Kinder Jugend Kultur und mehr - Logo
Kinder Jugend Kultur Und mehr...
Montage aus zwei Szenenfotos aus den beiden teatro-Musicals "Robin Hood" und "Schneewittchen" mit den Titeln als Schrift und dem Logo von teatro
Montage aus zwei Szenenfotos aus den beiden teatro-Musicals "Robin Hood" und "Schneewittchen" mit den Titeln als Schrift und dem Logo von teatro
26.07.2022

Für (mehr) Gerechtigkeit und (großteils) gegen Schönheits-Diktat

Zwei neue Musicals von teatro mit Dutzenden jungen und jüngsten Darsteller:innen in Mödling (eins auch in Lutzmannsburg): „Robin Hood“ und „Schneewittchen“. Viele Fotos, ein Dutzend Interviews.

Nach Zwangspause mit Ausweichquartier in der Turnhalle der Europa-Mittelschule (die allerdings zu einem wahren Theaterraum umgestaltet worden war) tanzen, spielen und singen die gemischten Ensembles aus Kindern, Jugendlichen und einigen erwachsenen Profis wieder über die Bühne des Mödlinger Stadttheaters. Auf dem Programm dieses Mal „Robin Hood“ sowie für noch jüngeres Publikum „Schneewittchen“. Mit – wie bei teatro immer – eigenen inhaltlichen Fokussierungen sowie dem, was die Stücke dieser Gruppe immer auszeichnet.

Professionelle Kids und erwachsene Profis

Vielleicht zunächst zu letzterem: Da ist zunächst einmal der Mix von Kindern, Jugendlichen und Berufs-Darsteller:innen, wobei viele insbesondere der mitwirkenden Jugendlichen schon deutlich in Richtung Profis gehen, ist eines der Charakteristika der Musicals der Gruppe teatro (Gründer, Motor und immer wieder auch auf der Bühne im Einsatz Norberto Bertassi), die nunmehr im zwölften Jahr hier spielt und davor genauso lange in verschiedenen anderen Orten Niederösterreichs das Publikum – und genauso immer auch die Mitwirkenden – erfreute.

Live-Musik, ausgewählte Kostüme

Live-Musik, die jeweils eigens dafür komponiert und arrangiert wurde (v.a. Walter Lochmann bzw. David Schieber) mit eigenem fast immer erkennbarem Sound, gehört ebenso zu den teatro-Musicals wie Top-Choreografien (Katharina Strohmayer bzw. Beatrix Gfaller), professionelle extra angefertigte Kostüme (Brigitte Huber), Maske (Renate Harter) und Bühnenbild. Letzteres vor allem digital designt von Moritz Mausser, der selber schon ab dem Alter von neun Jahren in einer Reihe von Musicals auf der Bühne mitwirkte und nun an der MuK (Musik und Kunstuni der Stadt Wien, vormals Konservatorium) musikalisches Unterhaltungstheater studiert und diesmal in „Robin Hood“ einen glaubhaft bösen King John gibt, der sein Volk unterdrückt und deswegen den Widerständigen Mann mit dem grünen Hut fürchtet.

Umverteilung

Ungerechtigkeit, zunehmend breiterer und tieferer Graben zwischen Arm und Reich – nicht zuletzt in der Pandemie sowie nun rund um die Energiekrise infolge des von Putin angeordneten kriegerischen Überfalls Russlands auf die Ukraine – sind der Hintergrund, vor dem sich die stets aktuelle Legende von Robin Hood in diesem Jahr abspielt – wobei bei der Planung vom eben genannten Krieg mit seinen Folgen noch keine Rede sein konnte. Und hier kommt der Widerstand, der Zusammenhalt der Unterdrückten, der Armen, von denen die Reichen leben, gerade recht: „Genug ist genug!“ singen, sagen und zeigen sie nicht nur einmal im durchkomponierten Abend viele Male. Im Song vor der Pause „Go, go, Goliat, go home!“ fassen sie auch selber den Mut, dass die Kleinen, Schwachen es auch mit den Großen, Mächtigen aufnehmen können.

Schwierig, Einzelne zu erwähnen – gerade diese „Robin Hood“-Version (Regie und Text: Norbert Holoubek) lebt von einer großartigen Ensembleleistung – die damit das letztlich Erfolg bringende Motto „Wir alle zusammen sind viele und mehr“ – auch spielerisch, tänzerisch, gesanglich verwirklichen: „Stand up and fight for your rigths!“ (steht auf und kämpft für eure Rechte).

