„Melde mich gehorsamst zurück, Papa.“ Sonntag für Sonntag kommt der ziemlich junge Carl Joseph von Trotta mit diesem Spruch – und in der entsprechenden Haltung, also untertänigst. Einschüchternd auch schon das Bühnen-Setting – eine lange, praktisch leere Tafel mit großer Distanz zwischen Sohn und Vater.
Nach dem – stets gleichen – von der Haushälterin servierten Essen, fragt der Sohn, durchgängig weit mehr als leicht gebückt: „Bitte jetzt um Erlaubnis, spazieren zu gehen.“
Erst dann, durch Felder und Wiesen eilend – er muss ja wieder pünktlich zurück sein – erwacht der, von Matthias Mamedof vorzüglich verkörperte, junge Mann, der zuvor und danach sein todunglückliches Schicksal greif- und spürbar dem Publikum vermittelt, aus dieser Position zu zwischenzeitlich befreitem Leben. Eilenden Schritts, schwebt, ja fast fliegt er rund um den Tisch, der nun zu Wald, Wiese, Bach oder was auch immer, jedenfalls freier Natur wird.
Auf Wunsch des Herrn Bezirkshauptmannes wurde der Junge, von Trotta in dritter Generation, Soldat mit unausgesprochenem väterlichem Auftrag zur Karriere im Militär. Wie auch sein Großvater schon, der als „Held von Solferino“ in die Geschichte einging. Er hatte dem Kaiser Franz Joseph das Leben gerettet. Deswegen wurde damals (1859) aus dem slowenischen Bauern aus dem Dorf Sipolje (offenbar von Šepulje inspiriert) der Freiherr von Trotta und damit Begründer eines neuen, jungen Adelsgeschlechtes – Adelsgeschlechtes – und ist als „Gemälde“ fast dauerpräsent im riesigen Bilderrahmen im Bühnen-Hintergrund.
Soweit der Ausgangsplot von Jospeh Roths berühmtem Roman „Radetzkymarsch“. Diese rund 300 Seiten werden in einer verdichteten, dramatisierten, sehr dialogischen, auf das Kernpersonal und vor allem die schon eingangs oben etablierte Story mit Roths Parallelität zum Kaiserreich, derzeit im Kärntner Gailtal gespielt: Bühnenfassung Stephan Lack und Cornelia Rainer, die auch Regie führte und für die Raumkonzeption verantwortlich zeichnet. Darüber hinaus ist sie die Erfinderin dieses Kulturfestivals Südalpenraum in Sankt Daniel mit dem Titel „Bühne der Macht“, das sie gemeinsam mit dem schon genannten Schauspieler leitet.
Wie schon im Vorjahr rund um Ödön von Horváths „Glaube, Liebe, Hoffnung“ gruppieren sich um die Theatervorstellungen herum Workshops, Diskussionen und Gespräche zum zentralen Thema – eben Macht. Dazu mehr in einem Interview mit Cornelia Rainer in einem eigenen Beitrag, der demnächst folgt; ebenso wie eine Gesprächsrunde mit vier Schüler:innen, die in mehreren eingespielten Videos – siehe weiter unten – mit ihren Meinungen vorkommen..
Einerseits finden am Tag nach der Premiere, der wenige Aufführungen folgen, die genannten interaktiven Formate statt. Andererseits wurden bereits im Vorfeld Videos mit kleineren Gesprächsgruppen von Menschen aus der – größeren – Region bis Oberkärnten und Osttirol gedreht – zu zentralen Fragen wie Autoritäten, Verhältnis der Generationen zueinander, Erziehung, Gehorsam, Geschlechterrollen usw. Diese werden übrigens während der Aufführung an passenden Stellen eingespielt – im großen schon erwähnten Bilderrahmen statt dem „Helden“, der selbst gar keiner sein wollte.
Aus der Region, in dem Fall aus der Hauptgemeinde Dellach, zu dem die Spielstätte zählt, kommen auch einige der Schauspieler:innen,aus der Theatergruppe. In praktisch jedem der Orte und Städte des Gailtals, ob in Dellach, Reisach, Treßdorf, Hermagor, Liesing oder Arnoldstein, spielen seit „ewig“, jedenfalls Jahrzehnten, Theatergruppen, erzählt Michael Buchacher Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr….
