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Fotomontage aus dem Basis-Camp Lobau: Spielende Kinder, Kindertheater, Gruppenfoto: Solidarität mit Indigenen in Mexiko, denen Wasser geraubt wird, Transparent "Lobau bleibt" wird montiert
Fotomontage aus dem Basis-Camp Lobau: Spielende Kinder, Kindertheater, Gruppenfoto: Solidarität mit Indigenen in Mexiko, denen Wasser geraubt wird, Transparent "Lobau bleibt" wird montiert
18.04.2022

Klein, aber nicht dumm – gemeinsam für eine bessere Welt

„Kultur statt Beton Festival“ im Basiscamp Lobau. Am Ostersonntag gab’s zwei Kindertheaterstücke und u.a. Solidarität für „Karawane für das Wasser“ in Mexiko.

„Rabadibumm, bin zwar klein, aber nicht dumm!“ – immer wieder unterbrach der Schauspieler, Sänger und Theatermacher Gernot Kranner – unterstützt vom Chor der zuschauenden Kinder, aber auch der (V)erwachsenen – sein Solostück „Robin Hood“. Damit gastierte er am Ostersonntag in der Wiener Anfanggasse. Zwischen Feldern und niedrigen Häusern stehen kleine und größere Zelte, auch ein beachtlich selbst gebautes mit richtiger Tür. Hängematten zwischen Bäumen, eine große Wiese zum Ballspielen, an tischen schneiden Menschen Obst und Gemüse – teils mit heftig anmutenden Messern. Gemüse wird gekocht, Obstsalate zubereitet. Hier befindet sich das Basiscamp, das seit August die Forderung „Lobau bleibt“ hochhält. Allen geräumten Protestcamps zum Trotz.

Gemeinsam gegen die Räuber

Nach dem Stück über den Kämpfer auf Seiten der Unterdrückten gegen den Herrscher weist auch der Kindertheatermacher darauf hin, dass er nicht nur zur Unterhaltung spielt, sondern auch – an vielen Sonntagen – aus Solidarität, um die Forderungen gegen die Zerstörung der Natur zu unterstützen. Und das geht nur gemeinsam. Und so spielt er an diesem Sonntag gleich noch ein zweites Stück – „Die Bremer Stadtmusikanten“. Auch Esel, Hund, Katze und Hahn – als Stofftiere – setzen sich nur miteinander gegen die Räuberbande durch, selbstverständlich wieder stimmlich unterstützt durch das Publikum.

Solidarität mit der Karawane für das Wasser

Bald nach den beiden Theatervorstellungen wurde auf der Bühne gegen über ein Plakat befestigt: „Boykott von Danon/ Komplizin Bonafont in Mexiko/ Wasserraub + Repression“. Ulli fuchs und Tina Leisch berichteten, was hinter diesen Losungen steckt.

Das Unternehmen Bonafont ist eine Tochterfirma des französischen Konzerns Danone und pumpt im mexikanischen Bundesstaat Puebla täglich Millionen sauberen Wassers ab, füllt es in Falschen ab und verkauft es – nicht zuletzt an die indigenen Bewohner:innen dieser Gegend. Das heißt, erst klauen sie den Menschen, die dort seit ewig leben das lebensnotwendige Wasser, um sie dann auch noch dafür bezahlen zu lassen. „Neben“effekt des profitträchtigen Abpumpens: Brunnen und Quellen trockenen aus und der Grundwasserspiegel sinkt dramatisch.

Besetzung der eigenen Wasserquellen

Vor rund einem Jahr gründeten Dorfbewohner:innen die Widerstandsbewegung der „Pueblos Unidos de la Región Cholulteca y de los volcanes“ (Vereinte Gemeinden der Region Cholulteca und der Vulkane) und blockierten die Tore der Bonafaont-Anlage in der Gemeinde Juan C. Bonilla. So konnte kein Wasser mehr abgefüllt werden. Folge war, dass sich die Ziehbrunnen der Dörfer langsam wieder mit Wasser füllten.

Am 8. August 2021 besetzte die Widerstandsbewegung schließlich die Anlage, um der Wasserausplünderung endgültig ein Ende zu bereiten und taufte sie auf „Casa de los Pueblos (Haus des Volkes) – Altepelmecalli“. Ab dann wurde das Firmengelände als Bildungs- und Gesundheitszentrum und Versammlungsort genutzt mit Workshops und Veranstaltungen. Außerdem wurde ein landesweites und internationales solidarisches Netzwerk rund um Themen wie Wassergerechtigkeit, Verteidigung des Territoriums und Widerstand gegen Ausplünderung des Globalen Süden aufgebaut.

Boykott-Aufruf

Vor zwei Monaten, am 14.Februar 2022 stürmte die mexikanische Nationalgarde das Gelände, um die Besetzer:innen zu vertreiben und der Danone-Tochterfirma wieder den Raub des Wassers zu ermöglichen. Als Reaktion darauf wandern indigene Organisationen und ihre Unterstützer:innen seit dem 22. März, dem Weltwassertag, als „Karawane für das Wasser und das Leben“ durch Mexiko; geplant bis zum 24. April. Als Unterstützung international gibt es einen Aufruf, Produkte der Mutterfirma , also von Danone, zu boykottieren. Der Lebensmittelkonzern hat ganz schön viel im Angebot: Milch- aber auch Pfanzenmilch-Produkte, Babynahrung und Mineralwasser. Damit könnte Druck auf die Konzernzentrale ausgeübt werden, das Wasser jenen zu überlassen, in deren Heimat es fließt und damit unter anderem dem Grundtenor der Website des Konzerns zu entsprechen. Heißt es dort gleich eingangs: „Jedes Mal, wenn wir etwas essen und trinken, können wir uns für die Welt entscheiden, in der wir leben wollen.“ Der Spruch auf einer Schüssel über der ein pinkes herz schwebt.

