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Szenenfoto aus "Renzo & Lucia"
Szenenfoto aus "Renzo & Lucia"
25.07.2026

Macht der – verbotenen – Liebe gegen autoritären Herrscher

Das jüngste „teatro“-Musical mit vielen neuen Darsteller:innen bringt einen italienischen, bei uns wenig bekannten, Klassiker ins Stadttheater Mödling.

„Verbotene Liebe“ und Italien – aber nein, nicht Romeo & Julia, auch nicht historisch laaaaange verbotene Liebe zwischen zwei Menschen des selben Geschlechts, sondern eine in Italien sehr, in Österreich kaum bekannte Geschichte steht auf dem sommerlichen Spielplan des Stadttheaters von Mödling (nah bei Wien).

Die Kinder- und Jugend-Musicalgruppe teatro, in der immer wieder auch neue junge Talente mit Profis das Publikum mit berührenden, bewegenden Produktionen begeistert, hatte den eben genannten Shakespeare’schen Klassiker in einer eigenen Version schon vor 12 Jahren gespielt, gesungen und getanzt. Hin und wieder wagt die Gruppe neben Versionen bekannter Stoffe auch Neues, un- oder weniger Bekanntes, also hierzulande. Und ein solches Werk wird in diesem Jahr – für das jugendliche und erwachsene – Publikum mitreißend in Szene gesetzt: „Renzo & Lucia“.

Die Story

Zusammengefasst der Kern der an sich sehr umfangreichen, weit verzweigten Story – der italienische Klassiker „I Promessi Sposi“ („Die Verlobten“ bzw. „Die Brautleute“ sind Titel von Übersetzungen ins Deutsche) von Alessandro Manzoni hat um die 1000 Seiten:

Die beiden Hauptfiguren, Titelgebend für die Musicalversion, lieben einander sehr, wollen heiraten. Doch Pfarrer Don Abbondio lehnt – überraschend und sozusagen in letzter Minute ab. Don Rodrigo, der Herrscher über das Gebiet – Herzogtum Mailand, das damals (die Handlung spielt 1628 – 1630) zu Spanien gehörte, will Lucia selber heiraten. Sie wollte und will nicht, er will sie entführen lassen.

Um dem zu entkommen, müssen die beiden flüchten, Lucia (Leonie Ungar) versteckt sich in einem Kloster. Wird dort aber von einer der Nonnen, Schwester Gertrude verraten und damit erst recht im Auftrag Don Rodrigos entführt. Von ihrer bedingungslosen Liebe angetan, lässt der „Namenlose“, der Kopf der Entführerbande, die Frau frei. Die erkrankt aber fast tödlich an der grassierenden Pest.

Renzo (Samuel Laffer) gerät auf seiner Flucht unter anderem in die „Brot-Aufstände“ der Massen, die in bitterster Not fast am Verhungern sind. Und auch er wird verraten – von einem Wirt. Muss weiter flüchten, findet Unterschlupf bei Verwandten in Bergamo. Erfärht dort vom Schicksal Lucias im Pest-Lazarett – und eilt dorthin nach Mailand.

Wie’s ausgeht, wird hier sicher nicht verraten.

Viele neue Mitwirkende

Harald Buresch ist es gelungen, aus den rund 1000 Seiten eine spielbare Fassung zu schreiben, für die teils Ohrwurm-Musik sorgten wie praktisch immer Intendant Norberto Bertassi himself und Walter Lochmann, der auch an einem von zwei Keyboards die Musiker:innen – Gitarre, Bass, Schlagzeug, Flöte, Klarinette, Saxophon, Trompete, Violoncello – leitet. Regie führte erstmals Alexander Hoffelner, der bisher in vielen teatro-Produktionen Darsteller war und die Choreografie leitete mit Nicolas Vinzenz ein bisher langjähriger Tänzer.

Ansonsten sind in der trotz ihrer komplexen Handlungsstränge klaren rund 2 ½-stündigen Inszenierung erstaunlich viele neuen Akteur:innen am Werk. Die meisten Darsteller:innen spielen, singen, tanzen das erste Mal mit teatro, etliche haben die Wiener MuK (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien).

Veränderungen

Die beiden interessantesten Figuren sind „natürlich“ Schwester Gertrude (Milena Lebus) und „Der Namenlose“ (Tilmann Risse). Ähnlich wie er – wie schon oben beschrieben – sich vom Bösewicht zum Guten weiterentwickelt, so wird auch sie von der Verräterin im Kloster zur helfenden – in dem Fall nun Kranken-Schwester – im Pest-Lazarett. Wobei sie in berührenden Gesangszeilen durchklingen lässt, dass ihre erste böse Tat gespeist war einerseits aus dem Frust überhaupt gegen ihren Willen ins Kloster gesteckt worden zu sein und andererseits aus Eifersucht gegen die wahrhaft Liebende.

„La sorella di Monza“

Die Rolle dieser Schwester Gertrude war letztlich auch „schuld“ daran, dass teatro heue dieses Musical auf die Bühne brachte. DEN italienischen Klassiker – nicht als Stück, sondern als viiiielseitigen Roman (je nach Übersetzungsversion an die bzw. mehr als 1000 Seiten) kannte der teatro-Gründer und Herzblut-Leiter Norberto Bertassi aber noch gar nicht aus seiner Kindheit – er lebte bis zu seinem 12. Lebensjahr in Italien, bevor er danach in Wien weiter aufwuchs, dort Jazz-Komposition und in New York Schauspiel studierte.

„In politischen Diskussionen im Fernsehen, die ich später verfolgt habe, ist immer wieder der Begriff „la sorella di Monza“ (Die Schwester aus Monza) gefallen“, erzählt er am Rande der Premiere von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… nach den Bewegründen für die Stückauswahl befragt. „Das hab ich zuerst nicht verstanden und dann hab ich mich schlau gemacht“, erzählt Bertassi die Anfänge wie es nun Jaaaahre später zu diesem Muscial gekommen ist. „Dann bin ich auf den Roman „I Promessi Sposi“ („Die Verlobten“, in einer anderen Übersetzung „Die Brautleute“) von Alessandro Manzoni gestoßen. In Italien kennen das fast alle Schülerinnen und Schüler. Und sie hassen es, nicht wegen der Geschichte, sondern weil sie das im Original lesen müssen – und das ist ein Italienisch aus vor 200 Jahren!“ (Die erste Fassung stammte von 1827, die spätere, endgültige, vom Lombardischen Dialekt bereinigte Version Manzonis entstand 1840 bis 1842.

Auflockerungen

Mit-fiebern – mitunter sozusagen nah an der Geschichte, etwa wenn Lucia im Pestlazarett dem Tod ins Auge blickt. Aber auch schon vorher, kann sie dem Machtbereich des Herrschers wirklich entfliehen? Schafft Renzo es trotz Verrats zu entkommen? … Spannung, mitreißender Gesang und ebensolche Tänze. Immer wieder Szenen, in denen die beiden einander nahekommen, aber sich doch nicht erreichen können. „Die Liebe (wird uns) finden“ schwebt als – auf T-Shirts gedruckter – Leitspruch über dem Bühnengeschehen. Aber keine leichte Kost. Tyrannischer, gieriger Herrscher, Pest, bitterste Armut. Flucht. Verrat…

Gut, dass die Inszenierung auch auflockernde Szenen einbaut. Für die herzhafteste sorgen die beiden jüngsten Darstellerinnen – Paoline Faerber (12) und Lea Hoffmann (11). Sie spielen die Schwestern Teresa und Margherita, Kinder von Renzos Cousin Bortolo und seiner Frau Sofia (Lisa Ernstbrunner). Im witzigen Schwestern-Streit heitern sie nicht nur den Verwandten auf, der hier Zuflucht findet, sondern vor allem bringen sie das Publikum mehrmals zu herzhaftem Lachen. Für Paoline ist es übrigens bereits ihre fünfte Sommersaison in einem teatro-Musical.

Simon Schober, erstmals bei teatro, bekannt vor allem von viiieln – auch preisgekrönten Stücken mit der Kompanie Freispiel,  schlüpft nicht in die Rolle des Renzo-Cousins Bortolo, sondern auch in die eines Paters (Cristoforo) und sorgt als betrunkener Gast in einer anderen Szene für heitere Momente.

Kostüme

Zu den „Neuen“ zählen nicht nur viele Darsteller:innen, sondern auch die Kostümbildnerinnen – hier und auch beim zweiten teatro-Sommer-Musical „Der kleine Prinz“ kam es zu einer intensiven Zusammenarbeit mit der Modeschule Michelbeuern. Für „Renzo & Lucia“ entwarfen die beiden Kolleg-Schülerinnen Ester Aulela und Marlies Dworak die Gewänder. „Jedes Kostüm sollte nicht nur zur Zeit und zum Ort passen, sondern die Geschichte der Figur, die es trägt, unmittelbar spürbar machen. Denn die Kostüme sind mehr als Ausstattung – sie sind ein visuelles Erzählmittel. Sie machen die scharfe Diskrepanz zwischen Armut und Reichtum sichtbar: schwere, dunkle Stoffe und abgetragene Silhouetten auf der einen Seite, aufwendigere Gewänder und klarere Farben auf der anderen. Sie spiegeln die Brutalität des Krieges und die allgegenwärtige Nähe zum Tod durch die Pest durch Details in Farbe, Textur und Verarbeitung“, schreiben sie fürs umfangreiche Programmheft. Und: „Ein besonderes Anliegen war Nachhaltigkeit. Einige Kostüme entstanden aus Stücken des Fundus, die neu gedacht und umgearbeitet wurden. Ergänzt wurden diese durch komplett neue Fertigungen mit Stoffen aus Überproduktionen und Restposten – Materialien, die sonst vielleicht nie ihren Weg auf eine Bühne gefunden hätten.“

