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Szenenfoto aus "Hamlet X = Y"
Szenenfoto aus "Hamlet X = Y"
27.02.2026

Taylor Swift oder William Shakespeare?!

Ophelia und Hamlet – als zwei Jugendliche in einer Schulklasse; Klassiker in schauspielstarker Inszenierung ins Hier und Heute organisch versetzt.

Knapp mehr als eine Schulstunde rockt Julia Wozek als „Die Neue“ in der Klasse und überhaupt der Stadt die Bühne als Ophelia. Ein nicht so alltäglicher heutiger Name. Da war doch was. Irgendwas mit Literatur und so, oder mit Taylor Swift???

Genau, beides. Letztere, die Jugendlichen vielleicht geläufiger sein mag, veröffentlichte im Vorjahr (2025) „The Fate of Ophelia“ (Das Schicksal der Ophelia). Der Song wurde wie viele andere von Taylor Swift ein Nummer1-Hit und ihre Ophelia ist vom Original in William Shakespeares „Hamlet“ inspiriert. Der wohl bekannteste Theaterautor hatte vor gut 425 Jahren in diesem – wie bei vielen anderen seiner Stück von älteren oft (sehr) bekannten Geschichten – Schauspiel Ophelia als heimlich Geliebte Hamlets geschrieben.

Alle haben eine Meinung zu ihm

Diese Neue trifft eben auf Hamlet, Klassensprecher, der dieses Amt, in das er gewählt wurde, ebenso hinterfragt wie praktisch alles andere auch, vor allem die Meinungen übe sich selber. Jeder, vor allem sein Vater, habe Dutzende Meinungen, wie er, der junge Hamlet, zu sein habe. Was ihn mehr als ankotzt. Diesen spielt Nicolas Hoser – zurückhaltender, zweifelnder, lange Zeit unzugänglicher. Eine schöne „Nebenbei“-Botschaft, die noch dazu durch die beiden Charaktere nie aufgesetzt wirkt.

Dennoch funkt es zwischen den beiden. Die end-20-jährigen Schauspieler:innen verkörpern glaubhaft Jugendliche, die einerseits mit den Rundum-Anforderungen von Gesellschaft und Schule hadern, sich auseinandersetzen. Und andererseits mit ihren nicht immer klaren und noch weniger erklärbaren Gefühlen füreinander umgehen können / wollen / müssen.

„Hamlet X = Y“

Den Text zu diesem Stück namens „Hamlet X = Y“ hat Holger Schober vor gut ¼ Jahrhundert (im Jahr 2000) geschrieben. Karl Wozek vom Theater Wozek hat Regie geführt, es an so mancher Stelle adaptiert und in die Gegenwart transportiert – ja natürlich kommen auch Instagram und an der einen oder anderen Stelle ein Smartphone vor – ohne dass diese aber überhandnehmen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Hamlet X = Y“

Die Stunde lebt vom Schauspiel der beiden Darsteller:innen – in der Rolle von Jugendlichen und gleichzeitig mit dem ins Hier und Heute „übersetzten“ Shakespeare’schen „Hamlet“-Plot: Dem Prinzen der seinen Vater rächen will, weil der vom eigenen Bruder beseitigt wurde, um sich dessen – in dem Fall nicht dänisches Königreich, sondern Teppich-Unternehmen, unter den Nagel zu reißen; und obendrein die eigene Schwägerin zu heiraten. Und Ophelias Part, die von Hamlet zurückgestoßen wird – aus für sie, und hier auch ihn – de facto unerklärlichen Gründen.

Klassische und moderne Zitate

Achterbahn der Gefühle mit bewusst unterschiedlichen Energie-Levels, da die Draufgängerin, dort der Zweifler, gepaart mit Klassiker und sehr viel Spielfreude. Damit tourt Theater Wozek durch viele Theater in ganz Österreich, was durch das spartanische Bühnenbild auch leicht möglich ist. Und natürlich kommen die klassischen Zitate wie „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ oder „Der Rest sich Schweigen“ auch noch vor 😉 Aber auch Anspielungen an Pop-Songs, Filme und Streaming-Serien.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Hamlet X = Y“
INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Hamlet X = Y

Von Holger Schober

Ophelia: Julia Wozek
Hamlet: Nicolas Hoser
Regie: Karl Wozek

theater-wozek