Auf der ersten der 19 Doppelseiten unterscheidet die Illustratorin und Autorin dieses Bilderbuchs, Tini Malina, ihre Hauptfigur „nur“ durch eine Art rotes Hütchen. Ansonsten schaut Selma gleich aus wie all die anderen achtbeinigen Spinnen und arbeitet im selben Netz. Doch schon auf der folgenden Doppelseite sind Selmas Netze mit ganz anderen Mustern zu sehen. Sie knüpft mit ihren Fäden wahre Kunstwerke.
Doch, was erntet sie von ihren Artgenoss:innen: „Selma, du machst das falsch. In solchen Netzen fängt man keine Fliegen.“
„Aber Selma war das egal“, schreibt die Autorin weiter… „Selma wollte Netze spinnen, die die Pracht des Universums fangen würden.“
Und das eröffnet der Illustratorin die Schaffung solcher prächtigen, ganz un- und außergewöhnlichen Netze – und dir abwechslungsreiche Bilder. Was wären auch viele Bilderbuchseiten mit doch recht ähnlichen Spinnen-Netzen?
Durch herabwürdigende Kommentare ließ sich Selma nicht beirren, sie hatte eines Tages die fixe Idee, ein Netz möglichst nah am Himmel zu spannen, so dass alle Spinnen – und andere Lebewesen – ihr Kunstwerk zumindest sehen könnten. Das war dann doch nicht so einfach – zum Glück, denn das ergibt wieder die Möglichkeit weiterer Seiten mit den kunstvollen Collagen. Samt Begegnung mit einer uralten Spinne, die einen Satz loslässt, der sich aufs erste wie „no na“ liest und doch fast philosophisch klingt: „Nur die Spinne, die riskiert, zu weit zu spinnen, kann herausfinden, wieweit sie spinnen kann.“
Wie weit das geht? Und ob Selms ihr Ziel schafft – das sei hier natürlich nicht verraten; allein schon ihr Bestreben ermöglicht viele weitere Seiten mit teils verblüffenden Bildern – Und gibt dir vielleicht auch den Mut, dein eigenes Ding durchzuziehen, auch wenn (fast) alle anderen rund um dich meinen, dass du „spinnst“ 😉
Unser Ballettsaal hatte diesen ganz speziellen Geruch. Vielleicht von dem Putzmittel, mit dem der Boden gewischt wurde, vermischt mit einer kleinen Prise Turnhalle (Schweiß, Deo, muffige Trikots). Die Mädchen beschwerten sich ständig, dass es stank. Aber für mich war es der beste Geruch der Welt. Es roch nach Tanzen.“
Und das letztgenannte ist die Leidenschaft des 12-Jährigen, die ihm sozusagen auch Flügel verleiht, wie auch schon Anne Beckers Buchtitel „Milo tanzt“ aufdrängt. Diese Freizeitbeschäftigung, die er sich auch als seinen Beruf vorstellen kann, hält Milo aber in der Klasse geheim. Er ahnt oder weiß wohl, dass die Mobber vom Dienst namens Lennie und Bo ihn als unmännlich ärgern und einen Gutteil der Mitschüler:innen damit auf ihre Seite bringen würden. Seine jüngere Schwester Dana eifert ihrem großen Bruder nach und sein bester Freund Maxim ist eingeweiht.
Als ein neuer Schüler in die Klasse kommt, der offenbar etwas in Tanz-Sachen wittert und Milo offensichtlich nachspioniert, aber Teil der Mobber-Gang wird, wirft sich Maxim voll ins Zeug für seinen Freund. Mit einem Ablenkungsmanöver, bevor Milo zum Training radelt, bringt er Luca auf die falsche Fährte. Auch wenn Maxim sich mit seinem Manöver und damit einem Fehlschluss Lucas, der hier aber nicht verraten sei, selbst zum Gespött macht.
Und obwohl Maxim dieses Opfer bringt, muss Milo ihn enttäuschen. Die gemeinsamen fixen Montagnachmittage überschneiden sich mit einer erweiterten Trainingsmöglichkeit noch dazu bei einem Tanz-Idol. Das und noch ein weiteres Ziel traut sich Milo aber lange nicht seinem Freund zu eröffnen. Was natürlich erst recht zu einem Vertrauensbruch führt…
Viel mehr sei über den Plot nicht gespoilert, soll doch Leser:innen dieses Buches die Spannung nicht gestohlen werden – von denen die nicht ganz 200 Seiten doch etliche bereithält. Schon verraten werden kann, dass etliche Spezialausdrücke aus dem Bereich von Ballett-Tanz samt Beschreibung der Bewegungen und Sprünge im Text eingebaut sind. Und natürlich Vorurteile und das Durchbrechen solcher Teil der Geschichte um Freundschaft, Leidenschaft, Konflikte, Gewalt und Mobbing sind.
Tanzen und Buben, Burschen, Männer ist trotz vieler toller Tänzer noch immer für viele etwas, das sie dafür nutz(t)en, um sich über die Betreffenden lustig zu machen. Genau deswegen gibt es eine Reihe von Jugendlektüre und (Tanz-)Theaterstücken – oft auf diesen Büchern aufbauend -, die einen tanzenden Jungen ins Zentrum der Geschichte rücken. Am bekanntesten sind vielleicht „Jo im roten Kleid“ von Jens Thiele und David Williams‘ „Kicker im Kleid“ (Stück- und Buchbesprechungen in einem der Links am Ende des Beitrages). Im Theaterhaus für junges Publikum im MuseumsQuartier, dem Dschungel Wien, inszenierte die langjährige künstlerische Leiterin unter anderem Stücke dazu mit teils akrobatischen Tanzkünstlern – „Boy’s don’t cry“ sowie „Kalaschnikow – mon amour“ – links zu Stück-Besprechungen am Ende des Beitrages.
Besprechung von „Boys don’t cry“ <- damals noch im Kinder-KURIER
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