Lob Goethes

Übrigens wird der wohl doch bekannte Dichter Johann Wolfgang Goethe im Vorwort der Übersetzung aus 1929 (Übersetzung: Daniel Lessmann) über den Roman „I Promessi Sposi“, den er von diesem mit eigenhändiger Widmung bekommen hatte, so zitiert, dass Manzonis Roman „alles überflügelt, was wir in dieser Art kennen. … Der Eindruck beim Lesen ist derart, dass man immer von der Berührung in die Bewunderung fällt und von der Bewunderung in die Rührung, so dass man aus einer von diesen beiden großen Wirkungen gar nicht herauskommt.“

Wobei das Vorwort dann doch auch relativiert: „Etwas später, nach Beendigung der Lektüre, schwächte Goethe sein Lob in etwas ab. Er meinte, dass die allzu breite und allzu genaue Darstellung der historischen Ereignisse der poetischen Wirkung Schaden tue.“

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romeo-und-julia-freestyle <– damals noch im Kinder-KURIER, Vorläufer von KiJuKU.at

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Renzo & Lucia – Die verbotene Liebe

Musical; teatro; 2½ Stunden (eine Pause)

Cast
Renzo: Samuel Laffer
Lucia: Leonie Ungar
Don Rodrigo: Babak Malekuadeh
Schwester Gertrude: Milena Lebus
Der Namenlose: Tilmann Risse
Piera: Carlotta Havener
Bortolo / Pater Cristoforo / betrunkener Gast / Ensemble: Simon Schober
Don Abbondio / verräterischer Wirt: Peter Faerber
Agnes: Ilse Persy
Perpetua: Samira Kossebau
Sofia: Lisa Ernstbrunner
Margherita: Lea Hoffmann
Teresa: Paoline Faerber
Bravo / Soldat / Pestarzt: Simon Langer
Bravo / Ensemble: Eliana Paul
Soldat / Ensemble: Tristan Kornfeind
Pestarzt / Ensemble: Marc Stierböck
Ensemble (Nonnen, Brot-Aufständische, Pestkranke…): Klara Khalil, Laura Feistl, Melissa Rüttinger, Elea Rupprich, Emma Wagner (Coverfoto Agnes)

Musik
Keyboard 1/ Musical Director: Walter Lochmann
Keyboard 2: Sandra Kugler / Bernhard Jaretz
Gitarre: Wilfried Modlik
Bass: Stephan Först / Tom Hierzberger
Drums: Wolfgang Wehner
Flöte: Katrin Weninger / Hanna Mikschicek
Klarinette, Saxophon: Sonja Equiluz
Trompete: Max Lukas Kobermann
Violoncello: Elisabeth Zeisner / Melissa Coleman

Team
Intendanz und Musik: Norberto Bertassi
Musikalische Arrangements und musikalische Leitung: Walter Lochmann
Buch: Harald Buresch
Regie: Alexander Hoffelner
Choreografie: Nicolas Vinzenz
Bühnenelemente: Sebastian Süss
Kostüme: Marlies Dworak und Ester Aulehla
Maske: Renate Harter
Technische Projektleitung / Sounddesign: Andreas Paul Strasser
Lichtdesign: Martin Fischerauer
Projektionen: Christian Ariel Heredia
Verfolger: Kevin Hofmann
Art Direction: Mick Gapp
Logistik / Bühnentechnik: Christoph Manß
Regieassistenz: Lisa Ernstbrunner
Regiehospitantinnen: Charlotte Korthals, Magdalena Draxler
Assistenz Maske: Ursula Riedl-Prenner

Wann & wo?

25./ 26. Juli 2026
1. / 2. August 2026
Stadttheater Mödling (bei Wien)
2340, Babenbergergasse 2
teatro –> Renzo & Lucia

Zu einer Einführung in das – bei uns wenig bekannte – Stück (verfasst vom Regisseur) geht es hier