Besprechung weiterer Stück-Ausschnitte beim Schaufenster im Rahmen des Theaterfestival für junges Publikum in St. Gallen (Ostschweiz): Altersdiskriminierungen und Herz-Operation; Jungspund-KiJuKU-Berichte, Teil 8.
„Welches Alter?“ – „Unser Alter!“ Zu diesem knappen, prägnanten Dialog animiert Olivia Stauffer das Publikum am Ende des ungefähr zehnminütigen Ausschnitts von „Wen kümmert’s?!“ Dieser war – wie acht andere – am letzten Tag des Theaterfestivals für junges Publikum im Ostschweizer St. Gallen zu erleben. Bei „Jungspund“ ermöglicht das „Schaufenster“ Einblicke in neue (entstehende bzw. schon fertige) Stücke aus der Schweiz – KiJuKU berichte(e).
Altersdiskriminierung – meist gedanklich verknüpft mit Senior:innen (neudeutsch Ageismus genannt) wird vom uantuzten theaterkollektiv generell erweitert, vor allem auf die „Ränder“, sprich Kinder und Alte. Dafür arbeitete die Gruppe (Regie, Text: Jette Jantine Clasen, Theaterpädagogik: Wilma Schapp) in der Recherchephase partizipativ mit einer Schulklasse und einer Senior:innengruppe.
Viele dieser Erfahrungen setzt die Performerin (Bühnen- und Kostümbild: Jana Brändle) in Szenen vor allem mit Schaumstoffteilen um. Ein Stück zusammengerollt wird zum Baby, später „entfaltet“, zum Kind, das sie von ersten Trippelschritten bis hin zur Selbstständigkeit gehen lässt. Doch kaum wird die Figur jugendlich, ist es vorbei mit der „Herzigkeit“. Nach „Gratulation“ für die Pensionierung werden hier die Schaumstoff-Oldies – zumindest in diesem Ausschnitt – weniger diskriminiert als vielmehr überhäuft mit Gratis-Care-Aufgaben überhäuft.
Wie auch immer, diese sehr oft zentral gestellt Frage nach dem Alter bzw. entsprechende Schubladisierung, wird in „Wen kümmert’s!“ mehr als in Frage gestellt. Und lautstark in einer Demonstration aus vielen bunten zu einem Tableau zusammenmontierten bunten Kartonfiguren von der Spielerin über die Bühne getragen – samt animierender Einladung an Zuschauer:innen, Sprüche wie die eingangs zitierten gemeinsam zu skandieren. Schon davor wirft sie ein Klebeband und einen Stift ins Publikum – jede und jeder kann ein eigenes Wunschalter draufschreiben und sich an die Kleidung kleben. Wobei praktisch alle dann erst recht wieder eine Zahl draufschreiben und damit der Altersangabe erst recht wieder eine wichtige Bedeutung zumessen. Der Berichterstatter wollte – aber bis zu ihm in der letzten Reihe kamen Klebeband und Stift nicht – einfach ein Fragezeichen oder ein Smilie aufmalen 😉
Ort der Handlung: Ein Krankenhaus, konkret ein Operationssaal. Das Geschehen: Dringender Eingriff am Herzen eines Kindes.
Ganz schön heavy, was die Gruppe „Engel & Magorrian“ mit der neuesten Produktion „Im Härz“ ab 6-Jährigen bieten wird; das Stück ist noch in Entwicklung, beim Schaufenster wurde darüber nur erzählt und einige erste Szenen im Video gezeigt. Übrigens, in den Titel hat sich kein Tippfehler eingeschlichen, die Gruppe spielte auch die beiden vorherigen Stücke im und mit Dialekt – „Was macht ds Wätter?“, „Guet Nacht, Chuchi!
Emily Magorrian mit beruflich medizinischer Vorerfahrung und Luzius Engel haben das neue Stück konzipiert und führen Regie. Drei Schauspieler:innen – Luisa Wolf, Moritz Alfons und Annina Mosimann – werden zu Ärztin, Assistenzarzt und OP-Assistentin. Das zu operierende Kind ist eine große Puppe, gebaut von Ernestyna Orlowska, die auch für Kostüme und viele Objekte sorgt; Bühne: Linda Rothenbühler.
Der chirurgische Eingriff, bei dem so „nebenbei“ die eine oder andere wichtige Information über unseren zentralen Muskel transportiert werden, der unser aller Leben taktet, rückt die viel größere Dimension von Herz, pardon Härz, ins Zentrum: (Vor-)Lieben, Leidenschaften, Ängste … fördern die „Mediziner:innen“ in Gestalt von Objekten aus der jungen Patientin zutage – von Musikinstrumenten bis zu Schläuchen, über die das OP-Team nun mit dem Herz und damit dem Kind auf dem Operationstisch telefonieren.
Gerade das Spiel mit diesen Objekten verspricht den aus den beiden bisherigen Stücken bekannten Humor und Spielwitz auch in dieser ernsten Ausgangssituation wieder aufleben zu lassen.
Eine helle OP-Lampe wird sich übrigens in eine Art Lautsprecher verwandeln, über den eine Audiodeskription ertönt, mit der das Geschehen auch leicht verständlich erklärt wird, um auch nicht (so gut) sehenden Besucher:innen dieses Theatererlebnis zu ermöglichen. Gespielt wird – so die Ankündigung – mit wenig Text in Mundart, kann aber auch auf Deutsch, Französisch oder Englisch erfolgen.
Compliance-Hinweis: Die Berichterstattung kann nur erfolgen, weil das Festival „Jungspund“ Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … für vier Tage nach St. Gallen (Schweiz) eingeladen hat.
uantuzten theaterkollektiv; ab 6 Jahren
Performance, Theaterpädagogik: Olivia Stauffer
Bühnen- und Kostümbild: Jana Brändle
Regie, Text: Jette Jantine Clasen
Musik- und Klanggestaltung: Patricia Meier
Theaterpädagogik: Wilma Schapp
Outside-Eye: Melanie Guntern
Technik, Licht: Prisca Grandi
Mentoring: Anna Papst
Produktionsleitung: Fiona Schreier, Maria Rebecca Sautter
***
Engel & Magorrian; ab 6 Jahren
Konzept, Regie: Emily Magorrian
Konzept, Regie: Luzius Engel
Text: Matto Kämpf
Spiel: Luisa Wolf, Moritz Alfons, Annina Mosimann
Bühne: Linda Rothenbühler
Puppe, Objekte, Kostüme: Ernestyna Orlowska
Sounddesign, Komposition: Pascal Schärli
Dramaturgie: Nina Curcio
Außenauge Figurenspiel: Sebastian Ryser
Lichtdesign: Dave Schwander
Barrierefreiheit: Nina Mühlemann
Produktionsleitung: Irene Andreetto
Engel und Magorrian.ch
(allerdings noch nichts zu dieser Produktion auf der Hoemapge)
Theaterfestival für junges Publikum St. Gallen (Schweiz)
Jungspund.ch
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