Er selbst spielt den Rittmeister Tattenbach. Dieser beschimpft den Regiments-Arzt Max Demant, den einzigen Freund des jungen Carl Jospeh, Trotta in dritter Generation, nicht nur heftig, sondern vor allem antisemitisch. Die beiden duellieren sich mit tödlichem Ausgang für beide.
Sein Sohn Levi schlüpft in die Rolle von Carl Jospeh Trottas Adjutant. Der Familie Buchacher gehört übrigens jenes Grundstück zwischen dem Fluss Gail und der Straße gegenüber der Kletter- und Schießhalle, auf dem das große Zelt für das (Theater-)Festival „Bühne der Macht“ nun zum zweiten Mal steigt – die jeweiligen Stücke gespielt und einige der Workshops, Diskussionen und Gespräche stattfinden.
Joseph Roth verknüpft in seinem Roman die drei Generationen umfassende persönliche Geschichte seiner erfundenen Trottas mit der historischen Entwicklung bis zum ersten Weltkrieg und dem Untergang der Habsburger Monarchie. Und lässt den titelgebenden Marsch (von Johann Strauss Vater, uraufgeführt 1848) immer und immer wieder erklingen.
Der erklingt im Stück immer wieder – in Variationen neben vor allem anderer atmosphärisch die jeweiligen (Gefühls-)Stimmungen unterstützenden, begleitenden, mitunter auch betonenden Melodien, live gespielt (und komponiert – natürlich nur jenseits des Strass-Vaters Marsch) von Miloš Todorovski. Er zieht und tastet meisterhaft sein Akkordeon und eine Accordina, ein vor allem in Frankreich verbreitetes Blasinstrument ähnlich einer Melodica, aber mit Knöpfen und dem Namen entsprechenden Klängen.
Auf des jungen Trottas „Für den Kaiser“ meint seines Vaters treuer Diener Jacques „am besten stirbt man für ihn bei Militärmusik“ und die Haushälterin ergänzt „am leichtesten beim Radetzkymarsch“.
Apropos Kaiser – dieser taucht immer wieder im großformatigen Bild an der Wand auf – dort wo auch die Videos eingespielt werden. Und er wird vor allem gegen Ende und da schon dem (geistigen) Verfall preisgegeben, von Eduard Wildner dargestellt, der ansonsten durchgängig Franz von Trotta, den Vater des Jungen und Sohn des „Helden“ spielt. Seine Macht über den Sohn leitet sich vor allem aus der „Normalität“ der Tradition ab – nach dem Motto, das war schon immer so. Und vor sich selbst rechtfertigend: Verantwortung für die nächste Generation übernehmen.
In der erwähnten Szene – einer Audienz beim Kaiser – wechselt Wildner mehrmals von der einen in die andere Rolle. Der Monarch weiß von einer Sekunde auf die andere nicht mehr, mit welchem der Trottas er es gerade zu tun hat.
Noch viel mehr Rollenwechsel mit bewältigt vor allem Elisabeth „Lizzi“ Engstler – von der Trotta-Haushälterin über einen Oberst bis zum Doktor Skowronnek, dem weisen Schachpartner des mittleren Trotta, dem er verklickert: „Kein Mensch darf für einen anderen leben. Wir müssen unsere Kinder gehen lassen. Jedes seinen eigenen Weg.“ Engstler, unter anderem Musicaldarstellerin, nutzt an mehreren Stellen ihre Gesangskunst. Älteren Besucher:innen kommen bei den Kurzauftritten der anfänglichen Sonntagsbesuche auch „Erinnerungen“ an ihren „Sonntag“-Song – als Teil des Duos Mess beim Eurovision Song Contest vor mehr als 40 Jahren. Hier intoniert sie unter anderem einen für diese Version intonierten Song mit den Zeilen „Die Kugel rollt und keiner weiß wohin“ – der damit weit mehr meint als das Geschehen am Roulette-Tisch in einer abgelegenen Garnisonsstadt weit im Osten des Kaiserreiches (heute West-Ukraine).
