„Wolf trifft Nager“ – eine ungewöhnliche Begegnung am Rande des Märchenwaldes als Schau-, Figuren- und Schattenspiel zu Gast bei „Jungspund“, dem Theaterfestival für junges Publikum im Schweizer St. Gallen.
Ein Tisch, dahinter etliche – noch leere – Bilderrahmen, ein Schild mit rotem Kreuz und ein Ring-Block mit Nummern. Nach und nach lassen die Schau- und Figurenspielerinnen Sibylle Grüter und Jacqueline Surer zunächst kleine Tierfiguren auftauchen – mit dem einen oder anderen Schmerz oder auch „nur“ Wehwechchen. Mit ihrem „Theater Gustavs Schwestern“ laden sie das Publikum im FigurenTheater St. Gallen (Schweiz) beim aktuell laufenden „Jungspund Festival“ ein in eine (tier-)ärztliche Praxis am Rande des Märchenwaldes. Und deswegen findet sich in „Wolf trifft Nager“ unter den Patient:innen auch eine menschliche Prinzessin.
Irgendwann lassen die beiden Spielerinnen, die nicht nur die Figuren führen, sondern – so das Konzept dieser Gruppe – immer wieder auch selbst direkt ins Geschehen eingreifen, einen viel größeren Wolf auftauchen. Im Kostüm der Großmutter aus dem bekannten Märchen Rotkäppchen schleppt er sich ins Wartezimmer der Ordination. Es tut ihm mehr oder minder alles weh. Statt vom Block eine Nummer zu ziehen, er wäre als Nummer 30 dran, klaut er dem daneben wartenden – auch großen – Hasen dessen Zettel und drängt sich somit als 29. vor.
Dem – recht kleinen – Arzt klagt er seine Beschwerden. So musste er beim Verzehr der Großmutter schon ordentlich würgen, vor den Geißlein gruselt es ihm sogar schon…
Gründliche Untersuchung – inklusive Röntgen, womit noch ein drittes Element nämlich Schattentheater ins Spiel kommt – und dann die Diagnose: „Sie sind alt!“
„Ist das ansteckend, gar tödlich?“, will der Patient wissen.
Das muss der Arzt natürlich bejahen.
Was ihm sofort das Leben kostet, der Wolf verschlingt ihn.
Obwohl recht klein, liegt ihm der aber doch im Magen. Er leieieidet. Da kommt der Hase angehoppelt. Als täglicher Gast in der Ordination mit immer wieder anderen – echten und eingebildeten Krankheiten – hat er sich schon ordentlich viel medizinisches Wissen angeeignet, setzt vor allem auf natürliche Heilmittel. Er schickt den Wolf ins Bett, bringt ihm eine Wärmflasche. Und legt sich zu ihm.
Nach und nach kann er dem neuen Gefährten, irgendwie sogar Freund, sogar beibringen, dass der eben wirklich alt wird oder schon ist. Als er dem Wolf eine Brille übereicht, wundert der sich, was er alles (wieder) sieht – sogar die kleinen Waldameisen auf dem Boden. Aber nein, abfinden will er sich doch (noch?) nicht, er ist doch DER Ober-Bösewicht, wild und arg und überhaupt der, der im Märchenwald aufräumen muss.
Sein Aufbäumen, sein altes Gehabe, auch das Fortschicken des Hasen … – wenn der Körper nicht mehr so mitspielt!?
Schweren Herzens beginnt sich Wolf damit anzufreunden, im jetzigen Lebensabschnitt eine neue Aufgabe zu suchen. So hilft er dem Hasen die ärztliche Praxis zu übernehmen, nachdem’s im Märchenwald schon Tumult gibt, weil die Warteschlange der unbehandelten Patient:innen immer länger geworden ist. Mit immer gleichen Floskeln begrüßt der die „Kranken“, sogar einen in der Ordination eintrudelnden Baum 😉
Die beiden Spielerinnen des ¾-stündigen, kurzweiligen, abwechslungsreichen Stücks mit so mancher überraschenden Wendung (Regie: Sebastian Ryser; Dramaturgie: Dominik Busch, Musik: Roland Bucher, illustrierte Bilder, die nach und nach die Rahmen füllen: Lisa Walder) verraten Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… dass der Ausgangspunkt für „Wolf trifft Nager“ die eigene Frage „wie gut altern“ war. Daraus ergab sich aber nicht nur ein Stück zur Auseinandersetzung mit (eigenem) Altern, sondern so „nebenbei“ stellt sich rund um den Wolf auch das Hinterfragen der gängigen Rollenzuschreibung ein. Ist er so böse? Oder steht er gewaltig unter Druck, dem Bild entsprechen zu müssen oder wenigstens sollen, das alle anderen von ihm zeichnen? Schlägt sich das auf seinen Magen und die ganze Gesundheit?
Die Akteurinnen lüften übrigens auf Nachfrage auch das Geheimnis des Theaternamens „Gustavs Schwestern“: „Wir haben beide nur Schwestern und hätten uns immer einen großen Bruder gewünscht.“ Mit dem Gruppennamen „haben wir uns eben einen ausgedacht“.
Compliance-Hinweis: Die Berichterstattung kann nur erfolgen, weil das Festival „Jungspund“ Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … für vier Tage nach St. Gallen (Schweiz) eingeladen hat.
Figurentheater, Schauspiel, Schattenspiel
„Theater Gustavs Schwestern“: Sibylle Grüter und Jacqueline Surer
Ab 6 Jahren; ¾ Stunde
Spiel: Sibylle Grüter, Jaqueline Surer
Regie: Sebastian Ryser
Figuren, Ausstattung: Sybille Grüter
Dramaturgie: Dominik Busch
Musik: Roland Bucher
Illustrationen: Lisa Walder
Bühne: Peter Affentranger
Produktionsleitung: Jaqueline Surer
Auge von außen (dramaturgische Beratung): Christin Glauser
Theaterfestival für junges Publikum St. Gallen (Schweiz)
Bis 7. März 2026
jungspund.ch/
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