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„Merhaba, Nasılsın“, startete Niklas Sieberer von den Hertha-Firnberg Schulen für Wirtschaft und Tourismus in Wien-Donaustadt (22. Bezirk) seine Rede bei „Sag’s Multi!“ im ORF-Zentrum am Küniglberg am Faschingsdienstag (17. Februar 2026). Und setzte gleich verschmitzt fort: „Ich hoffe, zwei Wörter in einer dritten Sprache verstoßen nicht gegen die Regeln.“
Trotz einiger Neuerungen im 17. Durchgang des mehrsprachigen Redebewerbs, die nun mehr Wert auf Wettbewerb legt – siehe Info-Box – bleibt nach wie vor: Die Rede muss in einer anderen – ob mitgebrachter oder erlernter – Sprache und in Deutsch gehalten werden. Und Sieberer hatte sich für Französisch (erlernt) entschieden. Obwohl, wie er in der Rede ausführte, er auch Türkisch lernt – aus eigenem Antrieb, auf eigene Faust und privat, weil dies im österreichischen Bildungssystem in praktisch kaum einer Schule angeboten wird.
Und genau dies kritisierte er auch, dass die Sprachen, die unterrichtet werden, alle sehr verwandt sind – von Latein über Französisch bis Spanisch oder Italienisch und nicht zuletzt Latein. Er vermisse, gerade, wenn immer wieder von Vielfalt und Diversität gesprochen werde, diese in der schulischen Sprachen-Praxis- Sprachen eben aus ganz anderen Sprachfamilien, ob eben Türkisch, Arabisch, Serbisch beispielsweise.
Die Jury nahm ihm offensichtlich weder die beiden türkischen noch eingeflochtene spanische und lateinische Wörter übel und kürte ihn zum Dritten des Wiener Tages der nunmehr Speech Masters genannten älteren Kategorie (9. bis 13. Schulstufe).
…. Bringen Schüler:innen, aber auch Lehrer:innen der kaufmännischen Schulen des bfi (Bildung. Freude Inklusive, vormals Berufsförderungsinstitut) Wien mit. Die 3bk begleitete eine Mitschülerin, Meryem Çetinkaya, die es als eine von 30 aus Wiener Schulen zu den Speech Masters dieses Bundeslandes geschafft hatte. Und versprachen, zumindest dem Journalisten von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… beim Gruppenfoto hinter dem Redepult in der Pause: „Nächstes Jahr treten sicher mehrere von uns an. Albanisch, Bosnisch, Pashto, Polnisch, Punjabi, Russisch, Slowakisch, Spanisch, Tschetschenisch, Türkisch“, nennen sie als mögliche Antrittssprachen neben Deutsch sowieso.
Türkisch ist übrigens auch die Sprache, in der ihre Mitschülerin über ihre Generation sprach – zwischen Hoffnungsträger:innen und Sorgenkindern. Wie auch einige anderer Redner:innen dieses Tages widmete sie sich den Erwartungen an heutige Jugendliche mit dem daraus sich ergebenden Druck und den vielfältigen Krisen, die vorherige Generationen den heute jungen Leuten noch dazu aufbürden. „Unsere Last ist eine andere, aber nicht weniger ernste.“
Diese Generation fordere und wolle Gerechtigkeit und Veränderung einerseits und andererseits spreche sie als erste so offen mentale Ängste an- und aus, was von Stärke zeige. „Wir sind keine verlorene Generation, wir stellen Fragen… Wir sind Hoffnungsträger:innen mit Sorgen, keine Sorgenkinder.“
Sie selber wolle Lehrerin – für wirtschaftliche Fächer an einer Handelsakademie werden, um selber auch Vorbild für künftige Jugendliche sein zu können.
Aus der selben Schule, aber einer anderen Klasse, kommt Yazan Fran, der Stunden später an der Reihe war – KiJuKU.at wird alle 30 Redner:innen hier zu Wort und Bild kommen lassen, aber in mehreren Beiträgen, verstreut über mehrere Tage, da erfahrungsgemäß nur wenige uuuurlange Beiträge bis weit hinunter-scrollen.
Dieser Jugendliche, der bereits öfter bei Sag’s Multi angetreten ist, verwendete neben Deutsch seine Erstsprache Arabisch.
Und er verpackte seine Botschaft gegen Hass und für ein Miteinander in (s)eine Geschichte. Als Zehnjähriger musste er mit seiner Familie das eigene Zuhause in Syrien verlassen.an seinem ersten Schultag in Österreich verstand er kein Wort, fühlte sich ausgeschlossen. Doch wenige Tage später fragte ihn eine Mitschülerin, ob er Hilfe bei der Hausübung brauche. Anfangs sei er misstrauisch gewesen, doch dann fühlte er, dass sie es ehrlich meinte. Und so half sie ihm, nicht nur mehr zu verstehen, sondern auch das Gefühl der Ausgrenzung zu überwinden.
Zuhören, statt urteilen, helfen, statt verletzen, versuchen zu verstehen, statt wegzuschauen – das seien die Mittel und Wege, damit kein Kind mehr in der letzten Reihe Angst haben müsse, nicht dazu zu gehören, denn Vielfalt ist keine Schwäche, sondern die größte Stärke.
Seine Rede begeisterte die Jury noch mehr als dies alle anderen auch schon taten, was sie alle vor große Herausforderungen stellte. Und obwohl Yazan Fran mehrmals – auch in der Pause zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… meinte, „es geht nicht ums Gewinnen, mir ist wichtig, den Zuhörerinnen und Zuhörern meine Botschaft sagen zu dürfen“- muss bzw. darf er als Wien-Sieger der Speech-Masters beim Finale im Wiener Rathaus eine neue Rede vorbereiten.
Weil es thematisch – leider – gut passt, sei hier gleich auch noch Sham Alhamdani (BORG 15, Arabisch) mit ihrer Rede vorgestellt. Sie und ihre Familie lebte in Damaskus (Hauptstadt von Syrien) in einem großen Haus. „Mitten im Unterricht kamen Männer mit schwarzen Masken, schossen, töten einige Mitschüler:innen… die Stadt war voller Rauch, Straßen rochen nach Angst, Bomben haben das Lachen der Kinder übertönt.“
Wie Millionen andere Menschen mussten auch sie fliehen. All das stehe im Gegensatz zu dem, was die Kinderrechtskonvention besage, dass jedes Kind das Recht auf Schutz vor Krieg und Gewalt habe. Und warum dann? Daher sei für sie das Wichtigste um zu Gerechtigkeit auf der Welt zu kommen, dass es nie wieder irgendwo Krieg geben dürfe.
„Gerechtigkeit gibt es nicht!“ Mit diesem ersten Satz in ihrer Rede verblüffte Vesna Tegeltija aus dem Gymnasium am Laaerberg (Wien-Favoriten, 10. Bezirk) zunächst. Sie, die Gerechtigkeit, sei wie Schwarze Löcher – unbekannt und unerreicht. Auf Deutsch und Serbisch kam sie eben auf die Realität, die Ungleichheiten zu sprechen.
Und das obwohl die Menschen zu 99% in ihrer DNA gleich sind, doch dieses kleine eine Prozent und das in den Vordergrundstellen der unterschiede führe zu Ungleichheiten, Ungerechtigkeiten bis hin zu Unterdrückung, Folter und Mord. „Alle Tiere sind gleich, manche aber gleicher“ nahm sie Bezug auf George Orwells „Farm der Tiere“.
Ihre neben Deutsch verwendete Sprache Serbisch, die sie in diesem Zusammenhang jugoslawisch nannte, nutzte sie um das Wort Drushdo zu erläutern. Das habe zwei Bedeutungen – Gesellschaft im Sinne einer sozialen Gemeinschaft und zweitens Freunde bzw. Freundesgruppe; also Freundschaft statt Feindschaft.
Sie und ihre Rede wurde von den Juror:innen mit Platz 2 des Wiener Speech-Masters-Tages belohnt.
Wird fortgesetzt mit weiteren Beiträgen über die Wiener Speech-Masters-Reden.
Ein Vogel aus bunten Papieren collagiert immer auf einem braunen Karton führt durch dieses Bilderbuch über Gefühle. Der Bogen spannt sich sozusagen von himmelhoch jauchzend bis tief betrübt: Mutig, niedergeschlagen, neugierig und schüchtern fliegt, flattert oder versteckt sich der Vogel – auf der einen oder anderen Doppelseite begleitet von Artgenossen.