Vielseitig auch Alina Fritsch als der alte treuergebene Diener Jacques, der doch auch Eigenständigkeit durchblitzen lässt. Als Eva Demant sagt sie ihrem Ehemann (der von Nikolaus Barton neben weiteren Figuren gespielt wird), dem Arzt und schon oben erwähnten einzigen Freundes des jungen Trotta, recht, dass sie ihn nicht liebt. Nicht zuletzt ist sie als Graf Chojnicki wiederum ganz anders drauf, später sogar schwer verwundet, aber abgeklärt: Auf Trottas „Der Kaiser stirbt“ meint er trocken: „Ja. Aber damit ist es nicht vorbei. Draußen sterben die Jungen. Und die Väter bleiben…“
Was auch für den jüngsten Trotta gilt. Denn knapp nachdem sein Vater sich durchgerungen hat, dem Sohn zu gestatten, den Militärdienst zu quittieren, begann der erste Weltkrieg…
Transparenzhinweis: KiJuKU wurde zur Berichterstattung am Premierentag auf die Bahn- und Busfahrten sowie die Übernachtung eingeladen (danach wäre eine öffentliche Rückfahrt nicht mehr möglich gewesen).
Sehr geehrte Politikerinnen und Politiker, Liebe Erwachsene!
Mein Name ist Luisa, ich bin 15 Jahre alt und besuche derzeit die sechste Klasse eines Gymnasiums in Niederösterreich. Ich schreibe Ihnen, weil ich Angst habe. Angst vor der Zukunft, in der ich und zukünftige Generationen vielleicht kein normales Leben mehr führen können. Ich mache mir Gedanken über das, was noch auf uns zukommt, über den Klimaschutz und die enorme Verantwortung, die wir als Gesellschaft gegenüber den kommenden Generationen haben. Als Jugendliche fordere ich, dass wir jetzt Maßnahmen ergreifen, um für eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft zu sorgen.
… sie ist schon längst Realität. Wälder brennen, Gletscher schmelzen, Extremwetter nehmen zu, und das alles betrifft auch Österreich. In den letzten Wochen musste ich zusehen, wie in Niederösterreich Tausende von Menschen durch das Hochwasser ihr Zuhause und alles, was sie besaßen, verloren haben. Auch bei meinem Großvater ist der Keller unter Wasser gestanden und er hat viele persönliche Erinnerungsstücke verloren. Und trotzdem wurden keine entscheidenden Maßnahmen getroffen, um weitere Katastrophen zu verhindern. Was muss noch alles passieren, damit das Ausmaß dieser Krise unübersehbar ist? Wie viele Leben, Existenzen und Naturkatastrophen braucht es noch, bis wirklich gehandelt wird?
… uns Jugendlichen immer wieder zu versichern, dass wir „die Zukunft“ sind. Wir leben hier und jetzt und haben ein Recht darauf, gehört zu werden. Ich fordere deshalb, dass die Stimmen der Jugend endlich ernst genommen werden. Uns Jugendlichen sollte ein Mitspracherecht bei Entscheidungen ermöglicht werden, die unsere Zukunft direkt beeinflussen. Sei es durch Jugendräte, regelmäßige Befragungen an Schulen oder die Einbindung von Jugendvertretern in politische Entscheidungsprozesse.
Es ist frustrierend, dass der Klimaschutz immer noch so zögerlich umgesetzt wird, obwohl längst klar ist, was auf dem Spiel steht. Ich möchte in einer Welt leben, in der die Luft frei von jeglichen Schadstoffen ist, Naturkatastrophen nicht zur Normalität werden und keine Tierarten vom Aussterben bedroht sind. Ich möchte in einem Land leben, das Verantwortung übernimmt und konsequent handelt, anstatt die Schuld von sich zu weisen und sich in leeren Versprechungen zu verlieren.
Doch Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur, die Umwelt zu schützen, sie bedeutet auch soziale Gerechtigkeit. Alle Jugendliche, egal woher sie kommen oder welches Geschlecht sie haben, sollten die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben, sich in unserer Gesellschaft einzubringen.
… dass es genug Freizeitangebote für uns Jugendliche gibt. Wir brauchen mehr Orte, wo wir gemeinsam Zeit verbringen können.
Auch ein gesunder Lebensstil sollte stärker gefördert werden. Neben einer Reduktion des Fleischkonsums ist es wichtig, dass gesunde, pflanzliche Alternativen leichter zugänglich sind. In Schulen, Restaurants und anderen öffentlichen Einrichtungen sollten mehr umweltfreundliche und gesunde Optionen angeboten werden.
