenn nicht jede und jeder dann ein eigenes Funkgerät baut – im Gegensatz zu diesem Intensiv-Workshop beim Camp – wollen viele an einem fertig gekauften das eine oder andere modifizieren, experimentieren. Und das haben die Camp-Teilnehmer:innen am Ende der Woche alle fix drauf.

Vereinfacht

„Wobei die Bausätze hier schon ein bisschen vereinfacht sind“, schildert einer der Betreuer und Helfer, Lazar aus dem serbischen Leskovac. Dabei deutet er auf das, was der Reporter „Ringerl“ nennen würde. „Das sind schon fertig gewundene Drähte. Die Anzahl der Windungen bestimmt auf welcher Frequenz gesendet und empfangen wird“ erklärt Lazar. „Sonst müsste jede und jeder jeweils gerade Drähte selber 24, 36 und so weiter Windungen selber fabrizieren.“

Radioclubs

„Ich bin mit 13 Jahren über einen Radioclub zum Funken gekommen“, erzählt die mittlerweile 20-jährige Maria aus dem rumänischen Târgu Mureș (Teilnahme ist bis 25 Jahren möglich). Über den Radioclub seiner Uni in Bratislava (Slowakei) kam auch Adam zum Amateurfunk. Über seine intensiven Interessen an Geographie und Politik stieß hingegen der 20-jährige Geunho aus der südkoreanischen Hauptstadt Seoul bei Internet-Recherchen zufällig auf diese Möglichkeit der weltweiten Kommunikation, die auch im Krisenfall immer funktioniert, beschreibt er seinen Zugang zum Amateurfunk gegenüber Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…

Apokalypse-Podcast

Einen gänzlich anderen Weg zur Funkamateurin hat Milo aus dem britischen Brighton hinter sich – sie ist eine der drei Jugendlichen, deren Fragen an die Astronautin sich nicht mehr ausgegangen ist. Die 17-jährige liebt Science-Fiction-Stories. „In einem Podcast, der sich in einem apokalyptischen Szenario abspielte, ist das mit dem Funken vorgekommen, dass das auch dann noch funktioniert, wenn alle anderen Kommunikationskanäle nicht mehr klappen. Das hat mich interessiert und dann hab ich angefangen, mich damit zu beschäftigen. Auch wenn ich jetzt nicht so die Technik-Typin bin. Ich will eher Design studieren. Aber es funktioniert eben auch, wenn sonst nix mehr geht.“

Und was sie von Sophie Adenot – stellvertretend auch für deren aktuelle Kolleg:innen Jessica Meir, Jack Hathaway, Andrej Fedjajew, Pjotr Dubrow, Anna Kikina und Anil Menon wissen wollte: „Könnt ihr von der ISS aus, Unterschiede der Luftverschmutzung über verschiedenen Kontinenten auf der Erde sehen / erkennen?

kijuku_heinz

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

YOTA Summer Camp 2026

Wenn die Welt ausfällt, funkt die Jugend: YOTA Camp 2026 bringt Technik, Abenteuer und internationale Freundschaft nach Österreich

120 Jugendliche (15 bis 25 Jahre) aus Algerien, Argentinien, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Irland, Japan, Kanada, Kroatien, Lettland, Litauen, Österreich, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Südkorea, Spanien, Tschechien, Ungarn, USA, Usbekistan und Zypern

Wann & wo?

25. Juli bis 1. August 2026
Wagrain, Salzburg

oevsv.at –> yota-camp-2026

instagram –> hamyota_official

Der ÖSVS (Österreichischer Versuchssenderverband) vereinigt rund 9000 Funkamateur:innen. Sie alle haben mit Prüfungen Lizenzen erworben und dürfen damit Amateurfunkgeräte nutzen. Das unterscheidet sie vom Hobbyfunk mit CB- sowie PMR (Private Mobile Radio)-Geräten.
Der Verband feiert heuer sein 100-jährigs Jubiläum.
oevsv.at