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Kinder mehrerer Klassen besuchten eine der proben des stücks "Alle Kinder nach Kinderstadt" und sprachen danach mit den Theaterleuten
Kinder mehrerer Klassen besuchten eine der proben des stücks "Alle Kinder nach Kinderstadt" und sprachen danach mit den Theaterleuten
07.10.2026

Kinder treffen schon beim Eingang auf Schauspieler:innen

Probenbesuch von Volksschüler:innen und Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… bei „Alle Kinder nach Kinderstadt“ von Renate Welsh, mit dem das Theater der Jugend Neubaugasse die Saison für die Jüngeren eröffnet (ab 6 jahren; ab 10. Oktober 2026).

Nicht nur die Fassade, der Name, das Logo und Sitzbänke bei den Garderoben sind neu im Theater der Jugend in Wien. Schon der Beginn des ersten Stückes für die Jüngeren – in der Neubaugasse, vormals Renaissancetheater – präsentierte sich beim ersten Probenbesuch von Kindern bislang ungewohnt. Ein Schauspieler mit einer Art Bärenmaske auf den Kopf zurückgeschoben läuft zwischen den Wartenden hindurch. Er rennt vor seiner Enkelin davon. Offenbar um sich zu verstecken. Die kommt wenig später – und die meisten Kinder verraten, auch wenn er gebeten hat, es nicht zu tun, in welche Richtung sie rennen muss, um ihn doch zu finden.

Kinder mehrerer Klassen besuchten eine der proben des stücks "Alle Kinder nach Kinderstadt" und sprachen danach mit den Theaterleuten
Kinder mehrerer Klassen besuchten eine der proben des stücks „Alle Kinder nach Kinderstadt“ und sprachen danach mit den Theaterleuten…

Mutig, schlau oder müde?

Andere Schauspieler:innen fragen das Probenbesuchs-Publikum – und das wird dann auch bei den in wenigen Tagen beginnenden Vorstellungen der Fall sein, ob sie eher mutig, schlau, müde/schläfrig oder… sind. Und so werden alle gleich in die Grundgeschichte des Eröffnungsstücks reingezogen: „Alle Kinder nach Kinderstadt“.

Die bekannte österreichische Autorin Renate Welsh, die mehrere Dutzend Bücher, die meisten, aber bei weitem nicht alle, für junge Leser:innen – die bekanntesten sind sicher die vom „Vamperl“ schrieb – hat diesen knapp 100-seitigen Roman vor 52 Jahren veröffentlicht. Und dennoch ist er – fast tragischerweise – so aktuell:

Alle Bewohnerinnen und Bewohner von „Neustadt“, wo sich die Geschichte abspielt, werden getrennt in Kinder, Alte, sin solche, die Fußball, andere, die Tennis, dritte, die Schach spielen, wieder andere, die Bücher lesen, in Lehrer:innen – ohne Schüler:innen… alle kommen in eigene, abgeschlossene Stadtviertel mit Mauern drumherum und durchsichtigen Kunststoff-Kuppeldächern. Sozusagen Festungen oder „Blasen“ wie es heute oft heißt – alle in der eigenen Bubble. Keine Gespräche, keine Begegnungen mit anderen, kein Austausch, alle unter sich.

„Alles hat gefallen“, besonders aber…

Was nicht nur den meisten auch bald langweilig wird. Die Hauptfigur, das Mädchen Eva (gespielt von Lara-Luna Wojtkowiak), mag ihren Opa (Frank Engelhardt), auch wenn sie manches an ihm sehr alt und ein bisschen nervig findet, sehr. Und natürlich gibt’s ein Happy End, aber bis dahin… – spielen sich spannende 1½ Stunden ab.

Vielen Kindern mehrerer Klassen hat im Gespräch mit den Schauspieler:innen und dem Regisseur „alles gefallen“. Die Einführung einer Schauspielerin mit riesengroßem Finger, andere mit überdimensionalem Ohr und eine wandelnde Nase fanden viele lustig, manche auch ein wenig denkwürdig. Zum großen Finger, den Barča Baxant über ihrem ganzen rechten Arm trug, die sich als „sechster Sinn“ vorstellte, kam die Frag eines Volksschülers: „Aber wir haben doch nur fünf Sinne“. Und die Antwort des Regisseurs (Simon Windisch, der aus dem Roman auch die Bühnenfassung geschrieben hat): „Erstens ist der Finger ja auch keiner der Sinn und oft sagt man ja, wenn man etwas „nur“ spürt, das sei mit dem sechsten Sinn erahnt worden.“

Roboter und Tunnels

Viel Aufmerksamkeit – auch im anschließenden Gespräch einer dritten Klasse der Volksschule der Roboter, gesteuert vom Live-Musiker Aras Levni Seyhan. Ältere Semester könnte der vielleicht an alte Lautsprecherwagen erinnern, die wichtige Meldungen oder Werbung bei Fahren durch Gassen und Straßen kundgetan hat. Hier spricht er für den Stadtrat und seine Anordnungen. Fasziniert zeigt sich gegenüber Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Alina „von den Tunnels, durch die sich die Kinder aus der Kinderstadt rausgegraben haben und dass es einen ganz oben und andere zwischen den Sitzreihen gegeben hat“. Dem stimmten gleich etliche ihrer Mitschüler:innen zu. Adriano hat neben „alles“ noch besonders gefallen, wie der Opa am Anfang immer wieder weggelaufen ist.“ Andere fanden, dass er besonders am Schluss „gut gespielt hat, wie er in der durchsichtigen Kugel fast keine Luft bekommen hat“.

Dass sie alle eingeladen wurden, laut mit einzustimmen in eine Melodie, um diese Kugelhaut zum Zerreißen zu bringen, fanden die einen toll, wieder andere nicht so gut. Aber so soll’s ja wohl sein – verschiedene Meinungen in einer gemeinsamen Gruppe und nicht alle auseinander dividiert, in eigene Gruppen nur mit Gleichgesinnten eingesperrt…

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Hier unten geht’s zu einem Interview mit dem Regisseur des Stücks

titelseite des Romans "Alle Kinder nach Kinderstadt", erstmals erschienen 1974
titelseite des Romans „Alle Kinder nach Kinderstadt“, erstmals erschienen 1974
INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Alle Kinder nach Kinderstadt

Text: Renate Welsh
Bühnenfassung und Regie: Simon Windisch

Schauspiel
Eva: Lara-Luna Wojtkowiak
Evas 6ter Sinn: Barča Baxant
Evas Opa: Frank Engelhardt
„König“ Manfred: Una Nowak
Alexander: Stefan Rosenthal
Andrea: Kira Napadovskyy
Städte-Bewohner*innen u.a.: Ensemble
Live-Musik und Roboter-Fahrer: Aras Levni Seyhan

Bühne: Rosa Wallbrecher
Kostüm: Karoline Bierner
Dramaturgie: Michael Isenberg
Assistenz/Inspizienz: Natalie Ogris
Hospitanz: Ielizaveta Oliinyk

Springer:innen: Etienne Lestrange, Niels Karlson Hering

Wann & wo?

10. Oktober bis 15. November 2026
Theater der Jugend, Neubaugasse: 1070, Neubaugasse 36

tdj.at –> alle-kinder-nach-kinderstadt

Das Buch

Text: Renate Welsh
Illustration: Bulgatti
Alle Kinder nach Kinderstadt
90 Seiten
Verlag Jugend und Volk
nur mehr antiquarisch verfügbar bzw. zwei Exemplare bei den Büchereien Wien