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Chiara und Carola Koblitz am Stand von "Kai & Kiki"
Chiara und Carola Koblitz am Stand von "Kai & Kiki"
27.11.2022

Zwei bunte Vögel fliegen durch viele Sprachen

Sozusagen im Handumdrehen wird aus diesem Bilderbuch ein mehrsprachiges – recht flexibel.

Kai, ein Krähenkind, hat als einziges einen weißen Bauch. Ein kleiner Außenseiter. Wie es sie in vielen Kinderbüchern gibt. Und wie am Ende meist dieses (Tier-)Kind entweder etwas ganz besonders gut kann, wovon dann alle profitieren. Oder zumindest trotz des Anders-Seins, manchmal auch sogar deswegen, von (fast) allen akzeptiert und geschätzt wird.

Hier erklärt eine Seeschwalbe dem kleinen Kai, der im hohen Norden Finnlands zur Welt kommt, dass es ganz weit weg im Süden auch Vögel mit weißem Bauch gibt – Pinguine. Die will Kai kennen lernen – und auf seiner Reise fragt er immer wieder die verschiedensten Tiere nach dem Weg. Unter anderem landet er in einem Tiergarten und befreit dort einen Tukan, der zurück in den Regenwald will. Aber weil Kai ihn/sie befreit hat, will Kiki, so der Name dieses Vogels mit buntem Schnabel, nun dem Befreier helfen, den richtigen Weg zu finden…

Als Mini-Piñatas schweben ein Rabe und ein Tukan über dem Stand des flexibel-mehrsrpachigen Bilderbuchs
Als Mini-Piñatas schweben eine Krähe und ein Tukan über dem Stand des flexibel-mehrsrpachigen Bilderbuchs

Mehrsprachigkeit

Das aber wirklich Spannende an „Kai & Kiki“ ist das Konzept der Mehrsprachigkeit. Auf Deutsch gedruckt, findet sich meist auf der selben Seite ein Feld mit vier abgerundeten Ecken wo im Hintergrund nichts besonderes zu sehen ist – damit du hier einen neuen, anderen Text einkleben kannst. Solche Stickersets gibt es derzeit in 12 verschiedenen Sprachen – Albanisch bis Ukrainisch (in alphabetischer Reihenfolge und dazwischen: Englisch (da auch einen Satz in Past Tense), Französisch, Griechisch, Kroatisch, Rumänisch, Slowenisch, Slowakisch, Spanisch, Türkisch und Ungarisch.

Chiara und Carola Koblitz am Stand von
Chiara und Carola Koblitz am Stand von „Kai & Kiki“

Alle drei gleichwertig

Chiara Koblitz (16) sei das „Versuchskaninchen“ dafür gewesen, sagt die Erfinderin dieses innovativen Sprachen-Bilderbuchs, Carola Koblitz. „Ich bin mit den drei Sprachen Spanisch, Deutsch und Englisch aufgewachsen, sprech sie alle fließend“, beginnt Chiara Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… am Stand dieses kleinen Verlags Oystar bei der Buch Wien zu erzählen. „Als mich meine Mama einmal gefragt hat, welches meine Erstsprache ist, konnte ich ihr nichts sagen. Das wäre so, wie wenn dich wer fragt, wen hast du lieber, die Mama oder den Papa.“

Mit der Mutter sog sie Spanisch auf, mit dem Vater Deutsch „und Englisch hab ich nur über Medien gelernt, Audio und Filme und die drain vorkommenden Figuren – gar nicht bewusst, sondern automatisch. Beim deutschen Wort Wald hab ich zum Beispiel das Bild vom Wienerwald im Kopf, beim englischen Forest sehe und fühl ich einen Feenwald – weil ich das Wort in dem Zusammenhang gelernt hab.“

Inhärent sei der treffende Begriff für das was früher Mutter-, heute oft Erst- oder Familiensprache genannt wurde/wird, erklärt die 16-jährige Mödlinger Gymnasiastin, die schon vor vier Jahren jüngste Lektorin bei der Kinderuni Wien war – natürlich über mehrsprachiges Aufwachsen.

Als Mini-Piñatas schweben ein Rabe und ein Tukan über dem Stand des flexibel-mehrsrpachigen Bilderbuchs
Begrüßungen in vielen Sprachen – am Stand von „Kai & Kiki“

Doktorinnen-Arbeit und dann …

Mutter Carola beackerte dieses Thema als ihre Dissertation – und hatte davon ausgehend die Idee für ein mehrsprachiges Bilderbuch, um möglichst vielen Kindern bzw. ihren Eltern zu ermöglichen, die jeweiligen in der Familie verwendeten Sprachen recht einfach zu vermitteln. Dann traf sie auf Veronika Nagy. Die kam auf die verspielte Idee mit Text-Stickern in verschiedenen Sprachen. Und so erlaubt dieses Buch nicht nur dem Original (Deutsch) eine weitere Sprache im Buch hinzuzufügen, sondern auch, andere Sprachen zu kombinieren – etwa den deutschen Text mit einem Stickersatz zu überkleben und wie beispielsweise für Chiara dann ein Spanisch/Englisches Bilderbuch zu haben.

Mindestens ein halbes Dutzend weitere Sprachen sind schon in der Pipeline. Und auf Anregung von Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… wird auch überlegt, einen Satz in Braille oder vielleicht auch Pyramidenschrift produzieren zu lassen; damit blinde Kinder bzw. Erwachsene den Text ertasten und (vor-)lesen könnten.

Die Idee besticht mehr

Warum Kai im Tiergarten keinen Pinguin gefunden hat? Weshalb die Krähen eher braun als schwarz gezeichnet sind? Das Konzept, die Absicht und die recht leichte und flexible Art und Weise, mehrere Sprachen in ein Kinderbuch zu bringen, besticht deutlich mehr als die doch ein bisschen krampfhaft zusammengestoppelte Geschichte samt ihrer Illustration.

Follow@kiJuKUheinz

BUCH-INFOS

Kai & Kiki
Plurilingual Sticker-Story
Pädagogisches Konzept: Carola Koblitz
Spielerisches Konzept: Veronika Nagy
Text: Vanessa Kärpel
Illustration: Lukas Philippovich
40 Seiten
Hardcover: 16 €
Softcover: 11 €
Stickersatz pro Sprache: 4 €
kaikiki

Buch Wien

Noch bis Sonntag, 27. November 2022
Bis 17 Uhr
Messe Wien, Halle D
1020, Trabrennstraße
U2-Station Krieau
buchwien

Doppelseite aus dem Jugendbuch "Mein Plan B oder Wie ich zum ersten Mal Brausepulverkribbeln im Bauch hatte"
14.10.2022

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