Witzige Nonne, heftige Möchtegern-Mächtige

Das Original – wobei um den „König der Diebe“, der den Reichen nimmt und den Armen gibt, ranken sich viele Versionen der Legende – wird bei teatro praktisch immer verändert – nicht zuletzt, um eigene Botschaften besser platzieren zu können. Hier sind’s vor allem zwei – eine neue Figur und eine, die das Geschlecht gewechselt hat. Bruder Tuck, der Pfarrer aus dem engsten Kreis um Robin Hood, ist hier eine Sister Tuck (Antonia Tröstl), Art Klosterschwester, die mehr an Gerechtigkeit und Lebensfreud interessiert ist als an Frömmigkeit und ihren Szenen viel Witz verleiht. Stark und oft in Erscheinung tritt Malvina, die sich der Autor und Regisseur ausgedacht hat. Irgendwie unsterblich in den bösen King John verliebt – letztlich aber eher nur als Mittel zum Zweck, um selbst an die Macht zu kommen, spielt Setareh Eskandari beängstigend furchterregend. Übrigens ähnlich schwierig für sie, weil das so gar nicht ihrem Naturell entspricht wie bei Schneewittchens böser Königinnen-Darstellerin Corinna Schaupp (siehe Interviews, Teil 1).

Armut zeigen

Apropos Eskandari – auch diesmal sind wieder alle vier Schwestern auf der Bühne. Neben der schon genannten Setareh, die die böse Malvina gibt, noch Kimiyah als Candy aus der Crew um Robin sowie Ariella und Aresu als zwei der armen Kinder. Letzere läuft gemeinsam mit Leonhard Schwaiger (armes Kind Timmy) mit einer Sammelbüchse dem Reporter vor der Vorstellung über den Weg. Auch das ein Fixpunkt bei teatro: Immer wird für ein soziales Projekt gesammelt, diesmal die niederösterreichische Krebshilfe. Sowohl Aresu als auch Leonhard gefallen ihre Rollen als arme Kinder. „Reiche Kinder haben wir auch schon gespielt, aber es ist gut, nicht nur Luxus zu spielen und zu zeigen, dass es auch arme Kinder gibt“, meinen beide. Und Aresu fügt noch hinzu: „Außerdem kann ich heuer mit meiner Schwester Ariella in der Gruppe spielen. Natürlichholt Robin Hood auch sie aus der Armut…

Applaus nach praktisch jedem Song

Einzig in wenig störend, wenn der Großteil des Publikums praktisch nach jedem Song applaudiert – sicher, der Leistung gebührt auch Zwischenapplaus, aber auch manch Mitwirkende auf der Bühne irritieren die Zwangspausen, bevor sie weiterspielen, -singen, tanzen können. Und wenn’s bös und arg zur Sache geht wie auf zur nächsten Hinrichtung durch den sich langweilenden König, wirkt Jubelklatschen mitunter gar befremdlich.

Schönheit…

Für Schneewittchen hat Autor, Liedertexter und Regisseur Peter Faerber neben den sieben Zwergen, die viel Witz ins Spiel bringen noch sechs Heinzelwichte, die den Zwergen ihr Macho-Gehabe vorwerfen, und einen Riesen erfunden, der den Zauberwald schützen will und sich von den Zwergen mit Steinen, die sie aus dem Bergwerk hauen, versorgen lässt. Die verkocht er dann – die Steine, nicht die Zwerge. Sowohl Zwerge als auch Heinzelwichte haben jeder einen Namen und eigene Charakteristika (ein bisschen was dazu in einigen der Interviews, zweiter Teil). Größte Neuerung gegenüber dem Original-Märchen: Der Spiegel kann nicht nur sprechen, er ist eine eigene Persönlichkeit. Gespielt wird dieser wunderbar in glitzerndem Overall von Antonia Hochleitner. Der Spiegel sagt nicht nur, weil er nicht lügen kann, die Wahrheit über die Schönste hier, aber …, sondern verzweifelt an der Sucht der Königin danach, die allerschönste sein zu wollen.

Zur Strafe hässlich

Immer wieder spricht diese Musical-Version auch davon, dass Schönheit eher eine Frage des Charakters als des Äußeren ist – sowohl bei Schneewittchen als auch bei den sieben Zwergen. Und dennoch kippt das Ende wieder ins Schönheits-Klischee. Denn bestraft wird die Königin nach drei Mordversuchen an Schneewittchen mit Hässlichkeit – als alte Frau mit Buckel.

Peter Faerber erklärt im Programmheft und im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr …, dass und warum er bewusst nicht das Ende des Märchens mit dem Tanz auf glühenden Kohlen gewählt hatte: Nicht nur weil’s urgrausam ist, sondern auch historisch für andere Fälle eingesetzt worden war. Aber ein Ende, dass sie gleich ausschaut wie vorher aber vielleicht noch einsamer wird – der Spiegel hat sie schon verlassen – „wäre zu schwach gewesen und für sie, die immer danach strebt, die Schönste sein zu wollen, ist Hässlichkeit ja die härteste Strafe.“

Bleibt dennoch ein bitterer Beigeschmack: Die Version definiert über weite Strecken Schönheit durch gute Eigenschaften – und macht alt und buckelig am Ende zum Symbol für Hässlichkeit.

Follow@kiJuKUheinz

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Robin Hood

Teatro Musical

Besetzung
Robin Hood: Nicolas Vinzenz
King John: Moritz Mausser
Malvina: Setareh Eskandari
Maid Marian: Anna Fleischhacker
Geronimo: Richard Redl
Little John: Alexander Hoffelner
Sister Tuck: Antonia Tröstl
Wulf: Tobias Hornik-Steppan
Wendy: Sabrina Zettl
Candy: Kimiyah Eskandari
Shorty: Milena Mörkl
Johanna: Lena Mausser
Elisabeth: Caroline Smith
Samantha: Katharina Meinhart
Ellie/Hofdame/Soldat: Samantha Mayer
König Richard Löwenherz: Norberto Bertassi
Mary/Hofdame/Soldat: Sarah Lakatha
Soldat Clifford: Niklas Ott
Soldat Jack: Jan Winkler
Bessy: Catarina Rachoner
Cassy: Ariella Eskandari
Jessy: Aresu Eskandari
Timmy: Leonhard Schwaiger
Bobby: Niklas Ott

Team
Intendanz und Musik: Norberto Bertassi
Musikalische Leitung und Arrangements: Walter Lochmann
Regie und Textbuch: Norbert Holoubek
Choreografie: Katharina Strohmayer
Kostümbild: Brigitte Huber
Maskenbild: Renate Harter
Tondesign: Richard Redl
Lichtdesign, Programming and Operating: Leon Leitner
Projektionen: Moritz Mausser
Technische Leitung/Funkstrecken: Johannes Plattner
Technische Leitung/Transport: Christoph Manß
Produktionsleitung: Beatrix Gfaller

Orchester
Keyboard: Christian Skokan
Gitarre: Wilfried Modlik
Bass: Stephan Först
Schlagzeug: Max Haas
Querflöte: Katrin Weninger
Violoncello: Elisabeth Zeisner
Reed: Sonja Equiluz
Trompete: Marcus Racz
Posaune: Andreas Grünauer
Percussion: Wolfgang Wehner
Assistenz Intendanz: Claudia Nedbal
Regieassistenz und Social Media: Lena Mausser
Art Direction: Mick Gapp
Assistenz Maskenbild: Ursula Riedl-Prenner, Eva-Maria Prenner, Christina Bauer
Requisite: Astrid Fabian
Hospitanz Kostüme: Kinga Makowska, Christina Mader
Bühnentechnik und Verfolger: Paul Formanek
Tontechnik: Manuel Dworak
Assistenz Maskenbild: Sabine Molitor

Wann & wo?

Bis 6. August 2022
Mödling, Stadttheater
2340, Babenbergergasse 5
teatro.at/sommerproduktion
youtube – Robin-Hood-Trailer

Schneewittchen

Besetzung
Schneewittchen: Katharina Sophie Leitgeb
Stiefmutter: Corinna Schaupp
Der Prinz/Der Jäger: Marko Dimitrijević
Der Riese: Thomas Pruckner
Der Spiegel: Antonia Hochleitner
Zwerg Schleppe: Hanna Amarachi Ahamefule
Zwerg Such: Kaela Hitsch
Zwerg Sammle: Anastasija Krstić
Zwerg Klopfe: Selina Redelsteiner
Zwerg Schlichte: Elisa Vieider
Zwerg Finde: Sarah Trausmuth
Zwerg Hacke: Ronja Rebecca Reichl
Heinzelwicht Grande: Marike Ambrosy
Heinzelwicht Midi: Hanna Auerböck
Heinzelwicht Mezzo: Anna Hess
Heinzelwicht Mini: Lydia Kodym
Heinzelwicht Maxi: Celina Wache
Heinzelwicht Picco: Florentin Koch

Team
Intendanz, Musik, Bühnenbild, Dramaturgie: Norberto Bertassi
Buch, Liedtexte und Regie: Peter Faerber
Musikalische Leitung, Arrangements, Orchestration: David Schieber
Choreografie: Beatrix Gfaller
Kostümbild: Brigitte Huber
Maskenbild: Renate Harter
Lichtdesign (Programming Operating): Leon Leitner
Tondesign Richard Redl

Assistenz Intendanz: Claudia Nedbal
Regieassistenz, künstlerische Kinderbetreuung: Marina Ðordević
Projektionen: Moritz Mausser
Art Direction: Mick Gapp
Dance Captain: Corinna Schaupp
Regiehospitanz: Stephanie Brandstädter
Assistenz Maskenbild: Inessa Szikonya
Bühnentechnik und Verfolgerscheinwerfer: Paul Formanek
Hospitanz Kostüme: Kinga Makowska; Christina Mader

Musikalisches Ensemble
Klavier: David Schieber
Keyboard: Christian Skokan
Gitarre: Wilfried Modlik
Bass: Stephan Först
Querflöte: Katrin Weninger
Schlagzeug: Max Haas
Saxophon: Sonja Equiluz
Violoncello: Elisabeth Zeisner

Wann & wo?

Bis 31. Juli 2022
Mödling, Stadttheater
2340, Babenbergergasse 5
teatro.at/schneewittchen

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!

Tanzproben des Vereins "ich bin o.k."