Die jeweiligen Eigenschaftswörter sind noch um dazu passende Sätze ergänzt. Beispielsweise „Wie funktioniert das?“ und „Erzähl mir mehr davon“ bei neugierig / interessiert / wissbegierig. Oder „Entschuldigung, es tut mir leid.“ Und „das ist mir peinlich“ bei beschämt / schuldbewusst / zerknirscht.
Das „bunt“ schlägt sich auch im Titel nieder: „In mir drin ist’s bunt“ – ausgedacht, geschrieben und illustriert von Theresa Bodner, das es schon vor ein paar Jahren gab, ist nun neu erschienen: Erweitert um vier Sprachen: Arabisch, Englisch, Türkisch und Bosnisch / Kroatisch / Serbisch / Montenegrinisch: ‚iinah mulawan fi dakhili / All the colurs inside me / İçimdeki Dünya Rengarenk.
Bei den Adjektiven klappt das Zusammenfassen der vier eng verwandten Sprachen, oft auch als BKS bezeichnet, bei den Sätzen nicht immer, was übrigens gleich für den Buchtitel gilt.
Aber gerade über Gefühle zu reden ist für schon sehr junge Kinder ganz wichtig, da sind die vier zusätzlichen Sprachen neben Deutsch in diesem Bilderbuch ein wunderbares Werkzeug besonders in Kindergärten. Da wäre es vielleicht nur nicht unspannend gewesen die arabische Schrift durch lateinische Lautschrift zu ergänzen – oder auf der Homepage des Verlags bzw. über QR-Codes überhaupt diese Sprachen von Original-Sprachler:innen einsprechen zu lassen und als Audio-Dateien zum Anhören anzubieten
Vor einer großen gelben kreisrunden Scheibe strahlt ein Kind übers ganze Gesicht, aber deutlich mindestens genauso aus vollem Herzen. „Guten Morgen, schöner Tag!“ ist zwar schon vor zwei Jahren als Papp-Bilderbuch erschienen, nun aber gibt es diese (Bilder-)Geschichte um den fröhlichen Tag, nicht zuletzt den Beginn desselben eines Kindes – auf dem Weg in den Kindegarten, dortselbst und zurück zu Hause bis zum Schlafengehen – in einer mehrsprachigen Version – als Hardcover- sowie als Papp-Bilderbuch. (Link zur Besprechung des Buches unten am Ende dieses Beitrages.)
Noch gibt es hierzulande nicht viele, aber doch ein paar Bilderbücher in mehrsprachigen Ausgaben – auch größerer Verlage. Kleine darauf spezialisierte produzieren schon lange (Bilder-)Bücher in vielen verschiedenen, oft auch mehrsprachigen Ausgaben. Eines der ersten in einem bekannten Verlag war Mira Lobes und Susi Weigels wohl bekanntestes Werk: „Das kleine Ich bin ich“ (Jungbrunnen Verlag) – schon vor 13 Jahren mit Ausklapp-Flappe neben dem Original auf Deutsch noch auf Kroatisch, Serbisch (in kyrillischer Schrift), Türkisch (2011), mit Arabisch und Farsi (2016) sowie mit Ukrainischer Übersetzung (Mai 2022).
Im Vorjahr brachte der Tyrolia Verlag Linda Wolfsgrubers „wir“, in dem sie anhand von gezeichneten Gesichtern unterschiedlichste Gefühle portraitierte, in einer überarbeiteten, vielsprachigen Ausgabe heraus. Nun ist die Hymne an einen schönen Tag neben Deutsch auf Türkisch, Bosnisch / Kroatisch /Montenegrinisch /Serbisch (in lateinischer, nicht kyrillischer) Schrift, sowie auf Arabisch erschienen. Diese vier Sprachen finden sich unter den Bildern auf weißem Hintergrund. Wobei das Arabische in dem Fall dem Verlauf der anderen Sprachen folgt/ folgen muss. (Eigentlich müsste da ja das Buch von der anderen Seite her gelesen/geblättert werden.)
