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Szenenfoto aus ""Who can sim swim!"
Szenenfoto aus ""Who can sim swim!"
13.07.2021

Schwimmend oder ertrinkend nach den Sternen greifen?

Multimediale Peformance „Who can swim, swim!“ mit mehreren Ebenen im Werk X Petersplatz.

Wer sich Erfolg nur lang genug einredet, der hat ihn. Oder glaubt jedenfalls daran, solchen zu haben. Zumindest an die eigenen Phrasen. Das ist Teil des Spiels in der rund 5/4-stündigen Performance „who can swim, swim!“, einer Stückentwicklung von „kochen.mit.wasser“ in Kooperation mit Werk X Petersplatz. Wobei sich der Abend um weit mehr dreht.

Aber zunächst eine Auslöschung: Der erste optische Eindruck auf der Bühne löst im Rezensenten spontan zwangsläufig eine Frage aus, die sich im Laufe des Abends immer wieder dazwischen drängt – mit einem „aha, eh kloar“: Ist die Farbe des Sofas bewusst gewählt? Und sie kann – für künftige Besucher:innen – aufgrund eines Gesprächs mit dem Regisseur nach der Premiere – verneint werden. „Wir hatten wenig Geld für die Produktion und auf will.haben zufällig dieses türkise Sofa gefunden.“

Die neurolinguistische (Selbst-)-Programmierung in jenen Passagen beim Karriere-Coaching „stammen teilweise 1:1 aus NLP-YouTube-Videos“, gesteht Peter Pertusini im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … „Daneben haben wir die Hexen-Szene aus Macbeth (William Shakespeare) gelegt.“

Ansonsten entstand sehr viel im Team mit den beiden Schauspielerinnen Katrin Grumeth und Carina Werthmüller. Immer wieder bei den Improvisations-Proben dabei war der Musiker Andreas Dauböck, der oft und gern mit dem Aktionstheater Ensemble arbeitet. Passend zu Szenen und Motiven komponierte er – wie er nach der Premiere erzählt – Nummern, die er teils auf einem fast 100 Jahre alten Tasteninstrument, einer Art liegendem Akkordeon ohne Blasebalg, teils auch mit einem Geigenbogen auf der E-Gitarre spielt.

Die beiden Schauspielerinnen steigen mehrmals aus der gespielten Geschichte rund um Karriere, Kälte und mangelnde Solidarität aus. Teils reflektieren sie im Spiel dann die Situation als Künstlerinnen insbesondere in der durch die Pandemie ausgelösten Krise (nicht) nur für die Kultur.

Und relativieren diese noch einmal durch einen universellen Blick – von der Klimakatastrophe samt Verplastikung der Weltmeere bis zur Kleinwunzigkeit unseres Planeten angesichts der Unendlichkeit des Weltalls. Sowohl die Klimafrage als auch die universelle wird durch eine weitere, spannend gestaltete Ebene verhandelt: Kleine Live-Videos der beiden Schauspielerinnen mit eingeblendeten riesigen Panorama-Videos von Claudia Virginia Dimoiu – von meereswellen bis zu Galaxien mit dem Höhepunkt einer zwischen den Publikumsreihen auf dem Boden der Stufen aufwärts wandernden projizierten Sonne (der unseres Sonnensystems).

Ist dieser universelle/globale Blick der Rettungsring, um auch auf jene zu achten, die nicht schwimmen können?

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

who can swim, swim!

Eine Stückentwicklung von kochen.mit.wasser in Kooperation mit Werk X Petersplatz

Inszenierung: Peter Pertusini
Mit: Katrin Grumeth, Carina Werthmüller
Komposition/Live-Musik: Andreas Dauböck
Bühne/Video/Live-Visuals: Claudia Virginia Dimoiu

Technik: Ines Wessely und Anna Bauer

Dramaturgische Beratung: Kathrin Bieligk
Produktionsleitung, Regieassistenz: Katharina Höltermann

Wann & wo?

Bis 17. Juli 2021
Werk X Petersplatz: 1010, Petersplatz 1

Telefoni: 01 962 61 10-15
reservierung@werk-x.at

werk-x.at -> who-can-swim-swim

Szenenfoto aus "Lust"
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Viva la Vulva!