Spannend dynamisch gebautes Stück der Reaktionen von Dorfbwohner:innen auf eine „Neue“, eine Jugendliche, die in die verlassene Busstation einzieht; nach Graz nun kurz in Wien, dann wieder Graz; und andere „Kri“-Inszenierung in Salzburg.
Acht schwarz gekleidete Menschen verschiedenen Alters stellen sich auf verschiedene Stufen einer hölzernen mobilen Tribüne und beginnen als Chor Laute zu singen, noch lange keinen Text. Das kommt erst viel später.
Im selben Rot wie die Tribüne ist eine Konstruktion aus waag- und senkrechten Stangen gestrichen – Kanten und Umrisse einer Busstation (Ausstattung: Milena Czernovsky, Caroline Haberl), wie aus dem Ankündigungstext zum Stück, das eben auf der Bühne beginnt, geschlossen werden kann und darf. Schemenhaft im Dunkel sind Umrisse einer weiteren Akteurin wahrzunehmen. „Kri“, so der Name der Titelheldin – und des Stücks – zieht in das Wartehäuschen ein. Das steht schon lange leer, der Bus hat längst keine Station mehr hier.
Und dennoch beginnen so manche der Bewohner:innen des nahegelegenen Dorfes zu rumoren. Ja, derf die denn des? Wer is’n des? Die ersten „wagen“ sich auch an den Ort des neuen Geschehens. „Wem gheast denn du?“, „Woher kummst denn?“, „Was machst’n da?“…
Zwischen Ablehnung der unbekannten Person, noch dazu zunächst ausschließlich aus der Ferne und ersten Annäherungsversuchen pendelt gut das erste Viertel des Stücks, das von Dialogen gekennzeichnet ist wie sie aus dem echten Leben des Unverständnisses Erwachsener für Verhaltensweisen Jugendlicher stammen (könnten). Und eines „Achtung, Fremde!“ als zweite Ebene.
Nach und nach macht sich die eine oder der andere aus dem Dorf – die Chorsänger:innen schlüpfen in unterschiedliche Rollen und archetypische Charaktere – auf zum einst verlassenen, nun neu bezogenen, Wartehäuschen. Die einen feindselig: Des is unser Platz, da hängen wir ab! Andere vorsichtig annähernd, wohlwollend fürsorglich. Dritte irgendwo und irgendwie dazwischen, eine vierte, Buslenkerin, die sich angeblich verfahren hat, ziemlich lost.
Wie auch immer Manuela Cortolezis, Michaela Czernovsky, Stefan Egger, Emma Glauninger, Dietmar Hirzberger, Balasz Illyes, Martina Koller-Maier und Markus Teufelberger dem Mädchen in der Busstation auf ihre unterschiedlichen, ziemlich authentisch wirkenden Arten begegnen, Kri (Michaela Neuhold) lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Fest davon überzeugt, ihren Weg der Suche nach einem Leben frei von unlogischen, einengenden Zwängen gehen zu wollen und nun eben hier Station zu machen, macht sie – vor allem durch Gegenfragen – ihre Gegenüber mitunter sprachlos, lässt selbst wütende Reaktionen verpuffen…
Viele der sehr abwechslungsreichen Szenen sind – trotz der Tiefe und Ernsthaftigkeit – immer wieder von Wort- und Spielwitz gekennzeichnet, womit die Botschaften noch viel direkter ins Gemüt gehen.
Auch unter der Dorfbewohner:innen teilen sich nun die Meinungen, und als alle ihren dringenden Wunsch, irgendwo dazu zu gehören, beginnen fast zu akzeptieren, aber nur, weil… – ach, nein die Rolle des gastauftretenden Co-Regisseurs David Valentek sei jetzt hier sicher nicht gespoilert …
Wie auch immer, Kri, die vielleicht so heißt, weil sie mit den „krah, krah, krah“-Krähen sprechen kann, sucht weiter ihren Weg nach Unabhängigkeit.
Stefan Wipplinger hat mit dem Stücktext im Vorjahr einen der Retzhofer Dramapreise für junges Publikum gewonnen – neben „Löwenschwestern“ von Fabienne Dür – KiJuKU berichtete, Link unten am Ende des Beitrages. Lohn für diese Preise ist jeweils die Umsetzung zu einem Bühnenstück. Die beiden Grazer Jugendtheater TaO! – Theater am Ortweinplatz und Next Liberty haben diese Dramatisierung und Inszenierung (Regie: Manfred Weissensteiner, Dramaturgie: Dagmar Stehring) vorgenommen, nun gastiert das Stück – leider nur eineinhalb Tage – im Dschungel Wien (MuseumsQuartier), im Mai ist es wieder in Graz, dieses Mal im Tao! nach einer ersten Spielserie im größeren Next Liberty zu erleben.
Und die Salzburger Festspiele zeigen eine eigene Inszenierung (Regie: Tanju Girişken) – im Sommer im Schauspielhaus der Landeshauptstadt auf der Studiobühne, aber schon von März bis Mai im Rahmen einer Schul-Tour durch das Bundesland in acht Städten und Orten – Infos und Links in der Info-Box am Ende des Beitrages.
Von Stefan Wipplinger*
Tao! Theater am Ortweinplatz + Next Liberty (beide Graz) in Kooperation mit dem Hessischen Landestheater Marburg (Deutschland)
Schauspiel; 12 – 16 Jahre; 1 ¼ Stunden
Regie: Manfred Weissensteiner
Co-Regie: David Valentek
Schauspiel
Kri: Michaela Neuhold
Dorfbewohner:innen – als Chor und in verschiedenen Rollen von Bus-Chauffeurin bis zu Jägerin: Manuela Cortolezis, Michaela Czernovsky, Stefan Egger, Emma Glauninger, Dietmar Hirzberger, Balasz Illyes, Martina Koller-Maier, Markus Teufelberger, David Valentek
Dramaturgie: Dagmar Stehring
Ausstattung: Milena Czernovsky, Caroline Haberl
Musikalische Leitung: Felix Klengel
Technik: Lorzen Meiler
Aufführungsrechte: Verlag der Autoren, Frankfurt am Main
4. März 2026
10.30 Uhr
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: 01 522 07 20-20
dschungelwien –> kri
19. bis 22. und 28. Mai 2026
TaO! – Theater am Ortweinplatz
8010 Graz, Ortweinplatz 1
Telefon: 0316 846 094
tao-graz –> kri
Regie: Tanju Girişken
Schauspiel
Kri: Tanja Radovanović
Alle anderen Figuren in wechselnden Rollen: Marie Luise Arnold, Amadeus König, Camilla Krause
Bühne und Kostüme: Lisa Chiara Kohler
Musik: Hans Könnecke
Dramaturgie: Maria Leitgab
23., 25. Juli 2026
6., 8., 21. August 2026
Schauspielhaus Salzburg, Studio: 5022, Stadt Salzburg, Erzabt-Klotz-Straße 22
Telefon: 0662 8045 0
salzburgerfestspiele –> kri
Sowie Aufführungen quer durchs Bundesland Salzburg – „Von Abtenau bis Zell am See“ im Rahmen von „jung & jede*r in der Schule“
19. März bis 7. Mai 2026
salzburgerfestspiele –> jung-jeder-in-der-schule
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