Im Weghuberpark vor dem Justizministerium wird die zentrale Gedenkstätte für Rom:nja und Sinti:zze errichtet.
Seit viiiielen Jahren versprochen, soll sie nun eeendlich wirklich kommen: Die Gedenkstätte an den systematischen, massenhaften Mord der Nazis an Rom:nja und Sinti:zze. Vor einer Woche bei einem Treffen des Volksgruppenbeirats im Parlament mit Vertreter:innen von Vereinen der Volksgruppe wurde einstimmig der Weghuberpark vor dem Sitz des Justizministeriums in Wien-Neubau als Standort beschlossen.
Mit der Standortentscheidung werden die Vorbereitungen für den künstlerischen Wettbewerb zur Gestaltung der Gedenkstätte fortgeführt. Dieser ist als zweistufiges, europaweites Verfahren vorgesehen. Die Ausschreibung wird im Herbst 2026 starten. Die Ausarbeitung der inhaltlichen und künstlerischen Grundlagen erfolgt weiterhin unter Einbindung der Volksgruppe sowie unter Berücksichtigung rechtlicher und fachlicher Rahmenbedingungen. Der Prozess ist darauf ausgerichtet, eine tragfähige und qualitätsvolle Umsetzung sicherzustellen, die sowohl der historischen Dimension als auch den Anforderungen an ein zeitgemäßes Erinnern gerecht wird.
Von den rund 11.000 Angehörigen der Volksgruppe in Österreich wurden etwa 90 Prozent Opfer des faschistischen Terrors. Insgesamt ermordeten die Nazis rund eine halbe Million Rom:nja und Sinti:zze (Porajmos heißt das entsprechende Pendant zur Shoah an Jüd:innen). Das Mahnmal soll aber nicht nur an die systematische, massenhafte Ermordung erinnern, sondern auch öffentliches Zeichen gegen Fortbestehen von Antiziganismus sein.
Die Anerkennung der Volksgruppe der Roma als autochthone Volksgruppe erfolgte erst 1993. Die Erinnerung an die NS-Opfer der Volksgruppe ist heute durch Gedenktage wie den Internationalen Tag der Roma am 8. April sowie den Internationalen Tag des Gedenkens an den Genozid an den Rom:nja und Sinti:zze am 2. August, der seit 2023 ein nationaler Gedenktag in Österreich ist, verankert. In den Bundesländern und in Wien bestehen bereits einzelne Gedenkorte – eine zentrale Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus aus den Reihen der Rom:nja und Sinti:zze fehlt bislang.
„Die Entscheidung für den Standort der zentralen Gedenkstätte ist ein wichtiger Schritt. Erinnerung muss im öffentlichen Raum sichtbar sein und darf nicht anonym bleiben. Sie muss die Verfolgung und Ermordung der Volksgruppe der Roma klar benennen und auch Österreichs Verantwortung offen ansprechen. Die Gedenkstätte richtet sich an die gesamte Gesellschaft. Sie soll zum Innehalten anregen, historisches Wissen fördern und deutlich machen, dass Antiziganismus bis heute fortbesteht und ihm entschieden entgegengetreten werden muss“, so Emmerich Gärtner-Horvath, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Roma.
„Die Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus aus der Volksgruppe der Roma ist weit mehr als ein Bauprojekt. Sie ist Ausdruck unserer historischen Verantwortung und ein klares Bekenntnis der Republik dazu, einer Opfergruppe des Nationalsozialismus, die über Jahrzehnte im öffentlichen Bewusstsein zu wenig sichtbar war, den ihr gebührenden Platz in der österreichischen Erinnerungskultur zu geben“, wird der Zweite Präsident des Nationalrates und Vorsitzende des Nationalfonds, Peter Haubner, in einer Aussendung zitiert.
Die Wiener Stadträtin für Kultur und Wissenschaft Veronica Kaup-Hasler meinte: „Mit der Wahl des Weghuberparks als Standort für die Gedenkstätte für die Opfer der im Nationalsozialismus ermordeten Rom:nja und Sinti:zze entsteht ein dringend notwendiger Ort der Erinnerung in innerstädtischer Lage. Die einstimmige Entscheidung des Beirats markiert einen wichtigen Meilenstein in einem Prozess, den wir als Stadt Wien unterstützt und in einem aktiven Dialog mit dem Beirat und Vertreter:innen der Community begleitet haben – denn Rom:nja und Sinti:zze sind seit Jahrhunderten Teil der Geschichte Wiens, auch wenn sie und ihr Wirken lange zu wenig gesehen bzw. an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden. Ich setze mich dafür ein, dass lebendige Gedenk- und Erinnerungskultur weiterhin einen zentralen Stellenwert im Selbstverständnis unserer Stadt einnimmt. “
Und der Vorsteher des siebenten Wiener Gemeindebezirks, Markus Reiter, meinte: „Die geplante Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus aus den Reihen der Rom:nja und Sinti:zze ist ein zentraler und längst überfälliger Bestandteil unserer Erinnerungskultur. Als Bezirksvorsteher von Neubau habe ich den Standort im Weghuberpark sehr gerne angeboten – für mich ist entscheidend, dass dieses Projekt endlich realisiert wird. Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, um die Umsetzung bestmöglich zu unterstützen. Bereits heute leisten wir mit dem Ceija-Stojka-Platz, der Unterstützung der jährlichen Gedenkfeier am 2. August und unserer Initiative ‚Neubau erinnert‘ einen bedeutenden erinnerungspolitischen Beitrag. Mit der breit getragenen Standortentscheidung setzt die Republik ein starkes Zeichen für Sichtbarkeit, Anerkennung und Verantwortung. Das ist gut so und ein historisch bedeutender Schritt.“
Der Standort wurde im Rahmen eines vom Nationalfonds koordinierten, breit angelegten Abstimmungsprozesses unter Einbindung der Vertreter:innen der Volksgruppe festgelegt. Mit der Errichtung der Gedenkstätte entsteht ein zentraler Ort des Erinnerns im öffentlichen Raum, der die Verfolgung und Ermordung von Rom:nja und Sinti:zze im Nationalsozialismus sichtbar macht und die Erinnerung daran dauerhaft verankert. Dabei geht es auch darum, eine lange Zeit wenig sichtbare Opfergruppe des Nationalsozialismus stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.
„Porajmos“ – das Romanes-Pendant zur Shoah an Jüd:innen – forderte insgesamt rund eine halbe Million Todesopfer, Roma, Sinti, Jenische, Lovara … wurden von den Nazis ermordet. Allein in der Nacht von 2. auf 3. August 1944 vergasten die Faschisten in Auschwitz-Birkenau nach jüngsten historischen Erkenntnissen rund 4300 Menschen, die sie „Zigeuner“ nannten – zuvor mit schwarzen Winkeln als „Asoziale“ versehen.
2015 beschloss das Europäische Parlament, den 2. August zum offiziellen Gedenktag zu erklären. Einige Länder haben das bereits getan. In Österreich liegt seit einigen Wochen ein Entschließungsantrag der beiden Regierungsparteien im Parlament.
Daneben gibt es – seit 1990 – einen Welt-Roma-Tag am 8. April. Anlass ist der Jahrestag der ersten Welt-Roma-Konferenz – 1971 – auf dem sich die Vertreter:innen gegen die üblichen Bezeichnungen Zigeuner bzw. Gipsy aussprachen, dem den Begriff Roma gegenüberstellten, die Hymne „Djelem Djelem“ und die Flagge beschlossen und forderten, den 8. April zum internationalen Aktionstag zu machen.
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