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Jugendliche aus Wien mit Solidaritäts-Plakat für protestierende serbische Studierende
Jugendliche aus Wien mit Solidaritäts-Plakat für protestierende serbische Studierende
02.03.2026

Wie ein pumpendes Herz muss der Protest weitergehen

Erneute Kundgebung von Blokada Beč (Blockade Wien) in der Nähe der serbischen Botschaft – gegen Korruption, für Demokratie.

Sticker unter anderem mit pochenden offenen Herzen und dem berühmt gewordenen Spruch „Pumpaj“ (pumpen), der immer wieder auch laut gerufen wurde, erklang Sonntagmittag in der kleinen Ölzeltgasse in Wien-Landstraße. Wieder hatte Blokada Beč (Blockade Wien), eine Initiative der Diaspora, aus Solidarität mit den Protesten eingeladen. Unermüdlich wie ein Herz pumpt und pumpen muss, um dessen Besitzer:in am Leben zu erhalten, organisieren Aktivist:innen Kundgebungen, Demos und andere Aktivitäten zur Unterstützung all jener, die gegen Korruption und für ein demokratisches Serbien kämpfen und eintreten.

Großprotest-Jahrestag

Anlass für die jüngste Kundgebung – zwar nicht mehr wie bei einer großen Kundgebung vor mehr als einem Jahr (KiJuKU berichtete) direkt vor dem Gebäude der serbischen Botschaft, aber bei der Kreuzung mit der Lagergasse am Eck des besagten Hauses – war der ersten Jahrestag einer Großdemo in Niš, der drittgrößten Stadt Serbiens. Und diese wiederum hatte ihren Ursprung in dem Einsturz des Vordachs in Novi Sad am 1. November 2024, bei dem 16 Menschen starben. Ein Unfall der kein Naturereignis war, sondern Folge von Korruption und Misswirtschaft beim Bau dieses Vordaches.

Noch immer warten die Angehörigen der 16 Todesopfer auf Gerechtigkeit durch Verurteilung der für den tödlichen Dach-Einsturz Verantwortlichen.

Internationale Solidarität

Die beiden Rednerinnen auf einem improvisierten Podest in Sicht-und Hörweite der Botschaft, Katarina Milisavljević (serbisch) und Anastasija Stojanović (deutsch) wiesen bewegend aber auch auf die Ausweitung der Protestgründe hin: Verbindungen zu und Solidarität mit Aktionen von Freund:innen über Serbien hinaus wie in Griechenland anlässlich des zweijährigen Gedenkens der Eisenbahntragödie in Tempi, aus Nordmazedonien nach der Tragödie in Kočani, aus Zagreb nach dem Mord an der Grundschule Prečko, aus Cetinje nach der Massenschießerei, die viele Leben forderte, und aus Bosnien und Herzegowina nach der Tragödie in Jablanica. „Dieses Mal stehen wir im gemeinsamen Schmerz an der Seite unserer Freundinnen und Freunde aus Sarajevo nach dem schweren Straßenbahnunfall, der das Leben mehrerer Menschen gefährdete, leider aber auch einem jungen Mann das Leben nahm.“

Der zuletzt genannte Unfall war Anlass, die bisher bei den Kundgebungen üblichen 16 Schweigeminuten für die Novi-Sad-Opfer auf dieses Mal 17 Minuten für zusätzlich Erdoan Morankić aus Sarajevo zu verlängern.

Schweigeminuten und danach lautstarke Sprechchöre

„Im vergangenen Jahr haben wir erlebt, dass Stille uns oft mit einem noch größeren Schmerz konfrontiert als jedes ausgesprochene Wort. Deshalb laden wir euch ein, gemeinsam einen Ausweg aus diesem Schmerz zu finden – indem wir jetzt, indem wir heute so laut wie möglich sind, mindestens so laut, dass man uns bis nach Niš hören kann!“ – und dann setzten die „Pumpaj“-Rufe mehr als lautstark ein, andere Losungen, unter anderem „ruke su vam krvave“ (deine Hände sind blutig – an die politisch Verantwortlichen bis hinauf zum Staatspräsidenten) folgten.

Hoffnung auf Veränderung

Und die Hoffnung, dass die Proteste – in Serbien sowie in der Diaspora – das „Potenzial haben, das gesamte System und die Gesellschaft zu heilen, die bedroht war, vollständig unterzugehen durch unzählige Skandale, Machtmissbrauch, Erpressung, Nötigung, Einschüchterung, brutale, organisierte Gewalt, Korruption und kriminelle Netzwerke, die an der Spitze des Staates Serbien stehen… Lasst uns daran erinnern und es uns einprägen – die scheinbare Minderheit, geführt von der Kraft der Gemeinschaft, im Bewusstsein ihrer Stärke und ihres Potenzials, ist genau diejenige, die den Grundstein für eine neue Gesellschaft aus Freiheit, Würde, Gerechtigkeit und Solidarität legt.“

Unterschiedliche weitere Treffen

„Blokada Beč“ will aber nicht nur zu Kundgebungen aufrufen, sondern startet demnächst mit Vernetzungstreffen und vor allem Diskussionen auf verschiedenen Ebenen – und bei Weitem nicht nur für Serbien relevant. So wurde auf die beginnende Veranstaltungsreihe „Days of Attention“ hingewiesen, „die vom Team aus Studierenden und Dozenten der geschichtswissenschaftlichen Institute der Universität Wien organisiert wird und sich den Protesten in Serbien widmen wird. Der Leitgedanke der Veranstaltungen wird sich auf folgende Fragen konzentrieren: Auf welche Weise werden zivile Proteste Teil politischer Veränderungsprozesse, wie funktioniert Aktivismus ohne konkrete Führungspersönlichkeiten, und welche Rolle können Universitäten dabei als Orte demokratischen Engagements spielen?“

Über den universitären Rahmen hinaus wird es ab 4. April jeden ersten Samstag im Monat ab 11.30 Uhr zwanglose Zusammenkünfte im Wiener Stadtpark geben mit „Raum für Dialog, den Austausch von Ideen und Erfahrungen sowie für Begegnung, um gemeinsam Strategien und Pläne zu entwickeln, wie wir die Unterstützung aus Wien auf ein noch höheres Niveau heben können. Wichtig ist uns zu betonen, dass die Treffen einen informellen Charakter haben – mit dem Ziel, Gleichgesinnte zu vernetzen und sich für zukünftige Aktionen zu verbinden“ – Infos werden auf dem Insta-Kanalgeteilt, Link am Ende des Beitrages.

Gesungene Liebe

Für einen höchst emotionalen Abschluss der Kundgebung sorgte Sänger Aleksa Jevtić, der mit dem vertonten Auszug aus dem Gedicht „Ljubav“ („Liebe“) des serbischen Dichters Djura Jakšić, manche Teilnehmer:innen sogar zu Tränen rührte – Video-Ausschnitt unten.

kijuku_heinz

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instagram –> blokada.bec

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