Performance „Prinz*in – Was wäre, wenn du sein kannst, wer du willst“ beim Theaterfestival für junges Publikum in St. Gallen (Schweiz); Teil 3 der KiJuKU-Berichte von Jungspund.
Düster und dunkel liegt sie da die Bühne, ein wenig Theaterrauch von der Seite. Zentral ein riesiges Irgendwas, irgendwie bedrohlich und dann doch wieder nicht ganz so, denn das große viereckige, hochkantige Ding hat den Anschein einer stofflichen „Haut“ mit Augen- oder Gucklöchern. Dahinter eine Anmutung von Schlachtenlärm, Kampfschreien, Metallgeklirr. Und dann der Held oben auf dieser Burg, der sich als Drachentöter outet. Einerseits.
Und andererseits beginnt Rotz und Wasser zu heulen, „ich bin doch Vegetarier!“ als nächsten Satz zur eben verkündeten Handlung. Und außerdem sei ihm urkalt, der Hintern tue ihm vom vielen Reiten weh und die metallene Krone drückt auf seinen Glatzkopf.
… genau, um dieses „überhaupt“ dreht sich die rund 1¼-stündigen fast durchgängige Solo-Performance „Prinz*in“ des „Luki*ju theaters luzern“ von und mit Kim Emanuel Stadelmann, die er jüngst bei „Jungspund“, dem Theaterfestival für junges Publikum im Schweizer St. Gallen spielte, und die er gemeinsam mit einem großen Team entwickelt hat – aber wesentlich ausgeht von seiner höchstpersönlichen Geschichte (Regie: Beatrice Fleischlin).
Er liebe es auf der Bühne zu stehen – und das schon von frühen Kindesbeinen an; beginnend in einem Ballettkurs. Wobei ihm noch viel wichtiger als der Tanz zur Musik der Traum vom rosa Tütü war. Das er, offenbar weil Junge, nicht einmal zur Aufführung bekam, sondern nur in grauer Strumpfhose und ebensolchem T-Shirt tanzen musste. Als er dann einmal zum Geburtstag doch das Röckchen kriegt, brauchte er auch den Ballettunterricht nicht mehr, tanzte mehr oder minder Tag und Nacht zu Hause „nur“ für sich.
Und er schlüpft bei seiner szenischen Erzählung immer wieder in die unterschiedlichsten Figuren, nicht zuletzt die von Tieren, vor allem aber immer mehr in die Phasen seiner eigenen weiteren Geschichte – erster Liebesbriefe in der vierten Klasse Grundschule, weil alle das taten und zwei Jahre später in die der eigenen wirklichen Verliebtheit – in Matteo.
Mit dem Outing als queer beginnen in dem Dorf, in dem er lebte, schreckliche und schmerzhafte Mobbingjahre, die Kim Emanuel Stadelmann schauspielerisch und tänzerisch in immer wieder fantasievollen Kostümen (Kostüme, Ausstattung: Diana Ammann) berührend nachvollziehbar darstellt. Samt der Rettung dadurch, dass er in der nächsten Stadt einen Klub entdeckt, in dem er merkt, er ist nicht allein. Es gibt auch andere junge Menschen, die nicht in die von vielen verlangte Norm fallen – und das ist ganz „normal“.
Außerdem liebt er vor allem Pflanzen – UND eine Gießkanne, die immer wieder hinter anderen Türen des vielteiligen Schranks auftaucht und noch eine riesengroße Überraschung parat hat. Neben den stark wandlungsfähigen Szenen – bis hin zu einer poetische Bilder erzeugenden leicht-luftig schwebenden Wolke (Bühne, Ausstattung: Isabelle Mauchle) – ertönen immer wieder aus dem Off die Stimmen vor allem von Kindern und Jugendlichen aus Dutzenden Interviews.
Mit dem gegen Schluss mehrfach inszenierten und gesagten Wunsch, der dem Stück „Prinz*in“ auch den Untertitel gab: „Was wäre, wenn du sein kannst, wer du willst“, egal ob Mensch, Tier, Pflanze oder was auch immer, sogar etwas, wofür es noch gar keinen Namen gibt.
Ganz am Ende betont Kim Emanuel Stadelmann übrigens noch extra überschwänglich, „Prinz*in, das bin nicht nur ich, das sind auch … und dann beginnt er aufzuzählen von der Regisseurin Beatrice Fleischlin über Dramaturgie Anton Kuzema, musikalische Leitung und Komposition Rosanna Zünd, Bühne: Isabelle Mauchle, Kostüme: Diana Ammann, technische Leitung: Pablo Stadler, Savino Caruso, Unterstützung beim Licht: Savino Caruso, theaterpädagogische Mitarbeit: Nicole Davi, fachliche Beratung: Hannes Rudolph bis hin zu Produktionsleitung: Nadja Bürgi und ihre Mitarbeiterinnen Klara Förster, Catherine Claessen“ und insgesamt geht ihm das Herz dabei fast über vor so viel Dankbarkeit nicht zuletzt auch fürs Publikum.
Compliance-Hinweis: Die Berichterstattung kann nur erfolgen, weil das Festival „Jungspund“ Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … für vier Tage nach St. Gallen (Schweiz) eingeladen hat.
Luki*ju theater luzern – Koproduktion Kleintheater Luzern, Vorstadttheater Basel
Ab 9 Jahren; 1¼ Stunden
Künstlerische Leitung, Performance: Kim Emanuel Stadelmann
Stückentwicklung: Ensemble
Regie: Beatrice Fleischlin
Dramaturgie: Anton Kuzema
Musikalische Leitung, Komposition: Rosanna Zünd
Bühne, Ausstattung, Grafik: Isabelle Mauchle
Kostüme, Ausstattung: Diana Ammann
Technische Leitung: Pablo Stadler, Savino Caruso
Unterstützung Licht: Savino Caruso
Auge von außen (dramaturgische Beratung), Theaterpädagogische Mitarbeit: Nicole Davi
Auge von außen (dramaturgische Beratung), fachliche Beratung: Hannes Rudolph
Produktionsleitung: Nadja Bürgi
Mitarbeit Produktionsleitung: Klara Förster, Catherine Claessen
KV Lernende: Tabita Nina Bürgi
bandcamp –> prinz-in-original-soundtrack
Bis 7. März 2026
jungspund.ch/
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen