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Das Gemälde Eleonores mit ihrem Sohn Joseph. Um ihren Kopf herum ist deutlich der Leinwand-Flicken zu erkennen, der auf eine Wiedereinsetzung ihres Hauptes, nach vorherigem Entfernen, schließen lässt.

Das Geheimnis hinter dem Vampirismus

Jan, der als Komparse in einem Vampirfilm mitspielen darf ist ebenso erfunden wie seine Tante Amalie, eine Schlossbesitzerin. Nicht irgendeine, sondern Eigentümerin jenes adeligen Wohnsitzes in Český Krumlov (Krumau, im böhmischen Teil Tschechiens). Die Rahmenhandlung hat sich der Jugendbuchautor Robert Klement ausgedacht, um die Handlung seines jüngsten Romans um „Vampirismus“ zu bauen.

Auf dem besagten Schloss lebte unter anderem Fürstin Eleonore Schwarzenberg (1682 bis 1741). Und die geistert als „Vampirprinzessin“ durch viel Geschichten. Zu ihren Lebzeiten, insbesondere nachdem ihr Ehemann bei einer Jagd vom damaligen Kaiser (Karl VI.) erschossen wurde, verdichteten sich die Gerüchte, sie stehe mit dem Jenseits in Verbindung, hatte sie doch Wolfsmilch getrunken, um einen Sohn zu gebären.

Mobbingopfer

Ausgegrenzt, an den Rand gedrängt, in Einsamkeit und Wahnsinn getrieben (heute würde Mobbingopfer das passende Wort sein), konnte sie ihrem Sohn Josef Adam, der ihr vom Kaiserhaus in Wien weggenommen wurde, um ihn in der Hauptstadt der großen Monarchie zu erziehen, nur mehr Schulden hinterlassen.

Diese wahren Geschichten baut Klement ebenso organisch in die eingangs angesprochen Rahmenhandlung ein, wie Schilderungen nächtlicher Aktionen auf dem örtlichen Friedhof mit Ausbuddeln von Leichen. Verstorbenen, die verdächtigt wurden, Vampire zu sein, wurden Pfähle ins Herz getrieben, anderen die Köpfe abgeschnitten, dritte verbrannt.

Und das gab es wirklich zuhauf in der Monarchie. Darauf stieß der Autor bei der Recherche für sein voriges Jugendbuch „Laras Vampir“ (Link zur Buchbesprechung nach diesem Absatz). Das hatte er im klassischen Vampir-(Film-)Land Rumänien angesiedelt – und es mit den sprichwörtlichen Blutsaugern, die Armut erzeugen – verknüpft.

Folgeprojekt

„Man kann sagen, dass „Untot – Die Vampirprinzessin“ ein Folgebuch des vorigen ist“, sagt Klement im Telefoninterview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „Als ich damals in Rumänien recherchiert habe, ist mir die Vampirhysterie in der Habsburgermonarchie bewusst geworden. In Serbien wurden reihenweise Gräber geöffnet, Leichen geschändet, weil Tote beschuldigt, Vampire zu sein, ihre Körper zerstückelt, gepfählt oder verbrannt. Das ging aber auch quer durch das Kaiserreich bis Böhmen und Prag. Es war eine regelrechte Hysterie, die erst mit dem sogenannten Vampirerlass von Kaiserin Maria Theresia 1755 dezidiert verboten worden ist.“

Anlass für den Erlass war, dass sich bei der Monarchin Beschwerden von Bürgermeistern und Pfarrern über aufgerissene Gräber gehäuft haben. „Die aufgeklärte Kaiserin hat das grauenvoll gefunden“, so der Autor. Die Ankündigung dieses Erlasses bettet Klement in „Untot“ im vorletzten Kapitel ein in die beschwerliche Kutschenfahrt von Maria Theresias Leibarzt Gerard von Swieten mit seinem damaligen Studenten Anton Störck, um den Gerüchten gegen Eleonore auf den Grund zu gehen und aufzuklären, dass es sich eben um Gerüchte handelt, um eine Hysterie, die heute wohl mit dem Begriff Verschwörungstheorie bezeichnet werden würde/könnte.

Das berühmte Schloss Český Krumlov (Krumau)
Das berühmte Schloss Český Krumlov (Krumau)

Wissenschaft

Der berühmte Arzt versuchte einfach zu erklären. „Es gibt für alle diese Erscheinungen eine medizinische Erklärung…. Die Fingernägel wachsen nicht, … die Haut schrumpft, dadurch erscheinen die Fingernägel länger…“ wird als eines von mehreren Beispielen im besagten Kapitel angesprochen.

Der Autor stellt aber auch den Vampirglauben in einen gesellschaftlichen Zusammenhang, Armut, Kriegsdienst, Ausbeutung der Bauernschaft durch die Adeligen… schildert er in Szenen von – ebenfalls erfundenen Figuren wie Milan und Marie, in die er aber viel aus der Literatur Recherchiertes über das damalige reale Leben der einfachen Menschen gepackt hat. Und die Reaktionen lässt er van Swieten in Sätzen wie diesen zusammenfassen: „Wir leben in erhitzten Zeiten… da suchen die einfachen Leute nach Schuldigen, Sündenböcken und nach vereinfachenden Erklärungen“ und lässt ihn solche zu Sündenböcken gestempelten Menschengruppen aufzählen wie Juden, Hexen und eben aktuell – im Zeitraum, in dem die Handlung angesiedelt ist – Vampire.

