Poetische, offensichtliche / scheinbare widersprüchliche Bilder in der perfromance „Dark Glowing“ (dunkel leuchtend) beim experimentellen zirkusfestival „on the Edge“ in Wien.
Zappenduster, ziemlich dunkle liegt der Bühnenraum vor dem Publikum. Noch leuchtet zu Beginn ziemlich nichts, wie es der Titel der Performance „Dark Glowing“ (dunkel leuchtend) ankündigt. Die Auflösung oder viel mehr sehr oft Gleichzeitigkeit des (scheinbaren) Widerspruchs zelebrieren Laurence Felber und Silvan Strübel durch ihren ungewöhnlichen Mix: Sie, die gelernte Trapezartistin – neben anderen Ausbildungen, u.a. Grafik – pendelt, schwebt, turnt auf einer Hochschaukel, er zupft zunächst dazu den Bass. So wie sie sich anfangs hoch oben in Slow Motion bewegt, so lässt er via Saiten die Töne in den Raum.
Später zieht sie im Tempo an, er wechselt zu E-Gitarre und dann auf Schlagzeug. sie steigt herab aus luftiger Höh‘ und spielt nun auch Bass, irgendwann zerlegen sie das Schlagzeug um es – unter ständigem weiteren trommeln – an anderer Stelle der Bühne wieder zusammen zu fügen.
Irgendwann Break – und sie ziehen sich Boxhandschuhe an, ordnen das Gespielte, Gesungene, Geturnte als Runde1 ein, der nun Runde 2 folgt. In der es genauso um alle möglichen Gefühle von Trauer, Angst, Wut bis Mut und Zuversicht geht. In poetisch-melodiösen Texten, mit immer wieder schrägen (Wort-)Bildern auf Englisch. Mehrmals geht’s um einen seltsamen kleinen Fisch, dem sie zusingen, er möge seine Angst nicht im Bauch verstehen, sondern ganz sanft schlucken.
In manchen Songs – manchmal mitten drin – wechseln sie in Schweizer Dialekte, meist Berndeutsch. Schön, die Sprachmelodie zu vernehmen, das Verstehen hält sich in Grenzen – trotz Nachlesens im am Ende käuflich erwerbbaren Songbook, da es kaum brauchbare Online-Übersetzungs-Tools gibt. Aber ein Schmankerl sei hier doch „verbraten“: „es gfronigs Härz i mim Buuch“ (das gefrorene / eiskalte Herz in meinem Bauch).
Dass Worte auch ziemlich verletzen können, schreibt sie mit Kreide auf die zwischenzeitlich aufgestellte dicke Fall-Matte unter der Hochschaukel. Auf Englisch erinnert sie sich daran, wie sie von verletzenden Worten zu Boden geworfen wurde. Um die Matte wieder hinzulegen, hinaufzuturnen und sich immer wieder fallen zu lassen, bis die Schrift verwischt ist…
Wird fortgesetzt
Konzeption: Laurence Felber, Silvan Strübel, Caroline Schenk
Darsteller:innen: Laurence Felber, Silvan Strübel
Musik, Texte: Laurence Felber, Silvan Strübel
Künstlerische Begleitung / Außenperspektive: Caroline Schenk
Stimmcoaching: Jasmin Albash
Lichtdesign / Technik: Savino Caruso
Tondesign / Technik: Silvan Schmid, Lionel Darbellay
Kostüme: Sandra Frank, Laurence Felber
Bühnenbau: Valentin Felber
Grafikdesign, Produktion: Laurence Felber
Sonntag, 8. November 2026
21 – 22 Uhr
Theater am Werk/ Meidling (Kabelwerk)
1120, Oswaldgasse 35 A
theater-am-werk –> dark-glowing
festival für experimentelle zirkuskunst
Bis 13. November 2026
ontheedge –> programm-2026
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