Teil zwei des auf fünf Jahre angelegten Projekts „5 Schritte Frieden“ von Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater am Internationalen Frauentag (8. März); dieses Mal in Bregenz vor der Seebühne – wieder mit Online-Übertragung.
Am internationalen Frauentag spielen – dieses Mal vor der Bühne am Bodensee (Bregenz, Vorarlberg) – der gehörlose Schauspieler Werner Mössler in Österreichischer Gebärdensprache und parallel Markus Rupert in deutscher Lautsprache den zweiten Abschnitt der auf insgesamt fünf Jahre angelegten „5 Schritte Frieden“, einem Projekt der Visuellen Theaterbibliothek und des Theaters im Urbanen Raum. Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater inszeniert – seit dem Vorjahr – jeweils einen von vier Texten Dževad Karahasans (1953 – 2023), der fünfte stammt von diesem in Bosnien geborenen, in Österreich Zuflucht gefunden habenden Schriftsteller – gemeinsam mit Herbert Gantschacher, der alle fünf inszeniert.
Als bosnischer Moslem wurde er im Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina mit Ermordung bedroht, weil er mit einer Frau serbischer Herkunft verheiratet war. Die Flucht aus Sarajevo führte den Schriftsteller 1993 nach Österreich und da bald zu einer engen Zusammenarbeit mit ARBOS mit vielen gemeinsamen Produktionen. Die „5 Schritte Frieden“ durchaus auch als eine Art Vermächtnis des 2023 in Graz verstobenen Schriftstellers begannen im Vorjahr am Klagenfurter Hauptbahnhof mit „Privileg Sterben“. Heuer folgt „Auf der Akademie“, ebenfalls als Uraufführung – live gespielt und online in alle Welt ausgestrahlt.
„Ihre Aufgabe ist das Einzige, was Sie für einen Augenblick von der Angst befreien kann, was Ihnen hilft, die Menschenwürde zu bewahren, was Ihnen die Empfindsamkeit und den Verstand erhalten kann“, schrieb er im Text „Auf der Akademie“. Eine Szene, die im belagerten, dauernd unter Beschuss liegenden Sarajevo spielt – und leider für viele Orte der Welt, erst jüngst brandaktuell wieder, gilt.
„Die Menschen haben uns den Rücken gekehrt, das Glück hat uns verlassen, diese Welt hat sich von uns losgesagt. Noch schützt uns die Kunst vor der Gleichgültigkeit, der Mensch aber lebt, solange er nicht gleichgültig ist. Sie sind besser als die Herren vom Westen, die uns nicht helfen, obwohl sie es könnten. Sie sind besser, denn Sie sind lebendig, und jene sind gleichgültig. Sie fühlen Schmerz, Angst, Hunger und Durst. Sie fühlen Liebe und Zorn. Dienen Sie Ihrer Kunst, sie wird Sie gegen alles schützen, was gegen Sie anstürmt, wie ein warmer und dunkler Mutterleib.“
Und weiter schreib Karahasan, dass er den Studierenden diese „pathetische Rede“ gar „nicht zu halten“ brauchte. „Ich musste ihnen überhaupt nichts sagen. Sie arbeiteten besser als je zuvor. In weniger als zwei Monaten studierten sie vier Vorstellungen ein, die in der ganzen Stadt gespielt wurden. Ohne elektrische Beleuchtung, ohne eine vom Zuschauerraum getrennte Bühne, ohne Dekoration. Einfach ohne alles, außer mit spieldurstigen Schauspielern, einem Text und theaterhungrigen Zuschauern. Bei den ersten Proben wurden sie durch Granaten gestört, die in der Nähe einschlugen. Da verloren sie noch die Konzentration, machten Pausen, hörten einen Moment auf. Mit der Zeit gewöhnten sie sich so sehr daran, dass sie einfach nicht mehr auf die Granaten reagierten, ja, manche sogar die Möglichkeit fanden, die Granaten ins Spiel einzubinden, als einer ihrer Ausdrucksmittel. Ähnlich war es mit den Zuschauern – am Anfang achteten sie auf die Granaten, doch dann überließen sie sich der Vorstellung mit mehr Genuss als seinerzeit im Frieden.“
Den Text „Auf der Akademie“ begann der Schriftsteller mit der Schilderung „Zehn Tage nach dem großen Bombardement versammelten wir uns auf der Akademie, meine Studenten und ich. Da der Haupteingang dem Trebević zu gekehrt, einem ehemals beliebten und oft besungenen Ausflugsziel, und deshalb gefährlich ist, schlugen wir ein Loch in die Hofmauer und erhielten so einen Durchgang zum Keller. Wir verabredeten, dass unsere erste Arbeit den Exams-Auftritten der Studenten gelten solle, die im vierten Schauspieljahr sind. Einen normalen Unterricht für jüngere Studenten können wir nicht organisieren, aber wir können den Absolventen helfen, das Examen zu machen.“
Das Programm, das am Frauentag – 8. März, in dem Fall 2026, ab 20 Uhr live online gestreamt wird – begann wie schon erwähnt im Vorjahr, damals am Klagenfurter Hauptbahnhof., 2025 mit „Privileg Sterben“. Nach „Auf der Akademie“ (Frauentag, 8. März 2026) folgen in den kommenden Jahren „Die einen und die anderen“ (2027), „Eine alte orientalische Parabel“ (2028) sowie als Teil 5 der „Friedensschritte) „Gespräch als Kunst“ (2029) – ebenfalls von Dževad Karahasan, aber wie schon oben erwähnt gemeinsam mit Herbert Gantschacher.
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