Vorlage für Dracula?

Robert Klement führt im Anhang seines knapp mehr als 100-seitigen spannenden aufklärerischen Abenteuerromans Bücher und Dokus an, die er als Quellen zu Rate gezogen hat, um seine Eindrücke aus einem Aufenthalt rund um das besagt Schloss zu ergänzen/unterfüttern. Dazu zählt unter anderem der Dokumentarfilm „Die Vampirprinzessin“ (Koproduktion ORF; Arte, ZDF…) von vor rund 15 Jahren. In diesem wurde erstmals die Theorie des Wiener Medienwissenschafters Rainer Maria Köppl vorgestellt, dass eigentlich Eleonore Schwarzenberg die Inspiration für Bram Stokers berühmten Roman „Dracula“ gewesen wäre.

In Österreich: An Wissenschaft eher uninteressiert als skeptisch

„Das Desinteresse an Wissenschaft dürfte in Österreich ausgeprägter sein als die Wissenschaftsskepsis. Das zeigen erste Ergebnisse einer vom Bildungsministerium beauftragten Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) über Ursachen von Wissenschafts- und Demokratieskepsis“, schreib orf.at am 3. Jänner 2023. „Desinteresse dürfe nicht mit Skepsis gleichgesetzt werden, das Vertrauen in Wissenschaft sei hierzulande im Zeitverlauf hoch und konstant, so Studienleiter Johannes Starkbaum (IHS).“

Relativ viele Menschen in Österreich stimmen demnach wissenschaftsskeptischen oder verschwörungstheoretischen Aussagen zu, „etwa dass der Klimawandel natürlichen Ursprungs sei (31 Prozent Zustimmung), Viren im Labor erzeugt werden, um die Bevölkerung zu kontrollieren (23 Prozent) oder Ergebnisse der Krebsforschung zu kommerziellen Zwecken zurückgehalten werden (21 Prozent). „Aber nur eine vergleichsweise kleine Gruppe – sechs Prozent – stimmen allen drei Aussagen zu“, so der genannte Wissenschafter – Zur ausführlichen orf.at-Story geht es hier

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Titelsetie des Jugendromans
Titelsetie des Jugendromans „Untot – Die Vampirprinzessin“
Ausschnitt aus der Titelseite des Jugendromans "Allein auf dem Meer"

In diesem Abenteuerroman schwingen reale Tragödien mit

Bill, rund 16-jähriger Engländer, ist mit Kumpels auf einem Segelboot in der Nähe der kanarischen Inseln (gehören zu Spanien und befinden sich vor der Nordwestküste Afrikas – sozusagen neben Marokko). Ein heftiger Sturm kommt auf, alle werden über Bord gespült. Bill schafft es nicht ins Rettungsboot mit den anderen. Aber allein in eines.

Tags brennt die Sonne runter, Nahrung und Wasser konnte er nur wenig retten. Irgendwie todgeweiht. Aber klar auch wieder nicht, was wäre dann die mit den restlichen gut 260 Seiten?!

Nach Tagen entdeckt er ein irgendetwas aus Fetzen – rudert näher und sieht: Ein Mädchen auf einer schwimmenden Tonne. Ab nun sind sie zu zweit unterwegs: Bill und Aya. Erfinden eine Methode mit einer Falsche und Hilfe der Sonne trinkbares Wasser aus dem Salzwasser zu machen. Die Versuche, Fische zu angeln, scheitern anfangs. Sollen sie’s übers Herz bringen, eine Meeresschildkröte, die sie fangen können, zu töten?

Tausend und eine Nacht

Sie wollen und müssen überleben. Die Kommunikation ist auch nicht einfach – verschiedene Sprachen. Aber auch das überwinden sie. Aya, die Französisch und eine Berbersprache kann, frischt ihr Englisch zunehmend auf und lernt rasend schnell dazu. Und sie ist es, die mit Erzählungen der Scheherazade (Tausend und eine Nacht) auch für spannende Abwechslung im täglichen und nächtlichen Überlebenskampf sorgt – und damit diesen Geschichten auch noch einmal die ursprüngliche Dimension verleiht.

Nach Taaagen erreichen sie eine Insel. Rettung? Und sie sind nicht allein da. Was nicht nur Hoffnung bereitet, sondern neue, ganz andere Ängste schürt. Und Konflikte bringt. Heftige.

Keine Hilfe in Sicht

Dass sie irgendwer findet – kein Flugzeug am Himmel zu sehen, kein Schiff weit und breit auch nur annähernd in Sichtweite der Insel. Also, doch wieder hinaus aufs Meer?

Die fast 270 Seiten von „Allein auf dem Meer“ bringen alle paar Seiten eine oft unerwartete Wendung in der abenteuerlichen Geschichte. Natürlich scheint von Anfang an festzustehen, dass zumindest der europäische Protagonist überleben wird. Aber wie? Und was ist mit Aya? Welches Geheimnis hat sie – auch vor Bill. Und wird auch sie überleben?

Und – wie geht es Menschen, auch Jugendlichen, die solches nicht nur in einem Abenteuerroman für junge Leser:innen erleben, sondern in echt – real auf Flüchtlingsbooten sei es im Mittelmeer aus Nordafrika in der Hoffnung, Europa zu erreichen, oder von der Türkei aus, oder durchaus auch von Westafrika auf die kanarischen Inseln?!

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Titelseite des Jugendromans
Titelseite des Jugendromans „Allein auf dem Meer“