Die spontane Anregung – wie schon bei den Sprachen in anderen Schriften bei „wir“ – wäre natürlich: zur arabischen Schrift noch die lateinische Umschrift dazu zu stellen – oder via QR-Code zu einem Audio-File zum Anhören zu führen. Aber da sei die Antwort auf die damalige entsprechende Anregung von Verlagsseite aus dem entsprechenden Beitrag – ebenfalls unten verlinkt – zitiert: „Das Buch soll aber ja auch anregen, Leute zu suchen, die diese Sprachen können und es dann vorsagen.“
Jelena (Zorica Simić) und Marko (Aleksandar Kostić) haben eine Affäre – miteinander, obwohl sie in der ersten Szene von Zvezdana Prašina / Sternenstaub in einer Art Tanzcafé so tun, als würden sie sich erst einander näher kommen. Doch schon nach wenigen Minuten dreht sich ihr Dialog darum, ob sie’s endlich ihren jeweiligen Partner:innen – Ivan (Veselin Rafailović) bzw. Kaća (Aleksandra Miladinov) – beichten/verklickern. Denn immerhin wollen sie nun offen zueinander stehen und miteinander leben.
Kommt vor. Sozusagen in den besten Familien. Und ist – in der Regel – kompliziert. Aber in Zvezdana Prašina (zu Deutsch: Sternenstaub), einer fast surrealistischen Beziehungskomödie von Dušan Kovačević ist alles ein bisschen auch skurril.
So scheint Ivan gar nicht zu checken, was ihm Jelena da mitteilt. Und Kaća ist mehr beleidigt darüber, dass Marko den zubereiteten wilden Fisch nicht mag. Eben auseinandergelebt, einander nicht mehr wirklich was zu Sagen – auch wenn viele Worte fallen. Drei Mal spielte das Jugendtheater & die Schauspielakademie Stanislavski dieses Stück kürzlich im Wiener Atelier Theater – auf BKS (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch; die Regisseurin, Marina Đorđević, lieferte dem Schreiber dieser Zeilen eine deutsche Übersetzung). Diese Stadt hat eben mehr als English Theatre 😉 Erst kürzlich berichtete Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… über Aufführungen eines Stücks sowohl in deutscher als auch in polnischer Sprache „Hier liegt der Hund begraben“/ „Tu leży pies pogrzebany“ im Theater Spielraum.
Noch schräger ist das Ende, wenn das neue Paar schon nach kurzer Zeit der nunmehr ausgelebten Beziehung überdrüssig ist und – ja, genau. Aber um die genauen Konstellationen – inklusive da eine Tante (Larisa Černe) und dort ein Patenonkel (Dorian Bakos-Dodek) geht es ohnehin weniger. Die Komödie dreht sich um eingefahrene Beziehungsmuster und wie diese – von außen – stets völlig daneben wirken, längst zum Scheitern verurteilt. Die darin Steckenden aber – naja, nicht immer alle wahrhaben wollen.
Die sich daraus ergebende Komik spielten die Genannten, die fast allesamt von ganz anderen Jobs leben (müssen), Theater aber als Leidenschaft leben (wollen). Zu ihnen gesellten sich noch Danijel Živković, der im Café den Kellner im Hintergrund mit einem besonderen Schmäh – Sie können die Aschenbecher ruhig stehlen, damit machen Sie nur Werbung für unser Hotel – gibt, Nikola Prerad als Straßenmusiker (Akkordeon), der „natürlich“ auch die bekannte „Stardust“ (Sternenstaub)-melodie spielt, die dem Stück den Namen gab – oder umgekehrt 😉 – sowie Marija Gajić, eine Frau, die auch Jelena heißt und ebenfalls nach einem, ihrem, Ivan sucht. Wenngleich an jenem Abend, die kijuku.at besuchte, ein wenig die Spielfreude abzugehen schien, wie sie im Vorjahr im Vogelweidpark bei einem anderen Stück – „Die kahle Sängerin“ von Eugène Ionesco auf BKS – Ćelava pevačica – beim Birdie15-Festival zu erleben war.
So manche der Lacher, die laut schallend aus dem Publikum kommen, dürften im Übrigen nicht nur im Spiel- und Wortwitz ihren Grund haben, sondern aus dem Erkennen gespiegelter eigener Erfahrungen.
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