Reise für das Leben

Im vergangenen Sommer und Herbst waren einige Dutzend Idigenas – in Mexiko werden 62 verschiedene Sprachen neben dem von allen benutzten Spanisch – gesprochen und Kämpfer:innen der Zapatistas – siehe Links unten am Ende des Artikels – durch Slumil K’ajxemk’op (Land der Unbeugsamen, Unverzagten, Unnachgiebigen) wie sie Europa nennen. Sie erzählten nicht nur von ihren Kämpfen, sondern waren insbesondere am Austausch mit Kämpfer:innen gegen Ausbeutung von Mensch und Natur und für Gerechtigkeit sowie Gleichberechtigung aller Menschen interessiert. Deshalb hatten viele von ihnen auch die Protestcamps zum Erhalt der Lobau und gegen die Verbauung mit Straßen besucht. Und so schloss sich mit dieser Veranstaltung ein Kreis 😉 Mehr dazu auf zapalotta.org

Follow@kiJuKUheinz

Das „Kultur statt Beton Festival“ wird an den Sonntagen 24. April und 15. Mai fortgesetzt – siehe Info-Box.

https:/7kijuku.at/initiativen/und-nur-500-jahre-spaeter/
INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Kultur statt Beton Festival

Zeitangaben sind erfahrungsgemäß: Ungefähr 😉

Sonntag, 24. April 2022

11 – 13 Uhr: Aufwachen Aufbauen Brunchen Kennenlernen
13 – 14 Uhr: Theater für die ganze Familie von Gernot Kranner: „Der gestiefelte Kater“
14 – 14.30 Uhr: Theaterimproworkshop für Kinder
14.30 – 15 Uhr: Babett Arens & Florentin Groll lesen, Antonio Fian
15 – 15.30 Uhr: Fanny Brunner und René Peckl machen „Quoi de neuf?“ und paar Texte aus Hoffnun’ von Puneh Ansari
15.30 – 16 Uhr: Peter Czermak + Hermann Proyer “Let the Sunshine in!” Akkordeon, Sax und Gesang
16 – 16.30 Uhr: Bernhard Eder
16.30 – 18.30 Uhr: Datenschutz und Klimaschutz – Aktuelle Herausforderungen in Wien. Gespräch mit Thomas Lohinger von epicenter.works
18.30 – 19.30 Uhr: Richard Schubert & Jelena Popržan
19.30 – 20.15 Uhr: SDynamo Mühlschüttel – Regionales heiß serviert
20.30 – 22 Uhr: Politisches Kurzfilmprogramm von #klappeauf
Mit anschließender Diskussion: Videoaktivismus. Ein Erfahrungsaustausch.

Sonntag, 15. Mai 2022

11 – 13 Uhr: Aufwachen Aufbauen Brunchen Kennenlernen
13 – 14 Uhr: Theater für die ganze Familie mit Gernot Kranner
14 – 14.30 Uhr: Ursula und Nicki „Das kleine Ich-bin-Ich“
14:.0 – 15.30 Uhr: Wieviel Masse braucht Bewegung? Alternativen zur Autostadt.
Bernhard Dechant präsentiert Expert:innenmeinungen und interviewt LobauAktivist:innen zu ihren Utopien

15.30 – 16 Uhr: Somerset
16 – 16.30 Uhr: Grünbaum & Waldthaler
Voc Barbara Grünbaum
Git: Matthias Waldthaler
16.30 – 17 Uhr: Marley Wildthing Indiepop
17 – 17.30 Uhr: Freischwimmt
17.30 – 18 Uhr: Toni Brunner und Kurto Wendt lesen” Wie es einmal gewesen sein wird”
19.30 – 20 Uhr: Dj VAL EBM
20 – 20.30 Uhr: Das Fm4-DJ-Couple (HMFC), Bernie da House & Poly Esda …lSwound Sound, Liquid Radio, La Boum de Luxe
21 Uhr: Kino: „Auf den Barockaden“. Ein Film von Doris Kittler Österreich 2014, 85 min. Dieser Film zeigt das Wiener Beispiel kreativen, lustvollen Widerstandes seitens der Bevölkerung gegen die skrupellose Verbauung des grünen Barockparks Augarten. Wir erleben eine Geschichte, die exemplarisch für viele Proteste auf der ganzen Welt steht. Mit anschließender Diskussion.

Anreise

Mit der S80 bis nach Hirschstetten und dann 5 min zu Fuß bis zum Schloßpark Hirschstetten. Oder mit der U1 bis Kagran, dort in die 22A Richtung Aspernstraße einsteigen und bis zur Süßenbrunner Straße fahren Ebenfalls ca. 5 min Fußweg bis zum Schloßpark oder mit der u1 bis Kagraner Platz und der Straßenbahnlinie 26 bis Süßenbrunner Straßer, Fußweg ca. 10 Minuten; oder mit der U2 bis Aspernstraße, dort in die 22A Richtung Kagran umsteigen und bis zur Süßenbrunner Straße fahren.

Verpflegung

Es wird nicht-alkoholische Getränke und Essen von @robin.foods.vienna auf Spendenbasis geben

Kultur statt Beton Festival – Lobau bleibt