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Zwei Feuerwehrfrauen spritzen und ein Mann in rotem Kleid tanzt
Zwei Feuerwehrfrauen spritzen und ein Mann in rotem Kleid tanzt
10.09.2021

Spritzende Feuerwehrfrauen und ein Bub im roten Kleid

Zwei Stücke beim Theaterfestival „Luaga & Losna“ spielen mit alten Rollenbildern.

Einmal voller Action, das andere Mal sehr poetisch spielten am zweiten Tag des diesjährigen (33.) Luaga-&-Losna-Theaterfestivals in Nenzing und Feldkirch (Vorarlberg) zwei Stücke mit (überkommenen) Rollenbildern.

„Splash!“ ist ein voll auf Action setzendes Stück Straßentheater der österreichischen Gruppe „Belle Etage“. Sabine Maringer und Verena Horsky haben eine Show rund um und mit Wasser – insgesamt rund 35 Liter – erarbeitet. Sie selbst, in einer Art Feuerwehr-Frauen-Uniform jonglieren mit Kübeln, zeigen akrobatische Tricks rund um und auf einer verwandelbaren Leiter – und choreografieren eine Art Wasser-„Feuer“werk – mit gegenseitigem Anspritzen ins und aus dem Publikum heraus. Feuerwehrfrauen sind eine – noch immer – seltene Spezies. Allein das schon und so manches Augenzwinkern von wegen stark- und kräftig sein müssen und entsprechende telefonische Anweisungen einer männlich wirkenden Stimme, spielt mit Rollenklischees.

Beim Festival spielten sie ihre laute, grelle Show – Straßenkünstler:innen müssen im Normalfall ständig um die Aufmerksamkeit des (vorbeigehenden) Publikums werden – zwei Mal, einmal in der Feldkircher Innenstadt, einmal vor dem Nenzinger Feuerwehrhaus.

„Jo im roten Kleid“…

… vom Grazer Theater Mezzanin baut in der Grundgeschichte auf dem gleichnamigen Bilderbuch (Jens Thiele) auf (Regie: Natascha Grasser; Choreographie: Gregor Krammer). Jo kommt als erwachsener Mann (Schauspieler Felix Krauss) in das Haus seiner Kindheit. Dort versinkt er – über ein Fotoalbum – in seine Erinnerungen und die Faszination eines Schranks, der für ihn und seine Schwester Versteck und alles-Spielplatz war. Von der Rakete in den Weltraum bis zum Fundus für Verkleidungen, am liebsten mit den Kleidern der Mutter.

Der Vater wollte einen Top-Fußball spielenden, kämpfenden usw. Jungen. Jo (Tänzer Kyler Breed) wiederum tänzelte selbst mit dem Fußball mehr als er kickte. Und Kleider haben es ihm angetan. Wofür er von einem Freund massiv gemobbt, vom Vater lange nicht akzeptiert wurde. Bis dieser den Wunsch des Sohnes respektiert und ihm ein rotes Kleid zum Geburtstag schenkt.

Da wiederum kämpfte Jo erst mit sich, auf dem Weg des Heranwachsens, wonach ihm wirklich der Sinn stehen würde.

Auch hier einige ziemlich actionreichen Szenen. Am schönsten, beeindruckendsten und wirkungsvollsten sind jedoch jene Momente, in denen ein wenig Ruhe einkehrt, Konzentration und Fokus auf den Tänzer in überzeugenden, erhabenen Bewegungen – und in einem sehr eleganten, teils glitzernden, natürlich roten, Kleid.

Das Bilderbuch
Das Bilderbuch „Jo im roten Kleid“ von Jens Thiele (Peter Hammer Verlag)

Wobei es trotz dieses Symbols gar nicht nur darum geht, dass der Bub gern Kleider mag, sondern auch insgesamt ums Suchen – und Finden – was er überhaupt will, wohin er sich entwickeln möchte.

Ein wenig zur Verwirrung trägt nur bei, dass der Schauspieler in den Rollen Vater, Freund und Jo als Erwachsener fast immer gleich wirkt.

Zu einer früheren Besprechung des Stücks im Jänner des Vorjahres  – damals noch im Kinder-KURIER geht es hier

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Compliance-Hinweis: Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … wurde vom Festival Luaga & Losna eingeladen.

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Splash!

Belle Etage (Österreich)
Straßentheater-Circleshow
Spiel: Sabine Maringer und Verena Horsky

Jo im roten Kleid

frei nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Jens Thiele
Mezzanin Theater (Österreich)
Ab 8 Jahren

Regie: Natascha Grasser
Choreographie: Gregor Krammer
Schauspiel/Tanz: Felix Krauss und Kyler Breed
Video-, Sound- und Lichtdesign: Nina Ortner
Ausstattung: Lisa Horvath