Deshalb sind dies die Maßnahmen, die ich fordere, um uns eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.
Es ist kein Geheimnis, dass fossile Brennstoffe zur Energiegewinnung wohl eines der größten Probleme für unsere Umwelt darstellen. Deshalb fordere ich einen schnellen und konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien. Fossile Energiequellen wie Kohle, Erdöl und Erdgas dürfen in unserer Zukunft keinen Platz mehr finden. Es ist dringend notwendig, diese durch nachhaltige Alternativen wie zum Beispiel Sonnenenergie, Windkraft und Wasserkraft zu ersetzen.
Ein weiterer wichtiger Schritt zur Bekämpfung der Klimakrise, den viele Menschen nicht einsehen wollen, ist die Reduktion des Fleischkonsums. Die Massentierhaltung ist einer der größten Verursacher von Treibhausgasen, speziell von Methan. Es sollten deshalb Maßnahmen ergriffen werden, um den Konsum pflanzlicher Alternativen zu fördern und die Produktion umweltfreundlicher zu gestalten.
Es muss nachhaltige Mobilität stärker gefördert werden, insbesondere durch den Ausbau von Fahrradnetzen und öffentlichen Verkehrsmitteln. Diese Angebote sollten für alle Menschen leicht zugänglich und kostengünstig sein, um sie zu einer echten Alternative zu machen.
… den Klimawandel im Unterricht thematisieren, damit Kinder und Jugendliche die Klimakrise verstehen, und lernen, wie sie selbst etwas bewirken können.
Dies sind Maßnahmen, die dringend notwendig sind. Sie haben die Macht, all das in die Wege zu leiten. Sie haben die Verantwortung, uns eine Zukunft zu geben, die nicht von Angst und Unsicherheit geprägt ist. Handeln Sie, bevor es zu spät ist und bevor die Jugend das Vertrauen in eine Politik verliert, welche immer noch zögert, wenn es um unsere Zukunft geht.
Mit freundlichen Grüßen,
Luisa Zuser
Schülerin im BORG Scheibbs (NÖ)
15 Jahre
„Nach der Wahl brauchen wir ein Regierungsabkommen, das uns jungen Menschen Sicherheit und gute Zukunftsperspektiven gibt. Sei es bei der Bekämpfung der Klimakrise oder der Frage, wie wir uns unser Leben leisten sollen!“ Dies verlangte Sabrina Prochaska aus dem Vorsitz-Team der Bundesjugendvertretung (BJV) am Montagvormittag anlässlich des Internationalen Tages der Jugend. (Auch andere Organisationen, teilweise Mitglieder in der BJV richteten Forderungen und Appelle an diesem Tag an die Öffentlichkeit – einige sind unten am Ende dieses Beitrages verlinkt.)
Letzteren gibt es seit 1999 – von der UNO-Generalversammlung beschlossen – immer am 12. August, nachdem es zuvor schon in verschiedenen Ländern unterschiedliche Jugend-Tage gegeben hat. Die BJV ist die gesetzliche Interessensvertretung aller Menschen in Österreich unter 30 Jahren. Und sie hat Forderungen in elf Themenbereichen erarbeitet, die auch allen kandidierenden Parteien übermittelt werden.
Dringende erste Schritte muss es aus Sicht der BJV vor allem in den Bereichen Sicherheit, Klima, Kinderrechte, Teuerung, psychische Gesundheit, Digitalisierung und Medienbildung geben.
Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine (24. Februar 2022) und der Eskalation des Nahost-Konflikts sorgen sich junge Menschen mehr denn je über Sicherheit und den Zusammenhalt der Gesellschaft. „Mit den Resolutionen des UN-Sicherheitsrats gibt es die Verpflichtung für UN-Mitgliedsstaaten, junge Menschen in Friedens- und Konfliktlösungsprozessen einzubinden. Finnland hat 2021 einen Nationalen Aktionsplan Jugend, Frieden, Sicherheit verabschiedet. In Österreich geht die Beteiligung junger Menschen aber nur schleppend bis gar nicht voran“, kritisiert UN-Jugenddelegierte Jana Berchtold. Auch die neue Sicherheitsstrategie werde ohne Jugendbeteiligung verhandelt. „Junge Menschen sollten bei Sicherheitsfragen mitsprechen, weil es um ihre Zukunft geht“, sagt Berchtold.
Das Recht auf Beteiligung müsse auch in der Klimapolitik umgesetzt werden, wo junge Menschen große Zukunftssorgen haben. Die Teilnehmer:innen des Klimajugendrats der BJV sprechen sich dabei für ein fest integriertes Jugendgremium zu Klimapolitik auf höchster Ebene aus, erklärt die UN-Jugenddelegierte und betont: „Kinder und Jugendliche sind jene Generation, die am meisten von den Folgen der Klimakrise betroffen sein werden.“ Deshalb erwarte sich die junge Generation in der nächsten Legislaturperiode den Beschluss eines neuen Klimaschutzgesetzes.
Dringenden Handlungsbedarf sieht die BJV bei der mangelnden Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention, die Österreich vor mehr als 30 Jahren ratifiziert hat. „Zur Stärkung der Kinderrechte setzen wir uns für die Verankerung aller Kinderrechte in der Verfassung und ein tragfähiges Kinderrechte-Monitoring ein“, betont Prochaska.
Für die nächste Regierung müsse auch die Bekämpfung von Kinderarmut und die Bereitstellung von leistbarem Wohnraum auf der Tagesordnung stehen. Zuletzt hat sich das Sozialministerium in Absprache mit den Ländern auf die Ausarbeitung einer Kindergrundsicherung verständigt.
Im Bereich der psychischen Gesundheit ist die flächendeckende Versorgung mit kassenfinanzierten Therapieplätzen besonders akut. „Das Projekt ,Gesund aus der Krise‘ war ein wichtiger Schritt, jungen Menschen schnell und unkompliziert zu helfen. Die psychische Gesundheit Jugendlicher darf in der kommenden Legislaturperiode aber nicht länger von Projekt zu Projekt gereicht werden“, verlangt die Bundesjugendvertretung.
Für das erste Regierungshalbjahr schlägt die BJV einen Runden Tisch zu jugendpolitischen Themen vor, bei dem neben der Politik und der BJV auch andere Stakeholder und Expert:innen teilnehmen sollen. „Angesichts der diversen Krisen dürfen Jugendanliegen nicht auf die lange Bank geschoben werden. Bei einem Runde Tisch soll ein gemeinsamer Fahrplan abgestimmt werden, damit es zukünftig zu einer deutlichen Verbesserung für junge Menschen kommt. Hier darf keine wertvolle Zeit verstreichen“, wünscht sich die gesetzliche Interessensvertretung aller jungen Menschen in Österreich.
Jana Berchtold wird inzwischen im Oktober die Anliegen von Kindern und Jugendlichen bei der UN-Generalversammlung in New York vertreten. „Junge Menschen haben klare Ideen und Vorschläge, wenn es um ihre Zukunft geht, und ich freue mich darauf, diese auf die höchste politische Ebene zu tragen“, so die UN-Jugenddelegierte.
Zum neunten Mal werden heuer die besten Projekte in der außerschulischen Jugendarbeit mit dem Österreichischen Jugendpreis in verschiedenen Kategorien ausgezeichnet. Der Preis ist eine breite Kooperation von Bundesjugendvertretung, der Netzwerke Offene Jugendarbeit sowie Jugendinfos und OeAD (als Nationalagentur für die EU-Programme Erasmus+ Jugend & Europäisches Solidaritätskorps) mit der zuständigen Abteilung in der Bundesregierung (derzeit Jugend-Staatsekretariat). Die Preisverleihung findet im November statt. Projekte können noch bis 15. September eingereicht werden – Link unten am Ende des Beitrages.
bjv -> Kinder-und-Jugendprogramm-zur-NR-Wahl-2024
Auf der Bühne im Ankersaal in der Brotfabrik proben BeatBoxer:innen für ihren Auftritt beim Festival „DWG – Demokratie, was geht?“. Danach zeigen Breakdancer:innen ihre tänzerisch-akrobatischen Moves. Gleichzeitig kommt die Bitte, die Lautsprecher abzudrehen, weil auf der großen freien Fläche des Saals – üblicherweise für Publikum gedacht – eine Fashion-Performance erstmals geprobt werden will.
Ein bissl ist schon angespannte Hektik zu spüren. Immerhin sind es nur mehr wenige Tage bis zu den Live-Auftritten vor Publikum.
Das Festival bei dem insgesamt mehr als 100 Jugendliche ihre unterschiedlichsten künstlerischen Statements mit Gedanken, Wünschen, Forderungen zu (mehr) Demokratie, Teilhabe, Partizipation zeigen und zu Gehör bringen steigt vom 21. bis 23. September im Wiener MuseumsQuartier (Details in der Infobox am Ende des Beitrages).
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… durfte am Wochenende vor dem Festival im Kulturareal Brotfabrik in Wien-Favoriten ein paar Stunden bei Proben zuschauen und -hören; vier der jugendlichen Künstler:innen gaben auch kurze Interviews. Die Fashion-Performance ist eine ziemlich komplizierte. Leopold hat ein weißes kleidartiges Gewand an, aus dem fast ein Dutzend urlange Stoffrollen laaaangsam abgewickelt werden sollen/müssen. Wer gerade Hände frei hat und nicht anderweitig im Einsatz ist, greift sich eine der Rollen. Langsam und würdevoll schreitet Leopold vom hinteren Ende des Saals in Richtung Bühne.
Auf dem Boden sind die Teile der Ovalhalle des MQ mit weißen Klebestreifen markiert. Die Rollen werden Drehung für Drehung abgewickelt, schwarze Schrift kommt zum Vorschein, verschiedene Alphabete – lateinisch, arabisch, kyrillisch – in vielen Sprachen. Auf Deutsch ist – sobald das Banner einigermaßen abgerollt ist u.a. zu lesen: „Mitreden, wenn ihr über uns redet“. Ähnliches bedeuten die Losungen und Forderungen auf Arabisch, Farsi, Ukrainisch, Türkisch… Viele dieser Jugendlichen dürfen, auch wenn sie schon 16 Jahre sind, nicht wie ihre Alterskolleg:innen wählen. Selbst solche nicht, die schon praktisch das ganze Leben hier verbringen, weil ihnen die österreichische Staatsbürgerschaft fehlt/verwehrt wird.
In einer Ecke im Vorraum malt jemand ein weiteres Plakat, dahinter lehnt eines zum Trockenen auf dem steht: Jede Stimme braucht eine Bühne. Hinter einem Vorhang eines anderen Bereichs des Ankersaal-Vorraums ertönt afghanische Musik. Der Reporter darf Blicke dahinter werfen. Einige Jungs üben einen Tanz ein. Beim Festival werden sie selber einen Workshop anbieten, bei dem Besucher:innen, die Interesse haben, spielerisch die Grundschritte eines ihrer Volkstänze kennenlernen können. Solche Workshops wird es auch für serbische und jemenitische Tänze geben.
Die Jugendlichen, die ihre Kunst(werke) – von gemalten Bildern über Skulpturen bis zu Tänzen, Theaterstücken, Songs, und in anderen Performances (etwa Fashion) – vorstellen und vorführen, haben diese in den vergangenen Monaten in wöchentlichen – elf verschiedenen – Workshops entwickelt und erarbeitet. Kreativ-Mentor:innen und Jugendarbeiter:innen waren/sind die Coaches, die sie dabei unterstützten. Das Festival dient damit aber nicht nur der Präsentation dessen, was diese mehr als 100 Jugendlichen geschafft haben, sondern will auch jenen jungen Leuten, die zu Besuch kommen, sich die Kunst anschauen und -hören oder gar in Workshops mitmachen, in Talks mitdiskutieren, Mut machen, auch selber aktiv zu werden, sich auszudrücken, zu engagieren…
So manche der Jugendlichen sind erst hier in den Workshops draufgekommen, welche Talente in ihnen gesteckt haben. So schildert Kristina, mit 14 einer der Jüngsten, dass er zunächst über TikTok-Videos auf das Projekt aufmerksam geworden „bin und mir das dann bei einer Open Stage angeschaut und ich probiert habe, ein Lied zu covern. Da hab ich mich dabei wohlgefühlt, auf der Bühne gestrahlt.“ Als dann die Workshop-Leiter:innen sich von seinem Auftritt beeindruckt gezeigt haben, „bin ich beim Singen geblieben. Und als ich von meinem Traum erzählt habe, einmal eine Gitarre spielen zu lernen, wurde mir eine geborgt. Jetzt lern ich mit. YouTube- und tikTok-Videos Gitarre spielen!“
