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Doppelseite aus "Ferri - Mutig ist, wer Hilfe holt!"

Das Happy End steht schon am Anfang

Mobbing – schon für jüngste Kinder leicht und anschaulich ist in diese Bilderbuchgeschichte, die unter Meerestieren spielt, eingebaut. Und sie beginnt schon auf der ersten Doppelseite mit dem Happy End: „Tief unten im Meer leben alle Tiere friedlich miteinander und füreinander. Jeder achtet nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf den anderen, damit es allen gut geht.“
Das war aber – ist ab dem nächsten Satz zu lesen und auch viel zu schauen – „nicht immer so…“

Die Hauptfigur ist ein Fisch mit gelb und rötlich gestreiften Flossen namens Ferri. Der war urgut drauf, immer fröhlich, obendrein hilfsbereit und sang gerne. Was nicht allen gefiel. Rocho, der Rochen, pöbelte Ferri an „schrei nicht so!“, und das ziemlich heftig und lautstark. Da merkte Ferri an, dass doch Rocho schreie. Und schon ging der Knatsch richtig los. Der griesgrämige Rochen drohte dem kleinen Sänger mit Gewalt.

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Ferri – Mutig ist, wer Hilfe holt!“

Und – so die Dramaturgie, die sich die beiden Autorinnen Gertraud Mesner und Beate Welsh ausgedacht haben – kam gleich die nächste angeschwommen, die Ferri einschüchterte: Krabbe Krabbi, es folgte Kraki (klarerweise ein Krake). Qualli – du weißt sicher aufgrund des Namens schon, um welches Salzwassertier es sich handelt – fand das Verhalten der anderen gar nicht nett, aber nach kurzen Tröstungsversuchen für Ferri, verschwand die wieder.

Natürlich kann’s dabei nicht bleiben, wissen wir ja seit den ersten Sätzen und Bildern von Antje Bohnstedt.

Schlauer Wal

Für die Wendung zum Guten sorgt der schlaue Wal, den die Autorinnen schlicht Wali nannten. Bei ihm schüttete Ferri sein Herz aus, auch mit der großen Frage in seinem Kopf: „die anderen Tiere mögen mich nicht mehr. Ich weiß eigentlich nicht warum.“

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Ferri – Mutig ist, wer Hilfe holt!“

Wali erklärte dem verzweifelten Fischlein, dass es nicht an Ferri, sondern an den anderen, den Mobbern liege, was da abgeht und „so wie du bist, so ist es gut“ und dass die, die zu anderen böse und grausam sind, sicher nicht stark seien. Und der Wal lud alle zum gemeinsamen Spiel ein, wobei er für den ersten in der Reihe derer, die Ferri geärgert hatten, die Rolle eines Außenseiters vorsah. Woraufhin Rocho das ziemlich blöd fand – aber auch kapierte, weil er es selber spürte, wie ungut solches Verhalten ist…

Pädagogische Doppelseite nach dem Ende

Womit es durch folgendes gemeinsames Spiel in die letzte Kurve ging, die den Kreis zum Happy End am Beginn des Buches „Ferri – Mutig ist, wer Hilfe holt!“ schließt. Wobei sich der Untertitel nicht aus der Geschichte erschließt, kam doch der Wal von selber angeschwommen, sondern eher aus der nach der Bilderbuchgeschichte angeschlossenen Doppelseite „Mobbing verstehen“ wo es unter anderem heißt: „Hilfe holen ist kein Petzen!“

kijuku_heinz

Doppelseite aus "Qualle im Sommercamp"

„Freuvösig“ vor der Ferienwoche im Zelt-Camp

Die besten Geschichten schreibt das Leben. Gehört vielleicht zu den meist-zitierten Sprüchen. Original-Quelle unbekannt. Gute Autor:innen können hervorragend beobachten und zuhören sowie daraus eigene Geschichten literarisch anspruchsvoll, spannend, interessant bauen samt Würze mit eigener Fantasie, nicht selten auch sprachspielerisch.

Zu diesen gehört Lena Raubaum, die sowohl lyrisch – in Gedichtform – als auch Prosa flott zu lesende, sozusagen zu verschlingende, Bücher schreibt. Für eine mittlerweile zu einer kleinen Serie angewachsene Episodensammlung hat sie sich als Erzähler den 9 ½-jährigen Max Kallinger ausgedacht, weil sich daraus so schön der Spitzname Qualle ableiten hat lassen. Zu dessen bestem Freund Öner lässt die Autorin für den Band „Qualle im Sommercamp“ noch ein Zwillingspaar ins engere Universum einsteigen. Nora und Aron. Diese Kombi hat sie, wie sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… verraten hat auch aus der Wirklichkeit ausgeborgt. „Bei einer Lesung in einer Klasse hat sich tatsächlich eine Nora gemeldet, die sich als Zwillingshälfte vorgestellt hat und sagte, ihr Bruder heiße Aron.“

Doppelseite aus
Doppelseite aus „Qualle im Sommercamp“

Tiere, Spital, Küche und …

Also, nach Tierheim, Krankenhaus, Küche – und einem kleinen Zwischenbüchlein als Cor-Öner-Tagebuch geht’s im vierten richtigen Qualle-Buch also in ein Feriencamp – mit Zelt, Wald und Lagerfeuer. Und natürlich darf so manches Abenteuer nicht fehlen. So verliert Qualle, der die Obhut über das Camp-Maskottchen, eine Stoff-Fledermaus namens Adelheid, übernommen hat, diese eines Tages. Klar, sie taucht wieder auf.

Das größere Problem für Qualle reißt Raubaum gleich im allerersten Satz des Buches an: „Sag … sind wir eh noch beste Freunde?“, um das Gefühl der Eifersucht schon im nächsten anzudeuten. Als ich dem Öner diese Frage stellte, spürte ich einen Kloß im Hals…“ Natürlich können wir davon ausgehen, dass … – aber die Autorin lässt über seeeehr viiiiiiele Seiten offen, wie Öner wirklich reagiert. In einer Serie, die Zuschauer:innen süchtig nach der nächsten Folge machen will, würde das Cliffhanger genannt – sozusagen, kann sich die Heldin, die da an der Klippe hängt, retten oder…?

Lustiges und Unangenehmes (Gelsen etwa oder Heimweh – natürlich von wem anderen) aus so einer Camp-Woche reihen sich flott lesbar abwechselnd mit Zeichnungen von Sabine Kranz Kapitel um Kapitel aneinander. Und ruck-zuck hast du dich durch die rund 90 Seiten gelesen. Vielleicht bleibst du an manchen erfundenen Wörtern hängen wie „freuvösig“ („Ich war also nervös, hibbelig und kribbelig“ oder „freurig“ („freudig und traurig zugleich“), letzteres zum Abschied der Camp-Ferienwoche, und denkst dir: Das muss ich mir merken!

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Qualle und Cor-Öner -> damals noch im Kinder-KURIER

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Titelseite von „Qualle im Sommercamp“