Kürzlich hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… ein kunterbuntes Bilderbuch über die faszinierende Welt der Zahlen hier vorgestellt – von einer Künstlerin aus Mexiko; Link zu dieser Buchbesprechung am Ende dieses Beitrages.
Im selben Verlag ( Baobab Books) ist kürzlich ein ebenso farben-frohes Bilderbuch über Buchstaben erschienen – von zwei Künstlerinnen, die eine aus Chile (Autorin) und die andere aus Peru (Illustratorin). Da turnt eine Akrobatin im Handstand auf dem Titelbild auf dem rechten Pfeiler eines großen U während sie ein Bein hinter den geschwungenen Bogen des unteren R-Strichs schiebt und mit dem anderen Bein die Balance zwischen linken R-Strich und dem Loch dieses Buchstabens sucht. Auf der Rückseite des Buches reitet eine Artistin auf dem sogenannten kaufmännischen und &, das von einer anderen Turnerin hochgehalten wird.
„Der Buchstabenzirkus“ – geschrieben von Paulina Jara (Übersetzungen aus dem Spanischen: Eva Roth) und illustriert von Fátima Ordinola verbindet fröhliche Farben mit der Lust auf spielerisches Entdecken von Buchstaben – der Basis für geschriebene Sprache und damit Geschichten. Solche haben Autorin und Illustratorin in die oft nur wenigen Buchstaben der Doppelseiten verpackt. Das beginnt schon auf der ersten der Doppelseiten in den beiden Sprachen – Spanisch und Deutsch. Neben dem Text „Willkommen zum großen Spektakel… zum Buchstabenfest…“ balanciert ein Zirkuskünstler die Buchstaben A, H, zwei L und O – woraus sich sowohl „hallo“ als auch das spanische hola (sprich ola) bauen lässt.
Auf einer anderen Doppelseite „bläst sich ein O „vor Lachen auf“ – und macht damit Platz für eine artistische Person in einer Art Rhönrad.
Die Künstlerinnen versetzen sich – und damit auch dich – an anderer Stelle aber auch in die Welt einiger Buchstaben selbst: „Nun erleben Sie mit, wie sich das große B in ein kleines d verwandelt: Es lässt seinen Bauch und die Brust fallen … und setzt den Bauch am Hintern wieder an! Da hüpft das kleine d davon.“
Und sie nehmen die bei manchen vielleicht vorhandene Angst vor Buchstaben, Wörtern, Texten, wenn es an anderer Stelle – einer Doppelseite mit vielen großen, ineinander ragenden Buchstaben – heißt: „Keine Angst: Wenn einer fällt, landet er auf dem weichen Gummi. Dieser radiert jeden Fehltritt weg und biegt krumme Striche gerade.“
Paulina Jara, die Autorin ist auch Pädagogin, die rund 40 Kinder- und Jugendbücher verfasst hat und sich der Leseförderung widmet, der Buchstabenzirkus – der im spanischen Original „Las letras equilibristas“ heißt, ist das erste, das auf Deutsch übersetzt wurde. Equilibristas steht übrigens für Seiltänzer bzw. Balance-Künstlere:innen; letzteres wird auch im Zirkus verwendet – Equilibristik werden akrobatische Balanceakte in der Manege genannt.
Faszinierende, magische Bilder erschafft der Zirkuskünstler, Puppenspieler und irgendwie auch Clown – ohne roter Nase – Jesús Velasco Otero von der Gruppe Xampatito Pato mit seinen kleinen und großen Figuren bzw. einzelnen Körperteilen solcher, vor allem Köpfe und Hände.
Ob lebensgroße Puppen aus Stoff, hölzerne Gliederpuppen, die er auf Drehtellern tanzen oder an Seilen klettern lässt. Oder Köpfe, die Jonglierbälle ausspucken, sechs Hände, die er per Füße-Pedale bedient, um mit seinen eigenen Händen und diesen künstlichen Armen hin und her zu jonglieren …
Ob meisterhaft perfekt oder kunstvoll und exakt vorgeblich zu scheitern wie bei einer der beiden lebensgroßen Stoff-Puppen, die er ab einem gewissen Zeitpunkt in sich zusammensinken lässt – um ihre „Bewegungen“ nachzuahmen… das Gastspiel aus Spanien beim internationalen Theaterfestival für junges Publikum spleen*graz begeisterte durch sein handwerkliches Geschick, das staunen lässt. Dazu würzt der Künstler immer wieder auch mit humorvollen Elementen, vor allem Blicken und Gesten oder überraschenden Einlagen – etwa an einer Bilderwand, durch die er seinen Kopf steckt und im Rhythmus der Musik die Münder von Figuren bewegt.
Und dennoch hat sein wortloses Stück „Compaña“ noch eine traurige Komponente: Da werkt einer in höchster Perfektion, um sich so etwas wie Gefährt:innen, Begleiter:innen zu erschaffen, um seine Einsamkeit zu überwinden. Aber gleichzeitig vermittelt er damit wiederum die Faszination, mit Kreativität und viel Übung, andere hochwertig zu unterhalten.
Compliance-Hinweis: Das Festival spleen*graz hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … für drei Tage zur Berichterstattung nach Graz eingeladen.
In Neu Marx, einige Gehminuten vom Media-Quarter, auf dem noch das große Logo der zu Tode gebrachten Wiener Zeitung prangt, stehen das große und einige kleinere Zelte von Circus Louis Knie, dahinter Wohnwägen, es riecht nach Pferden. Künstler:innen in Glitzerkostümen unterstreichen traditionelle Zirkus-Atmosphäre; bzw. unterstreichen sie. Clown Jimmy Folco sorgt für Späße, Moderation und sammelt einige der Artist:innen für die Fotos und Videos der Journalist:innen, die am Vortag der Premiere des Programms „It’s Showtime“ (1. September bis – vorläufig – 5. November 2023, Details siehe Info-Box am Ende des Beitrages) eingeladen worden sind.
Im Programm, das am 1. September 2023 Premiere hat, wird Jimmy aus italien – so die Ankündigung – neben Clownerie auch Jonglage, Zauberei und Akrobatik zeigen. Bis zu sieben glänzende große Hula-Hoop-Reifen lässt die aus Prag kommende Nicole Berousek an Armen, Beinen und Hals kreisen lassen. Außerdem wird sie mit Hunden auftreten.
Noch immer kommen viele Zirkusartist:innen aus Familien für die seit Generationen Manegen ihre Arbeitsplätze sind. Der Zirkusdirektor himself blickt auf 200 Jahre Circus Knie zurück. Ludmilla Valla-Bertini ist die Akrobatin in achter Generation. Sie liegt auf dem Rücken und lässt Tücher auf Füßen und Händen kreisend schweben.
Vioris Zoppis (22 Jahre) vollführt Spagat und noch krassere Kunststücke in luftiger Höhe. Er hat schon einen „Golden Clown“ beim internationalen Zirkusfestival von Monte Carlo gewonnen. Es wird nicht seine letzte Auszeichnung sein.
Neben traditionellen Nummern, zu denen auch Louis Knies klassischer Auftritt mit Pferden gehört, sorgen auch jungen BMX-Fahrer aus der Ukraine für atemberaubende Auftritte. Petro und Dima zeigten nicht nur rasante Schanzenfahrten, Sprünge auf dem Hinterrad auf selbst eine kleinste Plattform. Hin, her, kreuz und quer springt einer der Rad-Artisten über den auf dem Boden liegenden Kollegen. Und das unzählige Male.
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