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Szenenfoto aus "Hannes uns ein Bumpam" im Linzer Theater des Kindes
Szenenfoto aus "Hannes uns ein Bumpam" im Linzer Theater des Kindes
31.03.2026

Hin“reißende“ Reise ins Alles-Möglich-Land

Theater des Kindes in Linz spielt „Hannes und sein Bumpam“ nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Mira Lobe und Susi Weigel.

Ein Kinderbett, eine Wand, ein großes Fenster mit Wolken. Unter der Decke bewegt sich was, Hannes wird wach – und beginnt zu träumen. Der Blick auf die Wolken lässt ihn ein Segelschiff erblicken und er wird flugs zum Kapitän mit gelber Segeljacke, rotem Hut und später gelben Gummistiefeln. Von Reisen über die Weltmeere erzählt und singt Lena Matthews-Noske, die den Kindergartenbuben Hannes seit Kurzem im Linzer Theater des Kindes spielt.

Da kommt die Mutter mit Zahnbürste im Mund und treibt den Sohn an. Er solle endlich weitertun, sie seien schon spät dran und so weiter. Kennt wohl jedes Kind. Keine Zeit zum (Tag-)träumen – oder Trödeln wie dies Erwachsene meist bezeichnen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Hannes uns ein Bumpam“ im Linzer Theater des Kindes

Regen-Stunde

Im Kindergarten ist dann beim Blick aus dem Fenster starker Regen zu beobachten. Was die Pädagogin veranlasst, Kinder – auch im Publikum – zu fragen, wie Regen entsteht. Um gleich danach anhand gezeichneter Bilder dieses Naturphänomen zu erklären.

Den Hannes aber, der sich schon vorher schwertut mit ruhig sitzen, regt das Nass von oben an, sich eine Regenfrau auszumalen. Und diese zu basteln – aus Knetmasse, Papier und was er gerade in seiner Materialkiste für das „Kleid aus Wasser“ findet. Doch irgendetwas scheint ihm noch zu fehlen. Grübel, grübel…

Der Zwischenruf „Haare“ eines Kindes bei jener Vorstellung in den Osterferien, die Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… besuchte, wird „überhört“. Möglicherweise kannte das Kind die Vorlage für das Stück – das Bilderbuch „Hannes und sein Bumpam“ von Mira Lobe und Susi Weigel – Buchbesprechung am Ende des Beitraes verlinkt. So wie dort, schneidet sich Hannes Haare ab – im Stück trickst die Schauspielerin mit einer künstlichen, ins eigene Haar geklemmten, Strähne, um die Regenfrau zu vollenden. Sie hat’s gebraucht und er hat eh so viele davon.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Hannes uns ein Bumpam“ im Linzer Theater des Kindes

Schere weg

Die Folge aber ist die gleiche wie im Buch: Die Kindergärtnerin nimmt Hannes die Schere weg – hier allerdings mit einem Schuss selbstbezichtigender Reflexion. „Langsam wird‘ ich zu alt für diesen Job“, sinniert Margarethe (im Buch Grete und dort noch längst überholt, aber schon vor 65 Jahren geschrieben, als „Tante“ tituliert). Weil sie nicht aufgepasst habe, konnte das passieren und Hannes‘ Mutter werde sicher schimpfen. Was sie dann übrigens nicht wirklich tut, nur meint, fürs Haareschneiden gäb’s eben Friseure.

Natürlich findet Hannes es unfair, dass ihm die Schere weggenommen wird, aber er kommt – in der Stückversion – selber auf die Alternative. So reißt er eben drauflos, um die Bilder zu kriegen, die er sonst aus Papier geschnitten hätte. Unter anderem erschafft er Bumpam – hier als Menschen in weißem Frack und so manch buntem Accessoire. Im Buch ist es ein Tier – ein Mix aus Hund und Katz und irgendwas…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Hannes uns ein Bumpam“ im Linzer Theater des Kindes

Traumreise

In der Nacht taucht dieser Bumpam auf und lädt Hannes zu einer Reise ein. Die führt nicht mit dem Wolken-Segelschiff übers Meer, sondern in das „gerissene“ Land – alle und alles – Landschaft und Tiere sind aus Papier gerissen: Ein Elefant mit Giraffenhals, ein Kaninchen mit Tigeraugen, ein kletternder Wal. Hannes und Bumpam leben sich und ihre Fantasie aus. Samt Gesang und Tanz. Im „gerissenen“ Land aus Papier ist eben alles möglich.

Rollenwechslerin

Diesen Bumpam verkörpert Simone Neumayr, die noch Mutter, Elementarpädagogin und die Regenfrau spielt. Mitunter muss sie dabei in Sekundenschnelle von einer in die andere Rolle – samt dazugehöriger Kostüme schlüpfen – und verwandelt sich jedes Mal glaubhaft wunderbar – hin„reißend“ sozusagen.

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Szenenfoto aus „Hannes uns ein Bumpam“ im Linzer Theater des Kindes

Feuerdrache

Guruboo, den Feuerschnauber aus dem Buch, vor dem Ziegelmauer-Fleckentiere flüchten, machen Caroline Richards, die auch Regie führte und Chili Tomasson, der für die Musik verantwortlich zeichnet, in ihrer Bühnenversion zum feuerspeienden Drachen im „gerissenen Land“. Da dort alles aus Papier ist herrscht höchste Gefahr. Alarm.

Was könnte helfen? Nun, was sich Hannes und Bumpam dafür ausdenken und spielen – das wird hier sicher nicht gespoilert. Verraten wird nur, dass der große Bumpam da ganz schön ängstlich zittert, während der sonst zögerliche, verträumte Hannes mutig die überraschende Initiative ergreift…

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Szenenfoto aus „Hannes uns ein Bumpam“ im Linzer Theater des Kindes

Reißerin

Die Bühne, die das spielfreudige Loblied auf (Tag-)Träumen und Fantasie, unterstützt, wurde von Ragna Heiny gestaltet, nur das Pferd als Wächter des Reiß-Landes hat glatte Konturen. Hannes-Darstellerin Lena Matthews-Noske entwickelte sich übrigens während der Proben zur ergänzenden Reiß-Meisterin und steuerte so manche der Papierfiguren für die Szenen im Kindergarten bei. Das gab ihre Kollegin – Bühnen-Mutter, -Elementarpädagogin, Regenfrau und gerissener -Spielgefährte Bumpam – Simone Neumayr nach der Vorstellung preis, wo Kinder Fragen stellen und die Bühne inspizieren können.

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Hannes und sein Bumpam

Nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Mira Lobe und Susi Weigel (Jungbrunnen Velag)
Bearbeitung: Caroline Richards und Chili Tomasson

Hannes: Lena Matthews-Noske
Bumpam / Regenfrau / Mama / Elementarpädagogin Margarethe: Simone Neumayr
Regie: Caroline Richards
Ausstattung: Ragna Heiny
Musik: Chili Tomasson
Lichtdesign: Franz Flieger Stögner
Dramaturgie: Peter Woy
Vorstellungstechnik: Stögner/Ditzlmüller

Buchrechte: Jungbrunnen Verlag; Theaterrechte: Thomas Sessler Verlag

Wann & wo?

Bis 3. Juni 2026
Theater des Kindes
4020 Linz, Langgasse 13
Telefon: 0732 60 52 55
office@theater-des-kindes.at
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