Ob er nicht bei seinem genannten allerersten Bühnenauftritt ein wenig Schiss hatte, will KiJuKU wissen: „Ein bisschen schon, aber ich hab’s gepackt und als mich dann alle gefeiert haben, war’s ein tolles Gefühl, das mich motiviert hat, weiterzumachen.“ Überhaupt fühle er sich in diesen Workshops hier sehr wohl, viel besser als in der Schule. „Hier kann man auch über alles reden, über Diskriminierungen oder dass eben alle gleichberechtigt sein sollen und können – egal welches Geschlecht, welche oder keine Religion und so weiter.“
Auch die 23-jährige Ida entdeckte erst in diesen Workshops ihre Talente. „Ich hab vorher nie Theater gespielt und nie gebreackdanced“. Jetzt legte sie nicht nur akrobatische Tanz-Bewegungen aufs Parkett, sondern spielt auch in einem Theaterstück, „da bin ich eine toughe Immobilienmaklerin und kann meine böse Seite ausleben“, verrät sie dem Journalisten. Auf DWG ist sie zufällig gestoßen, „durch ein Insta-Reel vom Theater der Unterdrückten bin ich auf die Schnupperworkshops gestoßen“ – und wie zu sehen dabeigeblieben!
Evray zückt fast gleichzeitig mit dem Beginn des Gesprächs sein Handy, scrollt durch einige Musik-Clips, verbindet das SmartPhone via Bluetooth mit einer kleinen Lautsprecher-Box und beginnt zu singen – in dem Fall Arabisch. Der 22-jährige ist im syrischen Afrin erst mit Kurdisch, dann noch mit Arabisch aufgewachsen. Diese Stadt im autonom unter kurdischer Führung verwalteten Rojava wurde vor mehr als einem halben Jahrzehnt von türkischem Militär überfallen.
„Schon mit acht, neun Jahren hab ich zu schreiben begonnen, wollte dann auch singen. Aber meine Stimme find ich nicht so gut, darum hab ich mit Hip*Hop begonnen. Ich schreib Texte über das, was ich erlebt habe und erlebe – oder zum Beispiel darüber, dass ich meine Familie schon seit fünf Jahren nicht gesehen habe und sehr vermisse.“
Er selbst war schon vor der Besetzung Afrins in die Türkei geflüchtet, wo er in Istanbul jahrelang als Jugendlicher gearbeitet hat, „als Schneider und Kellner“. Seit knapp einem Jahr lebt er in Österreich. Deutsch ist seine zweite Fremdsprache, die er neben Englisch lernt, „Kurdisch, Arabisch und Türkisch kann ich wie Muttersprachen. Ich lern jetzt intensiv im Deutschkurs, dann will ich eine Ausbildung machen und am liebsten später mein eigenes Tonstudio gründen“, erzählt Evray, der mit eigenen Hip*Hop-Nummern beim DWG-Festival auftreten wird.
Kurz kommt auch Leopold – genau der in dem Gewand schreiten wird, dessen Schriftrollen schon oben geschildert wurden – zum Interview-Tisch: „Ich fühl mich sehr wohl dabei, auch wenn ich langsam und vorsichtig gehen muss“, sagt er zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Und er freue sich schon auf den Auftritt im MuseumsQuartier.
„Wir sind immer wieder begeistert von der kreativen Energie junger Leute. Sie kann Berge versetzen und wir brauchen mehr davon, wenn wir uns ein harmonisches und vielfältiges Miteinander wünschen.“ Mit diesem Satz wird Mahir Yıldız, der Leiter und Erfinder des Projekts DWG – Demokratie, was geht?“ in der Presseaussendung zum Festival zitiert. Yıldız hat übrigens davor schon mit Jugendlichen vor allem partizipative Filmprojekte initiiert und geleitet wie „Echte Helden sind anders“ oder gemeinsam mit der Arbeiterkammer „Lockdown-Stories“ – die ihren Niederschlag in Berichterstattung auf KiJuKU.at gefunden haben.
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